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Bedrückung

Dasein geht nur durch andere. – Mit diesen in einem guten Verhältnis zu sein, ist wichtig. Jeder Streit sollte sich hernach in einer Versöhnung wieder auflösen. – Tut er das nicht, »sammelt« sich das Negative in der Seele. Und »frisst« an den Kräften und verdüstert den Tag.

In dem Buch »Meine Sprache wohnt woanders« schreibt Lea Fleischmann, dass die deutschen Kirchen mit keinem Wort auf die Synagogenbrände reagierten und sich nicht solidarisch mit den Juden erklärten. Am 8. und 9. November 1938. Und auch das deutsche Bürgertum schwieg zu diesen Vorgängen.

Das aber haben sich die Menschen gemerkt. Und auch deshalb sind heute die Kirchen leer. – Wer behauptet »Gottes Wort« zu vertreten, der darf sich nicht zurückhalten, wenn die Orte, in denen dieses Wort verkündet wird, zerstört werden. – Die Menschen sahen, dass das nicht glaubwürdig ist, was die Kirchenvertreter taten.

Aber dann ist nicht die Religion »ohne Botschaft«, es sind deren Verkünder, die mit leeren Händen dastehen.

Dasjenige, was in Organisation überführt wird, muss weiterhin von Leben erfüllt sein. Viele der heutigen und vergangenen Institutionen sind aber Betrügerclubs. – Die Lüge, die in ihnen lebendig ist, rührt daher, dass sie alle von egoistischen Interessen missbraucht werden. – Wer sich in Bildungsinstitutionen begibt, weil er weiß, dort ist er »versorgt«, der hat andere Interessen, als große Leistungen in Wissenschaft und Forschung zu erbringen. Viele, die in den Staatsdienst oder in die Verwaltung eintreten, haben das Pekuniäre im Visier. Und nicht den Anspruch, bestmöglich für die Bevölkerung zu wirken.

Auch die Kirche ist eine Organisation, die Vorteile bietet, demjenigen, der sich ihr anschließt. Wer berechnend ist, und da es immer schwer war, einen sicheren Arbeitsplatz zu ergattern, kommt das durchaus vor, der sieht seine persönlichen Vorteile als wichtiger, als irgendwelche hehren Ansprüche einer Gruppe oder Gemeinschaft.

Institutionen und Organisationen haben etwas Unehrliches an sich. – Sie sind eher Fassade, hinter der sich »weitere Interessen« ausbreiten, als es nach außen sichtbar ist. Nach außen werden die ursprünglichen Absichten, von Menschen einmal abgefasst, nur plakativ verbreitet und diese Anliegen mehr oder weniger lustlos vertreten. – Der Pfarrer bekommt von der Kirche ein ganzes Haus zur Verfügung gestellt. Hat eine Haushälterin und bekommt von seiner Glaubensgemeinschaft noch dieses oder jenes zugesteckt. – Soll er jetzt »Gottes Wort« verteidigen und dieses bequeme Leben aufs Spiel setzen. – Es ist aber auch wahr, dass jeder der sich aus der Deckung wagt, mit allen Konsequenzen rechnen muss. – Die Nazis waren ja schnell dabei, diejenigen zu töten, die sich gegen sie stellten.

Dann muss auf lange Sicht überlegt werden. – Wie gestalten wir Gesellschaften, in denen diese Art von Bedrohung »dauerhaft verhindert« ist. In der Einleitung von Martin Luther Kings Buch »Where do we go from here: Chaos or Community« schreibt Vinzent Harding von den »3 Übeln«: Materialismus, Rassismus und Militarismus.

Alles Schlechte muss sich umsetzen können. Wenn wir es kennen, sollte es möglich sein, dieses in Zukunft zu verhindern. – Wer kann das tun? Alle Menschen, die sich in diese Richtung orientieren wollen. – Erfolgreiche Gewaltausübung muss unter der Kontrolle der Gerechten sein. Wer das ist, kann sich aus den Grund- und Menschenrechten ergeben. – Organisation für das Gerechte, ein gemeinsames Wissen darüber, das sind Grundlagen für eine erfolgreiche Lebensgestaltung, bei der wir nicht immer wieder von den »Bösen« berichten, dass sie schon wieder unser Leben verdorben haben. – Der Anspruch in diese Richtung geschieht durch »Orientierung« in der Welt. Welche Dinge sind wichtig für die Lebensgestaltung, welche Schwerpunkte sind zu setzen. Wie ist vorzugehen.

