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Bedrückung

Dasein geht nur durch andere. – Mit diesen in einem guten Verhältnis zu sein, ist wichtig. Jeder Streit sollte sich hernach in einer Versöhnung wieder auflösen. – Tut er das nicht, »sammelt« sich das Negative in der Seele. Und »frisst« an den Kräften und verdüstert den Tag.

In dem Buch »Meine Sprache wohnt woanders« schreibt Lea Fleischmann, dass die deutschen Kirchen mit keinem Wort auf die Synagogenbrände reagierten und sich nicht solidarisch mit den Juden erklärten. Am 8. und 9. November 1938. Und auch das deutsche Bürgertum schwieg zu diesen Vorgängen.

Das aber haben sich die Menschen gemerkt. Und auch deshalb sind heute die Kirchen leer. – Wer behauptet »Gottes Wort« zu vertreten, der darf sich nicht zurückhalten, wenn die Orte, in denen dieses Wort verkündet wird, zerstört werden. – Die Menschen sahen, dass das nicht glaubwürdig ist, was die Kirchenvertreter taten.

Aber dann ist nicht die Religion »ohne Botschaft«, es sind deren Verkünder, die mit leeren Händen dastehen.

Dasjenige, was in Organisation überführt wird, muss weiterhin von Leben erfüllt sein. Viele der heutigen und vergangenen Institutionen sind aber Betrügerclubs. – Die Lüge, die in ihnen lebendig ist, rührt daher, dass sie alle von egoistischen Interessen missbraucht werden. – Wer sich in Bildungsinstitutionen begibt, weil er weiß, dort ist er »versorgt«, der hat andere Interessen, als große Leistungen in Wissenschaft und Forschung zu erbringen. Viele, die in den Staatsdienst oder in die Verwaltung eintreten, haben das Pekuniäre im Visier. Und nicht den Anspruch, bestmöglich für die Bevölkerung zu wirken.

Auch die Kirche ist eine Organisation, die Vorteile bietet, demjenigen, der sich ihr anschließt. Wer berechnend ist, und da es immer schwer war, einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern, kommt das durchaus vor, der sieht seine persönlichen Vorteile als wichtiger, als irgendwelche hehren Ansprüche einer Gruppe oder Gemeinschaft.

Institutionen und Organisationen haben etwas Unehrliches an sich. – Sie sind eher Fassade, hinter der sich »weitere Interessen« ausbreiten, als es nach außen sichtbar ist. Nach außen werden die ursprünglichen Absichten, von Menschen einmal abgefasst, nur plakativ verbreitet und diese Anliegen mehr oder weniger lustlos vertreten. – Der Pfarrer bekommt von der Kirche ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Hat eine Haushälterin und bekommt von seiner Glaubensgemeinschaft noch dieses oder jenes zugesteckt. – Soll er jetzt »Gottes Wort« verteidigen und dieses bequeme Leben aufs Spiel setzen. – Es ist aber auch wahr, dass jeder der sich aus der Deckung wagt, mit allen Konsequenzen rechnen muss. – Die Nazis waren ja schnell dabei, diejenigen zu töten, die sich gegen sie stellten.

Dann muss auf lange Sicht überlegt werden. – Wie gestalten wir Gesellschaften, in denen diese Art von Bedrohung »dauerhaft verhindert« ist. In der Einleitung von Martin Luther Kings Buch »Where do we go from here: Chaos or Community« schreibt Vinzent Harding von den »3 Übeln«: Materialismus, Rassismus und Militarismus.

Alles Schlechte muss sich umsetzen können. Wenn wir es kennen, sollte es möglich sein, dieses in Zukunft zu verhindern. – Wer kann das tun? Alle Menschen, die sich in diese Richtung orientieren wollen. – Erfolgreiche Gewaltausübung muss unter der Kontrolle der Gerechten sein. Wer das ist, kann sich aus den Grund- und Menschenrechten ergeben. – Organisation für das Gerechte, ein gemeinsames Wissen darüber, das sind Grundlagen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung, bei der wir nicht immer wieder von den »Bösen« berichten, dass sie schon wieder unser Leben verdorben haben. – Der Anspruch in diese Richtung geschieht durch »Orientierung« in der Welt. Welche Dinge sind wichtig für die Lebensgestaltung, welche Schwerpunkte sind zu setzen. Wie ist vorzugehen.

