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Ökonomie betrachten

Über die »Ökonomie« lässt sich Norbert Häring aus, aber zur Mitte seines Textes vermisse ich einen Hinweis darauf, was Wirtschaft überhaupt soll.

http://norberthaering.de/de/27-german/news/466-menschenfeindliche-oekonomik#weiterlesen

Ist sie nicht dazu da, uns mit den Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die wir Menschen brauchen?

Auf der Erde sind wir Menschen mit unserem Körper. – Ohne unseren Körper können wir Menschen hier auf der Erde gar nichts. Und unser Körper braucht bestimmte Dinge, damit er leben kann, damit er auf der Erde eine Zeit lang existieren kann. Denn zeitlos kann unser Körper auf der Erde eben nicht existieren. Aber er kann relativ lange, und über die Zeit, immer länger existieren.

Wir könnten auch sagen, es ist eine Nebensächlichkeit, was wir da brauchen, an Gütern und Dienstleistungen. Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die wir da brauchen. Aber unsere Körper brauchen nun mal diese Dinge.

Und dafür ist die Wirtschaft, die Ökonomie da, diese Dinge zu produzieren, sie bereitzustellen, damit wir sie uns nehmen können, damit sie unser Körper bekommt.


Aber alles, worüber die Ökonomen heute, worüber die Wirtschaftsjournalisten heute schreiben und reden, ist gar nicht nahe genug an dieser Erkenntnis.

Häring schreibt über »Egoismus, Konkurrenzdenken und Aggressivität« im Menschen und dem Menschenbild der klassischen Ökonomie (als Wissenschaft), das besagt, dass »… die Ungleichwertigkeit von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen … integraler Bestandteil des aufgebauten Theoriegebäudes der Ökonomen« sei.

Seine Analyse und Beschreibung ist richtig, wobei er sehr viel Text verwendet, um die typischen Vertreter der Ellenbogengesellschaft zu beschreiben.

Er weist auf die »Chancen von kollektivem Handeln« hin und wie wichtig der Gleichheitsgedanke ist und wir nicht umhinkommen, diesen weiter im Auge zu behalten.


Ökonomie lässt sich vollständig aus der Sicht des menschlichen Körpers begreifen und verständlich machen. – Wenn jemand in der Nahrungsproduktion arbeitet, dann kann dieser abends eine Portion der Ware kostenlos mit nach Hause nehmen, wer in einem Imbiss arbeitet, kann von den Produkten, die er feilbietet, selbst etwas nehmen und essen, ohne dafür zu zahlen und in der Lebensmittelkette können abends die Mitarbeiter von der Ware, die sonst weggeworfen wird, einen Teil mit nach Hause nehmen, was noch gut und verwendbar ist.

Der größte Teil der Arbeit = Ware, die wir im Laufe des Tages herstellen und fertig für den Weitertransport machen, geht aber an andere Menschen, die wiederum die Produkte für ihren Körper brauchen.

So ist alles ein Geben und Nehmen. Ich produziere etwas, was ich auch selber brauche (das muss nicht immer der Fall sein) und du produzierst etwas, was ich brauche und was ich von dir bekomme. – Von all dem, was produziert wird, brauchen wir immer wieder etwas, vielleicht nicht immer dasselbe, aber im Laufe unseres Lebens immer wieder mal das Eine oder Andere.

Vielleicht sehen sie in meiner Erzählung, dass da die Worte »Lohn, Gehalt, Einkommen« fehlen. Auch die Worte »Geld, Bezahlen, kaufen«, sind nicht nötig. – Es geht nur darum, die Güter herzustellen, die Dienste anzubieten, und weiter, dass die Menschen sich die Dinge nehmen, die sie brauchen. – Somit kommt die ganze Wirtschaft ohne »Verkaufen, kaufen, Geld« aus.

Wenn ich einen Haarschnitt brauche, gehe ich zu einer Person, die diese Aufgabe erledigt. – Niemand müsste nachprüfen, ob das Ansinnen des Menschen »berechtigt« ist. Es ist zu sehen, am Kopf desjenigen. Ähnliches gilt für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. – Was ein Mensch braucht, können wir alle mitdenken und müssen uns nicht belehren lassen, von Kontrolleuren. – Nimmt sich ein Mensch zu viel, wenn er eine 5-Zimmer-Wohnung hat? – An was soll dies gemessen werden. – Und wenn der Maßstab berechtigt wäre, finden wir Wege, um eine Lösung herbeizuführen.

