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Selbstbestimmung und Zusammenleben

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In der Bundesregierung wird zur Zeit eine Bestrafung der Freier von Zwangsprostituierten diskutiert. Schwester Lea Ackermann von der Hilfsorganisation »Solwodi« begrüßt die Idee im Deutschlandfunk: »Es wäre ein kleiner Anfang, ein Signal.« Aber sie formulierte auch noch drastischere Forderungen.

Ackermann, die für Solwodi (»Solidarity with Women in Distress«, zu deutsch: »Solidarität mit Frauen in Not«) arbeitet, nannte die Bestrafung »das Mindeste, was man tun kann«. Sie will noch schärfere Gesetze. »Wir gehen weiter, wie in Schweden soll jeder Kauf von Sex verboten werden.«

Das ist eine interessante Überlegung.

Wie ist es denn heute mit der Sexualität. Da sie im eigenen Körper entsteht, ist derjenige Mensch vor die Aufgabe gestellt, eine Lösung dafür zu finden. – Natürlich haben die jeweiligen Kulturen über die Jahre und Jahrhunderte eigene Regeln entwickelt, wie die Personen in der Gruppe, die Männer und die Frauen, entlang dieses sexuellen Impulses sich verhalten sollen.

Heute sind diese Regeln mehr denn je in Frage gestellt. Einmal, weil diese klare Abgrenzung zu anderen Gruppen, Ethnien immer schwieriger wird, zum Anderen, weil die einzelnen Menschen sich nicht mehr diesen Kategorisierungs- und Einordnungsversuchen der Gemeinschaft sich fügen wollen. Die Genderdiskussion ist hier zu nennen, der Unisex. – Heute haben wir eine nie gekannte Freiheit mit diesem Thema umzugehen, mit der eigenen Sexualität zu hantieren.

Dies ist auch deshalb bemerkenswert, wenn wir hautnah erleben, wie in Kulturen, die noch festgefügt zu sein scheinen, in archaischen Lebensweisen, die jungen Menschen festgelegt sind in Rollen und in ganz jungen Jahren bereits Mutter und Vater werden und eine Familie gründen, wie es eben die Religion, der Familienclan, die eigene Kultur, die Politik des »Vaterstaates« verlangt.

Wenn also nicht der Staat, die eigene Kultur, die Religion festlegt, wie wir mit unserer eigenen Sexualität umgehen sollen, dann sind wir vor uns selbst gestellt, darüber zu entscheiden. – Sicher sind wir auch dann noch beeinflusst worden, bevor wir mit unserer eigenen Sexualität konfrontiert sind, durch unsere Bezugspersonen, die wir bis dahin hatten, durch unsere konkreten Lebensumstände, die wir bis dahin durchlebten. Dass heißt, wir Menschen kommen sehr wohl »präpariert« in die Pubertät.

Neben den subjektiven Erfahrungen, die uns in dieser Hinsicht beeinflussen, sind es die gesellschaftlichen Prozesse. – In den 70er Jahren gab es die Pornographiefreigabe, in den 80er Jahren waren es die Spielarten des Sex und in den 90er Jahren trat die große Ernüchterung ein, beim Anblick des vielen Leides, das durch einen grenzenlosen Sexwahn eintrat.

Ackermann: Es gibt doch auch Mord, den man gesetzlich verbietet, und man schafft damit nicht alle Morde aus der Welt. Ich meine, man muss Gesetze machen, um den Menschen zu sagen, das geht nicht. Es muss natürlich auch begleitend was geschehen. Es muss natürlich die Polizei aufgestockt werden. Man muss sich auch überlegen, wie sollen diese Bordelle kontrolliert werden. Deshalb wäre es wesentlich einfacher, den Kauf von Sex unter Strafe zu stellen, und dann wären so große Bordelle und all das gar nicht mehr möglich. Heute kann sich nicht mal eine Stadt dagegen wehren, wenn ein Großbordell in ihr errichtet wird. Die Stadträte haben nicht das Sagen. Das ist doch unglaublich. Die Bürger können auf die Barrikaden gehen, das Großbordell wird gebaut. In Saarbrücken haben sie es erlebt und jetzt sind andere Städte dran.