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Konkurrenz und Neid

Jonathan Jay Pollard, Jahrgang 1954, sitzt jetzt seit bald 30 Jahren im Gefängnis, weil er Informationen ausspioniert und weitergegeben hat. Ausgerechnet von den USA wurde er dafür ins Gefängnis gesteckt, von dem Land, dass durch NSA und die Enthüllungen des Edward Joseph Snowden in dieser Hinsicht weltbekannt ist. – Ist es nicht besonders perfide, dass die Verantwortlichen trotz dieser Vergleichbarkeit der »Taten«, nicht schleunigst den Verurteilten freilassen?

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Pollard niemanden getötet, geschlagen und sonst wie misshandelt hat, er hat bloß Daten gesammelt und an andere übermittelt. Er hat also das gemacht, was tausende von Amerikaner, Engländer, Australier, Kanadier auch jeden Tag machen. So müssten doch all diese Menschen, die in Zusammenhang mit NSA entlarvt wurden, ebenfalls mindestens 30 Jahre ins Gefängnis gesteckt werden. – Und hatte man der Weltbevölkerung nicht bei der Snowden-Affäre erklärt, dass es »üblich und normal« sei, wenn Geheimdiensttätigkeiten überall stattfinden?

Nun wird hinter vorgehaltener Hand und teils offen darüber spekuliert, ob die hartnäckige Weigerung der amerikanischen Entscheider, Pollard freizulassen, nicht vielmehr Ausdruck eines Antisemitismus ist. Denn Pollard ist amerikanischer Jude und die gesammelten Informationen hatte er an Israel weitergegeben. Das war Anfang der 80er Jahre.

Diese Frage ist deshalb interessant, weil dabei zu den Quellen des Antisemitismus vorgedrungen wird. Es fällt auf, dass die Befürworter der weiteren Inhaftierung gerne öffentlich und namentlich zu ihrer Haltung stehen, unter anderem Bill Clinton. Und diese Inhaftierung muss durchaus als unmenschlich angesehen werden, da der Beschuldigte keinem Menschen physisch geschadet hat (auch wenn konstruiert wird, die von ihm weitergegebenen Informationen könnten anderen Spione gefährdet haben). – Dabei ist anzunehmen, dass die Befürworter der weiteren Inhaftierung Pollards sich sicher sind, in ihrer Haltung. Das passt aber gut zu dem Antisemiten, der ja auch gerne »triumphierend« seine Erkenntnisse und sein Wissen öffentlich macht, wenn er glaubt, in seinem ersten Urteil (Vorurteil) durch Ereignisse bestätigt zu werden.

Loyalität

Im Nationalstaat der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war in einem männerbündlerischen, völkischen Sinne Loyalität nur gegenüber der eigenen Gruppe möglich. Wer dies nicht leistete, war ein Verräter und Feind. Und schon immer war der Antisemit der Meinung, dass die Juden, egal wo sie wohnen, doch nur ihrem eigenen Volk sich verpflichtet fühlen. – Heute spielt diese Sicht kaum noch eine Rolle, weil die »völkischen, männerbündlerisch organisierten Nationalstaaten« am Verschwinden sind oder bereits in moderne, für alle Menschen, egal welcher Herkunft, geeignete »Lebensräume« sich umgewandelt haben oder dabei sind, sich umzuwandeln. In den 80er Jahren waren diese Vorstellungen aber bestimmt noch bei Einigen oder Vielen in den USA zu finden. Die Idee dieser »späten Nationalisten« ist, dass der Delinquent gegenüber seinem Wohn- und Geburtsland hätte loyal sein müssen und nicht gegenüber Israel. Und dem Antisemiten wird ein »Beweis« geliefert, dass seine ersten Urteile doch richtig sind, dass nämlich »der Jude« immer nur den Vorteil »seines Volkes« im Blick hat und nicht den Vorteil der Menschen seines »Wohnortes«, und er daraus berechtigt ist, besonders hart gegenüber dem Beschuldigten handeln zu dürfen. Das wäre dann die Ebene der Konkurrenz. Der Antisemit sieht in dem Juden einen Konkurrenten, der auf gleicher Ebene wie er, sich um Vorteile bemüht. Der »völkische, männerbündlerische Nationalist« sieht in dem Juden einen Konkurrenten, der dasselbe vorhat wie er, sich aber damit auf »fremden Boden« aufhält.

