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Wirtschaft und Privatleben

Es ist ohne weiteres möglich, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, in einer Traumwelt zu leben, sich den Reizen und Genüssen hinzugeben, sich privaten Aufgaben zu stellen, der Selbstpflege, Gesundheitsfürsorge und allgemein der Muße zugewandt zu sein.

Wer sich aber nicht seiner Umwelt widmet, geht das Risiko ein, zu Schaden zu kommen, durch Menschen, die ihren Egoismus nutzen, sich im Mittelpunkt sehen und zum Nachteil der Mitwelt agieren und den öffentlichen Raum verwenden.

Wenn der Bauer nur sich selbst und seine Angehörigen versorgt, oder der Handwerker für sein Umfeld die Dinge anfertigt, dann ist das eine »kleine Welt«, die überschaubar ist. Aber eine industrielle, maschinenmäßige Versorgung von Tausenden von Menschen, im Kontext eines Landes, verursacht eine Vielzahl von Effekten, Vorgängen und Interdependenzen, die miteinander in Wirkung stehen, sich gegenseitig beeinflussen und nicht unbeobachtet sein sollten.

Mit anderen Worten, wir können es uns nur in Grenzen erlauben, »weltabgewandt« zu leben, nur uns selbst die Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen auf die Gesellschaft schauen, was dort passiert, wir müssen das bewerten, unser Urteil finden, wie wir die Sachverhalte einschätzen und Entscheidungen treffen. Dazu brauchen wir Datenmaterial. Es darf nicht sein, dass Informationen zurückgehalten werden. Dafür müssen wir sorgen.

Wenn die Wirtschaft nicht mehr in »Klein-Klein« stattfindet, sondern in großen Zusammenhängen, dann können wir schauen, wie sich die Dinge entwickelt haben. – Wir Menschen versuchen, probieren aus, gehen in die Extreme, um dann das richtige Maß zu finden. Götz Werner sagt, Wirtschaft ist ein Füreinander-Leisten. [3] Dass jemand nur für sich produziert, gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen.

Wenn wir heute einen Großteil unserer Verbrauchsgüter in China produzieren lassen, dann deshalb, weil in diesem semi-diktatorischen Staat »ideale« Voraussetzungen vorzufinden sind, um Produktion durchzusetzen. Chinas Wirtschaft ist eine Mischung aus staatlicher Reglementierung und Laissez-faire – freies Unternehmertum. In der »Freien Welt«, in Europa und in den USA werden Designvorlagen erstellt, von freien Unternehmern, die mit ihren chinesischen oder vietnamesischen Vertragspartnern dann das endgültige Produkt absprechen und dann in diesen Befehls- und Kommandostaaten von Menschen, die in sklavenähnlichen Verhältnissen leben und in zwangsarbeits-ähnlichen Umständen tätig sind, die Güter herstellen lassen.

Die Versorgung der europäischen Bevölkerung geschieht zu einem großen Teil in einer Art und Weise, die wir entweder ignorieren oder die Verantwortung dafür auf andere abschieben. Aber auch die Produktionsverhältnisse bei uns haben sich seit Ludwig Erhards »Sozialer Marktwirtschaft« wieder zum Schlechteren entwickelt. Denn die Kommandowirtschaft, Planwirtschaft oder Bewirtschaftung bei den Nazis, ist als Wirtschaftsform scheinbar unumgänglich.

Der Wirtschaftsfachmann Ludwig Erhard [1],[4] hatte die Phase der Bewirtschaftung bei den Nationalsozialisten scheinbar ohne allzu viele »braune Flecken« auf seinem Revers überstanden und war in der »Stunde Null« nach dem Krieg derjenige, der den Alliierten, allen voran den Amerikanern zur Seite stand, um dem deutschen Volk die frohe Botschaft der »Freien Marktwirtschaft« verkünden zu können. Sicher wird er diese »Erkenntnisse« nicht nur aus sich selbst heraus gefunden haben, sondern mit tatkräftiger Unterstützung der USA, aber die Botschaften kommen doch recht flüssig aus dem Mund des Vertreters der späteren »Sozialen Marktwirtschaft«. Es darf aber nicht übersehen werden, dass die Freie Marktwirtschaft nicht »aus dem Stand« in Deutschland neu eingeführt wurde, sondern auf der Kommandowirtschaft des Dritten Reiches aufbauen konnte. Denn viele derjenigen, die bei Hitler für Produktion, Herstellung und Verteilung der Güter zuständig waren, sind nach Kriegsende noch anzutreffen gewesen, und konnte somit auf ihre Erfahrungen in der Nazizeit zurückgreifen, bei dem neuen Projekt genannt »Freie Marktwirtschaft«.

Das eigentlich Neue bei der Marktwirtschaft war, dass der Konsument und nicht der Verkäufer oder Hersteller im Mittelpunkt des Interesses sein sollte und alle Wirtschaftsteilnehmer schauen mussten, wie können sie preiswerte und gute Produkte in der von der Bevölkerung nachgefragten Menge herstellen. Im Gegensatz zur Planwirtschaft der Kommunisten und der Bewirtschaftung der Faschisten, sollten die Produktionsverhältnisse durch den »Freien Unternehmer« selbst hergestellt und verantwortet werden. Dazu wurde der Unternehmer mit Verantwortung und Risiko belastet, er sollte aber zur Entschädigung einen »Gewinn« einstreichen, der bei der Produktion und dem Verkauf anfällt. Dieser Gewinn konnte der Unternehmer alsdann zu einem Teil (abzüglich der Neu- und Erhaltungsinvestitionen) für seinen privaten Konsum verwenden und das war dann die »Belohnung« für seine erfolgreiche Arbeit. War der Unternehmer allerdings nicht erfolgreich, dann ging er Bankrott, war überschuldet und musste sein Leben in anderer Weise verbringen. [5]

Die Verantwortung wurde somit »privatisiert«, während sie in der Planwirtschaft und in der Bewirtschaftung staatlich ist. (Natürlich ist die Verantwortung auch in der Kommandowirtschaft »privat«, aber dieser Umstand wird vertuscht, in dem man einer namenlosen Behörde oder Verwaltung die Schuld in die Schuhe schieben kann, wenn die Versorgung oder Produktion nicht funktioniert, oder einen Beamten entlässt und so tut, als ob damit das Problem gelöst sei.)

