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Wie kommunizieren wir

Welche Rolle spielt »Dominanz«?

Interessante Anmerkungen konnte man hören, von dem YouTuber »TechLead« in seinem Beitrag »You need to shut up and listen to me« (Englisch).

Er beschäftigt sich zwar in erster Linie mit Situationen, die in Firmen vorzufinden sind, also »Teamsitzungen«, Mitarbeitergespräche. Aber seine Aussagen sind problemlos auf alle Arten von Gesprächssituationen übertragbar und somit auch auf die gesellschaftliche Kommunikationskultur allgemein.

Wer sich jetzt dieses Video anschaut, sollte sich nicht davon abschrecken lassen, wie »TechLead« das Video beginnt, nämlich etwas ruppig und »frech« wirkend. – Aber er will nur darauf aufmerksam machen, auf welches Thema er sich in seinem Beitrag bezieht.

Es geht um die Art und Weise, wie wir Menschen Gespräche führen. Und er bezieht sich auf seine Erfahrungen, die er in Software-Unternehmen gesammelt hat, in denen er arbeitete.

Er sagt, dass er immer wieder erlebt, dass bei Teamsitzungen einige Leute das ganze Treffen dominieren. – Drei, vier Leute nehmen den Großteil der Sitzungszeit für sich in Anspruch und füllen den Zeitrahmen mit ihren Beiträgen, während die Mehrheit der Teilnehmer kaum oder gar nicht zu Wort kommt.

Diesen Umstand, dass es solche Leute gibt und das dieses Verhalten möglich ist, kritisiert er vehement. – Er führt an, dass diejenigen, die nicht zu Wort kommen, nicht zu »scheu« sind, wie man ihnen vielleicht unterstellen könnte. Sie sind womöglich höflich, und lassen die dominanten Personen, die den meisten Raum einnehmen, wirken. Aber wenn sie zu Wort kommen, könnten sie genauso sich zu den Themen äußern, die in der Teamsitzung besprochen werden, wie alle anderen auch.

Weiterhin kritisiert TechLead, wie mit Fragestellungen umgegangen wird. Viele Fragen werden einfach »beantwortet«, »abgehakt« und schnell für erledigt erklärt. – Irgendeine banale Antwort gibt es immer auf eine Fragestellung, und damit verschwinden viele Fragestellungen aus dem Blickwinkel der gemeinsamen Arbeit. Aber das sei nicht richtig. – Statt auf Fragestellungen eine schnelle Antwort zu haben, sollten Fragestellungen stehenbleiben, ausgehalten werden, um ihnen ein langfristiges Daseinsrecht einzuräumen, um den perspektivischen Aspekt einer Fragestellung wirksam zu lassen.

Er macht den Vorschlag, um auch diejenigen, die in einem Gespräch kaum zu Wort kamen, ins Spiel zu bringen, dass der Team- oder Gesprächsleiter, oder auch Teilnehmende selbst, vor dem Wechsel zu einem neuen Thema, noch einmal in die Runde fragen, »Ist das Thema abschließend besprochen. Oder möchte noch jemand einen Punkt ansprechen, der noch nicht erwähnt wurde?« – Dies gäbe den ruhigeren Personen in der Gesprächsrunde noch einmal die Gelegenheit, sich mit ihren Überlegungen in das Gespräch einzubringen.

Insgesamt hat mir der Beitrag von TechLead gut gefallen. – Insbesondere die »dominierenden« Personen in Gesprächsgruppen und Zusammenkünften sind wirklich ein Problem. Ja, man kann sagen, sie sind in allen Lebenszusammenhängen zu finden, diese Spezies »Mensch«.

Was steckt dahinter?

Solange wir die Lebenswelt der Menschen als einen »Kampfplatz« wahrnehmen, als eine Auseinandersetzung, bei der derjenige überlebt, der der Stärkere ist, dann steckt hinter dem »dominanten« Menschen ein Wesen, dass sich »gegen andere« behaupten will, um sich selbst durchzusetzen, um das eigene Leben und das der Angehörigen durchzusetzen, gegenüber dem Leben der anderen. – Es ist eine »achaische« Perspektive.

Dieser Mensch sagt, »Ich zuerst«. – Um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen, muss er aber in allen möglichen Lebenssituationen diesen Anspruch »deutlich machen«. Er muss ständig allen anderen Lebewesen sagten: »Nicht ihr, sondern ich habe zuerst das Lebensrecht.«

Das ist natürlich auch ein sehr anstrengendes Leben. – Wir sehen es an den Tieren, deren Beziehungsleben hierarchisch geordnet ist. Wer ist der Anführer? Ständig müssen sich die physisch stärksten Tiere gegeneinander messen, um das Vorrecht, sich fortpflanzen zu dürfen oder das Rudel, die Herde anführen zu können.

Ähnlich verhalten sich auch heute noch viele »Männer«. – Auch sie meinen, »ich zuerst«, und sie müssen das ständig in Zusammenkünften und Begegnungen anderen Teilnehmern unter die Nase reiben. Und dieses Verhalten kann natürlich am Arbeitsplatz eine Rolle spielen. So gibt es Mitarbeiter, die ihr Privatleben »fast nahtlos« auf ihren Arbeitsplatz übertragen, das heißt, in einem an sich neutralen Bereich, ihre Geschmäcker, Witze, Vorlieben ausbreiten wollen, völlig rücksichtslos, die Interessen der übrigen Mitarbeiter ignorierend. Besonders ätzend ist das in Büros, die keine Möglichkeit bieten, sich solchen aufdringlichen Zeitgenossen zu entziehen.

Der »dominante« Kollege ist ständig dabei, anderen die Wichtigkeit seiner eigenen Lebenswelt nahezulegen, damit diese »Verständnis« für sein dominantes und raumgreifendes Verhalten haben. Ständig muss er sein Privatleben mitteilen, was die Kinder erleben, was sie brauchen, was das kostet, wer Geburtstag hat, was die Angehörigen erleben und warum »gerade er« ein angemessen hohes Einkommen braucht. – Das trichtert er seinen Kollegen ein, damit die begreifen, dass an seiner Dominanz nicht zu rütteln ist, muss er doch den Erhalt seiner Gruppe, seines Clans, seines Rudels gewährleisten und kann leider dabei keinerlei Rücksicht darauf nehmen, dass andere Menschen ebenfalls ihren Raum und ihre Rechte brauchen.

So kommt die »Dominanz« mancher Zeitgenossen nicht zufällig daher. – Sie hat, wie in der Tierwelt, die Aufgabe, den anderen Lebewesen zu signalisieren, dass da jemand ein »Existenzvorrecht« für sich reklamiert und die Person verlangt, ausgesprochen oder unausgesprochen, dass sich die anderen Lebewesen diesem Verlangen unterordnen.

