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Gegenwart als Fortsetzung der Vergangenheit – oder »Wo ist das Neue.«

Der Autor schreibt über die DDR-Jahre in den 60ern. – Die beginnende Bespitzelung, die Feststellung, dass manche Bürger nicht zu dem Staat passen, der da existiert. Die Frage nach einer angemessenen und richtigen Beteiligung in der Gesellschaft steht da zur Debatte.

Das ganze Szenario wirkt bedrückend. Die Unterwerfung gemäß einer Staatsideologie, einer Vorstellung von Gesellschaft, die von interessierten (mächtigen?) Kreisen den anderen Menschen nahe gelegt wird. Bestimmte Organe im Staatsapparat haben die Aufgabe für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Menschen, die die Gesellschaft in ihren Grundfesten bedrohen, werden ihrerseits bedroht und zur Not »kaltgestellt«. – Menschen, die mit ihren Äußerungen, Verlautbarungen, Handlungen die Mitbürger in Unruhe versetzen, werden in ihrem Fortkommen behindert, auspioniert, ausgebootet.

Und in welcher Gesellschaft leben wir heute. – Ist es denn jetzt anders?

Wenn wir öffentliche Diskussionen veranstalten, geraten die Menschen aneinander. Wir können die Meinung der jeweils anderen nicht ertragen und werden unruhig, laut, zuweilen auch aggressiv. – Und sind es Überlegungen und Ansichten, die wir überhaupt nicht hören, aushalten und akzeptieren können, dann kann es sein, wir greifen zur Gewalt.

Haben wir häufiger solche öffentlichen Diskussionen, in denen Aufruhr entsteht, wird die Staatsgewalt einschreiten und diese Diskussionen verbieten. – Meinungsfreiheit hin oder her.

Oder nehmen wir Beispiele aus dem Ausland, aber keine aus dem Osten, weil da die Zustände von damals, die hier als Ausgangspunkt der Betrachtung dienten, fortbestehen. – Länder, die sich selbst mit Demokratie und Freiheit identifizieren, können mit der düsteren DDR-Zeit verglichen werden. USA. – Wer nicht die Ideologie des Staates vertritt, sollte wenigstens schweigen. – Wer sich aktiv für eine Gesellschaft einsetzt, die nicht von den Offiziellen gutgeheißen wird, der wird bedroht und verfolgt, zum Schweigen gebracht oder abgedrängt. – Und selbst wer in der einzigen Demokratie des Nahen Ostens lebt, wird von Spitzeln umgeben sein, wenn sein Verhalten für Unruhe in der Bevölkerung sorgt und die Person vom Staatsapparat als »gefährlich« eingestuft wird.

Mit anderen Worten, die DDR hat damals etwas getan, was in allen Staaten auf irgendeine Weise bis heute überall auf der Welt geschieht.

Aber natürlich gibt es Unterschiede zwischen all diesen Staaten. – Und trotz dieser von mir herausgearbeiteten Gemeinsamkeiten bis in die heutige Zeit, sind diese Staaten für die Menschen unterschiedlich attraktiv oder bedrohlich. – Es fängt schon damit an, dass die Bürger der DDR eingesperrt waren. Wer fliehen wollte, wurde erschossen. Das macht dieses Land bis zum Gehtnichtmehr unattraktiv. – Und vielleicht bietet ein Land wie die USA so viele Möglichkeiten sich selbst zu verwirklichen, dass die Idee, den Staat zu bedrohen und zu bekämpfen, nur für die Wenigsten in Frage kommt.

Der Staat, das sind die Verwalter. – Schnell mischen sich unter die Verwalter Besserwisser und Kontrolleure. – Und ursprünglich waren die Verwalter vom Souverän, dem Bürger beauftragt und dann verkehrt sich die Situation und die Bürger sind von den Verwaltern unterjocht, indem diese »Staatsbediensteten« ihren Auftrag missbrauchen, um die Auftraggeber zu unterwerfen.