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Was ist Arbeitsideologie

Stellen sie sich vor, sie würden erst den Abwasch machen und dann die Wohnung putzen.

Den Abwasch machen sie ohne Arbeitshandschuhe, ihre Hände sind auf die Dauer davon rissig und unansehnlich geworden. Aber sie sind ganz stolz, dass sie ihren Haushalt in Ordnung haben, sie sind stolz auf sich selbst, weil sie »konsequent arbeiten«.

Die Wohnung saugen sie mit dem Staubsauger. Sie verwenden keinen Gehörschutz, weil sie das lächerlich finden, obwohl der Staubsauger sehr laut bei der Arbeit ist und sie einige Zeit damit am Tun sind, bis sie die ganze Wohnung gesaugt haben. – Sie würden es lächerlich finden, wenn jemand beim Staubsaugen einen Gehörschutz verwendet. Ihrem Gefühl nach, käme das dem gleich, dass sich derjenige vor der Arbeit »drückt«.

Ortswechsel

Baustelle. Die Arbeiter verwenden beim Flexen keinen Gehörschutz oder Augenschutz. Aus ihrer Sicht sind das »Weicheier«, die so etwas brauchen. Manche haben keine Arbeitshandschuhe, haben völlig verhornte und zerfurchte Hände und zeigen diese gerne als »Beweis« dafür, wie viel sie schon gearbeitet haben.

Fazit

Arbeit muss »wehtun« und irgendwie dem Menschen auch schaden, sonst ist es keine »richtige« Arbeit. – Sie muss belasten, müde machen, erschöpfen. All das dient als »Beweis« dafür, dass gearbeitet wurde.

Arbeit, die leicht von der Hand geht, wird mit Argwohn beäugt. Es kann keine richtige Arbeit sein. Derjenige, der so arbeitet »drückt sich« doch eher vor der Arbeit. – Echte Arbeit ist wie »Sklavenarbeit«. Schwer und belastend. Oft nicht gewollt und gemocht. Aber irgendwie notwendig, erzwungen.

Der Arbeitsideologe überbewertet die Arbeit. – Er macht aus ihr einen Popanz. Er will seine Vorstellung von Arbeit anderen Menschen aufnötigen. Er mag es nicht, wenn Menschen die Arbeit, an der er lange und fast religiös behaftet dranhängt, schnell und korrekt erledigen, um sich dann anderen (wichtigeren?) Dingen zuzuwenden.

Nachlese

Lügen wie gedruckt.

Wenn ein »Wir« in Deutschland vorhanden wäre, gäbe es kein Hartz4. Man kann nicht einen Teil der Bevölkerung doppelt bestrafen. Einmal fehlt den Arbeitslosen das Einkommen durch Arbeit und dann haben sich die rot-grünen Politiker noch als »zusätzliche Schikane eine »staatlich gewollte Verarmung« dieser Menschen ausgedacht. Hinzukommt die menschenrechtswidrige Zwangsarbeit durch die Sanktionspraxis. – Für wie dumm halten die Parteifunktionäre das Volk.

Fachlich und sachlich qualifizierte Bedienstete braucht jede öffentliche Verwaltung. Wer sich bewährt hat, kann weiter wirken für die Gemeinschaft. Aber warum diese Partei im Hintergrund? – Herr Seehofer findet den Herrn Kretschmann von den GRÜNEN toll, weil diesem seine Taufe so wichtig sei. Rückschrittlicher geht es kaum noch. Warum verhindern wir dann das Kopftuch im öffentlichen Dienst, wenn durch solche Politiker wieder die Kreuzträger ins Spiel gebracht werden.

mitteldeutsche-kirchenzeitungen–ex-kommunist-im-kirchenchor

Geistig oder materiell

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod, beruht auf Denkannahmen, die in der Wissenschaft längst nicht mehr gehalten werden. Das beruht auf einer Vorstellung von einem Dualismus von Körper und Geist. Sie glauben daran, dass sie weiterleben können, ohne das ihr biologisches Gehirn weiter funktioniert. Das kann man eigentlich mit den heutigen Erkenntnissen nicht mehr in Einklang bringen.