Nun könnte man sagen, das Vorrecht der Männer ist ja heute nicht mehr so der Punkt. – Die klassische Familie, um die sich der Mann kümmern muss, hat nicht mehr die Bedeutung, wie noch vor einigen Jahrzehnten.

Dass das Dominanzgebaren aber weiterhin eine Rolle spielt, hat ja TechLead in seinem Videobeitrag nachdrücklich in Erinnnerung gebracht. – Um was geht es dann, heute, wenn Leute sich so verhalten?

Es geht um Einkommen, das immer noch ungerecht verteilt ist. – Es gibt immer noch Leute, Männer, die meinen, wenn sie sich in einer Firma, in einer Organisation wie die »Made im Speck« platzieren, können sie ordentlich »absahnen«, viel Geld für sich einstreichen oder ideale, bequeme Pöstchen sich besorgen, um ein fast sorgenfreies Leben zu leben.

Es gibt also auch heute noch, immer wieder Anlässe, um sich »dominant« zu verhalten, um das eigene Vorrecht herauszustreichen, irgend etwas zu erhalten, irgend einen Vorteil für sich zu reklamieren.

Dann kommt noch die psychologische Ebene hinzu.

An der Stelle ist ein Kritikpunkt an TechLeads Beitrag anzumerken. Und zu seinen Gunsten ist zu sagen, er spricht aus Sicht eines Unternehmens, was für ein Unternehmen von Vorteil ist. – Er sagt in seinem Video, ein Teamleiter oder die Gesprächsführung könnte den Ruhigeren in der Gesprächsrunde Raum verschaffen, damit diese zu Wort kommen. Zum Beispiel, indem diese Personen gezielt angesprochen werden, um sie nach ihrer Meinung zu fragen. – Das sieht aus, wie eine »Hebammensituation«. Man muss helfen., damit etwas ins Leben kommt.

Diese Idee ist vielleicht aus Unternehmenssicht richtig, weil das Unternehmen davon profitiert, auch die Meinungen und Ansichten, Überlegungen der ruhigen Mitarbeiter zu erfahren, damit Produkte und Dienstleistungen effizient und umfänglich von dieser Firma angeboten werden.

Aber diese Situation kann man nicht übertragen, etwa auf »bürgerschaftliches Engagement«.

Menschen, die häufiger in Gruppensituationen sind, kennen das vielleicht. – Es gab eine Gesprächsrunde und hinterher sagen welche, ich kam gar nicht zu Wort, der oder die haben ständig geredet und ließen niemanden anderes zu Wort kommen. Wenn das jetzt der Gesprächsleiter erfährt, meint er womöglich, ich steuere das Gespräch das nächste Mal stärker. Ich bremse die »Vielredner«, indem ich sie unterbreche. Ich spreche gezielt diejenigen in der Runde an, die kaum zu Wort kommen.

Das ist ja auch der Vorschlag von TechLead. – Dazu passt folgende Anekdote:

Eine Person erlebt über viele Jahre einen Gesprächskreis. Es ist nicht einfach, zu Wort zu kommen. Viele andere in der Runde, bringen ständig ihre Überlegungen ein. Es ist kaum eine Gelegenheit zu finden, selbst etwas zu sagen. – Andererseits haben die Gesprächsrunden ein Thema, einen Grund, warum sie überhaupt stattfinden. Über die Zeit kann sich die Person ein Wissen, eine Kompetenz zum Thema erarbeiten. Eben nicht nur in den Gesprächsrunden, sondern darüber hinaus zu recherchieren, Texte zu studieren, Erkenntnisse zu gewinnen. – Diese zunehmende Kompetenz drückt sich in den Gesprächsrunden so aus, dass die Person schnell erkennt, wenn von anderen Teilnehmern die Sachverhalte unzureichend dargestellt werden. Es ist also angebracht, Aussagen zu korrigieren und auf die tatsächlichen Verhältnisse hinzuweisen.

Der Drang der vormals »ruhigen« Person wird größer, in einen Gesprächsverlauf einzugreifen, gemäß seines Erkenntnisstandes! Das Unbehagen nimmt zu, nicht korrekte Aussagen und unzureichende Perspektiven stehen zu lassen und der Wunsch greift Raum, das Dargestellte mit den eigenen Erkenntnissen zu ergänzen. – Die vormals ruhige Person in Gruppenzusammenhängen, wird lebendiger, je umfangreicher die eigene sachliche Kompetenz wird.

Was ist jetzt der Unterschied zur Firma?

Das hat mit dem Thema »Bedingungsloses Grundeinkommen« zu tun. – In der Firma hocken viele, weil sie ihre »Existenzsicherung« brauchen und nicht, weil sie »innerlich« motiviert sind, dem Firmeneigentümer zu helfen, bei dessen Aktivitäten. – Auch wer eine sachliche Kompetenz besitzt, und deshalb in einem Unternehmen angestellt wurde, kann denken, wann ist endlich der Arbeitstag zu Ende, ich haben privat noch so viel zu erledigen, was viel wichtiger ist, oder mindestens genauso wichtig ist, wie die Firmenaufgaben.

Das heißt, viele »kompetente« Leute haben gar kein Interesse, sich in der Firma einzubringen. Sie hocken dort nur deshalb, weil sie eine Existenzsicherung brauchen. Und in der heutigen Arbeitsgesellschaft hat man halt über diese Weise, seine Arbeitskraft zu verkaufen, seine Existenzsicherung. – Aber das hat eben nichts mit der eigenen persönlichen Orientierung zu tun.

Ganz anders ist es hingegen, wenn die Teilnahme an Versammlungen »intrinsisch« motiviert ist.

Wenn ich aus persönlichen Gründen an den Begegnungen mit anderen Menschen interessiert bin, habe ich eine ganz andere Grundlage, um »Motivation« zu entwickeln. Es geht um »meine« Anliegen. – Während die Firmenanliegen nicht zwangsläufig meine Anliegen sind. – Das wird sich allerdings noch ändern, wenn wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen haben. Dann können die Menschen persönliche Anliegen und Arbeitszusammenhänge verbinden. Und dann hat die Motivation im Arbeitskontext, nochmal einen anderen Wert.

Natürlich gibt es in privaten Gesprächszusammenhängen auch Menschen, die diesen Erkenntnisfortschritt nicht oder nur unzureichend für sich erarbeiten, aber trotzdem empfinden, dass andere Menschen sich zu viel Raum nehmen, in Gruppengesprächen. – Der Punkt ist aber, dass alle beteiligten Personen es wollen müssen, »sich selbst« einzubringen. Es geht nicht, dass wir jemanden zur Selbstverwirklichung »hintragen«.