Wenn wir Abertausende von Flüchtlingen haben, dann ist dies eine Wanderbewegung und die Frage ist nur, haben wir genügend Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Energie. Und in unserer Überflussgesellschaft haben wir alles. – Hinzu kommt noch, dass immer wieder gesagt wird, der »Westen« sei mit Schuld an dem Elend in der Welt. – Wenn auch dies in dieser pauschalen Art oft nicht im Einzelnen zu klären ist, so sollten wir die berechtigten Interessen aller Menschen auf ein würdevolles Leben ernst nehmen und entsprechende Bedingungen herstellen, die dies ermöglichen.

Immer häufiger zeigt es sich, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) der richtige Weg in eine bessere Welt darstellt. – Die Situation der Flüchtlinge macht deutlich, dass wir gute Lösungen brauchen und das bGE ist eine sehr gute Lösung in einer globalisierten Welt.

Norbert Häring schreibt: »Wem gemäß den Vorgaben des Grundgesetzes unabhängig vom eigenen Arbeitseinsatz ein menschenwürdiges Minimum an Einkünften garantiert ist, der muss seine Arbeitskraft nicht zu den vorherrschenden, vielleicht zum Überleben gar nicht ausreichenden Löhnen anbieten.«

Und dieses »Nicht-anbieten-müssen« ist der Verzicht auf die Hartz4-Zwangsarbeit, ist die Einhaltung der Menschenrechte in diesem Land, was aber heute nicht der Fall ist und wogegen sich Ralph Boes wendet, mit seinem »Sanktionshungern«. – Der heutige Staat in Deutschland ist totalitär, selbst wenn viele Menschen das nicht empfinden. Er ist mit seinen Gesetzen totalitär und wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, müssen wir Bürger uns gegen diesen Unrechtsstaat wenden und für menschenwürdige Verhältnisse eintreten.


Kristin Eberhard befindet in ihrem Artikel, dass wir Menschen schauen müssen, in welche Richtung sich die Gesellschaften bewegen, und ob das den Vorstellungen der Allgemeinheit entspricht.

https://medium.com/basic-income/can-we-create-a-world-that-works-for-all-if-the-elites-in-charge-don-t-want-us-to-5eed5994c6be

Sie meint, es könnten heute die falschen Leute »am Ruder« sein und uns nicht in eine Welt der »Gleichheit« führen, sondern ihren eigenen egoistischen Interessen nur folgen, während sie uns im Ungewissen belassen. – Die »falschen Leute am Ruder« sind heute die Politiker oder die Eliten, die uns weißmachen wollen, was richtig ist, während sie in Wirklichkeit nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben.

What are the rest of us rowers — those of us who believe that a world that works for all is not only possible, but the only acceptable destination for humanity — to do? We must take the tiller back from those who are leading us astray.

Was bedeutet es, wenn die Eliten »kein Problem« damit haben, dass ein Großteil der Bevölkerung Vollzeit arbeitet und dennoch arm ist. Es bedeutet, dass wir uns nicht auf diese Leute verlassen können und selbst dafür sorgen müssen, dass die Gesellschaften menschenwürdiger werden.

Kristin Eberhard:

In a world with few jobs for humans, a minimum wage will not keep all Americans out of poverty. A basic income will.

Der Einsatz für Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) ist unerlässlich, um wieder weltweit für menschenwürdige Verhältnisse zu sorgen. – Es wird möglich mit unserer Beteiligung. – Es ist unser aller Aufgabe und jede einzelne Person und ihr Engagement zählt.