Michael Schmidt-Salomon über Gott und Religionen

Schmidt-Salomon bringt am Ende dieses Beitrags den Hinweis, man säße in einem Studio (Maischberger), das aufgebaut werden konnte, aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber innerhalb des Studios würden archaische Gedanken ihren Weg finden.

Vielleicht hat der Mensch über die Religion Kontakt zu seinem Ursprung und hält Verbindung zu seinem Entstehen. Schmidt-Salomon möchte sich ganz in den Materialismus zurückziehen, und »glaubt« da ein sicheres Zuhause haben zu können. Gleichzeitig geht er mit dem Eifer eines Missionars gegen die »Ungläubigen« vor. – Er weiß zwar etwas, aber zu wenig.

Womöglich kann man Religion auch nur fühlen, Spiritualismus nur empfinden und sich dann mit dieser »Wahrheit« geistig auseinandersetzen.

Hexenjagd

themen-der-zeit–Nachlese-Einst-im-Mai

Warum wurde diese Veranstaltung durchgeführt? Nun, weil man den »Andersgläubigen« ans Zeug flicken will. Dass die Katholiken heutzutage noch ein solches Ansinnen vertreten, ist erstaunlich. Denn es könnte doch den Leuten egal sein, wer was denkt und glaubt.

Was steht im Grundgesetz:

Art 4 (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Die »Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses … ist unverletzlich«. Und warum lassen die Katholiken die Anthroposophen nicht in Ruhe? Ausgerechnet eine Religionsgemeinschaft, die selbst durch vielfältigstes schlechtes Vorbild und Verhalten gut und gerne in der Versenkung verschwinden könnte, erdreistet sich über andere Religionsgemeinschaften zu lästern und diese anzugreifen.

Egal wie die Menschen »die Welt anschauen«, sie müssen es immer in Freiheit tun können. An dieser Stelle ist aber auch der Ansatzpunkt, um Glaubensgemeinschaften anzugreifen. Sind die Menschen in Freiheit in diesen Zusammenhängen, oder fühlen sie sich gezwungen? Manche Menschen wenden sich ab von ihrem bisherigen Glauben und sind plötzlich Gegner dieser Denkungsweise.

Allen Religionsgemeinschaften könnte vorgeworfen werden, dass sie die Kinder von früh an »gegen ihren Willen« in die religiöse Welt hineinziehen. Das betrifft ja nicht nur die Anthroposophen, sondern auch die Protestanten, Muslime, Juden und die Katholiken selbst. Wie soll es auch anders gehen, wenn die Eltern sich einer Weltanschauung verbunden fühlen, erleben die Kinder das im familiären Rahmen nun mal. Das kann man dann schlecht einer Religionsgemeinschaft vorwerfen.

Ein weiterer Hebel, um die »anderen« zu denunzieren und zu bedrohen, ist die behauptete Unwissenschaftlichkeit der Sichtweisen. Die anderen »Gläubigen«, Befürworter hängen falschen, unwahren, unrichtigen Vorstellungen von der Welt nach und würden damit ihre Kinder indoktrinieren. Das sagen aber diejenigen, die selbst mit Behauptungen von Wissenschaftlichkeit, Wahrheit und Redlichkeit ihr Geschäft machen und Menschen unter diese Knute zwingen wollen. – Es ist also ein Konkurrenzkampf zwischen den Heilspredigern. Man will unliebsame Konkurrenten loswerden.

Nochmal zum Ausgangspunkt, dem Grundgesetz. Bedeutet dieser Artikel 4 des Grundgesetzes nicht, dass wir alle denken können was wir wollen, und dafür auch öffentlich eintreten dürfen? Oder ist es verboten zu denken, die Erde sei eine Scheibe und der Mensch stamme nicht vom Affen ab?

Art 5
(1) jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten ………. Eine Zensur findet nicht statt.

Und weiter.