Was damit gemeint ist, wird am deutlichsten in NGO’s, Projekten, Aktionen und Kampagnen. – Niemand kann dort mitwirken, ohne aus sich heraus die entsprechende Lebendigkeit mitzubringen. – Die Motivation kann graduell unterschiedlich sein. Wer in einem Projekt mitwirken will, weiß nicht, welche andere Personen dort aktiv sind. Versteht man sich überhaupt, welche Ziele werden mit welchen Methoden angestrebt. Es gibt also noch viele Fragen und das Interesse kann am Anfang noch verhalten sein. – Wenn man sich aber in einem Projekt wohlfühlt, die anderen Personen als »nett« empfindet, dann kann eine Zusammenarbeit zunehmend interessanter werden und die Motivation in dem Projekt mitzuwirken, entwickelt sich in dem Maße, indem das eigene Potenzial mit den Gruppenanliegen gut kombinierbar ist.

Ein weiterer Punkt, der ebenfalls nicht von TechLead genauer beleuchtet wurde, ist »die eigene Arbeit« betreffend. – Wenn TechLead von Firmen-Workshops und Teamsitzungen spricht, dann ist die Firma doch für viele Mitarbeiter »jemand anderes«. – Dieser »Jemand« kann der Firmeneigentümer sein, oder noch abstrakter, die Aktienbesitzer oder Anteilseigner, denen über diesen Besitz das Unternehmen gehört. – Wieso soll ich als Mitarbeiter ein Interesse haben, diesen Leuten einen finanziellen Vorteil zu verschaffen? Das ist doch unrealistisch.

Auch die Aussage, dass man doch als Mitarbeiter über den Lohn oder Bonuszahlungen profitiert, ist in der heutigen Zeit nicht mehr interessant. Menschen verlieren »schlagartig« ihren Arbeitsplatz, nichts ist mehr sicher. – Warum soll jemand, in solchen Zeiten, die wenig vertrauenswürdig sind, sich »geistig« verausgaben, um anderen einen Vorteil zu verschaffen?

Somit ist die beste Motivation ein »Eigeninteresse«. – Das demonstrieren ja die »dominanten« Personen in unserer Gesellschaft.

Aber ist dieses Verhalten nicht »asozial«?

Eine Firma, ein Unternehmen verhält sich nicht »sozial«. – Zumindest nach den Aussagen der Wirtschaftsökonomen, würde der gemeine Unternehmer »aus Eigeninteresse« sein Unternehmen gründen und führen. – Er will »Profit« machen und reich werden.

Anders wäre es in der »Planwirtschaft«. – Diese wird von »sich sorgenden und kümmernden Menschen« ins Leben gerufen, weil die physische Versorgung aller Bürger innerhalb einer Gemeinschaft mit existenzsichernden Gütern gewährleistet werden muss. – Wären denn die Kolchoseleiter und Kombinatsoberen weniger interessiert, ihre Arbeit gut zu machen, als die profit-orientierten Unternehmer? – Das wäre zu untersuchen.

Womöglich liegt es daran, dass die »dominanten« Personen die Menschen versorgen und sich um sie kümmern, die ihnen »nahe« stehen. – Also Familienangehörige, Clanmitglieder.

Während »die Gesellschaft«, die Menschen in einem Staat, eher eine abstrakte Größe darstellen. – Sich um die Menschen in einem Staat zu kümmern, verlangt eine andere innere Haltung, als sich um Menschen zu kümmern, die zur eigenen Familie gerechnet werden.

Derjenige, der sich um »alle Menschen« kümmern will, weltweit, in einer Gesellschaft, müsste genauso motiviert sein, wie der »dominante« Teilnehmer im Gesprächskreis, der sich ausschließlich um seine privaten Angelegenheiten sorgt.

Wir leben heute in einer Übergangsphase. Manche leben immer noch in »klassischen« Familienzusammenhängen, aber viele andere haben sich davon gelöst und verfolgen darüber hinausgehende Interessen. – Es wird in Zukunft mehr Menschen geben, die sich »um alle« Menschen kümmern wollen und die mit Nachdruck dieses Anliegen verfolgen und im Auge behalten. – Hinzukommt, dass dieses Anliegen, sich um alle Menschen kümmern zu wollen, heute viel eher zu realisieren ist, mittels der Computertechnik und dem Internet, als es noch vor Jahrzehnten möglich war.

Wie ist der »dominante« Teilnehmer in Gesprächskreisen, privat, in NGO’s oder in Firmenzusammenhängen nun einzuschätzen. – Ist er ein Problem?

Wir sollten erst einmal auf uns selbst schauen. Wie verhalte ich mich selbst. Wie würde ich mich selbst einordnen? – Ist meine Teilnahme am Leben verhalten und zurückhaltend, dann wird es Gründe geben. Habe ich den Wunsch daran etwas zu verändern? – Dann werde ich Wege suchen, dies zu erreichen.

Wenn die eigene Kompetenz stark ist und der eigene Erkenntnisstand hoch, dann schiebt das von sich aus, das eigene Aktivsein an! – Und es konkurriert automatisch mit dem Verhalten von omnipräsenten Gesprächsteilnehmern.

Und wenn bei den überpräsenten Gesprächsteilnehmern der inhaltliche Vorteil für die anderen Mitwirkenden oder für die Firma »gegen Null« geht, würden rein kommunikations-technisch, Vorkehrungen getroffen, um solches Verhalten einzudämmen.

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Sind Blogs tot?

Überhaupt nicht.

Wenn damit gemeint ist, Texte zu schreiben und diese zu veröffentlichen.

Der Blog ist so ähnlich wie ein Nebengleis im Streckennetz der Bahn. Ich will nicht sagen, ein Abstellgleis. Obwohl. Wenn man auf so manchen Blog schaut, dann sind da schon die Spinnweben.

Jetzt fand ich einen Link zu einem Blog und »Au Backe«, der letzte Beitrag auf dem Blog war von August 2015. Hat der Schreiber einen neuen Blog und nur den alten gelassen, als Referenz?

Wer weiß.

Aber es ist wahr. Wer nur einen Blog hat, und sonst nichts, wie soll diese Person eine Leserschaft finden? – Immer mal wieder auf das Abstellgleis schauen, ob sich da etwas tut?

Nein, so funktioniert das Internet nicht.

Wer nur einen Blog hat, dessen Texte schimmeln so vor sich hin?

Vieles im Internet, was nach »Kommunikation« ausschaut, entpuppt sich als Sackgasse, Einbahnstraße, Missverständnis. Obwohl das Internet eine »zweite Öffentlichkeit« darstellt, haben wir Menschen uns noch nicht daran gewöhnt, diese zu nutzen und dabei zu zufriedenstellenden Ergebnissen zu kommen.