Erhard erwähnt in seinem Buch »Wohlstand für alle«, dass er sich viel Mühe geben musste, die Interessensgruppen auf Seiten der Hersteller, aber auch der Werktätigen unter Kontrolle zu bekommen, unter anderem mittels seiner Kartellgesetze. Er beklagt sich, dass die Wirtschaftsteilnehmer die Tendenz haben, sich in ihrer Situation in »sicheres Fahrwasser« begeben zu wollen, also sichere und beständige Produktions- und Erlösbedingungen zu erreichen, was der damalige deutsche Wirtschaftsminister überhaupt nicht verstehen mochte. [8]

Vielmehr betet der CDU-Mann regelrecht das Einmaleins der Marktwirtschaft wie eine Litanei immer wieder herunter, als ob er es auswendig gelernt hätte, und sagt, Wettbewerb, Risiko, Verantwortung und Gewinn hängen zusammen. Wenn der Unternehmer stattdessen einen »sicheren Arbeitsplatz« auf der Produktionsseite haben möchte, müsse er sich der »Kollektivwirtschaft« zuwenden, also dem bolschewistischen Konzept, und dass das nichts bringen würde, könne ja jeder auf der anderen Seite in der sowjetisch-besetzten Zone nachverfolgen. [6]
Dabei konnte der Eindruck entstehen, dass die Beteiligten sehr wohl wussten, dass auch die Kommandowirtschaft funktioniert, aber die schnellere Versorgung mit einem vielfältigeren Angebot in besserer Qualität sollte die größere »Sicherheit und Beständigkeit« der Versorgungs- und Produktionsbedingungen wettmachen und ausgleichen. – In der Planwirtschaft hatten die Beteiligten »ihre Ruhe«, weil statt 15 nur 2 Sorten Zahnpasta hergestellt wurden und sich in den »Forschungsabteilungen« die Leute nicht den Kopf zerbrechen mussten, was den Kunden noch alles »angedreht« werden könnte. In der Planwirtschaft wurde überlegt, was brauchen die Menschen und statt durch die »Freien Unternehmer« den Konsumenten 300 Brotsorten anbieten zu wollen, sah »der Plan« womöglich nur 5 Sorten vor, die in den Brotfabriken produziert wurden.

Erhard gab sich also große Mühe, zu erklären, dass das westliche Wirtschaften das bessere System sei. – Aber ist das auch so?

Zum einen fällt auf, mit welcher »Leichtigkeit« in der Freien Marktwirtschaft über das Schicksal des Unternehmers entschieden wird. [10]
Denn das Risiko, dass der Unternehmer zu tragen hat, ist doch ungeheuerlich. Denn scheitert er als Unternehmer, oder als Selbständiger, Freiberufler, dann ist seine Existenz ruiniert. In der Regel sind Menschen, deren Firmen Bankrott gehen, über beide Ohren verschuldet, dürfen keine neuen Unternehmen mehr gründen, müssen jahrelang Gelder zurückzahlen und verlieren all ihr Hab und Gut, soweit es von den Gläubigern zu verwerten ist. – Dieses »Risiko« wird »einfach so« von den Staatsplanern den Menschen aufgebürdet, ohne das den Menschen die Möglichkeit gegeben ist, dem zu widersprechen oder andere Lösungen als besser geeignet zu versuchen. – Ein weiterer wichtiger Punkt sei noch angemerkt. Dem Wesen des Menschen mag es überhaupt nicht entsprechen, auf »Sicherheit und Beständigkeit in der Versorgung und Produktion« verzichten zu wollen. Es kann also durchaus sein, dass der Mensch seinem Wesen nach, eher dem sozialistischen Wirtschaften zugeneigt ist, und die Freie Marktwirtschaft einer gewissen »Dressur« bedarf, um den Menschen dahin zu bekommen, dass er sich das antut, als Freier Unternehmer (also ungesichert) als Marktteilnehmer aufzutreten. – Natürlich wird die Umstellung den Wirtschaftsteilnehmern leichter gefallen sein, die sich in der Zeit der Laissez-faire – freies Unternehmertum Wirtschaft herausgebildet hatten, dann in der Kommandowirtschaft sich der Diktatur fügten (bei gleichem Personal) und dann wieder »auferstanden« als Freie Unternehmer, immer fest im Sattel saßen, in ihren Betrieben, entweder als »Angestellte« oder als Eigentümer, Besitzer. An diesen Leuten sind die »äußeren Verhältnisse« womöglich am Sakko abgeperlt.

Halten wir aber einmal fest, dass die Freie Marktwirtschaft nicht dem Wesen des Menschen entspricht, der lieber in sicheren Verhältnissen leben möchte und auch nicht allzu sehr ständig angetrieben von Markterfordernissen, sondern eher seinen privaten Themen zugewandt (Familie, Kinder, PartnerIn, Freundeskreis, ..), sein Leben gestalten möchte, dann ist das Konzept der Marktwirtschaft, insbesondere unter dem Aspekt des »Risikos« nicht wirklich die Lösung für uns alle. – Und nicht umsonst waren ja gerade die Amerikaner in Asien und Lateinamerika immer wieder »mit Gewalt« darum bemüht, die Menschen auf diese Form der Wirtschaftsgesellschaft einzuschwören. Das heißt, die Neigung des Menschen zur Planwirtschaft und Bewirtschaftung ist spontaner und der Erfolg der Marktwirtschaft ist mehr auf dem Reisbrett der Ökonomen ausgedacht.

Diese Neigung des Menschen ist scheinbar nicht auszumerzen und drückt sich nach Ludwig Erhard in der Neigung der Wirtschaftsteilnehmer aus, sich in Gruppen zu verbünden und für das eigene Klientel stabilere Umstände erwirken zu wollen. Aber Erhard will die Menschen weiterhin »frei«, vogelfrei, sonst würde die Wirtschaft nicht funktionieren, denn mit der Stabilisierung und Sicherung der Verhältnisse würde der Mensch gleichzeitig den Wettbewerb ausschalten, und der Wettbewerb sei das Herzstück der Freien Marktwirtschaft. Interessant ist auch, dass Erhard meint, der Wettbewerb sei zentral dafür, dass es eine »Soziale Marktwirtschaft« gibt. Das ist allein schon sprachlich verwunderlich und zeigt, mit welchen »Kunststückchen« die Einpeitscher der Doktrin der Freien Marktwirtschaft hantieren mussten, damit alles zusammengefügt werden konnte, was gar nicht zusammenpasst. Denn wie soll ein Konkurrenzverhalten mit einem Begriff wie »sozial« zusammenpassen? Da muss schon eine gehörige Portion Ignoranz beigefügt werden, um so über die Begriffe zu poltern. Natürlich hat Konkurrenz überhaupt nichts mit einer »sozialen Gesellschaft« zu tun. Die Primitivität des alltäglichen Darwinismus hat nichts in der Kinderstube, in der Familie, im Altenheim zu suchen, dort, wo das Soziale lebendig ist. – Konkurrenz oder Wettbewerb kann sportlich oder aus der Not heraus verständlich erscheinen, wenn nicht genug für alle da ist und statt trotzdem zu teilen, sich der Stärkere alles nimmt. Aber schon an diesem Beispiel ist zu sehen, wie fragwürdig der ganze Konkurrenz- und Wettbewerbsbegriff ist. Es ist das Denken des Wolfes, des Raubtieres, und das kann nicht Maßstab für zivilisierte Menschen-Gesellschaften sein.