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Wirtschaft – Ein Thema für uns alle

Die Idee ist nicht schlecht. Eine gemeinwohl-orientierte Wirtschaft. [1]

Der Österreicher Christian Felber, Mitbegründer von »attac«, propagiert eine mit diesem Begriff verknüpfte Idee, die auf den ersten Blick verblüffend einfach aussieht:

Die Werte, denen sich die Wirtschaft verpflichtet fühlen sollte, sind die gleichen, die grundlegend für gute Beziehungen sind: Vertrauen, Sicherheit, Wertschätzung, Bedürfnisbefriedigung, Verantwortung, gegenseitige Hilfe, Mitgefühl und Kooperation. [2]
Und Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und demokratische Mitbestimmung sollen dazugehören. [3]

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist als Unternehmer-Initiative gedacht. »Menschliche Stärken und mehrheitsfähige Werte« sollen der Maßstab sein, für gemeinwohl-orientiertes Wirtschaften.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Die Unternehmen erstellen einmal im Jahr eine Gemeinwohl-Bilanz, in der sie sich selbst einschätzen, inwieweit sie gemeinwohl-orientiert arbeiten. »Gemessen« wird dies anhand eines Katalogs von Kriterien, die die Gemeinwohl-Ökonomie-Organisation (GÖO) erarbeitet. Ein Vertreter dieser Organisation überprüft dann nochmal die Selbsteinschätzung des Unternehmers und gibt sein O.K. zur Veröffentlichung, wenn alles stimmt. – Die Indikatoren zur Messung der Gemeinwohlorientierung werden fortlaufend von der GÖO erarbeitet.

Leider konnte ich keine Auflistung dieser Kriterien auf der Homepage der Organisation finden. Vielmehr scheinen diese Informationen nur für die Mitglieder gedacht zu sein, die sich »anmelden« müssen und einen »Mitgliedsbeitrag« zahlen sollen. Der Schlüssel ist dann eine Excel-Tabelle, in der die Daten sich befinden.

Langfristig ist geplant, die »Bilanzprüfungsergebnisse« staatlichen Stellen zugänglich zu machen, damit diese Anreize für die Unternehmer schaffen, gute Ergebnisse zu erhalten. Schlechte Ergebnisse würden bestraft, oder doch zumindest benachteiligt.

Insgesamt also eine gute Idee?

Ich denke, auf alle Fälle. Denn die Menschen wollen die Wirtschaft, wie sie heute ist, nicht mehr, und es muss sich einfach etwas ändern. Wenn es so läuft, dass sich die Unternehmer selbst eines Wertekanons verpflichten, um so besser. Als Kunde, Konsument, kann ich mich an dem Gütesiegel der GÖO orientieren, muss es aber nicht.

Kritikpunkte?

Die »(nichtmonetären) Nutzwertindikatoren« [4], die Grundlage für eine Bewertung von Unternehmen sind, sollten für alle Bürgerinnen und Bürger einsehbar sein, sonst entsteht ein »geheimer Zirkel« von Eingeweihten, und die Schlüssel zu einer guten Bewertung bleiben im Verborgenen. Das kann nicht gut gehen und würde dem Transparenz-Anspruch widersprechen.

Dass der Staat ein Belohnungs- und Benachteiligungssystem erstellen soll, mit dem die Unternehmer an die Kandare genommen werden, ist eher nicht zu unterstützen. Hier hätten wir wieder einen Kontroll- und Bestrafungsstaat, der die öffentlichen Bediensteten in eine nicht wünschenswerte Position bringt. Was solche Machtpositionen anrichten, sieht man gerade bei Hartz4 oder beim NSA-Skandal. Die »Aufgabe« verselbständigt sich, und auf einmal hat der Bürger den Staat als Gegner. – Eine Kontrollbürokratie ist das Einfallstor in totalitäre Verhältnisse und ist deshalb abzulehnen.

Die Gemeinwohl-Ökonomie wäre somit nichts anderes, als eine Fortsetzung der bereits bestehenden Ansätze. Zum Beispiel bewertet die Zeitschrift »test« schon seit einigen Jahren neben den Produkten auch die Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben, die sich nicht selten weit weg im Ausland befinden. Das nennt sich dann »Gesellschaftliche Unternehmensverantwortung« (Corporate Social Responsibility), CSR.

So wird ein Großteil der Kleidung heute in asiatischen Ländern, wie China, Indonesien, Bangladesch und Vietnam produziert, nach Designvorgaben. Um herauszufinden, ob die Entlohnung angemessen ist, die Arbeitsbedingungen in Ordnung sind und der Umweltschutz beachtet wird, müssen die »Prüfer« erst einmal in diese Länder reisen, um für ein paar Tage sich umzuschauen. – Ob man den Ergebnissen solcher Untersuchungen trauen kann, ist eine andere Sache.