Was bringt die Zukunft. – Im Zuge der technischen Entwicklung (Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren) werden Gestaltungsaufgaben immer häufiger den Verwaltern entzogen, sodass die Bürger entsprechende Tätigkeiten selbst übernehmen. – Wenn wir bedenken, dass heute ein Großteil der Arbeit von Verwaltern in der Kontrolle der Bürger besteht und diese Kontrolle überflüssig wird, ist absehbar, wohin die Reise geht.

Das Verschwinden der Apparatschiks ist die Folge einer natürlichen Entwicklung.

In der Kirche ist ein Bild zu sehen, auf dem »oben im Himmel« jemand ist und »unten auf der Erde« sind die Menschen. Aber der im Himmel sieht aus wie ein Mensch. – Materiell auf der Erde sein, ist ein Zustand. In ihn sind wir hineingeraten, es ist eine Aufgabe. Aus ihm heraus kommen wir wieder. – Nicht-materiell sein, ist unsere Ewigkeit. – Aus Fleisch und Blut sind wir eine Zeitlang.

Die Kirche hat bis auf die Touristen keine Besucher. – Wie auch das »Haus der Begegnung« menschenleer ist. – Bei den Arbeiter-Samaritern hingegen, ist die Bude propenvoll. Die Parteikultur macht den Mangel in der Gesellschaft wett.

Gegenwarts-Literatur. Welche Autoren kommen da spontan in den Sinn. – In der Bücherei gibt es keine solche Kategorie. Es gibt »Persönliche Erfahrungen«, Romane der Zeitgeschichte. Ich finde »Houellebecq«, Gauck-Biographie. – Ich suche Pirinçci, Akif. Den gibt es aber nicht in der Bücherei. – Sein Buch »Deutschland von Sinnen« kostet bei Amazon 15 Euro als eBook. – Das ist mir zu teuer. Für 10 Euro hätte ich es gekauft. – Unter dem Buch steht, dass dieser Preis vom Verlag festgelegt wurde. Der Autor war nicht selbst in der Lage zu sagen, welchen Preis sein Buch haben soll? – Warum 15 Euro, wenn alles an Kosten rund um das Drucken eines Buches wegfällt.

Wenn das Buch in der Bücherei gewesen wäre, hätte ich es mir ausgeliehen. Aber so fehlt mir ein Beispiel für Gegenwarts-Literatur in Deutschland. – Sicher, es werden jedes Jahr Dutzende von Büchern veröffentlicht. Es dürfte doch nicht so schwer sein, ein Buch aus dieser Kategorie zu besorgen. Dennoch. Es soll nicht irgendeinen Roman sein, in dem die Welt ganz, ganz persönlich dargestellt wird, sondern ein Werk, in dem Bezug genommen wird, auf die heutigen Verhältnisse. – Und ja, es stimmt. Ganz entscheidend ist für mich, wie ein solcher Autor zu Hartz4 steht, zum Bedingungslosen Grundeinkommen und zu den Menschenrechten. – Pirincci beschreibt ja mehr das, was schlecht ist, an unseren Gesellschaften. Aber ich hätte einmal hineingeschaut, in welcher Weise dies Gegenwarts-Literatur ist.

Himmel

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Menschenwege – Demonstrationsrecht trotz Störungen

taz–Essay-Nationalismus-in-Europa

Micha Brumlik schreibt über Nationalismus, die Ukraine und das »Weltbürgerrecht«.

Tatsächlich ist der »Nationalismus« heute ein Thema, insbesondere wenn es darum geht, die Wanderbewegungen der Menschen einschränken zu wollen. Und Herr Brumlik erwähnt Immanuel Kants Idee vom »Weltbürgerrecht« , dass den umherziehenden Menschen aber keinen Freibrief ausstellte:

Dabei ging es gewiss nicht um ein kategorisches Recht auf Einwanderung, wohl aber um das Recht, aus Not gerettet zu werden.

»Notlagen« werden aber von Macht-Organisationen definiert (siehe die Hartz4-Gesetzgebung) und der Willkür ist Tür und Tor geöffnet.- Ja, warum nicht ein unumwundenes Recht auf »Wanderung«? – Das würde einem »Weltbürgerrecht« sehr gut zu Gesicht stehen. Und da könnte die Idee drinstecken, dass die freie Wahl des Aufenthaltsortes für uns Menschen denkbar ist.