Der Wettbewerbsbegriff passt überhaupt in den Kontext einer »sozial« definierten Gesellschaft. Und dies auch dann nicht, wenn es um das Wirtschaften geht. Denn hier wird so getan, als ob bei der »Futtersuche« der Mensch wieder tierisch werden dürfte. – Nein, das darf er nicht.

Da Erhard in diesem Zusammenhang die Zusammenschlüsse der Wirtschaftsteilnehmer kritisiert, als den Versuch, dem Wettbewerb zu »entkommen«, stellt sich doch die Frage, ob nicht das Konzept der Freien Marktwirtschaft problematisch ist, und nicht das Ansinnen der Werktätigen und Produzenten. »Kartelle«, also Zusammenschlüsse von Produzenten, Marktteilnehmer, müssen doch nicht schädlich für das Wirtschaftsgeschehen sein, zumindest dann nicht, wenn der Sinn von Wirtschaft entsprechend definiert ist.

Ist es denn der Sinn von Wirtschaft, alle Nase lang neue Produkte auf den Markt »zu werfen«? Oder soll sich die Wirtschaft »an den Bedürfnissen der Verbraucher« orientieren und wie soll das geschehen? Erhard ist einfach zu schnell bei der Ablehnung der Idee einer Zusammenarbeit von Wirtschaftsteilnehmern. Wahrscheinlich hat er es geahnt, dass das nur in Richtung »kollektiven Wirtschaftens« gehen könnte und als »Mann der USA« und der Siegermächte wird er sich nicht in die Nähe »kommunistischer Umtriebe« hat bringen lassen wollen. Zumal die Zeit des Kalten Krieges angebrochen war.

Heute, mit ein wenig mehr Gelassenheit, und dem Wissen, dass die Soziale Marktwirtschaft schon längst »entsorgt« ist, kann eine nüchterne Analyse nicht schaden. Natürlich hat sich die Freie Marktwirtschaft zum Schaden der Bevölkerung entwickelt, indem sie die Menschen »ohne Not« dem Risiko des existenziellen Scheiterns ausgeliefert hat, mit allen gesundheitlichen und psychischen Folgen, der Süchte (Sexsucht, Drogensucht, Alkoholsucht) und der gegenseitigen Missbrauchskultur. Alles Folgen einer menschenunwürdigen Wirtschaftsweise. – »Sozial« war dieses Wirtschaften nie. Erhard hat einer aggressiven Konkurrenzgesellschaft den Stempel »Sozial« aufgedrückt, weil es viele bunte Verbrauchsgüter für den Bürger gab. [7]
Dabei hat die Menge und die Vielfalt an Verbrauchsgütern nichts mit Humanität (um einen anderen Begriff hinzuzufügen) zu tun. Es ist ein rein technischer Umstand, der überhaupt keinen Bezug zur Gefühlslage und Empfindungssituation der Menschen, da wo es wichtig ist, hat. Der Mensch will für seine Existenz Sicherheit. Aber Erhard konnte sich nicht wirklich dazu bekennen, dass diese Sicherheit (beständige, garantierte Versorgungssicherheit, bezüglich der notwendigen Güter) ihm etwas bedeutet. Vielmehr schwankte er zwischen Ablehnung von konkreten Sicherheitsansinnen (die er bekämpfte und denunzierte, als unangemessene Gruppeninteressen und sozialistisch angehauchte Vorstellungen) oder er lies sich herab, pauschal und ohne konkreten Bezug, sich für »sichere Lebensverhältnisse für alle Menschen« auszusprechen, was aber niemandem wirklich nützte und worauf sich nicht bauen lies.

Heute können wir rückblickend sagen, dass die Freie Marktwirtschaft mehr zum Schaden als zum Vorteil der Menschen in der Welt beigetragen hat. Wir sind mit einem gigantischen Wust an Produkten eingedeckt, einer Überproduktion in einer Wegwerfgesellschaft. Viel zu viel davon ist nicht zu gebrauchen, nicht notwendig. Viel zu viel an Produktion findet statt, weil die Produzenten sich damit ein Einkommen schaffen müssen, aber nicht weil die Verbraucher diese Produkte benötigen. Es wird in einem nicht hinnehmbaren Maße die Welt zerstört, die Natur vernichtet, die Tiere gequält, alles um den Produktionsmoloch »Freie Marktwirtschaft« am Laufen zu halten. Werbung, die uns belästigt Dinge zu kaufen, die nicht wichtig und hilfreich sind. Arbeitsplätze, die unsere Gesundheit gefährden, die wir nicht ausfüllen würden, wenn wir nicht das Geld aus diesen Jobs bräuchten, für die notwendigen Güter in unserem Leben. – Die Megamaschine »Freie Marktwirtschaft« bringt uns um und zerstört alles. [11]

Und ja, die Planwirtschaft der Kommunisten führte zu einem geringeren Ausstoß an Gütern, zu einem geringeren Verbrauch an Natur, wobei der Umweltschutz von den Funktionären des Staatsapparates nicht ernst genommen wurde. – Aber haben wir nicht in der »Freien Welt« den größeren Schaden verursacht? Dabei muss berücksichtigt werden, das bis zum Mauerfall 1989 ein »Wettbewerb« der Wirtschaftsmethoden behauptet wurde und der Westen als Sieger dastehen wollte und zumindest die USA haben ja aktiv die Menschen bekämpft, die sich für eine wirklich »soziale« Welt und Wirtschaftsformen einsetzen wollten.

Jetzt ist der Wettstreit der Wirtschaftssysteme vorbei, weil sich niemand mehr getraut, die »Planwirtschaft der Kommunisten« als eine Lösung für die Menschheit darzustellen, aber es bleiben doch Fragen. Beziehungsweise, es gibt doch bessere Antworten als diese »Freie Marktwirtschaft«, bezogen auf die Aufgabe, eine Wirtschaftsweise zu definieren, die den modernen Ansprüchen einer weltweiten Versorgung der Bevölkerungen mit Gütern und Dienstleistungen entspricht.

Natürlich sollen die Marktteilnehmer zusammenarbeiten können!