Wer aber nicht in der Dunstwolke des völkischen, männerbündlerischen Nationalstaates drinsteckt, kann vielleicht wahrnehmen, dass zum einen die Bedeutung solcher Staaten, wie schon eben bemerkt, rapide am Sinken ist, weil die Bevölkerungen immer stärker durchmischt sind, und ein Denken in Völkern eher hinderlich ist bei der Lebensbewältigung, und zum anderen, könnte die Einsicht möglich sein, dass ein Jude »für sein jüdisches Volk« sich einsetzen kann, ohne die Absicht zu haben, dabei den Nicht-Juden schaden zu wollen. Es kann ihm einfach darum gehen, sein Volk zu schützen und zu erhalten, ohne gegen Nicht-Juden feindselig zu sein.

Aber auch wenn so weit die Einsicht vorgedrungen ist, lauert eine neue »Wahrheit« für den Antisemiten. Denn jetzt überkommt ihn der Neid. Vorher war es das Konkurrenzgefühl und nun der Neid. Denn jetzt sieht er, dass im Land und bei den eigenen Leuten keine völkische Stimmung mehr aufrechterhalten werden kann, weil die Menschen für ein solches Denken nicht mehr zugänglich sind, das Leben sich über andere Bahnen gestaltet, und ihn überkommt eine Trauer vermischt mit Neid, dass es einem Volk doch gelingt, was allen anderen Völkern verloren zu gehen scheint. Und er wird aus einem Neidgefühl heraus sich feindselig zeigen.

Korrekterweise kann hinzugefügt werden, dass die Nationalstaats- und Volksidee sich in der Folklore und im Brauchtum erhält, und wer will, dies auch pflegen kann, und dass das jüdische Volk nicht ganz von den weltweiten Entwicklungen verschont ist. Auch in diesem passiert es, dass die Religion an Bedeutung verliert, verlieren kann, dass ein Säkularisierungsprozess stattfindet, dass das Festhalten an der Religion nicht unbedingt, sondern freiwillig ist.

Mit anderen Worten, die Dramatik, mit der viele Menschen ihren Alltag gestalteten, erweist sich heutzutage immer mehr als unangemessen und das künstliche Aufrechterhalten dieser Spannung ist langweiliger denn je (siehe hierzu zum Beispiel die Filme Iron Man 2, Pacific Rim oder The Amazing Spider-Man).

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Entwicklungen

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……….., mischt sich die Judenfeindschaft verwirrend mit einer entgegengesetzten Emotion: nämlich Bewunderung – vor allem für die jüdische Familienfreundlichkeit.

So ist das Hauptproblem der jüdischen Amerikaner heute überhaupt nicht Antisemitismus. Es ist vielmehr Assimilation: die starke Tendenz, Nichtjuden zu heiraten, die mangelnde Bereitschaft, sich gegenüber der Umwelt abzugrenzen, die Abwesenheit von Wissen oder wenigstens einer Ahnung, was Jude-Sein im 21. Jahrhundert im positiven Sinn bedeuten könnte.

Interessant.