Und Brumlik diskutiert den »Nationalismus« anhand der Ukraine, dabei wäre es doch viel lohnender gewesen, diesen am Beispiel von Russland zu behandeln. Doch wer will sich schon mit dem »großen Bären« anlegen. – Die in den letzten Jahren arg gezausten Menschen in der Gegend »Ukraine«, sind da ein einfacheres Klientel. Jedoch, was geben sie her, um den Nationalismus zu beweisen. – Wahrscheinlich gibt es so viele Gründe, warum die Menschen dort sich für Veränderungen einsetzen, dass sie selbst nicht genau wissen, welche Faktoren sie alle antreibt.

Und dann dieser Punkt:

In der hiesigen Publizistik erschien der „Maidan“ als Freiheitsfeier im Geiste der Französischen Revolution. ………. Transparente mit Namen und Bild des ukrainischen Nazikollaborateurs Stepan Bandera jedenfalls wurden von den Demokraten auf dem Maidan weder untersagt noch entfernt.

Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Demonstrationsrecht sind hohe Güter. Sie zu beschädigen wäre eine Schande. Deshalb sollten wir uns bemühen, diese Rechte zu hegen und zu pflegen.

Schon bei Inge Hannemann fiel mir auf, wie schnell auf das Demonstrationsrecht verzichtet wurde, nur weil die Möglichkeit bestand beziehungsweise das Gerücht im Umlauf war, es könnten »Nazis« an der Demonstration gegen Hartz4 teilnehmen. – Allein der Verdacht einer Störung der Versammlung reichte aus, um die Organisatoren dazu zu bringen auf diese wichtige Demonstration gegen ein deutsches Unrecht zu verzichten. – Unfassbar.

Bei Demonstrationen wird entweder eine Strecke gelaufen, oder die Leute stehen die ganze Zeit auf einem Platz. An einer Demonstration können zum Beispiel 5, 50, 500 oder 5000 Leute teilnehmen. Um Demonstranten herum wird kein Absperrband gewickelt, so dass scharf zwischen »öffentlichem Raum« und Gruppe der Demonstranten unterschieden werden kann. Während einer Demo können Teilnehmer schnell mal beim Bäcker verschwinden, sich etwas kaufen, und sich dann wieder der Demonstration anschließen. Manche Demonstranten stehen dicht beisammen, andere stehen alleine oder in kleinen Gruppen ein paar Meter neben der Hauptgruppe. Manche Demonstrationen sind so groß, dass der Anmelder der Demonstration nicht überblicken kann, wo die Demo anfängt und wo sie aufhört. Manche Leute laufen 20 Minuten mit und verabschieden sich schon wieder. Die Grenzen zwischen Passanten und Demonstranten verschwimmen teilweise. Das hängt auch von den räumlichen Gegebenheiten ab.

Wenn nun an irgendeiner Stelle einer unübersichtlichen Demonstration plötzlich Transparente mit Naziinhalt auch nur für einen kurzen Moment hochgehalten werden, und in einer abgesprochenen Aktion ein bestellter »Journalist« das ablichtet, im Hintergrund der Demonstrationszug, wer soll das verhindern? – Aber selbst wenn die Organisatoren und »Demokraten« direkt neben einer solchen Provokation stünden, sollen sie eine gewalttätige Auseinandersetzung riskieren? Natürlich müssen solche Vorkommnisse der Polizei gemeldet werden. – Und wenn überhaupt jemand aktiv vorgehen könnte, gegen solche Provokationen, dann die Polizei.