Erhards ständige Bemühungen dies zu verhindern, waren doch auch den Alliierten geschuldet, um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, die Kommandowirtschaft käme wieder zurück. Und diese Zusammenarbeit hat auch nichts mit Preiskartellen zu tun, die die Wirtschaft abwürgen, es geht vielmehr darum, »über alle Branchen hinweg« Unter- und Überdeckungen auszugleichen, das Gesamte im Auge zu behalten und eine sichere, beständige und garantierte Versorgung der Bevölkerung, mit allem was sie bedarf, mit allen notwendigen Gütern zu erreichen. [9]

Ja, dann haben wir wieder eine »Planwirtschaft«, aber kein »5-Jahres-Plan«. 🙂

Was ist dagegen einzuwenden, dass die Wirtschaftsteilnehmer den Markt beobachten, den Verbrauch notieren, die Bedürfnisse der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, und dementsprechend die Produktion anpassen? Ist dies nicht viel ressourcenschonender als die heutige Überproduktion in der Wegwerfgesellschaft? Und wenn es sich um notwendigen Bedarf handelt, dann muss nicht jeder Rückgang an Konsum immer gleich in Arbeitslosigkeit münden, dann können die Hersteller und Industrien Arbeitskräfte je nach Nachfragelage bei »Bedarf« einsetzen (in einer Grundeinkommens-Gesellschaft). – Gewinne in bestimmten Bereichen könnten zur Finanzierung in anderen Bereichen beitragen, die ebenfalls notwendig sind, aber nur wenig »Gewinn« erwirtschaften. Das wäre dann so, als ob die Wirtschaftsteilnehmer »mitdenken«, das Ganze der Gesellschaft, der Versorgung, der Welt- und lokalen Wirtschaft sehen, die globalen Zusammenhänge mit überlegen und nicht mehr nur das kleinteilige »Hurra, ich habe für mich allein einen Gewinn erwirtschaftet und damit ist alles erreicht.« Denken.

Nun will ich noch einmal zur eingangs angesprochenen Frage, was denn das Privatleben mit der Wirtschaft zu tun hat, eingehen. Es genügt nicht mehr, nur in die Schule zu gehen, etwas zu lernen, daraus einen Beruf zu machen und ansonsten sein Privatleben zu leben. Auch wenn wir nicht verhindern können, dass es immer noch viele Menschen genauso machen, müssen wir doch einsehen, dass es ein Muss ist, sich mit »dem Ganzen« der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir können es nicht mehr zulassen, dass sich Berufspolitiker um die Angelegenheiten der Allgemeinheit, um unsere gemeinsamen Themen kümmern. Denn sie machen es nicht richtig. Ich will ihnen jetzt einmal keinen Vorwurf deswegen machen. Zu viele Aufgaben sind es und kein Wunder, dass diese Menschen dann überfordert sind. – Wir alle müssen uns einmischen, uns kundig machen, urteilen, was richtig ist und entscheiden, welche Wirtschaft wir brauchen, was produziert werden sollte, und was nicht, wir alle müssen diese Gesellschaften mitlenken und unsere guten Absichten mit einbringen. Dazu sind permanent Informationen von Nöten. Diese müssen über das Internet allen Bürgerinnen und Bürgern aktuell übermittelt werden. Dann haben wir die Grundlagen, um beste Verhältnisse für uns alle schaffen zu können. Und es ist eine »ewige Aufgabe«. Wenn wir uns von diesen Aktivitäten zurückziehen, stellt sich immer die Frage, wer übernimmt die Tätigkeiten? Je mehr Menschen sich in ihr Privatleben zurückziehen und die Gemeinschaftsaufgaben »anderen« überlassen, um so eher gehen wir das Risiko ein, plötzlich in einer Diktatur aufzuwachen und wir hatten es doch gar nicht gewollt. – Sicher stehen wir noch vor enormen Herausforderungen. Zum Beispiel, wie schaffen wir es, unser oftmals unterschiedliches Denken und Urteilen in »gemeinsame Entscheidungen« umzuwandeln. Aber so wie die Gründerväter der Wirtschaftswunder-Gesellschaft überzeugt waren den richtigen Weg zu gehen, so können wir das auch sein. 😉

[1]
Ludwig Erhard
»Wohlstand für alle«; 4. Auflage 1990; 1957

[2]
Christof Lindenau
»Die Keimkräfte der sozialen Dreigliederung und ihre Pflege.«; 1983

[3]
Götz Werner
»Einkommen für alle«

[11]
Rudolf Bahro
»Logik der Rettung«

[5]
[1], S. 185; Der Unternehmer kann zu der moralischen Unterbauung seiner Position nichts Besseres tun, als sichtbar bereit zu sein, das Risiko in seiner ganzen Konsequenz zu tragen und nicht in Kartelle zu flüchten, nicht im Kollektiv Schutz zu suchen.

[6]
[1], S. 249; Hier liegt ein wahrlich tragischer Irrtum vor, denn man will offenbar nicht erkennen, dass wirtschaftlicher Fortschritt und leistungsmäßig fundierter Wohlstand mit einem System kollektiver Sicherheit unvereinbar sind.

[7]
[1], S. 208; Der Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft ist vielmehr nur dann als voll erfüllt anzusehen, wenn entsprechend der wachsenden Produktivität zugleich Preissenkungen wirksam und dann echte Reallohnsteigerungen möglich werden.

[8]
[1], S.191; Ich bin mir bewusst, dass der Angriff der Kollektivisten aller Sorten gegen die Marktwirtschaft die Unterhöhlung der Unternehmerfunktion zum Ziele hat. Wenn darum das Streben nach Kollektivbindungen sogar im Lager der Unternehmer überhandnimmt, dann wird wahrscheinlich früher als es diese Unternehmer glauben, der Zeitpunkt kommen, der auf der politischen Ebene die Frage auftauchen lässt, mit welchen Gründen denn noch privates Eigentum an den Produktionsmitteln und das freie wirtschaftliche Entscheidungsrecht des Unternehmers vertreten werden kann.

[9]
[2], Eine zu assoziativer Gesellschaftsgestaltung fortgebildete Brüderlichkeit sieht daher den zu erzielenden Gewinn allein in den finanziellen Mitteln, die in Fortführung des Lebens zur Befriedigung des jeweils vorhandenen Bedarfes nötig sind. Und nicht in dem, was auf die Dauer irgendwo in der Welt zu Not und Elend führen muss. Und sie strebt diese Art von Gewinn entweder durch ein auf plus/minus Null ausgeglichenes Ergebnis innerhalb des einzelnen Betriebes an oder – und das würde die Regel sein – dadurch, dass die in verschiedenen Betrieben sich ergebenden Über- und Unterschüsse laufend zum Ausgleich gebracht werden. ………

Indem sich die so entstandene Assoziation wiederum mit anderen Assoziationen zusammenschließt, kommt durch Zusammentragen vielfältiger Erfahrungen ein immer zutreffenderes Bewusstsein davon zustande, was die im Umkreis der einzelnen Betriebe lebenden Menschen zu ihrer Bedarfsdeckung tatsächlich brauchen.

[10]
Es ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass der Arbeitnehmer genauso betroffen ist von diesem »Risiko«, nämlich durch Entlassung und Arbeitslosigkeit. In diesem Beitrag ging es mir zwar mehr um den »Unternehmer« als Garant der Wettbewerbsidee, aber das ganze Ideenkonzept Freie Marktwirtschaft ist in seinem »Gefahrenpotential« eins zu eins auch auf die übrigen Beteiligten anzuwenden.