Hexenjagd

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Warum wurde diese Veranstaltung durchgeführt? Nun, weil man den »Andersgläubigen« ans Zeug flicken will. Dass die Katholiken heutzutage noch ein solches Ansinnen vertreten, ist erstaunlich. Denn es könnte doch den Leuten egal sein, wer was denkt und glaubt.

Was steht im Grundgesetz:

Art 4 (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die »Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses … ist unverletzlich«. Und warum lassen die Katholiken die Anthroposophen nicht in Ruhe? Ausgerechnet eine Religionsgemeinschaft, die selbst durch vielfältigstes schlechtes Vorbild und Verhalten gut und gerne in der Versenkung verschwinden könnte, erdreistet sich über andere Religionsgemeinschaften zu lästern und diese anzugreifen.

Egal wie die Menschen »die Welt anschauen«, sie müssen es immer in Freiheit tun können. An dieser Stelle ist aber auch der Ansatzpunkt, um Glaubensgemeinschaften anzugreifen. Sind die Menschen in Freiheit in diesen Zusammenhängen, oder fühlen sie sich gezwungen? Manche Menschen wenden sich ab von ihrem bisherigen Glauben und sind plötzlich Gegner dieser Denkungsweise.

Allen Religionsgemeinschaften könnte vorgeworfen werden, dass sie die Kinder von früh an »gegen ihren Willen« in die religiöse Welt hineinziehen. Das betrifft ja nicht nur die Anthroposophen, sondern auch die Protestanten, Muslime, Juden und die Katholiken selbst. Wie soll es auch anders gehen, wenn die Eltern sich einer Weltanschauung verbunden fühlen, erleben die Kinder das im familiären Rahmen nun mal. Das kann man dann schlecht einer Religionsgemeinschaft vorwerfen.

Ein weiterer Hebel, um die »anderen« zu denunzieren und zu bedrohen, ist die behauptete Unwissenschaftlichkeit der Sichtweisen. Die anderen »Gläubigen«, Befürworter hängen falschen, unwahren, unrichtigen Vorstellungen von der Welt nach und würden damit ihre Kinder indoktrinieren. Das sagen aber diejenigen, die selbst mit Behauptungen von Wissenschaftlichkeit, Wahrheit und Redlichkeit ihr Geschäft machen und Menschen unter diese Knute zwingen wollen. – Es ist also ein Konkurrenzkampf zwischen den Heilspredigern. Man will unliebsame Konkurrenten loswerden.

Nochmal zum Ausgangspunkt, dem Grundgesetz. Bedeutet dieser Artikel 4 des Grundgesetzes nicht, dass wir alle denken können was wir wollen, und dafür auch öffentlich eintreten dürfen? Oder ist es verboten zu denken, die Erde sei eine Scheibe und der Mensch stamme nicht vom Affen ab?

Art 5
(1) jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ………. Eine Zensur findet nicht statt.

Und weiter.

Art 5
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf

Auf Wikipedia heißt es »Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen (siehe auch Mainstream) unterscheidet und oft im Konflikt mit ihnen steht.«

http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte

»In Konflikt« stehen diese Gruppierungen mit den Vorherrschenden dadurch, dass sie von diesen bedroht werden. Das ist alles. Und das diese Bedrohung nicht gerechtfertigt ist, zeigen die von mir zitierten Grundgesetz-Artikel. Unterstellt wird immer, die Menschen würden von den Ideen manipuliert und ihrer eigenen Entscheidungsfähigkeit beraubt.

Es ist aber unsere Aufgabe, fähig zu sein, zwischen Toleranz und Eingreifen, die Sachlagen und Situationen angemessen zu beurteilen.

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Samuel Salzborn:

Der Ausgangspunkt aller Diskussionen kann doch nur sein: Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten, die seit ihrer Gründung ununterbrochen angegriffen wird und sich gegen diese Angriffe verteidigt – wie jede andere Demokratie dies auch tut oder tun würde.