Was nun genau in der Ukraine bei den Demonstrationen vorgefallen ist, darüber spekulieren wohl auch diejenigen, die über diese Ereignisse schreiben. – Aber es möge sich doch nur jemand einmal vorstellen, wenn solche Provokationen gezielt veranstaltet werden, um Demonstrationen zu verhindern, zukünftig, was das für eine negative Folge wäre, für die in den Menschenrechten verbriefte Versammlungs- und Meinungsfreiheit. – Mit solchen Provokation ließe sich doch das Demonstrationsrecht komplett lahmlegen. Und um das zu verhindern, sollten diese Vorgänge gar nicht so aufgebauscht und hochgehängt werden. – Es genügt festzustellen, dass die Versammlungsleiter die Pflicht haben, solche Vorgänge der Polizei zu melden, damit diese die nicht erlaubten Transparente entfernt. – Das war es.

Aber durch solche Andeutungen, wie sie Brumlik macht, wird doch der Eindruck erweckt, als wollten die Veranstalter solche nationalistischen Transparente. – Beweise hat er für diesen Verdacht scheinbar nicht.

Meinungsfreiheit

Im Grundgesetz steht:

Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Und in den Abmachungen der UNO finden wir.

Artikel 19 Menschenrechtserklärung
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Damit ist eigentlich alles gesagt. Wie kommt es aber, dass dennoch die Meinungsfreiheit »faktisch« eingeschränkt ist?

Um die Meinung äußern zu können, brauchen die Menschen Medien. Das einfachste Medium ist die Stimme. Jeder kann sich hinstellen und seine Meinung sagen. Aber da beginnen bereits die Schwierigkeiten. Stellt sich der Mensch in seiner Wohnung hin, und sagt seine Meinung, dann geht das nur, wenn er nicht dadurch Nachbarn belästigt (Lautstärke, Uhrzeit, ..). Und auf öffentlichen Plätzen kann man nicht einfach Menschen um sich versammeln und eine Rede halten. – Öffentliche Versammlungen müssen angemeldet werden. Wer Flugblätter verteilt, muss diese namentlich kennzeichnen, damit die Behörden wissen, wer für den Text verantwortlich ist.

Am Arbeitsplatz kann ein Mitarbeiter nur bedingt seine Meinung sagen. Geht er in Konfrontation mit seinen Chefs, so werden diese versuchen, den Mitarbeiter loszuwerden. Zum Beispiel wegen »geschäftsschädigenden Verhaltens«. – So ist festzustellen, dass es gar keinen öffentlichen Raum mehr gibt. Jeder »Raum« gehört irgendjemandem anderes. Dem Hauseigentümer gehört die Wohnung. In der Schule können die Schüler nicht sagen, was sie wollen. Hier hat die Schulleitung Hausrecht. Auf der Straße hat der Staat »Hausrecht«.

Und wie ist es im Internet? Hier könnte man meinen, sei die Meinungsfreiheit eher möglich. Auf einer Homepage kann jeder Bürger seine Meinung sagen. Oder? Natürlich nur im Rahmen der Gesetze. Und wer eine eigene Domain verwendet, kann Besuch bekommen von Menschen, die mit dem Autor »direkt« kommunizieren wollen. 🙂

So lässt der Mensch, der seine Meinung sagen will, seine Homepage hosten und meldet keine eigene Domain an. Aber auch da ist niemand davor geschützt, seine Meinungsplattform gekündigt zu bekommen, weil Regierungen den Provider und Hoster unter Druck setzen und so die Sperrung der Seite erwirken. – Mit anderen Worten, die Meinungsfreiheit ist theoretisch gegeben, in der Praxis bestehen allerdings viele Hürden.

Wie ist es auf Kommunikationsplattformen? Foren, Soziale Netzwerke. Hier spielt wieder die Eigentumsfrage eine große Rolle. »Foren« sind in der Regel von Privatpersonen erstellt worden, von Vereinen, aber auch von Firmen. Diese haben neben den gesetzlichen Regeln, die sie beachten müssen, eigene Regeln, nach denen sie die Beiträge anderer Personen beurteilen. Gefallen dem Foreneigentümer bestimmte Meinungen nicht, in »seinem« Forum, wird er sie zu verhindern wissen und die Verursacher aus »seinem« Forum verbannen.