Heuer: Sie sind und haben das jetzt auch zweimal in unserem Gespräch gesagt dafür, die Prostitution ganz zu verbieten. Als Beispiel gilt da immer Norwegen. Dort ist die Prostitution grundsätzlich verboten. Aber ist sie verschwunden?

Ackermann: Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware. Das ist schon mal sehr, sehr gut. Wir können alle Probleme, die die Menschheit hat, ja doch nicht auslöschen. Wir können doch die Krankheiten nicht abschaffen. Und trotzdem haben wir doch nie aufgehört, dagegen zu kämpfen!

Schwester Lea Ackermann (sie scheint also einer Religion stark verbunden zu sein) will dasjenige, das nicht gut ist, »bekämpfen« und verbieten. Neue Gesetze, Polizei aufstocken, mehr Kontrollen. Jetzt frage ich mich, wie eigentlich ein Polizeistaat aussieht. – Vielleicht so? – Und welche Menschen sind es, die letzten Endes einen totalitären Staat installieren, mit ihren Vorstellungen von »Ordnung«. Ist es möglich, sie sich vorzustellen?

Ackermann: »Es ist der Kauf von Sex verboten. Es ist ein ganz neues Bild der Frau und des Mädchens. Die sind nicht käufliche Ware.«

Ich bin mir nicht sicher, ob durch ein Verbot von etwas ein »ganz neues Bild« entsteht. – Was Frau Ackermann hier »lösen« will, sollte in einen anderen Kontext gestellt und dort weiter behandelt und diskutiert werden. Und wenn sich doch auf die Umstände bezogen wird, die die Dame hier anspricht, dann ist eine seriöse Auseinandersetzung nur möglich, wenn bis in die Einzelheiten Informationen zur Verfügung stehen würden, sonst verläuft sich alles in Spekulationen und Vermutungen, da wir nichts Genaues wissen.

Kein Mensch sollte zu etwas gezwungen werden können. Weder Kinder noch Erwachsene. Wer zu Sex gezwungen wird, sollte aus dieser Situation befreit werden, wenn die Person sich nicht selbst befreien kann. [1]

Wie ist das aber vorzustellen, das zum Beispiel in einem Bordell »Zwangsprostitution« stattfindet. – Sind dort die Frauen in Ketten gelegt und gefesselt vorzufinden, weil sie sonst weglaufen würden? – Oder ist es nicht eher so, dass der »Zwang« zur Prostitution darin besteht, dass die Frauen über kein sonstiges Einkommen verfügen und wenn sie aus dem Bordell »fliehen« würden, dann mittellos wären. – Warum unterstützt Schwester Lea Ackermann nicht das Bedingungslose Grundeinkommen? Dann hätten auch die Prostituierten ein existenzsicherndes Einkommen unabhängig von dem Gewerbe, dem sie (unfreiwillig) nachgehen. – Auch Alice Schwarzer scheint sich nicht für das Bedingungslose Grundeinkommen einzusetzen. Warum nicht?

Alles Unrecht, das Menschen zugefügt wird, gehört beendet. – Wenn wir von solchem Unrecht wissen, müssen wir uns dafür einsetzen, dass wieder die Würde zum Vorschein kommt, und das die Menschenrechte überall geachtet werden.

Die Prostitution ist dabei eine durchaus seltsame Angelegenheit. – Zurecht wird dabei auf den Umstand hingewiesen, dass da etwas »mit Geld« geschieht: Es wird »bezahlt«. – Dafür soll eine Person der anderen »helfen« mit der Sexualität fertig zu werden. Das kann zum Beispiel mit »Spielen« verknüpft sein. – Dass diese Art des Umgangs mit Sexualität den Vorstellungen mancher Menschen nicht entspricht, ist verständlich. Aber haben sie das Recht den anderen zu verbieten, wie sie es handhaben? – Womöglich finden es manche Frauen unerträglich, sich vorzustellen, Frauen könnten diese Art von Sexualität »freiwillig« machen. Da passt die Idee, alles ist »Zwangsprostitution« schon besser ins Bild. Außerdem könnte, wenn jegliche Form käuflichen Sex verboten wird, auch der dort stattfindende freiwillige Sex »zum Verschwinden« gebracht werden. So wahrscheinlich die Hoffnung der Befürworter. [2]