Da wären die »Foren«, Internetforen. – Typisch für sie ist, das anonyme Auftreten der Beteiligten. Moderatoren, Administratoren und User haben alle Fantasienamen. Die Beteiligten »leben« in einer abgeschlossenen Welt, die durch eine Forensoftware repräsentiert wird. – Wer ins Impressum schaut, wird ernüchtert. – Nicht selten ist irgendeine »GmbH« der Eigentümer des Forums. – Und der Teilnehmer hatte jahrelang gedacht, ein freundlicher Mensch stünde dahinter?

Wer in der Forenwelt herumzickt, eckt schnell an und wird verwarnt, von den Moderatoren, oder aus dem Forum ausgeschlossen, wenn zu häufig die hauseigenen »Regeln« missachtet werden, nach Meinung der Eigentümer. – Foren sind somit Willkürorte. Aber viele Internetnutzer wollen das lange Zeit nicht wahrhaben. – Können sie doch in den Foren, zumindest dem Gefühl nach, die Außenwelt dort ein bisschen widerspiegeln. Und verborgen hinter der »Maske« der Anonymität und einem Phantasienamen, kann jeder sein Verhalten ausprobieren.

Ähnlich beengt und bevormundet geht es in den Kommentarspalten der Online-Zeitungen zu. Ja, man kann sich dort anmelden, aber ein Moderator überwacht die Kommentare und wehe, der User hat die »Regeln« der Zeitung missachtet. – Dann wird der Beitrag nicht veröffentlicht.

Wem das häufiger passiert, dem vergeht die Lust am Kommentare schreiben. – Auch als User in den Kommentarbereichen der Zeitungen, erscheint der Teilnehmer anonym. – Er gibt sich einen Phantasienamen.

Wer jetzt endlich sagen will, was wirklich gedacht wird, kann aber auch auf einem eigenen Blog weiterhin »anonym« bleiben. Es gibt keine Vorschrift, einen Blog mit Realnamen zu betreiben. – Aber mal ehrlich, wer interessiert sich für Blogs und dann auch noch für solche, wo der Autor anonym bleiben will?

Kann man Verständnis für Personen aufbringen, die anonym Blogbeiträge abfassen? – Ja, wenn die Person sonst von den staatlichen Behörden verfolgt und angegriffen würde. – Aber ist das heute in der Bundesrepublik Deutschland der Fall? – So richtig Verständnis aufbringen, für Blogs, die in Deutschland anonym abgefasst sind, fällt doch schwer.

Das sieht dann eher so aus, als ob jemand mal so richtig »die Sau raus lassen« will, verbal und textuell, ohne dafür geradestehen zu wollen.

Was für die Blogs fehlt, ist ein Themenmarktplatz, der interessant daher kommt, so, dass Blogbetreiber Lust bekommen, dort aktiv zu sein, und nach anderen Autoren, mit denselben Themen, Ausschau zu halten, für Diskussion und Meinungsaustausch. – Ein solcher »Marktplatz« ist mir nicht bekannt.

»Wordpress« bietet dem Blogger den »Reader«. – Im Reader lassen sich über die Suchfunktion einige Seiten finden, die zu ähnlichen Themen Beiträge auf WordPress-Blogs veröffentlichen. – Allerdings ist die ganze Atmosphäre nicht »öffentlich« genug.

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Beiträge im Internet, sollen »öffentlich« sein, und als solche auch wirken.

Bloggen funktioniert also nicht?

Doch. Nur halt nicht so. – Es kommt natürlich auch auf die Themen an. Wer ganz exotische Interessen hat, wird vielleicht nur wenige Personen finden, die sich die Mitteilungen ansehen wollen.

Tatsächlich ist der Blog aber ein »Beipack«.

Was heißt das?

Der Blogger muss heutzutage in den Sozialen Netzen aktiv sein! Facebook, Twitter, Google+ und alle anderen.

Je nach Interessenslage, kann sich jeder Blogger auf eines der Netzwerke spezialisieren. – In den Sozialen Netzwerken werden keine tiefschürfenden Mitteilungen gemacht. – Es geht vielmehr um den schnellen, prägnanten Beitrag zu aktuellen Sachverhalten. – Und das muss nicht immer Politik sein!

Auch wer sein Spezialgebiet hat, Umweltschutz, Genderfragen, Gesundheit, kann mit seinem Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und Einschätzungen hilfreich die schnell wechselnden Diskussionen bereichern. – Das zeigt aber auch, was die Fähigkeiten des Bloggers sein müssen. – Er muss kompetent sein, in seinen Themen. Er muss zeigen, dass Klärung und Erkenntnis von Zusammenhängen sein Anliegen ist. – Der Blogger muss für die anderen Menschen nützlich sein, eine Hilfe. – Er muss eine Bereicherung sein, mit seiner speziellen Perspektive auf die Dinge. Die nur so, von ihm geleistet wird.

Das zeichnet den Blogger aus, der in den Sozialen Netzwerken aktiv ist. – Denn in den Sozialen Netzwerken kann der Blogger dann eine Diskussion zu einem Sachverhalt bereichern, indem er auf einen Artikel auf seinem Blog verweist, der zu einem Thema eine etwas ausführlichere Auseinandersetzung liefert, oder auf Einzelaspekte aufmerksam macht, die so noch nicht wahrgenommen wurden.

Der Blog ist ein Beipack zum Sozialen Netzwerk.

Da macht er Sinn. – Wer sehr aktiv ist, in den Sozialen Netzwerken, der kann ergänzend zu den Kurzbeiträgen auf Twitter, Facebook oder Google+, dann noch zusätzlich auf ausführlichere Beiträge auf seinem Blog verweisen.

Und genau so machen es ja auch bekannte, in der Öffentlichkeit stehende Blogger.

Aber ausschließlich und nur auf seinem Blog zu veröffentlichen, ist eher »tote Hose«. – Weil niemand immer wieder mal, auf so ein »Abstellgleis« schaut.

Der Blog muss sich also einfügen, in einen größeren Zusammenhang. Und da hat er seine Funktion.

Aber wie gesagt, auch ohne die Sozialen Netzwerke könnten die Blogs eine größere Lebendigkeit entfalten, wenn so etwas wie »kulturelle Blogmarktplätze« entstehen würden. – Und jeder Blog hat seinen eigenen »Marktstand«. Und alle oder manche schauen immer mal wieder vorbei, was sich »kulturell« so tut.

Verschiedene Dimensionen

Die wirkliche Welt ist wie zugemauert. Der Mensch hat kaum noch Betätigungsmöglichkeiten. Alles ist blockiert und gesperrt, durch Eigentumsrechte, Besitzansprüche, Verbotszonen.

Hingegen das Internet erscheint wie das Paradies. Zumindest ein Raum mit unendlicher Freiheit und Entfaltungsoptionen. Es gibt kaum etwas, was das Individuum dort nicht alleine erledigen könnte. Der Selbstverwirklichung ist so gut wie keine Grenze gesetzt.