Zur Erinnerung. Wir im Westen waren es, Ende der 90er Jahre, deren Regierungsvertreter (in erster Linie Gerhard Schröder) vorlaut verkündeten, die europäischen Arbeitnehmer müssten im »Wettbewerb« mit den anderen Ländern bestehen, und das ginge nur, wenn wir uns deren niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen anpassen würden. Nur so blieben wir wettbewerbsfähig. – Stattdessen hätten wir schon damals die miesen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den anderen Ländern verurteilen müssen und die »Wettbewerbslogik« in Frage stellen sollen. Es ist aber nicht geschehen. Heute rennen wir den »fairen« Wirtschaftsverhältnissen hinterher, nachdem wir sie hier zerstört haben. Zynisch kann man sagen, ein Gutes hat es. Denn jetzt können wir weltweit, also auch in Deutschland, Armut bekämpfen und für gute Arbeits- und Entlohnungsbedingungen eintreten. Den Menschen geht es (fast) überall gleich schlecht (die Eliten und erfolgreichen Lobbyisten einmal ausgenommen).

Bei der Herstellung einer Ware sind verschiedene Abschnitte und Produktionsstufen zu berücksichtigen, die oft nicht alle einsehbar sind, um letztlich beurteilen zu können, ob das Produkt wirklich »fair« hergestellt wurde. Auch täuscht der »Gemeinwohl-Ökonomie« Ansatz darüber hinweg, dass ein Siegel dieses Bewertungssystems keinen Kunden zwingen kann, nur von diesen Anbietern zu kaufen. Und der gut gemeinte Hinweis auf die »getesteten« Produzenten nützt nichts, wenn der Preis für den Kunden viel zu hoch ist, zum Beispiel weil den Mitarbeitern »faire« Löhne gezahlt werden oder die Produktionskosten durch Umweltauflagen in die Höhe schnellen. In abgewandelter Form haben wir dieses Dilemma schon heute, wenn etwa für einen Teil der Bevölkerung die Preise in den Öko-Läden zu hoch sind, und sie deshalb gezwungen werden bei den Discountern einzukaufen. Oder ein »Natur« Laden zwar tolle T-Shirts anbietet, mit Ökosiegel, aber der Hartz4-Empfänger aufgrund seiner knappen Mittel doch woanders einkaufen muss.

Die Stiftung Warentest schrieb 2012 über das Produktionsland China [5]:

In der Region Iiangmen zum Beispiel liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 950 Yuan, umgerechnet 122 Euro im Monat für eine 48-Stunden-Woche. …. Der Lohn reicht aber kaum zum Leben. Daher sind Überstunden an der Tagesordnung. Extrembeispiel: ln der Nähfabrik, die für Salewa fertigt, machten im März 2012 fast alle Arbeitnehmer 83 bis 87,5 Überstunden – gesetzlich erlaubt sind 36 Stunden im Monat.

Was würde die Gemeinwohl-Ökonomie des Christian Felber an diesen Umständen ändern?

Im übrigen ist die Gemeinwohlorientierung ja kein völlig neuer Gedanke. Seit fast hundert Jahren ist diese Perspektive Teil der anthroposophischen Weltsicht und Lebensgestaltung. Möglicherweise hat sich Herr Felber ja ein bisschen an diese Überlegungen angelehnt, ohne den schwergewichtigen Unterbau mitschleppen zu müssen.

Felber will sich an Grundwerten [6] orientieren, in einem neuen Wirtschaftssystem [7]. Damit wird ein Bereich der Lebenswelt in den Fokus genommen und »passend« gemacht. – Während die Steinerschen Überlegungen [7a] ja von universellen Gesetzmäßigkeiten ausgehen, denen der Mensch unterworfen ist, und die er wahrnehmen und anerkennen sollte. Auch beobachtete Steiner die Vorgänge in der Wirtschaft, um daraus seine Schlüsse zu ziehen, wie ein organisches Wirtschaften aussehen könnte, wenn es von den krankhaften Auswüchsen bereinigt ist. Ein menschengemäßes, den universellen Gesetzen entsprechendes Wirtschaften war sein Anliegen.

Felbers Entwurf ist im Vergleich dazu einfacher gestrickt, schneller versteh- und umsetzbar. Ein Angebot für jene, die nicht lange warten wollen?