Art 5
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.

http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf

Auf Wikipedia heißt es »Sekte (von lateinisch secta ‚Partei‘, ‚Lehre‘, ‚Schulrichtung‘) ist eine ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen (siehe auch Mainstream) unterscheidet und oft im Konflikt mit ihnen steht.«

http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte

»In Konflikt« stehen diese Gruppierungen mit den Vorherrschenden dadurch, dass sie von diesen bedroht werden. Das ist alles. Und das diese Bedrohung nicht gerechtfertigt ist, zeigen die von mir zitierten Grundgesetz-Artikel. Unterstellt wird immer, die Menschen würden von den Ideen manipuliert und ihrer eigenen Entscheidungsfähigkeit beraubt.

Es ist aber unsere Aufgabe, fähig zu sein, zwischen Toleranz und Eingreifen, die Sachlagen und Situationen angemessen zu beurteilen.

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Europa und die ganze Welt

In einem Schwimmbad blockieren 30 bis 50 Jugendliche den Sprungturm. Sie gehören einer Glaubensgemeinschaft an und wollen provozieren. Interessant ist, wie jetzt die Bademeister und die hinzugerufene Polizei reagieren. Es kommt nicht zu einem »Kampf der Kulturen«, sondern den hitzköpfigen Jugendlichen wird klargemacht, dass die Regeln anders sind, und sie sich gefälligst daran halten sollen.

Wow. Was für eine Welt. Es ist egal, aus welchem Teil der Erde du kommst, dort wo du bist, gelten Regeln und du hast dich daran zu halten. Die Regeln sind auch nicht x-beliebig, sondern sie orientieren sich an einem fairen und angemessenem Zusammenleben. Die versuchte Provokation führt ins Leere!

Sicher kann die Provokation in einem anderen Fall zu mehr Aufregung führen, zu tragischen Zwischenfällen, aber es geht um die Tendenz. Und die besagt, dass wir keine Zeit mehr dafür haben, uns lange aufzuhalten, an vergangenen Wichtigkeiten, auch wenn manche Menschen durch die Provokation daran erinnern wollen. Wir müssen einfach so zusammenleben, dass es gelingt und dabei erweist es sich auf einmal, dass sich die scheinbaren Besonderheiten in die zweite Reihe rücken müssen. – Was also ist Kultur?

Richard Wagner schreibt in seinem Buch »Der deutsche Horizont«, Europa hätte eine Identität, die man erhalten wolle. Wer denn? Dazu müsste man die Grenzen dicht machen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine Identität erhalten, hieße eine »alte« Identität konservieren. Aber wir entwickeln sie beständig weiter. Vielleicht brauchen wir überhaupt keine Grenzen mehr. Die Menschen wollen sowieso da leben, wo sie eben sind oder hinwollen, alles in Freiheit entscheiden. Wer also würde Grenzregeln aufstellen und Zu- und Abgang kontrollieren? Das passt nicht mehr in unsere Zeit.

In einer großen Gemeinschaft, der Weltgemeinschaft, sind das größte Problem Interessensgruppen, die auf Kosten anderer sich besser stellen und für sich Vorteile holen wollen. »Kultur« meint in Zukunft, die Kultur des fairen Umgangs miteinander.

Die »europäischen Grundlagen« sind nach Meinung von Richard Wagner:

Die griechisch-römische Antike, die jüdisch-christliche Religionsformel, das daraufberuhende Mittelalter, die Renaissance mit ihrem Rückgriff auf die Antike, die Aufklärung, die angelsächsischen Verfassungsideen, der Individualismus und das Arbeitsethos der Moderne.

Kann man darauf im Alltag heute irgendwie zurückgreifen? Eigentlich nicht. Wie will ich mich auf die griechisch-römische Antike oder die jüdisch-christliche Religionsformel beziehen?

Den Bezugsrahmen auf das Europäische auszurichten, gelingt vielleicht damit, dass wir die Regeln, mit denen wir erfolgreich das Zusammenleben der Menschen beeinflussen, über diese Geschichte erworben haben. Als entscheidend sehe ich die Menschenrechte. Sie müssen immer Grundlage für alle Rechtsbeziehungen zwischen uns Menschen sein. Sind sie Ergebnis der europäischen Geschichte, so hat auch diese Geschichte rückblickend ihren Wert. Aber eben nur »rückblickend«. Die Welt, in der wir heute leben, ist weder »europäisch« noch »angelsächsisch« oder »atlantisch«. Sie ist längst vermischt mit vielen anderen Strömungen und Wirkkräften und die Politik meidet dementsprechend jegliche Identifizierbarkeit mit einer bestimmten Ausprägung. Und wenn sie es doch tut, ist sie vielfältigen Angriffen ausgesetzt.