So verlagert sich unser Leben immer mehr in das Internet. – Der öffentliche Raum ist nicht die Dorfstraße oder die Fußgängerzone, sondern die Datenautobahn und die sozialen Netzwerke und der Blog und die Homepage, YouTube und Twitter. Aber auch Bildung und Wissensvermittlung, beruflich tätig sein und professionelle Aktivitäten sind möglich. Und natürlich sich zu unterhalten, Spiele zu spielen, mit anderen zu kommunizieren, über Skype, Email und Co. Wir können Bücher schreiben oder lesen, einkaufen beim Online-Händler, über Karten den nächsten Urlaub planen und ihn dann auch gleich buchen, oder uns mit dem Smartphone im Auto zum nächsten Ausflugsziel navigieren lassen. – Das Internet und die Computertechnik ist die eierlegende Wollmilchsau schlechthin. – Dagegen ist die physische Welt lahm und bedrückend.

Wer ohne Internet lebt, ist auf die alten Orientierungen angewiesen. Zeitung, Radio und Fernsehen. Besuch beim Nachbarn. In die Kirche gehen. Ein Papierbuch lesen. Neuigkeiten mündlich weitererzählen. Mit dem Bus in die Stadt fahren, um die Bibliothek aufzusuchen, um etwas nachzuschlagen. Zur Bank laufen, um den Überweisungsbeleg in den Briefkasten zu werfen und die Kontoauszüge ausdrucken zu lassen. Beim Arzt anrufen, um einen Untersuchungstermin zu vereinbaren.

Es braucht Jahre, aber die Veränderungen kommen. Wer nicht will, wer das Internetzeitalter meidet, der lebt halt anders. Es braucht noch einige Zeit. Aber die Gesellschaften werden sich so verändern, dass die nächsten Generationen ganz selbstverständlich in diese neue Welt eintauchen werden. Und das Entscheidende dabei ist, wir Menschen erhalten dadurch mehr Möglichkeiten. Deshalb werden wir es nutzen.

Rundfunkbeitrag

Stefan Padberg schreibt in einem Artikel in den »Sozialimpulse«, Juni 2016, dass die Zeiten für »Radio und Fernsehen« heute vorbei sind. Das bestimmende Medium ist stattdessen das »Internet«. – Wenn überhaupt, dann sind die Rundfunkanstalten nur noch bedingt wichtig:

Die Öffentlich-Rechtlichen haben in dieser neuen Medienlandschaft nur noch eine Berechtigung: Informationen aus dem staatlichen und politischen Bereich liefern und aufbereiten.

Der Sektor »Unterhaltung« in Radio und Fernsehen ist heute »zwangsfinanziert«. Das ist eine Farce für einen Rechtsstaat. Dass die Gerichte keinen Grund sehen, diese Praxis zu verbieten oder einzuschränken, zeigt, wie »heruntergekommen« diese Gesellschaft bereits ist.

Es müsste eigentlich für jeden Menschen ersichtlich sein, dass der Wetterbericht, die Staumeldungen, die Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder und erst recht nicht der »Krimi am Abend« mittels Zwangsabgaben produziert sein kann.

Es ist eine Frage der Zeit, bis endlich die Politiker, Richter, »Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens« und natürlich die gesamte Bürgerschaft, sich gegen diese Praxis aussprechen. – Auch bietet dieses Thema eine gute Gelegenheit für »den Souverän«, sein politisches Engagement wiederzugewinnen und gestalterisch die Gesellschaft mitzubestimmen.

Soziale Netzwerke – politische Arbeit – Medien

Fritz Lloyd Wetzel ist auch bei Facebook. „Ich hätte dort gern mehr Politisches und weniger Urlaubsbilder“, sagt er. Genau das ist die Strategie des Unternehmens. Mit neuen Angeboten für klassische Medien will Facebook diese Entwicklung verstärken, zum Beispiel mit Instant Articles, einer Möglichkeit, Medienbeiträge direkt bei Facebook zu veröffentlichen und nicht nur zu verlinken.

Ein neues Lesen – 29.04.2016 – Markus Hesselmann

Interessant an dem ganzen Beitrag ist der Hinweis auf die zunehmende Bedeutung der Sozialen Netzwerke.

Im krassen Gegensatz dazu ist das Verhalten vieler »Normalbürger« zu sehen, die sich vom Internet fernhalten, mit teils leicht zu hinterfragenden Behauptungen über den »Datenschutz«.

Natürlich ist das Internet »Öffentlichkeit«. – Wer dort aktiv ist, gibt »Daten« preis, statt sie zu »schützen«. Wer irgendetwas, oder sich selbst geheimhalten will, wählt diesen »Öffentlichen Raum« erst gar nicht aus, oder mag sich zurückziehen in die »Foren«, mit ihren überwiegend anonymen Teilnehmern.

Das Internet ist somit ideal für Menschen, die sich den Interessen der Allgemeinheit verpflichtet fühlen. – Die »Allgemeinheit« hat das natürliche Verhalten an sich, ihre Anliegen öffentlich zu machen. Während diejenigen, die zum Schaden der Allgemeinheit sich verhalten (Korruption, Steuerhinterziehung, Bestechung, Lobby-Interessen), sich gerne im Verborgenen bewegen.

Das Internet bedeutet, den »physischen öffentlichen Raum« durch einen virtuellen zu ergänzen, und in vielen Einzelfällen sogar abzulösen. – Zentraler Bestandteil des Internet ist der Umstand, »sichtbar« zu sein. Wer sich im Internet bewegen will, ohne sichtbar zu sein, »schwingt nicht mit«, mit der Wahrheit, die in dieser neuen Welt enthalten ist.

Im »virtuellen öffentlichen Raum« erledigen wir unsere Geschäfte nicht mehr »zu Fuß«. Wir können unsere Angelegenheiten schneller umsetzen, als noch vor Jahren. Wir können mittels des Internet schneller und einfacher mit anderen Menschen bei bestimmten Arbeiten »kooperieren«.

Gerade »politische Arbeit«, also gesellschaftliche Gestaltung, wird mittels des Internet und der vorhandenen Software enorm vereinfacht. – Das Problem hierbei ist heutzutage nicht mehr die fehlende Software, sondern das Fehlen der Menschen, die einsehen, welches Potential im Internet liegt, um gesellschaftspolitisch zu gestalten.

Nicht nur Medienfirmen, auch freie Journalisten können mitmachen und sich unter dem Facebook-Dach unter Umgehung von Redaktionen selbst zur Marke entwickeln. Aus dem post-industriellen wird ein neu-industrieller Journalismus, mit Facebook als multinationalem Medienkonzern.