Mir wäre eine andere Argumentation lieber. Er spricht damit die Aufgabe der Solidarität an, die allen demokratischen Staaten in der Welt obliegt. Er sagt, ein Staat ist eine Demokratie, deshalb verdient er die Unterstützung der anderen Staaten. Das ist eher rational gesprochen. Wie die Menschen die Dinge gefühlsmäßig sehen, ist eine andere Sache.

Es gibt aber auch die Möglichkeit gefühlsmäßig die Position der Juden zu teilen: Sie haben einen geschichtlichen Bezug zu der Gegend, in der sie heute leben. Vielfach werden die Juden in der Welt verfolgt. Warum sollte man ihnen nicht einen eigenen Staat gönnen. Die Bedingungen der Entstehung des Staates sind unglücklich. Wenn man möchte, könnten die Menschen sich mit den Geschehnissen arrangieren, ohne das den Juden jetzt und den Palästinensern in Zukunft ein schlechtes Leben zuteil werden muss.

Es darf sich nicht wiederholen

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Das, was die Deutschen zu Zeiten ihres Diktators Hitler mit den Juden gemacht haben, darf sich niemals wiederholen. So lauten die Lehren aus den Vorkommnissen der Nazi-Zeit.

Wenn man dies bedenkt und ernst nimmt, stellt sich die Frage, wie man dem Anspruch gerecht wird.

Man muss die Vorgänge analysieren, Erkenntnisse gewinnen, Schlüsse ziehen, die Gesellschaften so gestalten, dass eine Wiederholung unmöglich wird.

Dabei wird der Umstand der Judenfeindlichkeit eher ängstlich diskutiert. Warum? Nun, man befürchtet, diese könnte sich als berechtigt herausstellen. Dass was die Nazis getan haben, war unrecht. Trotzdem muss man aber damit umgehen, wenn »ein Volk in einem Volk« leben will. Die dabei möglicherweise entstehenden Probleme müssen in einer menschenwürdigen Weise angegangen und behandelt werden. Die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wären dazu geeignet gewesen, diesen Alptraum, der ab 1933 dem deutschen Volk jegliche Würde nahm, noch zu verhindern. Aber es geschah nicht. Woran lag es?

Heute denken wir viel weniger nationalistisch, völkisch. Eine sich rasend schnell entwickelnde Durchmischung der Bevölkerungen findet statt. Auffallen tun eher die, die an »archaischen« Riten und Regeln festhalten wollen, um dadurch ihre speziellen Gruppenzugehörigkeiten stabilisieren und weiter pflegen zu können. – Eine bedeutende Idee der Menschen ist »Gleiches Recht für alle« und sie reagieren misstrauisch, wenn sich Gruppen Sonderrechte genehmigen wollen. Die Individualrechte müssen weiter Vorrang erhalten, das stärkt den Zusammenhalt unter den Menschen. Die Gruppenrechte gehören da problematisiert, wo sie die Individualrechte verletzen und in der Summe der Allgemeinheit (also allen Einzelpersonen, die nicht diesen speziellen Gruppen angehören) Nachteile bereiten. Dies müsste ausreichen, um »nicht gerechtfertigte« Gruppen-Vorteile, einzuschränken.

Die Israelkritik verkürzt die Auseinandersetzung mit der Frage: »Wie wollen wir gemeinsam leben, wie wollen wir mit Gruppen umgehen, die Sonderrechte für sich beanspruchen«, auf eine Antwort, die der »Lösung« der Nazis gleichkommt. Sie ist billig, nicht durchdacht, »einfach« und der Situation nicht angemessen. Augsteins Kritik führt in der Konsequenz wieder zu genau den Ergebnissen, die wir angeblich nicht mehr ermöglichen wollen. – Menschheitsgeschichte kann nur eine sein mit dem jüdischen Volk. Dazu muss man es kennen, kennenlernen, verstehen und die besonderen Umstände in den Umgang mit diesem Volk mit einfließen lassen. Alle Verhaltensweisen, die auf die Vertreibung oder Vernichtung dieses Volkes hinauslaufen (was soll sonst Israelkritik sein), sind diesem Volk gegenüber als »feindlich« einzuschätzen.