[4]

Wohlstand für alle – Ludwig Erhards Wirtschaftskonzept

Wirtschaft in der zeitlichen Perspektive Erhards:

  1. Ständegesellschaft – Berufsgruppen bestimmen den Angebotsmarkt.
  2. Laissez-faire – freies Unternehmertum – Liberalismus. Der Unternehmer bestimmt das Angebot und dominiert den Markt, bestimmt die Regeln. Ergebnis: Arm und Reich, politische Unruhen mit der Folge von Punkt 3.
  3. Staatliche Reglementierung. A) Planwirtschaft → Kommunismus B) Bewirtschaftung → Faschismus.
  4. Nachkriegswirtschaft in Westdeutschland. Freie Marktwirtschaft; Ludwig Erhard → Soziale Marktwirtschaft.
  5. Wirtschaftsformen 1 bis 3 sind Verkäufermärkte. Erst die 4. Wirtschaft ist ein Konsumentenmarkt.

Kernpunkte der Sozialen Marktwirtschaft:

Freie Preisbildung durch Wettbewerb, Freiheit des Unternehmers in seinen Entscheidungen, keine Kartelle (Preisabsprachen), keine Festlegung berufsrechtlicher Vorteile. Im Mittelpunkt steht der »Konsument«. Wenn alle sich dem Wettbewerb stellen, ergibt sich das beste Produkt zum angemessenen Preis von selbst und es profitiert in erster Linie der Verbraucher, Kunde, Konsument.

Diesen »Vorteil« (gutes oder bestes Produkt zum bestniedrigen Preis) nennt Erhard »sozial«. Alle profitieren von den Wirtschaftsleistungen in Form der Ergebnisse dieser Wirtschaft.

Dem gegenüber stellt er die Bewirtschaftung und insbesondere die Planwirtschaft, die »nicht funktionieren« und zu einem wirtschaftlichen Stillstand führen. Aber auch den Liberalismus verurteilt er, dessen Auswüchse ihm im Nachkriegs-Westdeutschland in Form von »Preisabsprachen« der Unternehmen und »Ständedenken« der Berufsgruppen wiederbegegnet.

Die Aufgabe des Staates, der Wirtschaftspolitik ist nach seiner Vorstellung, darauf zu achten, dass der freie Wettbewerb der Produzenten und Händler gewährleistet ist und keine »Verkäuferdominanz« zum Nachteil der Konsumenten entsteht.

Sicherheit

Der Begriff der Sicherheit, der doch eigentlich positiv besetzt sein müsste, wird von Erhard eher negativ gedeutet. »Sicherheit« wollen die Vertreter der Planwirtschaft, die »Linken«, aber auch die Unternehmer, die Berufsgruppen, die sich vor dem Wettbewerb »drücken« wollen.

Risiko wird belohnt, wenn der Unternehmer mit seinen Aktivitäten erfolgreich ist und dieser Lohn ist nur berechtigt, wenn vorher ein Risiko eingegangen wurde. Deswegen würde der Ruf nach »Sicherheit« das Recht auf »Gewinn« in Frage stellen.

Andererseits kommt zwar immer mal wieder der Begriff der »Sicherheit« auch in den Äußerungen Erhards vor, aber dann nur sehr allgemein gehalten oder verknüpft mit der Behauptung, die beste Sicherheit sei die Freiheit des Marktes und das erfolgreiche Bestehen in ihm.

Auch dem Sicherheitsstreben der Arbeitnehmerschaft erteilt er eher eine Absage, wobei ihm bewusst ist, dass diesem Ansinnen in irgendeiner Weise doch Rechnung getragen werden muss. Erhards Vorstellung ist, ständige »Expansion« und Ausbau der Wirtschaft. Diese würde gemäß des »Konsumentenhungers« immer für genügend Arbeitsplätze sorgen. Dabei muss beachtet werden, dass Ludwig Erhard direkt nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland sich für die wirtschaftlichen Belange Deutschlands engagierte und von 1949 bis 1963 in der Wirtschaftspolitik maßgeblich war. Nach einem Zustand totaler Zerstörung ist es natürlich »einfacher« ein Wirtschaftswachstum zu begleiten, bei relativ geringer Arbeitslosigkeit, als in Zeiten der Marktsättigung.

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Krieg führen im Ausland

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Es ist eine unselige Tradition deutscher Afrikapolitik, sich partout nicht für die Länder, ihre politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu interessieren, die mit der Bundeswehr, Hilfe oder Investitionen beglückt werden sollen.

Erst einmal ist festzustellen, niemand fragt die Bürgerinnen und Bürger, ob in ihrem Namen (dem Namen ihres Landes) in anderen Ländern Krieg geführt werden soll. Da wäre schon anzusetzen, ob das überhaupt gerechtfertigt ist. Dann geht es darum, was ist der Grund für militärische Intervention.

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Und im Moment haben wir in Afrika im Sahel-Gürtel eine ganze Reihe von scheiternden und gescheiterten Staaten – wir haben das gerade im Vorbericht gehört -, in denen es praktisch keinerlei staatliche Souveränität, kein Gewaltmonopol mehr gibt, und die Mischung von fundamentalistischem Terror, von Drogen- und Menschenhandel, von organisierter Kriminalität, ist eben eine unmittelbare Bedrohung für die Europäische Union, die sich auf Flucht, Vertreibung auswirkt, die aber vor allem auch einen Rückzug bietet für Phänomene wie Internet-Kriminalität, wie Terror-Vorbereitung.

Wenn gescheiterte Staaten der Grund sind, militärisch aktiv zu werden, bedarf es Staatsformen, die es dann neu zu schaffen gilt. Aber welche können das sein? Was haben wir da an Vorbilder und Leitmuster anzubieten?

Doch hoffentlich nicht die maroden, europäischen Staaten, die von einer Krise in die andere taumeln. Deren Demokratien vielleicht noch auf dem Papier existieren, die die Verfassungen dieser Staaten beschreiben, aber doch nicht mehr in der Realität. Oder gar die USA, deren Militärapparat schon die ganze Politik beherrscht und die Gesellschaft durchdringt, und jegliche einstmals vorhandenen Freiheiten abgeschafft hat.

Es ist sicher so, dass es sich nicht um ein postkoloniales Abenteuer oder um eine Aufgabe handelt, die sich aus der Vergangenheit ergibt, sondern Westafrika ist heute das Haupteinfallstor für Drogen aus Lateinamerika. Dort sind viele Internet-Seiten beheimatet, auf denen auch in Deutschland, in Europa Internet-Kriminalität bis hin zur Kindesmisshandlung betrieben wird.

Sind Internetkriminalität und Drogenhandel als Argumente ausreichend, um in anderen Ländern militärisch zu intervenieren?