In seiner lesenswerten Auseinandersetzung mit dem Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie schreibt Andreas Exner unter anderem [8]:

Schließlich ist die “Gemeinwohl-Ökonomie” vor allem ein Marketingkonzept, das die Person Christian Felber für sich maßgeschneidert und – potenziell einkommensträchtiger als ein Migrantinnenprojekt – an dafür empfängliche Unternehmerinnen und Unternehmer gekoppelt hat. Es trägt weniger inhaltlich, sondern beruht wesentlich auf der Sehnsucht nach Erlösung, deren Erfüllung die Fangemeinde in seine Person projiziert.

Auch wenn ich nicht ohne weiteres den Lösungsansätzen des Herrn Exner zugeneigt bin, so vermittelt dieser Autor doch interessante Einblicke in die NGO-Organisation attac, in der Felber sein Projekt ansiedelt.

Betrachtet man den Ansatz der »Gemeinwohl-Ökonomie« aus der Grundeinkommens-Perspektive, dann kann man diese Bemühungen erstmal (in eingeschränkter Form) begrüßen. Unternehmer, die für soziale und Umwelt-Fragen sensibilisiert sind, werden gebraucht. Aber abzulehnen ist die Idee des Kontroll-Staats, die ebenfalls in dem Konzept steckt. – Was ich weiterhin nicht in der »Gemeinwohl-Ökonomie« gefunden habe, ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Aufgabe die Wirtschaft überhaupt hat.

Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE) in der Tasche der Citoyen, büßt der »Gemeinwohl-Ökonomie« Ansatz schnell an Bedeutung ein. In einer Internet-Gesellschaft spricht es sich herum, welche Unternehmen Umweltschutz- und Arbeitsschutz-Richtlinien missachten, schlechte Löhne zahlen und schlechte Arbeitsbedingungen bieten oder auch akzeptable (siehe die Amazon-Diskussion). Und der Bürger hat mit einem bGE die Freiheit, unabhängig von Arbeitsplatznot zu entscheiden, welche Wirtschaft er will. Außerdem ist er es selbst, der bewertet und Kriterien aufstellt, und nicht eine ominöse Organisation, ein bürokratischer Wasserkopf, von dem er dann wieder abhängig wäre. Mit einem bGE ist es der Bürgerin und dem Bürger freigestellt, einem eigenen Wertekatalog gemäß, Produkte nicht, oder doch zu kaufen, Arbeit nicht, oder doch anzunehmen. – Die Institution Gemeinwohl-Ökonomie, mit ihren »(nichtmonetären) Nutzwertindikatoren« wäre womöglich überflüssig.

[1]
gemeinwohl-oekonomie.org

[2]
sein–gemeinwohl-oekonomie-wirtschaften-fuer-das-wohl-aller

[3]
berlin.gwoe–dbu-foerderprojekt

[4]
gemeinwohl-oekonomie.org–ein-wirtschaftsmodell-mit-zukunft

[4a]
soziales-kapital.at

[5]
Stiftung Warentest, August 2012, Test Funktionsjacken; »Zum Leben zu wenig – Produktionsbedingungen«

[6]
Grundwerte;
Wikipedia:
Die grundlegenden Wertvorstellungen einer … Gruppierung

[7]
System;
Wikipedia:
Der Begriff System (von griechisch σύστημα, altgriechische Aussprache sýstema, heute sístima, „das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene“; Plural Systeme) bezeichnet allgemein eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen bzw. miteinander verbunden sind und in einer Weise interagieren, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können.

[7a]
Rudolf Steiner – Nationalökonomischer Kurs
Vorträge als PDF
Rudolf Steiner Online Archiv

[8]
streifzuege.org–solidarische-oekonomie-statt-gemeinwohl-oekonomie

Bedarf und Bedürftigkeit – Was brauchen wir?

Im Blog des »Konzeptwerk Neue Ökonomie« findet sich ein Artikel zum »Crowdfunding«.

konzeptwerk-neue-oekonomie–mehr-wirtschaftsdemokratie-durch-crowdfunding

Gleich zu Beginn werden Parameter benannt, die in einer Wirtschaft eine Rolle spielen können, und es werden Fragen aufgeworfen.

Marktwirtschaft
Produktion von Gütern
Verteilung von Gütern
Demokratie
Solidarität
Entscheidungen
Bedürftigkeit
Geld
Nachfrage

Welche Einflussnahme hat der Bürger auf die Produktion?
Warum wird nicht (nur) das produziert, was die Menschen brauchen?