In den Sozialen Netzwerken sind es auch wieder die »Eigentümer« der Netzwerke, die Regeln aufstellen und damit festlegen, was möglich ist und was nicht. – Im Usenet gibt es (selbsternannte) Meinungspolizisten, die ein bisschen für »Ordnung« sorgen.

Wie ist nun die Tendenz bei der Meinungsfreiheit?

Meinungsfreiheit ist am ehesten dann möglich, wenn das Medium, das die Meinung trägt, und der »Raum«, in dem Meinungsfreiheit stattfindet, nicht »fremder« Kontrolle unterliegt und der Mensch »Medium und Raum« unbeschränkt nutzen kann, um sich mitzuteilen.

Im Grunde bedeutet es, das Meinungsfreiheit überhaupt nicht existiert, sondern nur eine gegenseitige Duldung und Akzeptanz. – Wenn wir einander nicht dulden und akzeptieren, werden wir uns bekämpfen und verhindern.

Meinungsfreiheit ist mehr ein Anspruch, als das sie Wirklichkeit ist.

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Was dürfen wir denken?

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Scharf aber kritisiert er eine »Stellungnahme« zu »Evolution und Schöpfungslehre«, die auf der Homepage des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) steht. Hier würden »Schüler in grotesker Weise falsch über das Wesen der Wissenschaft unterrichtet«, sagte Leinfelder der »Welt«.

Wer mit »Falsch-und-Richtig« Parametern schon daherkommt, hat doch das Feld der Diskussion bereits verlassen. Er will bestimmen!

………………. weil Wissenschaft und Religion zwei völlig unterschiedliche Kategorien sind, die nicht dasselbe beschreiben«. Leinfelder weiter: »Wenn die Evolutionstheorie bestimmte Phänomene nicht erklären kann oder Lücken in der Befundlage feststellt – was zum täglichen Brot der Wissenschaft gehört –, dann muss weiter geforscht, müssen die Hypothesen überprüft werden. Es besteht aber keinerlei Anlass, den Glauben in die Lücken springen zu lassen.«

Und der Staat meint dazu:

Auch christliche Bekenntnisschulen seien an die geltenden Richtlinien und Lehrpläne gebunden, und laut denen werde im Biologieunterricht »ganz klar auf der Basis naturwissenschaftlich belegbarer Beweisführung Evolution unterrichtet«.

Wie die Welt gesehen werden soll, wird vorgeschrieben! ?

Alles, was »naturwissenschaftlich« nicht belegbar ist, ist unwahr und ein Schmarrn? Ist es denn wenigstens freigestellt, sich dieser Ansicht anzuschließen oder nicht? 😕

Der Staat kann nicht bestimmen, was die Bevölkerung zu denken hat. Warum? Der Staat sind Menschen aus Parteien, die mehrheitlich gewählt wurden. »Mehrheit« kann aber bedeuten, dass die »Minderheit« fast genauso groß ist. Außerdem wird fast immer unterschlagen, dass fast die Hälfte der Wahlberechtigten gar nicht mehr Wählen geht, also die Legitimation der Gewählten fragwürdig ist.

Auch das Argument, der Staat bezahlt die Schulen, deshalb dürfe er bestimmen, was die Kinder lernen, ist Quark. Wissen und Bildung muss den Menschen frei zugänglich sein. Einschränkungen gibt es dann, wenn die Meinungsfreiheit dazu benützt würde, die Meinungsfreiheit zu bekämpfen oder wenn die Pressefreiheit dazu benützt würde, dafür einzutreten, die Menschenrechte oder das Grundgesetz außer Kraft zu setzen.

Die Naturwissenschaften sind wichtig. Man sieht es daran, dass ein Smartphone funktioniert. Aber das materialistische Denken hat kein »Vorrecht«, aufgrund dessen anderes Denken und anderes »Wissen« ein Schattendasein führen müßte.

Wir brauchen kein einseitiges Wissen, welches allein eine »technische Welt« beschreibt, sondern ein vielfältiges Wissen, in denen Gefühle, die Phantasie, das geistige Leben eine Rollen spielen. Weil der Menschen selbst vielfältig ist und durch Einseitigkeit verarmen würde.