Man kann doch nicht deshalb es verweigern, gegen Kriminalität, gegen Terrorismus vorzugehen, weil man sagt, aber da gibt es auch Wirtschaftsinteressen. Zur Stabilität gehören natürlich ökonomische Interessen, und dass gerade wir Deutschen, die wie kein anderes Land volkswirtschaftlich vom Export leben, ein wirtschaftliches Interesse an Stabilität haben – – Wir haben übrigens auch ein wirtschaftliches Interesse an Stabilität im Inland und wir wollen auch, dass diese Phänomene nicht nach Europa und nicht nach Deutschland kommen. Deswegen ist diese Unterscheidung, es geht entweder um Sicherheit oder um wirtschaftliche Interessen, doch falsch. Natürlich gehört zur Stabilität eben auch Welthandel, Freihandel. Unser ganzes Lebensmodell, die soziale Marktwirtschaft, eine exportgetriebene Wirtschaft, leben von sicheren Zugängen zu Rohstoffen, von sicheren Handelswegen und davon, dass nicht aus instabilen Ländern, gescheiterten Staaten die Unsicherheit zu uns nach Europa überschwappt.

Im Grunde hat dieser Politiker nicht gesagt, was aus den Regionen werden soll, in denen die europäischen Soldaten »eingreifen«. Denn nicht der Eingriff ist das Entscheidende, sondern die Frage, was danach eigentlich passiert. Darüber wird in der Regel meist nicht mehr viel berichtet. Schlimmstenfalls installieren die Kriegsgewinner Marionetten-Regierungen, die die wirtschaftlichen Interessen der Siegermächte unterstützen, während die Anliegen der eigentlichen Bevölkerung zur Seite gewischt werden. Das sind dann Terrorregime, vertreten durch z. B. eine Ethnie, die die übrigen Bewohner drangsalieren und von den Siegerstaaten und Firmen, die die Rohstoffe ausbeuten Geld erhalten. – Haben wir dann in solchen Ländern Demokratie oder eine Gesellschaft, die die Interessen der Bevölkerung im Auge hat? Sicher nicht. Somit führt ein Krieg nicht zu besseren Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen, sondern »nur« zur Freien Marktwirtschaft der Liberalen dieser Erde. – Dafür also brauchen die Regierungen die Zustimmung der Bevölkerung?

Anders würde das aussehen, wenn die UNO eine Blaupause erstellt, für »staatliche Ordnung« überhaupt. Sodass man sagen kann, ein Staat wurde (aus unterschiedlichen Gründen) zerstört, aber es gibt ein Modell zum Beispiel für Nachkriegs-Gesellschaften, welches immer menschenwürdige, gerechte Verhältnisse für alle in einem Gebiet lebenden Menschen bewirkt.

Wie muss ein Universalmodell für gesellschaftliche Ordnung aussehen?

  • Wirtschaft dient der Versorgung der Bevölkerung. Dies ist erstes Ziel jeglicher lokalen Wirtschaft. – Das Ergebnis einer solchen Wirtschaft gewährleistet die dauerhafte und sichere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie.
  • Es gelten bei allen Entscheidungen, die die Bewohner betreffen die Menschenrechte.
  • Alle Entscheidungen mit in erster Linie lokaler Wirkung werden von den Menschen vor Ort abgestimmt. Direkte Demokratie ist die Regel.

In welcher Form die Menschen in den Ländern diese Ansätze umsetzen, sollte ihnen freigestellt bleiben. »Regierungen, Parlamentarische Demokratie, Wahlen, Parteien« sind dafür nicht zwingend notwendig.

Wäre also nicht der Krieg dasjenige, das die Bevölkerung gutheißen soll, sondern eine Ordnung, die als »Weltordnung danach« denkbar ist, dann bestünde noch eine andere Perspektive.

Neo-Liberalismus und Freie Marktwirtschaft

Die Analysen des Volkswirtschaftlers Bernd Senf halte ich für sehr lehrreich. Sie sind in vielen Videos zugänglich. Ich möchte mich hier auf das Video »(4) Der Tanz um den Gewinn – Raubbau an Menschen und Natur« beziehen.

In diesem Video vergleicht und analysiert Herr Senf die beiden Wirtschaftssysteme »Planwirtschaft« und »Marktwirtschaft«. Ich möchte mich auf den letzten Teil dieses Videos beziehen, ab etwa 2:10:00.

Herr Senf weist darauf hin, dass Unternehmen drei betriebswirtschaftliche Rechnungslegungen kennen. Die betriebsinterne Bilanz, die steuerliche Bilanz und die Handelsbilanz. Die betriebsinterne Bilanz gibt dem Unternehmer Auskunft über seinen Betrieb, die steuerliche Bilanz ist diejenige, die dem Staat gegenüber (und den Steuerbehörden gegenüber) ausgewiesen wird und die Handelsbilanz ist jene, die gegenüber den Anteilseignern und den geldgebenden Banken gegenüber veröffentlicht wird.

Die Handelsbilanz und die Bilanz gegenüber dem Finanzamt sind nicht selten verfälscht. Es dürfte eigentlich nur die betriebsinterne Bilanz gegenüber allen Gesprächspartnern Gültigkeit haben. Herr Senf zeigt auf, dass nicht nur in der Planwirtschaft mit nicht korrekten Kennziffern gearbeitet wird, sondern auch in der Marktwirtschaft.

Die Marktwirtschaft ist so konzipiert, dass Gewinne anfallen müssen. Die Gewinne stehen den Kosten gegenüber. Wer als Unternehmer keine Gewinne erzielt, fliegt aus dem System heraus. Verluste »vernichten« den Teilnehmer in der Marktwirtschaft.

Kostenrechnung in der Marktwirtschaft

betriebliche-Kostenrechnung-a3

a)
Bei den Maschinenkosten ist der Unternehmer bemüht, nach Abnutzung der Maschine, diese wieder zu ersetzen. (Abschreibung und Erneuerung)

b)
Wird bei der Produktion »Material« aus der Natur verwendet, muss diese Natur ersetzt werden. Das nennt sich »Nachhaltigkeit«. Zum Beispiel beim Holzverbrauch in der Forstwirtschaft. Dieses seriöse Wirtschaften ist vielleicht in den Industrienationen, in Europa üblich. Aber in anderen Ländern kann das nicht garantiert werden. Da diese Länder aber im »globalen Wettbewerb« mit uns stehen, betreiben sie Raubbau an ihrer Umwelt, um mit uns mithalten zu können und Arbeitsplätze für ihre Menschen zu ermöglichen, was Einkommen bringt. Aber irgendwann haben sie den letzten Baum gefällt, oder den ausländischen Rohstofffirmen die letzten Bodenschätze zur Verfügung gestellt und dann haben sie kein »Material« mehr, das sie verwerten können.

c)
Die »optimale Allokation der Ressourcen« soll nach den Vorstellungen der Neo-Liberalen und Marktradikalen nicht nur auf den Gütermärkten, sondern auch auf den Arbeitsmärkten Gültigkeit haben. Dass heißt, der »optimale Preis« (für einen Arbeiter) würde sich im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ergeben. Tatsächlich ergibt sich aber bei einem »Überangebot« an Arbeitskräften ein nicht mehr existenzsichernder »Gleichgewichtslohn« in der Freien Marktwirtschaft, der das Leben der Menschen bedroht. – Während im Sozialismus immerhin alle Menschen, wenn auch einen bescheidenen, aber doch existenzsichernden Lohn erhielten. In der Marktwirtschaft hingegen sind die Arbeitslosen »Opfer gesellschaftlicher Umwälzungen, für die sie individuell keine Schuld haben«.