Zur »Marktwirtschaft« kann man einwenden, ob wir einen »Markt« brauchen. Dies lässt sich aber nur beantworten, wenn weitere Parameter in die Diskussion eingebracht werden, was ich hiermit tue.

Lebensnotwendige Produktion
lebensbereichernde Produktion
überflüssige Produktion
Gemeinwohl
Allgemeinheit
Direkte Demokratie
Bedingungsloses Grundeinkommen

Bei der »lebensnotwendigen Produktion« kann man sich langfristig eine überwiegend »marktfreie« Produktion dann vorstellen, wenn man von der Physis des Menschen so viel weiß, dass ein sinnvoller Ernährungskatalog erstellbar ist. Und »Markt« gibt es womöglich immer noch für allen Schnickschnack, den sich die Individuen wünschen.

Alles, was über die »notwendige Produktion« hinaus wichtig für die Menschen ist (also alles, was nicht Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie betrifft), müsste im Einzelfall angeschaut werden. Richtschnur hierbei wird der »Bedarf« sein. – Der von dem Autor »Kai Kuhnhenn« verwendete Begriff »Bedürftigkeit« sollte keine Rolle spielen, weil er etwas »passiv« formuliert, was aber nur vom Individuum aktiv angemeldeter »Bedarf« gegenüber der Wirtschaft sein kann.

Die »Produktion der Güter« ist Aufgabe der Wirtschaft, die »Verteilung der Güter« meint wohl in erster Linie, dass auf die lebensnotwendige Produktion ein gerecht verteilter Zugriff möglich ist. Denn es geht um eine »aktive« Handhabung der Produktion (Ergebnisse) und mit Verteilung der Güter klingt eher durch, Almosen des Staates.

Der Begriff »Demokratie« ist ungeeignet, einen Ort zu formulieren, an dem die Wirtschaft angesiedelt ist. In den Containerbegriff Demokratie wird so viel hineininterpretiert, dass er einer Konkretisierung der Sachverhalte nicht dienlich ist. Der Ort, an dem Wirtschaft stattfindet, ist die »Gemeinschaft« der anwesenden Menschen.

Die Produzenten müssen darauf achten, dass die Produktionsergebnisse und der »Gewinn« aus der Produktion »brüderlich« geteilt wird (was wir »passiv« erleben), die gemeinschaftliche Verwaltung (oft als »Staat« bezeichnet) muss mittels »Gesetze« dafür sorgen, dass alle Bürgerinnen und Bürger »aktiv« ein Recht auf Zugriff auf die Produktion erwerben.

»Solidarisch« müssen die Produzenten sich verhalten, gegenüber allen Mitarbeitern und gegenüber der Gemeinschaft insgesamt. Solidarisch verhalten sich die Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen, wenn sie bei ihrer Arbeit das »Gemeinwohl« im Sinn haben und in erster Linie für die Allgemeinheit tätig sind.

Wenn die Allgemeinheit über die Produktion entscheiden würde (mittels Crowdfunding oder direkt-demokratisch), hätte sie zuerst einmal das Gemeinwohl im Sinn zu haben, was nur bedeuten kann, dass sie sich dafür entscheidet (die Entscheidung fällt), dass die notwendige Produktion allen Menschen der Gemeinschaft (Weltgemeinschaft oder lokale Gemeinschaft) ohne Einschränkung zugänglich ist. – Begründet wäre dies damit, dass wir produktionstechnisch und als Ergebnis unserer erfinderischen, wissenschaftlichen und erkenntnismäßigen Leistungen in der Lage sind, diesen »Dienst« uns allen als »Grundlage« mit auf den Lebensweg geben zu können. – Sozusagen als kostenlosen Liebesdienst.

»Geld« ist nur eine Metapher für »Zugriffsrecht«. Wer sich an dem Thema Geld festbeißt, übersieht, dass es des Geldes überhaupt nicht braucht, um »einkaufen« zu gehen. Es muss einfach nur erlaubt sein, sich die lebensnotwendigen Produkte zu nehmen! Die Gelddiskussion ist nicht selten ein Ablenkungsmanöver, die den ungeübten Betrachter in die Sackgasse führen soll, in der dann am Ende des Weges ein Schild steht »Kein Geld vorhanden« (Pech gehabt). – Geld »begleitet« die Produktion und soll den Tauschverkehr erleichtern. Geld ist weder in der Wirtschaftsdiskussion noch im realen Leben zwingend notwendig.