Weitere Begriffe, die Wagner unter »Mentalität« der westlichen Welt subsumiert sind:

Rechtsstaat, Freiheitsbegriff, christliches Menschenbild, säkularer Staat, Bürgerrechte, Liberalismus, Innovationsfähigkeit.

Was hat davon heute noch Bestand? Das Buch von Wagner erschien 2006. Rechtsstaat, Freiheitsbegriff und Bürgerrechte sind in Bedrängnis durch die Datenschutz-Affäre in den USA und Großbritannien, sowie durch die Hartz4-Gesetze und Agenda2010 in Deutschland. Christliches Menschenbild spielt überhaupt keine Rolle mehr. Wer erinnert sich daran, was das denn sein soll. Zu Liberalismus fällt mir die FDP ein, die nach einem weiteren Mehrfachmord durch einen Sportschützen wieder mal die Lobbyarbeit für die Schützenvereine übernimmt. Gütiger Gott, brauchen wir wirklich noch Liberalismus? Bleibt noch »Innovationsfähigkeit«. Jetzt sah ich einen Film über den schnellsten Zug in Japan, oder die Pläne von Elon Musk, den Hyperloop. Europa?

Die »Werte der europäisch-atlantischen Schicksalsgemeinschaft« sind nach Richard Wagner:

Demokratie, individuelle Freiheit, Bürger- und Menschenrechte, freie Marktwirtschaft und Privateigentum.

Wieso ausgerechnet »Privateigentum«. Aber das passt zu der ganzen Idee der Abgrenzung, der Wagner das Wort redet. Das »Bodenunrecht« ist ihm scheinbar nicht bekannt. Demokratie ist ein Container-Begriff. So wie »Demokratie« im europäisch-atlantischen Bündnis gelebt wird, ist sie überholt. Die Parlamentarische Demokratie schließt die Bevölkerung von der Mitgestaltung aus. Sie ist zur Parteien-Diktatur mutiert und kann eigentlich nur durch Direkte Demokratie abgelöst werden. Aber die übrigen Werte wie individuelle Freiheit, Bürger- und Menschenrechte, freie Marktwirtschaft, sehe ich gar nicht in diesem engen Kontext, wie es Wagner hier macht. Es sind eigentlich universelle Werte, die vielleicht in diesem europäisch-atlantischen Wirkfeld entstanden sind, aber was spielt das für eine Rolle im Alltag. Man muss das einfach fühlen und spüren, welche Entscheidungen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Zusammenleben der Menschen geeignet sind. 🙂

Gemeinschaft organisieren

Die Politik muss zuallererst der Allgemeinheit dienen.

Der Allgemeinheit muss es immer gut gehen. Das muss erstes Interesse einer Gemeinschaftsvertretung und -verwaltung sein. Welche Gemeinschaft? Nun, diejenige, die früher in einer nationalstaatlichen Verfasstheit benannt wurde. (Heute spielt das ja kaum noch eine Rolle.) »Die Gemeinschaft aller«, aller Erdenmenschen.

Hingegen Lobbyismus ist die Interessensvertretung von kleineren Gruppen, als es die »Allgemeinheit« ist. Existiert die Allgemeinheit überhaupt?

In der Politik ist es mittlerweile so, dass die Lobbyisten sich die vereinzelten Abgeordneten in den Parlamenten vorknöpfen und sie wahlweise beschenken oder bedrohen, so dass diese sich den Lobbyforderungen beugen. Die Allgemeinheit ist wiederum die Einrichtung, die ausgebeutet wird. Ihre Ressourcen, Humankapital, wird verwurstet, indem die Ideologien der Minderheiten zu »alternativlosen« und sich aus den »Sachzwängen« heraus ergebenden Forderungen verklärt werden. Wird die Allgemeinheit aber zerstört und es bleiben nur noch Lobbygruppen übrig, sieht das zumindest wie ein menschheitsgeschichtlicher Rückschritt aus. (Es kann sein, dass dieser notwendig ist, weil der vermeintliche Fortschritt noch gar nicht stattgefunden hat. Wir sind nur in Teilbereichen fortgeschritten, ohne das ganze Wesen des Menschen weiterentwickelt zu haben. Deshalb müssen wir zurückschreiten und diesen Schritt, diese Aufgabe nachholen, um als »vollständige« Menschen dann wieder weiterzuschreiten. – »Technische Entwicklung« ist nur ein Teilbereich der menschlichen Aspekte.)