Nachtrag

Zu Der Nahost-Konflikt – eine Aufgabe für uns alle

So befinden wir uns heute in einer paradoxen Situation:

Der einfache Bürger in Deutschland solidarisiert sich mit den Moslems, weil sie als Nachbarn erkennbar neben einem wohnen [1], in der Nachbarwohnung, im Nachbarhaus, Eltern der Freunde des eigenen Kindes sind, man ihnen bei Kulturveranstaltungen, am Arbeitsplatz oder im Sportverein begegnet, und weil sie eine zahlenmäßig große Gruppe darstellen. Und wer will da nicht »volles«, nicht eingeschränktes Verständnis für deren Maximalforderungen zeigen.
Hinzukommt, dass die »jungen Männer« aus verschiedenen Gründen auch eher bereit sind (bereit waren), an ihren jeweiligen Wohnorten in der westlichen Welt, gegen die übrige Bevölkerung vorzugehen, was einschüchternd wirkt und die Menschen sich gedrängt fühlen, entgegenzukommen.

Ganz anders ist die Lebenslage der Berufspolitiker. Sind sie doch dauernd in der Öffentlichkeit und sie repräsentieren die ganze Gemeinschaft. So sind wir nicht nur aufgrund unserer geschichtlichen Verantwortung dem jüdischen Volk gegenüber verpflichtet und dieses zu zeigen ist Aufgabe unserer öffentlichen Vertretung. Somit ist zumindest der Anschein, die Politiker würden die Maximalforderung der Israelis vertreten, vielleicht in Fällen vorhanden.

Die Lösung kann aber nur Versöhnung sein, in dem man immer für beide Seiten Verständnis zeigt, und beide Seiten ermuntert, gemeinsam einen Weg zu finden. Und das ist in manchen Situationen eben nicht einfach, darauf zu verweisen, was ich mit den obigen Beispielen aufzeigen wollte.

[1] Die Juden sind eher nicht erkennbar, als Nachbarn, weil sie Angst haben, vor bestimmten Mitmenschen. Und weil sie im Vergleich zu den Kontrahenten eine kleine Gruppe darstellen.

Der Nahost-Konflikt – eine Aufgabe für uns alle

Nur noch selten wird überhaupt die Ausgangslage dieses Konflikts diskutiert und ausschließlich die letzten Aktionen der Streitparteien zum Ausgangspunkt von Einschätzungen genommen.

Wie jetzt auch in den Erklärungen der beiden Personen in dem Artikel des Tagesspiegel:

tagesspiegel–eine-frage-des-standpunkts-wer-hat-schuld-am-nahostkonflikt

Und sicherlich muss jeder Mensch für sich entscheiden, wie er zu diesem Konflikt steht. Dabei denke ich, kann man die Fakten zu Rate ziehen und dann sich einer Betrachtung nähern.

Die Juden sind Volk und Religionsgemeinschaft zugleich. Es sind nicht so viele Menschen, wie es zum Beispiel Angehörige bei anderen Religionsgemeinschaften gibt. Juden cirka 13 Millionen Menschen, Moslems cirka 1,6 Milliarden Menschen, Christen cirka 2,0 Milliarden Menschen.

Nach dem 2. Weltkrieg haben die Juden einen jüdischen Staat in Palästina gegründet. Ich kann die Entscheidungen in der Vergangenheit nicht mehr beeinflussen und beziehe mich deshalb auf einen Perspektive, die aus heutiger Sicht möglich ist. Sollten wir Menschen uns nicht als Weltgemeinschaft begreifen? Und zusammenhalten und einen Ausgleich unter uns suchen. Wenn Menschen heute irgendwo leben, so geschieht dies immer mehr unter Beobachtung und mit einem Urteil darüber von uns allen auf der Welt. Die Weltgemeinschaft hat doch auf alles in den verschiedenen Staaten mittlerweile einen Einfluss. Und in unserem Urteil sollten wir uns leiten lassen von den Menschenrechten. Auch geschieht Migration oft unter dem Aspekt der Not, aber der einzelne Mensch will zudem die Freiheit haben, überall dort leben zu können, wo er möchte. Kann man diesem Wunsch des Menschen ernsthaft widersprechen?