Was der Autor nicht erwähnt, ist der Umstand, dass alle »Bezahlmedien« Eigentümer im Hintergrund haben. – Welche Interessen verfolgen diese? – Wenn er selbst für eine Zeitung arbeitet, hat er einen Chef, und den Eigentümer vor sich, der ihn bezahlt und ganz bestimmte, »tendenziöse« Artikel will. – Das muss er ja noch nicht mal direkt gesagt bekommen. Lob und Tadel bringen ihn in eine bestimmte Richtung, oder er wird entlassen. – Insofern wirkt die Kritik an den großen Internet-Medienkonzernen scheinheilig.

Die einzige Nachricht, die wirklich wertvoll ist, ist die des unabhängigen Schreibers, Bloggers, wenn sie denn seine persönliche Meinung, seine persönliche Erfahrung wiedergibt. – Alles andere sind »beauftragte« Texte.

Exklusive journalistische Expertise darf auch darauf hoffen, sich digital besser als Bezahlinhalt verkaufen oder hochpreisiger bewerben zu lassen.

Was soll »exklusive journalistische Expertise« sein, wenn die Bürger Nachrichten und Informationen nach ganz anderen Kriterien beurteilen, als der »Journalist«?

Für die Bürger ist es wichtig, zu sehen, ob sich eine Nachrichte der »Lügenpresse« zuordnen lässt. »Lügen« bedeutet, aktiv wissentlich die Unwahrheit sagen. – Selbst wenn wir annehmen, dass viele Reporter und Medienmitarbeiter »keine Ahnung« haben, was sie da eigentlich für Nachrichten verbreiten, also nicht aktiv »lügen«, so können wir doch davon ausgehen, dass in vielen Medienanstalten, die Unwahrheit gesagt und verbreitet wird. – Also haben wir »Unwahrheitsmedien«.

2% der Bevölkerung hat Aktien. Dennoch werden jeden Tag auf allen Kanälen die Aktienkurse verbreitet. So, als ob das für alle wichtig wäre, darüber Bescheid zu wissen. Oder geht es eher darum, Propaganda zu machen, für ein Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, dass gegenüber der Bevölkerung durchgedrückt werden soll? – Jeden Tage bekommen wir erzählt, dass wir »Wirtschaftswachstum« brauchen und »Investitionen«, um »mehr Arbeitsplätze« zu schaffen, damit die Leute ein Einkommen haben.

Ist das die Wahrheit?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir ein Bedingungsloses Grundeinkommen brauchen, damit jeder »unabhängig von den Wechselfällen in der Wirtschaft«, ein sicheres Einkommen hat?

Wer sagt die Wahrheit, wer lügt, oder sagt zumindest die »Unwahrheit«?

Warum sollten die Leute etwas »bezahlen« wollen, das »inhaltlich« den Ansprüchen nicht genügt, die die Bürgerinnen und Bürger haben?

Der nicht unberechtigte Verdacht steht im Raum, dass ein Großteil der Printmedien und die öffentlich-rechtlichen Medien sowieso, im Windschatten der Regierenden ihre Nachrichten verbreiten und den Staatsverwaltern mit ihren Beiträgen »zuarbeiten«, also »gegen die Bevölkerung« ihre Texte schreiben. – Warum sollten die Bürger auf die Idee kommen, so etwas auch noch zu bezahlen.

Ich selbst, fern solcher Prominenz, mache eine ähnliche Erfahrung, wenn ich auf einer meiner Social-Media-Seiten mal wieder richtigstelle, dass ein Lob für einen besonders gelungenen, von mir empfohlenen Beitrag nicht mir gebührt („Toller Text von Markus Hesselmann, danke!“), sondern dem Kollegen, der ihn tatsächlich geschrieben hat. Und stelle fest, dass ich für einige Freunde und Follower inzwischen als eine Art Medium wahrgenommen werde, auf dessen Auswahlkriterien man vertrauen kann, eine neue Art beruflicher Genugtuung.

Das ist ähnlich der paternalistischen Einstellung, die auch die Bundesregierung hat, wenn sie uns alle »integrieren« und »fördern« will. – Auch in der Medienauswahl sollen wir an die Hand genommen werden, um zu den »Qualitätsprodukten« hingeleitet zu werden. – Das passt nun wirklich nicht mehr in die heutige Zeit der »selbständigen Menschen«. 😀

Vereinsleben

Nach solchen Erlebnissen kommt die Erinnerung wieder hoch, warum damals die politische Arbeit gemieden wurde, das soziale Engagement nicht zustande kam.

Diese typisch deutsche Vereinsmeierei ist einfach nur grottig. Unglaublich langweilig und anmaßend gegenüber den Beteiligten. Eine Zeitverschwendung ohne gleichen.

Typischerweise hockt vorne »der Vorstand« und die Mitglieder können »Fragen stellen«. Im Vorstand sein heißt, Fachkompetenz besitzen, oder sie zumindest nach außen hin so darstellen.

Dass die ganze Angelegenheit fürchterlich langweilig ist, bemerken die Teilnehmenden an den immer wieder zu hörenden entschuldigenden Bemerkungen der Moderatoren, dass jetzt diese und dann jene Formalität zu erledigen sei, ein Verein verlangt nun mal nach solchen Regeln und Verfahrensweisen.

Und die gegenseitige Unterwürfigkeit bezüglich Kompetenz und Zuständigkeit kennt keine Grenzen. Wenn der eine vorne am Rednerpult etwas sagen will, bittet er gleich den nächsten »Fachmann« ihm doch ins Wort zu fallen, falls er etwas Falsches sage. – Gähn. Was für ein lahmes Getue.

Vielleicht kommt auch deshalb nichts Neues in Deutschland auf die Beine, gesellschaftliche Entwicklungen, notwendige Veränderungen, wenn überall solche müden Zusammenkünfte zelebriert werden.

Viel besser sind moderne, die Internetmedien nutzende Netzwerke aus selbstbewussten Einzelpersonen, in denen niemand den »Sachverständigen« heraushängen lassen muss, sondern alle am Erreichen der gemeinsamen Ziele mitwirken. – Dann können wir auch dieses wenig erbauliche deutsche Vereinsleben hinter uns lassen.

TOP1

Selber denken und handeln! 🙂
Zeiteffizient vorgehen.
Keine Hierarchien
Zielorientiert arbeiten.
Online Aktivismus

Ausgestaltung der Direkten Demokratie

Wichtig ist die Einzelperson, das Individuum. – Alle Meinungen, Urteile und Entscheidungen des Individuums gilt es zu achten. Andererseits ist zu bedenken, dass ein Mensch eben auch nur eine Stimme hat, wenn es darum geht, etwas für die Allgemeinheit zu entscheiden. – Das heißt, die Meinung des Einzelnen ist bedeutend und sollte zur Kenntnis genommen werden, sie ist aber nicht »das letzte Wort«. Auch andere haben eine Meinung. – Werden verschiedene Vorschläge zu einer Sache eingebracht, wird eine Vorauswahl durch Abstimmung getroffen, die dann in die »Endrunde« kommen. Der Vorschlag, der die meisten Stimmen bekommt, wird umgesetzt. Das heißt, auch wenn es nur eine Stimme mehr wäre. – Dabei wird davon ausgegangen, dass die Vorschläge eher ähnlich, vergleichbar und nicht in krassem Gegensatz sind. – Und die Menschenrechte begleiten immer alle direkt-demokratischen Entscheidungen.