Der in den vergangenen Jahrzehnten erreichte Wohlstand, durch soziale Absicherung, bricht weg und wird ersetzt durch einen neuen Raubtierkapitalismus. – Die Frage stellt sich, für wen ist die »Allokation der Ressourcen« optimal?

Die »Reproduktion« bei den Menschen ist nur möglich bei »existenzsichernden Einkommen«. In der Marktwirtschaft aber, ist die Bestandserhaltung (wie bei den Maschinen) für die Menschen nicht vorgesehen.

d)
Die Gelder zur Finanzierung (Finanzierungskosten, eingesetztes Kapital) sollen nicht nur erhalten bleiben (einfache Rückzahlung des verliehenen Geldes), sondern sie sollen verzinst werden. – Ein krebsartiges Wachstum (exponentielles Wachstum) der Geldvermögen findet statt.

Die Vermehrung des (verliehenen) Geldes ist in der »Freien Marktwirtschaft« fest eingeplant und stellt eine »Privilegierung des Geldkapitals« da.

Systemimmanente Grundlagen der Marktwirtschaft

Somit sieht die Schlussrechnung wie folgt aus:

betr-Kost-Marktwirtschaft-Schlussrechnung-b1

Während in der »Freien Marktwirtschaft« immerhin für Maschinen eine Erhaltungsleistung eingeplant ist, wird insbesondere in den Schwellenländern darauf verzichtet, eine »nachhaltige« Wirtschaft zu betreiben und die Natur zu schonen. Und in den Industrienationen, besonders auch in Europa, ist der Kostenfaktor »Mensch« massivst bedroht, (in Deutschland besonders durch die Hartz4-Sanktionen), weil sich die Arbeitslosen »nicht rechnen« und man sie am liebsten los werden würde. Noch schlimmer ist es in den Schwellenländern, dort werden die Menschen tatsächlich dem Marktgötzen geopfert, etwa durch wahnwitzige Arbeitszeiten, die die Menschen physisch ruinieren, durch noch schlechtere Arbeitsbedingungen, als wir sie in Europa haben, durch noch geringere Betriebssicherheit und schwächere Umweltauflagen. (Siehe auch das Buch von Raphael Fellmer, in dem Beispiele aus verschiedenen Ländern genannt sind.)

Einziger Gewinner in dieser Wirtschaft ist das Geldkapital, weil durch die Zwangsverzinsung der geliehenen Gelder die Gläubiger bei diesem System einen Vorteil erzielen.

Bernd Senf fügt zwar hinzu, dass dies nicht immer so war. Also zu Beginn der Entstehung dieses Systems der Markt sich gegen die Feudalherren behaupten musste, aber es sich letztlich so entwickelt hat, wie wir es heute kennen.

Der Neo-Liberalismus predigt den »Freien Markt«. Dieser führt auf Unternehmerseite zur Ausbeutung der Natur, der Arbeitnehmer, führt zur Selbstausbeutung, führt zu Kampf gegen Konkurrenten und Wettbewerber. Der Neo-Liberalismus will Freiheit (der Unternehmer) und Wettbewerb, auf Kosten von sozialen Errungenschaften und staatlicher Verantwortung für das Gemeinwohl. – Die globale Konkurrenz prämiert geradezu noch den brutalen Raubbau.

Marktfundamentalismus und Liberalismus wollen »Deregulierung«, wollen die Befreiung des Raubtiers »Markt«, um Gewinn- und Finanzinteressen zu befördern. Bernd Senf kommt zu dem Ergebnis, dass »Freie Marktwirtschaft« nicht sinnvoller als Planwirtschaft ist, weil es das Geldkapital bevorzugt, den Arbeitssuchenden benachteiligt und die Natur verwüstet.

Allerdings könnte die Lösung für eine angemessene Wirtschaft seiner Meinung nach so aussehen, dass zwar Gewinne anfallen dürfen, aber die Kostenfaktoren »Mensch und Natur« eine »Bestandserhaltung« zugesichert bekommen, wie es bereits der Maschine zugestanden wird, und das das scheinbar natürliche, aber in Wirklichkeit krebsartige Wachstum der Geldvermögen aufhört.

Bedarf und Bedürftigkeit – Was brauchen wir?

Im Blog des »Konzeptwerk Neue Ökonomie« findet sich ein Artikel zum »Crowdfunding«.

konzeptwerk-neue-oekonomie–mehr-wirtschaftsdemokratie-durch-crowdfunding

Gleich zu Beginn werden Parameter benannt, die in einer Wirtschaft eine Rolle spielen können, und es werden Fragen aufgeworfen.

Marktwirtschaft
Produktion von Gütern
Verteilung von Gütern
Demokratie
Solidarität
Entscheidungen
Bedürftigkeit
Geld
Nachfrage

Welche Einflussnahme hat der Bürger auf die Produktion?
Warum wird nicht (nur) das produziert, was die Menschen brauchen?

Zur »Marktwirtschaft« kann man einwenden, ob wir einen »Markt« brauchen. Dies lässt sich aber nur beantworten, wenn weitere Parameter in die Diskussion eingebracht werden, was ich hiermit tue.

Lebensnotwendige Produktion
lebensbereichernde Produktion
überflüssige Produktion
Gemeinwohl
Allgemeinheit
Direkte Demokratie
Bedingungsloses Grundeinkommen

Bei der »lebensnotwendigen Produktion« kann man sich langfristig eine überwiegend »marktfreie« Produktion dann vorstellen, wenn man von der Physis des Menschen so viel weiß, dass ein sinnvoller Ernährungskatalog erstellbar ist. Und »Markt« gibt es womöglich immer noch für allen Schnickschnack, den sich die Individuen wünschen.

Alles, was über die »notwendige Produktion« hinaus wichtig für die Menschen ist (also alles, was nicht Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie betrifft), müsste im Einzelfall angeschaut werden. Richtschnur hierbei wird der »Bedarf« sein. – Der von dem Autor »Kai Kuhnhenn« verwendete Begriff »Bedürftigkeit« sollte keine Rolle spielen, weil er etwas »passiv« formuliert, was aber nur vom Individuum aktiv angemeldeter »Bedarf« gegenüber der Wirtschaft sein kann.