Unterscheidet man in der Produktion zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion, dann ist erst einmal nur für die notwendige Produktion »Nachfrage« sicher. Diese umfasst Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. Wenn für diese Produktion eine sichere Nachfrage besteht, könnte sie in weiten Teilen »geplant« werden. – Vielleicht könnte die Leipziger Denkfabrik einmal in alten Unterlagen nachschauen, wie man Wirtschaft plant und dementsprechend Vorschläge machen. 🙂

Auf Grundlage dieser Überlegungen lassen sich die vom Autor benannten Fragen wie folgt beantworten:

Wenn die Produkte einfach auf Basis der Bedürftigkeit verteilt werden, wer sichert dann den Gewinn der Unternehmer_innen bzw. sorgt für einen ausreichenden Produktionsanreiz?

Es wird nichts »verteilt«, sondern der Zugriff wird ermöglicht. Grundlage für eine Gesellschaft überhaupt kann nur ein Bedingungsloses Grundeinkommen sein. Dann aber stellt sich die Frage nach »Gewinn« neu. Wer aktiv wird, muss sich selbst die Frage beantworten, warum. Auch muss berücksichtigt werden, um welche Art von Produktion es sich handelt: notwendig, bereichernd oder überflüssig.

Was ist ein ausreichender Produktionsanreiz? Reicht es schon, den Unternehmer_innen ein Grundeinkommen zu sichern, und das Wissen, das ganz viele Leute sich über das Produkt freuen würden?

Ja, das kann der Unternehmer dann für sich selbst klären, ob ihm/ihr das ausreicht, als Begründung, aktiv zu werden.

Wer von all denen, die sich das Produkt wünschen, soll es bekommen bzw. wer bestimmt die Bedürftigkeit?

Auch hier gilt, es muss unterschieden werden zwischen lebensnotwendiger Produktion, lebensbereichernder Produktion und überflüssiger Produktion. Der Zugriff auf die lebensnotwendige Produktion muss in den Menschenrechten garantiert werden, als allen Menschen zustehendes Recht auf ein menschenwürdiges Dasein.

Die Aufgabe der lebensnotwendigen Produktion ist der Allgemeinheit übertragen (in dem die gemeinschaftliche Verwaltung Wirtschaft ermöglicht, durch einen gesetzlichen Rahmen), sie dient dem Gemeinwohl und der Zugriff auf diese muss weltweit als Universalrecht und gemeinschafts- und gesellschaftskonstituierend anerkannt sein. Es spielt keine Rolle, ob dies in einer Marktwirtschaft oder in einer Planwirtschaft geschieht. Aber als Leitschnur gilt, eine effektive, rationelle Produktion und Zugriffsmöglichkeit für alle, muss gewährleistet sein.

»Bedürftigkeit« ergibt sich aus dem menschlichen Dasein. Der Mensch sagt selbst, was er braucht! Und es ist ein Unterschied, ob jemand sagt, er braucht Essen, um nicht zu verhungern, oder ob jemand sagt, er braucht ein iPhone, weil es ihm gefällt. In einer Gesellschaft, in der das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt ist, brauchen Menschen ein zusätzliches Einkommen, um »Luxusgüter« zu erwerben oder an Dinge zu gelangen, die den individuellen Vorlieben entsprechen.

Wer »Bedarf« hat, muss ihn gegenüber den Mitmenschen, der Gemeinschaft anmelden. Ist Verständnis (in der Gemeinschaft) für die Anliegen vorhanden, wird es Wege geben, um diese Bedarfe zu decken.

Schnell ist man wieder bei den großen Fragen, wie man eine Gesellschaft gerecht organisiert und ob das dann noch zur »Natur« des Menschen passt.

Der Mensch ist nicht nur »Natur«, sondern auch Geist und Seele. Das Wesen des Menschen müssen wir ergründen, um ihn zu verstehen, um zu wissen, wonach er strebt, welchen »Bedarf« er hat. Natur ist ein wichtiger, aber nicht der ganze Aspekt des Menschen.

Fortsetzung hier