Der öffentliche Raum – Textkorrekturen bei bekannten Autoren

achgut–als-max-frisch-den-neger-doesen-sah
tagesspiegel–diskussion-um-kinderbuecher-ein-gemuesediktator-namens-jerusalem

Kann man sagen, dass es Zensur ist? Es ist ein Zurechtrücken des Autors. Weil Texte Literatur sind, könnte man glauben, es sei unser aller Literatur, »deutschsprachige« Literatur zum Beispiel. Deshalb glaubt man, man könne in den Werken dieser Menschen herumfuscheln, reinschreiben, korrigieren. Weil diese Literatur ja uns repräsentiert, gegenüber anderen. So denkt man.

Würden wir aber Texte, Schriften, als Werk eines Einzelnen begreifen (inklusive der UnterstützerInnen, die korrekturlesen) und nicht als »nationale« Literatur, wäre der Drang zur Verbesserung vielleicht nicht so groß. Im »Meer der Schriftsteller«, gibt es nun mal solche und solche. Man liest halt nicht das, was einem nicht gefällt. Deshalb muss man es noch lange nicht zensieren.

Es liegt also einmal an der Überbewertung der Mitteilungen. Im Übrigen, was ist denn das für eine Tendenz, wenn sich die Neigung durchsetzt, die Äußerungen der Mitmenschen korrigieren zu wollen. Sind das nicht Verhaltensweisen, typisch für totalitäre Staaten? Andere Menschen dominieren, über sie herrschen, sie bestimmen, deren Äußerungen »korrigieren« wollen? Sind das nicht Herrenmenschen, die so mit den anderen umgehen möchten, und das auch noch »in Ordnung« finden, wenn sie in die Werke der Mitmenschen hineinschreiben?

Argumentieren tun diese Leute aber genau umgekehrt. Diejenigen, die korrigiert werden müssen, seien die »Herrenmenschen«, denn sonst hätten sie nicht solchen Stuss geschrieben. Ja, aber oft kann man die Motive des Schreibers nicht mehr eruieren, weil er tot ist. Und bei den Lebenden, na die wehren sich, wie Frau Nöstlinger zum Beispiel. Sie sagt, eine jüdische Person hätte sie auf den Begriff aufmerksam gemacht. Also meine persönliche Meinung, ich bin mir nicht sicher, weil wenn sie Kinderbuchautorin ist, hätte ich ihr zugetraut, den Begriff nachzuforschen. Aber da fällt mir jetzt ein, zu der Zeit in den 70er Jahren, gab es ja noch kein Internet, mit dem das Forschen ja so einfach ist, wahrscheinlich ist also die Version von Frau Nöstlinger doch die Wahrheit.

Es zeigt sich halt, dass Öffentlichkeit ein sensibler Raum ist.

Wer sich in ihn wagt, muss aufpassen. Personen werden schnell angegriffen, wenn sie dort etwas falsch machen. Die Menschen wollen, dass Öffentlichkeit ein befriedeter Bereich ist. Wer in diesen Raum mit seinen Äußerungen Unfrieden bringt, ist nicht wohlgelitten. Dennoch müssen wir uns alle in den öffentlichen Raum wagen, denn wie wollen wir sonst uns mitteilen, oder an der Gestaltung der eigenen Umwelt mitwirken? Zur Kommunikation müssen wir Worte, Sprache benutzen und mitwirken heißt auch die Welt prägen. Wie es »richtig« ist, erfahren wir durch Korrekturen der Anderen. Wenn Kinder »schlechte Worte« sich angeeignet haben, auf der Straße, dann werden sie von ihren Eltern korrigiert. Aber ab irgendeinem Zeitpunkt sind unsere Äußerungen Ausdruck unserer Persönlichkeit. Wenn wir mit unseren Mitteilungen die Aggression der Mitmenschen hervorrufen, hat dies Wirkung auf uns selbst. Kommunikation ist ein Balanceakt zwischen »Freiheit des Wortes« und Anerkennung durch andere und »Äußerungsverbot«, Strafen und Verfolgung durch die staatliche (gemeinschaftliche) Ordnung.