Man kann also Gründe finden, um die Juden dort wieder zu vertreiben, man kann aber weiterhin zu Einschätzungen kommen, zu überlegen, ob die Juden nicht dort wo sie bereits sind, in ihrem Staat Israel, ob sie nicht dort weiterhin leben können und die Menschen drumherum arrangieren sich im Guten mit den Juden. Sie sind doch von ihrem Wesen her gar nicht so fremd zu den Menschen in der Region. Sie sind religiös, sie sind für Beschneidung. Und was ich besonders für wichtig erachte, sie haben zu dieser Gegend eine jahrhundertelange (jahrtausendelange) Beziehung. Von dort sind sie als Volk in die Welt aufgebrochen.

Andererseits verstehe ich auch die Kränkung der Menschen, die glauben, sie seien berechtigt zu bestimmen, wer an dieser Stelle wohnen und leben darf. Und das sie es nicht hinnehmen wollen, dass sie ihre Vorstellung nicht durchsetzen können.

Wenn wir Menschenwesen aber heute unser Zusammenleben auf dem Planeten Erde wie in einer großen Familie sehen, und ich denke die Weltgemeinschaft muss genau diesen Blick entwickeln, dann besteht die Lösung in einem Kompromiss und von beiden Seiten angegangene Verständigung. Und die Weltgemeinschaft, die Nachbarstaaten, die Völker überall, sollten den Palästinensern und den Israelis dabei helfen und ihre Hilfe anbieten.

Antisemitismus – Wie damit umgehen

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Warum gibt es denn Antisemitismus überhaupt? Was ist seine Ursache?

Darauf hat der Soziologe Gunnar Heinsohn eine kluge Antwort gegeben. Er hat mehr als drei Dutzend unterschiedliche Theorien des Antisemitismus untersucht. Die überzeugendste war: Die Juden haben das Menschenopfer abgeschafft und damit die Religion um einen Riesenspaß ärmer gemacht. Das verzeiht man uns nicht.

Die israelische Historikerin Shulamit Volkov hat ein Buch über Walter Rathenau geschrieben. Und ganz am Schluß heißt es da als Fazit, Rathenaus Leben war das „eines Deutschen und eines Juden, der mit seiner zweifachen Identität kämpfte, aber darauf bestand, daß beides vereinbar war.“ Hat man als Jude immer und überall automatisch eine zweifache Identität?

Bei allem Respekt vor Frau Volkov: Das mit den zwei Identitäten ist dummes Soziologengeschwätz. Jeder Mensch hat mehrere Identitäten. Sie zum Beispiel sind Deutscher und Katholik und waren einmal Protestant. Das sind schon mal drei Identitäten. Alle Menschen haben mehrere Identitäten. Aber nur bei den Juden wird es zur Causa gemacht.

Broder weicht der Frage nach den Ursachen des Antisemitismus aus, veralbert das Thema oder wicht berechtigte Fragen als bedeutungslos einfach vom Tisch.

Können Nicht-Juden und Juden über dieses Thema diskutieren. Eher nicht. Denn es wäre unklar, was dabei herauskommt. Die unsichere Vorhersage des Gesprächsergebnis ist es, die ein Gespräch verhindert.

Der Antisemitismus weist darauf hin, dass die Umstände seiner Entstehung angesprochen werden müssten. Aber genau das wird in der öffentlichen Diskussion eher vermieden und man wundert sich dann wieder, dass der Antisemitismus zunimmt oder nicht signifikant abgenommen hat.