Die »Produktion der Güter« ist Aufgabe der Wirtschaft, die »Verteilung der Güter« meint wohl in erster Linie, dass auf die lebensnotwendige Produktion ein gerecht verteilter Zugriff möglich ist. Denn es geht um eine »aktive« Handhabung der Produktion (Ergebnisse) und mit Verteilung der Güter klingt eher durch, Almosen des Staates.

Der Begriff »Demokratie« ist ungeeignet, einen Ort zu formulieren, an dem die Wirtschaft angesiedelt ist. In den Containerbegriff Demokratie wird so viel hineininterpretiert, dass er einer Konkretisierung der Sachverhalte nicht dienlich ist. Der Ort, an dem Wirtschaft stattfindet, ist die »Gemeinschaft« der anwesenden Menschen.

Die Produzenten müssen darauf achten, dass die Produktionsergebnisse und der »Gewinn« aus der Produktion »brüderlich« geteilt wird (was wir »passiv« erleben), die gemeinschaftliche Verwaltung (oft als »Staat« bezeichnet) muss mittels »Gesetze« dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger »aktiv« ein Recht auf Zugriff auf die Produktion erwerben.

»Solidarisch« müssen die Produzenten sich verhalten, gegenüber allen Mitarbeitern und gegenüber der Gemeinschaft insgesamt. Solidarisch verhalten sich die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, wenn sie bei ihrer Arbeit das »Gemeinwohl« im Sinn haben und in erster Linie für die Allgemeinheit tätig sind.

Wenn die Allgemeinheit über die Produktion entscheiden würde (mittels Crowdfunding oder direkt-demokratisch), hätte sie zuerst einmal das Gemeinwohl im Sinn zu haben, was nur bedeuten kann, dass sie sich dafür entscheidet (die Entscheidung fällt), dass die notwendige Produktion allen Menschen der Gemeinschaft (Weltgemeinschaft oder lokale Gemeinschaft) ohne Einschränkung zugänglich ist. – Begründet wäre dies damit, dass wir produktionstechnisch und als Ergebnis unserer erfinderischen, wissenschaftlichen und erkenntnismäßigen Leistungen in der Lage sind, diesen »Dienst« uns allen als »Grundlage« mit auf den Lebensweg geben zu können. – Sozusagen als kostenlosen Liebesdienst.

»Geld« ist nur eine Metapher für »Zugriffsrecht«. Wer sich an dem Thema Geld festbeißt, übersieht, dass es des Geldes überhaupt nicht braucht, um »einkaufen« zu gehen. Es muss einfach nur erlaubt sein, sich die lebensnotwendigen Produkte zu nehmen! Die Gelddiskussion ist nicht selten ein Ablenkungsmanöver, die den ungeübten Betrachter in die Sackgasse führen soll, in der dann am Ende des Weges ein Schild steht »Kein Geld vorhanden« (Pech gehabt). – Geld »begleitet« die Produktion und soll den Tauschverkehr erleichtern. Geld ist weder in der Wirtschaftsdiskussion noch im realen Leben zwingend notwendig.

Unterscheidet man in der Produktion zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion, dann ist erst einmal nur für die notwendige Produktion »Nachfrage« sicher. Diese umfasst Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Wenn für diese Produktion eine sichere Nachfrage besteht, könnte sie in weiten Teilen »geplant« werden. – Vielleicht könnte die Leipziger Denkfabrik einmal in alten Unterlagen nachschauen, wie man Wirtschaft plant und dementsprechend Vorschläge machen. 🙂

Auf Grundlage dieser Überlegungen lassen sich die vom Autor benannten Fragen wie folgt beantworten:

Wenn die Produkte einfach auf Basis der Bedürftigkeit verteilt werden, wer sichert dann den Gewinn der Unternehmer_innen bzw. sorgt für einen ausreichenden Produktionsanreiz?

Es wird nichts »verteilt«, sondern der Zugriff wird ermöglicht. Grundlage für eine Gesellschaft überhaupt kann nur ein Bedingungsloses Grundeinkommen sein. Dann aber stellt sich die Frage nach »Gewinn« neu. Wer aktiv wird, muss sich selbst die Frage beantworten, warum. Auch muss berücksichtigt werden, um welche Art von Produktion es sich handelt: notwendig, bereichernd oder überflüssig.

Was ist ein ausreichender Produktionsanreiz? Reicht es schon, den Unternehmer_innen ein Grundeinkommen zu sichern, und das Wissen, das ganz viele Leute sich über das Produkt freuen würden?

Ja, das kann der Unternehmer dann für sich selbst klären, ob ihm/ihr das ausreicht, als Begründung, aktiv zu werden.

Wer von all denen, die sich das Produkt wünschen, soll es bekommen bzw. wer bestimmt die Bedürftigkeit?

Auch hier gilt, es muss unterschieden werden zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion. Der Zugriff auf die lebensnotwendige Produktion muss in den Menschenrechten garantiert werden, als allen Menschen zustehendes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein.

Die Aufgabe der lebensnotwendigen Produktion ist der Allgemeinheit übertragen (in dem die gemeinschaftliche Verwaltung Wirtschaft ermöglicht, durch einen gesetzlichen Rahmen), sie dient dem Gemeinwohl und der Zugriff auf diese muss weltweit als Universalrecht und gemeinschafts- und gesellschaftskonstituierend anerkannt sein. Es spielt keine Rolle, ob dies in einer Marktwirtschaft oder in einer Planwirtschaft geschieht. Aber als Leitschnur gilt, eine effektive, rationelle Produktion und Zugriffsmöglichkeit für alle, muss gewährleistet sein.

»Bedürftigkeit« ergibt sich aus dem menschlichen Dasein. Der Mensch sagt selbst, was er braucht! Und es ist ein Unterschied, ob jemand sagt, er braucht Essen, um nicht zu verhungern, oder ob jemand sagt, er braucht ein iPhone, weil es ihm gefällt. In einer Gesellschaft, in der das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt ist, brauchen Menschen ein zusätzliches Einkommen, um »Luxusgüter« zu erwerben oder an Dinge zu gelangen, die den individuellen Vorlieben entsprechen.

Wer »Bedarf« hat, muss ihn gegenüber den Mitmenschen, der Gemeinschaft anmelden. Ist Verständnis (in der Gemeinschaft) für die Anliegen vorhanden, wird es Wege geben, um diese Bedarfe zu decken.

Schnell ist man wieder bei den großen Fragen, wie man eine Gesellschaft gerecht organisiert und ob das dann noch zur »Natur« des Menschen passt.

Der Mensch ist nicht nur »Natur«, sondern auch Geist und Seele. Das Wesen des Menschen müssen wir ergründen, um ihn zu verstehen, um zu wissen, wonach er strebt, welchen »Bedarf« er hat. Natur ist ein wichtiger, aber nicht der ganze Aspekt des Menschen.

Fortsetzung hier