Damit der Einzelne genügend umfänglich gewürdigt werden kann, mit seinen Überlegungen, ist eine Präsentation seiner Gedanken und Ideen unumgänglich. Und natürlich können auch Personen vollständig im Verborgenen leben, ohne Handy, Telefon, Internet und sie können behaupten, dennoch bei der Gestaltung der Allgemeinheit und des Gemeinwohls mitzuwirken, aber wenn die Direkte Demokratie eine »große Sache« werden soll und werden wird, dann präsentieren wir uns genauso, wie heute die Politiker es tun, über eigene Internetseiten, über Blogs, über soziale Netzwerke.

Um ein Beispiel zu nennen. Immer wieder werden neue Initiativen, Gruppen gegründet, die sich bestimmten Zielen, Aufgaben widmen wollen. Hier ist es sehr wichtig, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, wer denn da sich gemeldet hat, aufgetaucht ist, um bei diesen Unternehmungen dabei zu sein. – Wer wenig von sich erzählt, hat womöglich nicht die Zeit dazu. Aber die realen Begegnungen können dies sowieso nicht leisten, da hier die Zeit immer zu knapp ist. Zeit im Überfluss gibt es dagegen im Internet. [1] Die schriftliche Darstellung einer Person ist schneller zu überschauen, als sich durch die vielen kurzen mündlichen Mitteilungen hindurchzuarbeiten, die »live« von einer Person zu erleben sind. – Frühzeitig und über Jahre einen Eindruck über die eigene Denkweise zu vermitteln (die sich durchaus über die Zeit auch ändern kann), bietet eine gute Gelegenheit für andere, die Gedankenwelt desjenigen zu erkunden. – Klar können solche Seiten manipuliert sein. So, wie es auch bei den Wikipediaseiten versucht wird, die über Personen informieren. Aber wenn etwas gesagt wurde, geschrieben ist, dann gilt das erstmal. Und es hat eine andere Wirkung, als wenn jemand als völliger »Nobody«, ohne Hintergrund in Erscheinung tritt.

Würde dies nun als Aufgabe verstanden werden, so bedeutet es, dass Personen, die in der Öffentlichkeit für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl aktiv werden wollen (wer Lobbyist sein will, hat sowieso ein ganz anderes Wertesystem), sich darauf einrichten, in der Öffentlichkeit in gewisser Weise »zu leben«. Den eigenen Vorteil haben sie dadurch, dass sie selbst Teil der Allgemeinheit sind, für die sich eingesetzt wird. – Wer in einer Initiative sich einbringen will, sollte parallel dazu einen Blog betreiben, auf dem die eigenen Positionen in gewissem Umfang sich in der Entwicklung zeigen und verfestigt und verfeinert werden. – Es geht nicht darum, »mitzuschwimmen«, sondern wie alle anderen auch, »zentraler Baustein« der Unternehmung zu werden. – Alle sind unabdingbar und in vollem Umfang präsent. – Das geht aber nur, wenn der Einzelne eine eigene Meinung hat. Und die muss er konkretisieren.

[1]
Empfundene Wirklichkeit. – Das ist ein interessanter Aspekt. – Im Internet haben wir »Zeit im Überfluss«. In der realen Welt ist die Zeit extrem knapp. – Es sei denn, es wird die »reale Welt« ins Internet verfrachtet. Alberner geht es nicht. – Als Beispiel sind die »Sprachkonferenzen« bei den PIRATEN zu nennen. Mumble. Da werden alle Vorteile des Internets ausgehebelt. – Das ist so, als ob vor die Lokomotive ein Pferdegespann gesetzt wird, um die Lok samt Waggons zu ziehen.

Meinungsfreiheit

Im Grundgesetz steht:

Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Und in den Abmachungen der UNO finden wir.

Artikel 19 Menschenrechtserklärung
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Damit ist eigentlich alles gesagt. Wie kommt es aber, dass dennoch die Meinungsfreiheit »faktisch« eingeschränkt ist?

Um die Meinung äußern zu können, brauchen die Menschen Medien. Das einfachste Medium ist die Stimme. Jeder kann sich hinstellen und seine Meinung sagen. Aber da beginnen bereits die Schwierigkeiten. Stellt sich der Mensch in seiner Wohnung hin, und sagt seine Meinung, dann geht das nur, wenn er nicht dadurch Nachbarn belästigt (Lautstärke, Uhrzeit, ..). Und auf öffentlichen Plätzen kann man nicht einfach Menschen um sich versammeln und eine Rede halten. – Öffentliche Versammlungen müssen angemeldet werden. Wer Flugblätter verteilt, muss diese namentlich kennzeichnen, damit die Behörden wissen, wer für den Text verantwortlich ist.

Am Arbeitsplatz kann ein Mitarbeiter nur bedingt seine Meinung sagen. Geht er in Konfrontation mit seinen Chefs, so werden diese versuchen, den Mitarbeiter loszuwerden. Zum Beispiel wegen »geschäftsschädigenden Verhaltens«. – So ist festzustellen, dass es gar keinen öffentlichen Raum mehr gibt. Jeder »Raum« gehört irgendjemandem anderes. Dem Hauseigentümer gehört die Wohnung. In der Schule können die Schüler nicht sagen, was sie wollen. Hier hat die Schulleitung Hausrecht. Auf der Straße hat der Staat »Hausrecht«.

Und wie ist es im Internet? Hier könnte man meinen, sei die Meinungsfreiheit eher möglich. Auf einer Homepage kann jeder Bürger seine Meinung sagen. Oder? Natürlich nur im Rahmen der Gesetze. Und wer eine eigene Domain verwendet, kann Besuch bekommen von Menschen, die mit dem Autor »direkt« kommunizieren wollen. 🙂

So lässt der Mensch, der seine Meinung sagen will, seine Homepage hosten und meldet keine eigene Domain an. Aber auch da ist niemand davor geschützt, seine Meinungsplattform gekündigt zu bekommen, weil Regierungen den Provider und Hoster unter Druck setzen und so die Sperrung der Seite erwirken. – Mit anderen Worten, die Meinungsfreiheit ist theoretisch gegeben, in der Praxis bestehen allerdings viele Hürden.