In einem anderen Beitrag auf achgut.com wird auf einen Zeitungsbericht verwiesen. In diesem steht:

Wenn in Schulen über Sexualität und Ehre gesprochen werde, würden die türkischen Jugendlichen häufig das Klassenzimmer verlassen, berichtet Balci. „Darüber kann man mit Schülern nicht reden. Die Frage der Ehre anzusprechen, kratzt an ihren Grundfesten. Es ist das Einzige, was ihre Identität ausmacht“.

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Ja so ist das. Man möchte über bestimmte Dinge einfach nicht sprechen.

Nakba-Ausstellung

Alan Posener schreibt in seinem Beitrag zu der Nakba-Ausstellung und dem Artikel von Fikentscher/Neumann in der Neuen Rheinischen Zeitung (NRZ), das es antisemitisch sei, das Verhalten der Israelis gegenüber den Palästinensern mit dem der Nazis zu vergleichen.


http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article110306703/Propaganda-in-den-Kirchen.html
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17906
http://www.lib-hilfe.de/fakten_ausstellung_termine.html
http://koeln-bonn.dgb.de/themen/++co++81797fce-b3d6-11e1-6402-00188b4dc422

Bei dem Vergleich in der NRZ geht es wohl um einen »Verhaltensvergleich«. Also wenn ich sage die Gruppe A »atmet« und verhält sich somit gleich der Gruppe B, dann ist der Vergleich bezogen auf das Verhalten in Bezug auf »atmen«. Ob diese beiden Gruppen noch weitere Bezugspunkte haben, geschichtlich gesehen, wäre zu beachten.
Vielleicht gibt es aber einfach nicht so viele Möglichkeiten, mit Gewalt gegen andere Menschen vorzugehen, sodass sich gewalttätiges Handeln ab einem bestimmten Punkt irgendwie auch ähnelt. Und da die Deutschen wissen, wie es die Nazis gemacht haben, vergleichen sie das mit dem, wie es heute die Israelis machen und stellen Ähnlichkeiten fest.

Die Kritikpunkte bezüglich der Ausstellungsgestaltung sind berechtigt. Posener fasst das zusammen, was in der »Erklärung zur »Nakba-Ausstellung« in Köln« formuliert wird:

Es fehle »jeder Hinweis auf die Verstrickung palästinensischer Führer mit dem Naziregime in Deutschland ». Ebenso wenig werde der »massive und lebensbedrohliche Antisemitismus in vielen arabischen Ländern« thematisiert, der nach 1948 »zu einer gewalttätigen Vertreibung Hunderttausender Juden aus ihren angestammten Heimatorten führte«. Eine »kritische Auseinandersetzung mit der Behandlung der palästinensischen Flüchtlinge durch die umliegenden Staaten« suche man ebenso vergeblich wie »Hinweise auf palästinensischen Terrorismus, arabische Vernichtungsdrohungen und iranische Endlösungsrhetorik.«

Ich war erstaunt unter den Unterstützern der Ausstellung Personen wie Alfred Grosser und Stéphane Hessel zu finden, die ich eigentlich schätze. Aber ich kann es auch verstehen. Denn das Thema Nah-Ost-Konflikt ist in hohem Maße emotional besetzt und nur mit Mühe rational zu handhaben.

Für mich ist wichtig zu sehen bei der Ausstellung, dass sie eine Aussage macht über die zukünftigen Absichten der Menschen. Das ist zentral. Beim Nah-Ost-Konflikt geht es doch um die Frage, wie lösen wir dieses Problem, und wie sieht der Weg zu dieser Lösung aus. Und in der Nakba-Ausstellung ist eine Antwort eingepackt. Wer diese Ausstellung unterstützt, hat eine bestimmte Lösung des Nah-Ost-Konflikts im Sinn. Das ist hier wesentlich. – Wer die Nakba-Ausstellung unterstützt, will keine Lösung im Sinne Israels.

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