Nachtrag:
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Denis Scheck, ein Buchkritiker, scheint gehörig in den Morast getreten zu sein. Er hatte sich in einer Fernsehsendung schwarz angemalt (er sagt jetzt in »Kultur heute« im DLF, »wie beim Karneval, als Neger«) und hat damit in den Medien Aufruhr verursacht. Weil das Anmalen in den USA eine Methode des Rassismus gegen die Schwarzen war und auch dort verboten ist (Blackfacing). Herr Scheck wusste davon nichts (aber er als »Kulturexperte«?).

Ich selbst hatte vor nicht langer Zeit im Tagesspiegel über „Blackfacing“ gelesen. Es ging um Dieter Hallervordens Theater in Berlin.

tagesspiegel–theater-und-rassismus-schwarz-auf-weiss

Scheck meinte außerdem, die alten Schriften seien »Kunstwerke« und niemand hätte das Recht in ihnen die Texte zu verändern.

Was ist Wissenschaft

Dirk Maxeiner und Michael Miersch verweisen in ihrem Beitrag auf achgut.com auf eine Internetseite »psiram«, die offenbar als Ersatz für »EsoWatch« ins Netz gestellt wurde.

achgut-akademischer-humbug

Über EsoWatch hatte ich hier in diesem Blog bereits geschrieben. Esowatch denunzierte und beschuldigte andere Menschen dieses und jenes zu tun, zu glauben, und mit den böse dreinblickenden Wolfsaugen, (die auch wieder in psiram zu sehen sind) sollte suggeriert werden, die Beobachteten seien nicht ganz koscher.
Der Punkt aber war, dass der Autor dieser Internetseite sich selbst im Anonymen verbarg, aber andere Menschen in die Öffentlichkeit zerrte und angriff. (Dann wurde dessen Identität gelüftet, ich habe allerdings diese Sache nicht weiter verfolgt.)

In ihrem reißerisch überschriebenen Artikel suggerieren Maxeiner und Miersch, Wissenschaft könne unterschieden werden, zwischen obskur und seriös, zwischen richtig und falsch, aber schon die Bedingungen, unter denen ein Sachverhalt untersucht wird, sind subjektiv gewählt, unterliegen der »Meinung«, der Ansicht. – In der Tendenz geht das Gejammere der Beiden in Richtung »Bedrohung der Meinungsfreiheit«, denn sie selbst behaupten ja, die »Wahrheit« zu wissen, die anderen sind in ihren Augen doof.

Sie schreiben in ihrem Beitrag:

Homöopathie ist der Glaube daran, dass Stoffe durch Verdünnung mit Wasser immer wirksamer würden, wenn man das Wasser auf die richtige Weise schüttelt.

Maxeiner und Miersch kann ich mir dann schenkelklopfend in der Kneipe hockend vorstellen, wie sie feixen, was das denn für ein Blödsinn sein müsse, »Stoffe verdünnen und schütteln und dann soll es helfen«, hahaha.

Ihr inquisitorisches Bemühen formulieren sie dann so:

Dass bald ganze Universitäten Humbug statt Wissenschaft lehren, müsste eigentlich zu noch größerer Empörung führen.

Und vergleichen diese Wissenschaften mit dem Doktorarbeits-Betrug von Guttenbergs.

Ob die beiden auch gerne bei der Hexenverfolgung mitgemacht hätten? 😦

Dann übersehen sie mit ihrer Bauernschläue, die Stiftungsgeber, die sich für die ihrer Meinung nach dubiosen Wissenschaften einsetzen, sind doch erfolgreiche Menschen, die mit dem was sie machten und dachten viel Anerkennung erhielten. Es handelt sich demnach um kluge und »wissende« Personen. – Insofern ist ihr Engagement für bestimmte Bereiche, die sie für förderungswürdig erachten, anzuerkennen, statt diese Unternehmungen zu verhöhnen, wie es diese beiden Max-und-Moritze machen.