Der Schaden, der mittlerweile der Allgemeinheit zugefügt wird, ist kaum noch zu überbieten. Deshalb die Frage, ob man sie nicht wieder aufgeben sollte. Wir werden uns dann (Religions-) Gemeinschaften anschließen und gegeneinander kämpfen (bei Bedarf uns verbünden) und nur die Personen in unserer eigenen Gruppe akzeptieren und ihnen trauen. Die anderen bedrohen und benachteiligen. Ressourcen nur für uns in Anspruch nehmen. Eine Dezimierung der »Feinde« ins Auge fassen. – Anknüpfungspunkte in der Vergangenheit der menschlichen Entwicklung gibt es genug. Wir werden die »Allgemeinheit« (vorerst) für erledigt erklären. Ist es das, was jetzt kommt?

Verschiedene Kultur und Toleranz

Das Stadtparlament in Schlieren hatte am Montagabend mit 22 zu 10 Stimmen die Verordnung über das Friedhof- und Bestattungswesen zurückgewiesen. Die Mehrheit war der Meinung, separate Grabfelder widersprächen dem Gebot der Toleranz und seien eine schlechte Grundlage für Integration.

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Es hängt auch davon ab, wie stark man den sozialen Raum als den »eigenen« wahrnimmt. Der eigene ist dann nicht der, der anderen. Wenn man in der Religion getrennte Wege gehen will, so wäre es aber viel wichtiger, bei den Menschenrechten und Grundrechten dieselben Wege zu gehen.

Wenn es da dann der Fall ist, dass offensichtliche Menschenrechtsverletzungen »im Namen der Religion« begangen werden, dann wäre es wichtig, dass sich die Mehrheit zwingend zu den Menschenrechten bekennt. Wenn man einer religiösen Minderheit dann aus »Toleranzgründen« die Verletzung von Menschenrechten erlaubt, dann ist dies ein starkes Stück, aber es müsste auch erstmal in »freier Abstimmung als Mehrheitsentscheid« unter allen Wahlberechtigten zustande kommen.

Dagegen ist das in dem Beitrag erwähnte Problem noch derart, dass die Einheimischen eine Gleichwertigkeit anderer Kultur im »heimischen« Kulturraum nicht dulden wollen.

Grundrechte für das Individuum

Es sind im Wesentlichen zwei Veränderungen des Sozialsystems und seiner normativen Ausstattung, die dem Phänomen der totalen Mitgliedschaft in Religionsvolksgruppen die Grundlage entziehen – zum einen ………………, zum anderen die progressive Erhebung der Individuen zu Trägern unveräußerlicher Grundrechte. Unter denen ragen das Recht auf Freizügigkeit und das Recht auf freie Religionswahl hervor.[31] Wenn es auch übertrieben ist, von einer Sakralisierung der Person in der Moderne zu sprechen, die Souveränisierung der Person ist nicht zu leugnen.[32] Indem die Souveränität der Person ein grundrechtlich verankertes Gegengewicht zur potentiell dämonisch übersteigerbaren Idee der Volkssouveränität bildet, lockert sie eo ipso den Zugriff des Kollektivs auf die Einzelnen und emanzipiert diese von der Zumutung totaler Volksangehörigkeit.

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Beschneidung und kein Ende

Die Probleme bleiben. Nichts hat sich gebessert.

Doch so einfach kann, so einfach darf es nicht sein. Denn zum einen muss das Gesetz erweisen, wie weit es in der Praxis reicht. Und zum anderen bleibt die Spannungslage zwischen Elternrecht, Religion und Unversehrtheit des Kindes unaufgelöst. Es ist eben kein Konflikt, der mit einem schlichten Erlass des Gesetzgebers aus der Welt zu räumen ist, so demokratisch der sei.

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