Wie ist es auf Kommunikationsplattformen? Foren, Soziale Netzwerke. Hier spielt wieder die Eigentumsfrage eine große Rolle. »Foren« sind in der Regel von Privatpersonen erstellt worden, von Vereinen, aber auch von Firmen. Diese haben neben den gesetzlichen Regeln, die sie beachten müssen, eigene Regeln, nach denen sie die Beiträge anderer Personen beurteilen. Gefallen dem Foreneigentümer bestimmte Meinungen nicht, in »seinem« Forum, wird er sie zu verhindern wissen und die Verursacher aus »seinem« Forum verbannen.

In den Sozialen Netzwerken sind es auch wieder die »Eigentümer« der Netzwerke, die Regeln aufstellen und damit festlegen, was möglich ist und was nicht. – Im Usenet gibt es (selbsternannte) Meinungspolizisten, die ein bisschen für »Ordnung« sorgen.

Wie ist nun die Tendenz bei der Meinungsfreiheit?

Meinungsfreiheit ist am ehesten dann möglich, wenn das Medium, das die Meinung trägt, und der »Raum«, in dem Meinungsfreiheit stattfindet, nicht »fremder« Kontrolle unterliegt und der Mensch »Medium und Raum« unbeschränkt nutzen kann, um sich mitzuteilen.

Im Grunde bedeutet es, das Meinungsfreiheit überhaupt nicht existiert, sondern nur eine gegenseitige Duldung und Akzeptanz. – Wenn wir einander nicht dulden und akzeptieren, werden wir uns bekämpfen und verhindern.

Meinungsfreiheit ist mehr ein Anspruch, als das sie Wirklichkeit ist.

meinungsfrr-a

Print und Medien

perlentaucher–die-panik-der-anderen

Ina Hartwig hat einen langen Artikel geschrieben über die Frankfurter Rundschau, zu der sie 1998 kam und deren Niedergang sie miterlebte. Sie glaubt, dass die Printmedien noch nicht am Ende sind, und sogar durch eine Subventionierung durch den Staat erhalten werden könnten.

Als junger Mensch habe ich oft die Rundschau gekauft, gerade die Wochenend-Ausgabe und Frau Hartwig beschreibt auch in ihrem Bericht, dass diese Wochenend-Ausgabe einige »Perlen« parat hatte, die es zu begutachten lohnte. Da war das Feuilleton, die »Auto und Verkehr«-Seite, die Wissenschafts- und die Frauenseite, die Reiseseite. Es fanden sich auch immer wieder Artikel abseits des Üblichen und das Ganze war schon lesenswert.

Aber mal ehrlich, die Zeitungen konnten doch nicht die Wirklichkeit abbilden. In ihr waren mikroskopisch kleine Auszüge des menschlichen Lebens aufgezeichnet. Das Mitgeteilte war ein Teilbereich des Lebens. Nur dadurch, das bestimmte Leute in diesen Medien präsent waren, konnten deren arg begrenzte Wahrheiten wiederum eine größere Gruppe von Personen per Zeitungspapier erreichen. Aber was hat das für eine Bedeutung gegenüber der ganzen Fülle des Wissens und der Wahrheiten der Menschheit, aller Menschen? Es ist nahezu bedeutungslos. – Insofern bin ich heilfroh, dass diese Beschränktheit dieser Zeitungspapier-Welten durch die digitalen Medien eine Ersetzung erlebt hat und das man aufatmen kann, in einer freieren Welt, in der mehr mitzuteilen endlich möglich ist, als es diese Berufstätigen je zustande brachten. Durch das Internet wurde mit einem Schlag die Bedeutung dieser »durchs Nadelöhr der Drucker gepressten« Wahrheiten auf das Niveau zurechtgestutzt, welches man als »realistisch« bezeichnen könnte.

Und mir geht es keinesfalls darum, die Leistungen dieser Berufsgruppen zu schmälern, aber gerade auch an diesem Beispiel wird deutlich, wie sehr »Arbeit und Beruf« sich an den Erfordernissen der Menschheits-Aufgaben zu messen hat. Sobald sich bessere Möglichkeiten ergeben, die Dinge für den Menschen zu gestalten und zu erledigen, müssen sie ergriffen werden, wenn denn ein Gespür für diese Notwendigkeiten vorhanden ist. Erst jetzt, durch die Blogs, privaten Internetseiten, durch die Projekte unterschiedlichster Initiativen, ist es möglich, die »ganze Wahrheit« mitteilen zu können und es wird spürbar, wie sehr Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau, FAZ etc. eine »Notlösung« waren, und das ganze Ausmaß an »Bedarf« nach Information, Wissen, Bildung, Unterhaltung, Diskurs nicht mal ansatzweise haben abdecken können.

(Dieselbe Perspektive gilt übrigens auch in Hinblick auf die »öffentlichen Rundfunkanstalten«, die es bis heute kurioserweise geschafft haben in vollem Umfange trotz digitaler Medienkonkurrenz zu überleben. Dies war nur möglich, durch »Zwangsgebühren« (ehemals GEZ-Gebühren), die sie von der Bevölkerung kassieren. Dieses Unrecht endlich zu beenden, ist eine der großen Aufgaben, die die Bevölkerung »als nächsten Schritt« vor sich hat, in Richtung Basis-Demokratie, Direkte Demokratie.)

achgut–der-sprachlose-schwaetzer

Henryk M. Broder schreibt hier über ein Thema, das sicherlich von Bedeutung ist: Wem bietet das Internet die größeren Chancen, wer hat eher schlechte Karten, bei der Nutzung dieses Mediums, als Sprachrohr, »Mitteilungsmaschine«.

Die heute gewordene Demokratie ist doch keine »echte«. Wenn Demokratie bedeutet,
»Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen … ausgeübt.«, dann wird doch gerade dies durch die Praxis der Parlamentarischen Demokratie außer Kraft gesetzt. Durch tausenderlei Filterungen sind es zum Schluss nicht »die Bürger«, die über die Dinge ihres Lebens urteilen und entscheiden, sondern wieder mal nur ein Häufchen Menschen, die sich beim »Kampf um Macht« haben durchsetzen können und dann nicht »im Namen aller«, sondern über alle Köpfe hinweg gegen die Bevölkerung ihre (teils Unrechts-Gesetze) durch die Parlamente peitschen. – Wo ist da »Demokratie«, das Urteil und die Entscheidung des Einzelnen, gleichberechtigt nebeneinanderstehend?

Im Internet nun, in den Blogs, in den Sozialen Netzwerken passiert genau dies. Alle stehen gleichberechtigt mit ihren Urteilen und Entscheidungen zu den einzelnen Themen ihrer Betrachtung, nebeneinander. – Das muss eine schreckliche Vorstellung sein, für die Obermacker von anno dazumal. Aber die Entwicklungen in Richtung »moderne Gesellschaften« lassen sich nicht aufhalten.