Wird das Thema »Sexualität« aber aus dem Zusammenhang von »Verbot und Strafe« einmal herausgenommen, dann wäre ein Gespräch möglich aus anderer Sicht. – Sexualität ist etwas, das »in uns« auftaucht. Warum helfen wir einander nicht, mit dieser »großen Energie« fertig zu werden, statt uns gegenseitig mit Strafen zu bedrohen? – Diese Diskussion müsste viel stärker geführt werden. – Mit Zuversicht und Wohlwollen sollten die Menschen einander begegnen und bei der Lösung von Problemen den positiven Kräften den Vorrang lassen.



[1]


Allerdings ist gerade in Deutschland der »zwangsweise« Umgang mit Menschen weit verbreitet.

So werden hier Menschen durch staatliche Organisationen zur Arbeit gezwungen. Obwohl es rechtliche Regelungen gibt, die dies eindeutig untersagen, wird es dennoch praktiziert, weil das Bundesverfassungsgericht diese Vorgänge nicht verbietet. – Die »Anleitung« zur Zwangsarbeit geschieht über die Hartz4-Sanktionen. – Außerdem haben wir »Zwangsrundfunkgebühren«, was bedeutet, dass wir gegen unseren Willen die Arbeitsplätze der Medienmitarbeiter in den öffentlichen Anstalten finanzieren müssen. – Und jüngst hat sich ein Politiker über die Wahlbeteiligung geäußert und vorgeschlagen, dass die Bürgerinnen und Bürger zur Wahlbeteiligung gezwungen werden sollten.

Damit ist eine gewisse Atmosphäre in diesem Land beschrieben, die womöglich in alle Lebensbereiche hineinwirkt.

[2]


Das Verhältnis von Männern und Frauen in Gesellschaften kann von Umbrüchen begleitet sein. – Es gibt eine gesellschaftliche »Stimmung«, die den öffentlichen Umgang miteinander beeinflusst.

In der Zwangsprostitutionsdebatte kann zuweilen ein Unterton von Ressentiment gegenüber den Männern wahrgenommen werden, wenn sich manche Frauen zu dieser Sache äußern.

Haben nicht »wir« Männer über die Frauen viel Unglück gebracht, in den letzten Jahren und Jahrzehnten? – Sind es nicht die Männer gewesen, die mit zwei Weltkriegen ungeheures Leid über die Menschen, die Frauen gebracht haben. Sind es nicht die Männer, die mit ihrer Gewalttätigkeit, Brutalität, Gefühlskälte sich selbst ein negatives Image verpasst haben? Welche positiven Aussagen über eine schöne Welt, ein gut gestaltetes Zusammenleben hören die Frauen von den Männern? Wie haben die Männer in den letzten Jahrzehnten die Gesellschaft gestaltet, dass sie für alle, für Frauen und Kinder, für Alte und Kranke eine lebenswerte eine gute Gesellschaft ist? Haben sie nicht mit ihrem Tun alles verschlimmert und verschlechtert?

Und ist andererseits nicht gerade unsere heutige, schrecklich elende, arme, am Dahinsiechen befindliche Gesellschaft maßgeblich von Frauen mitgestaltet? – Nehmen wir die ganzen Politikerinnen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten den Verfall der Gesellschaft aktiv mitgestaltet haben, in den Parteien, in der heutigen Regierung. Aber auch in den Firmen, als Führungskräfte, in der Medienlandschaft, in der Kulturwelt, überall sind heute Frauen deutlich stärker vertreten und somit mitverantwortlich für den Zustand unserer Gemeinschaft. – Ein Großteil der Beschäftigten, die die Zwangsarbeit verwalten, in der Agentur für Arbeit und Jobcenter sind Frauen. – Interessant ist dabei die irrige Annahme, durch die Frauenbewegung würde eine »bessere Gesellschaft« entstehen. Was tatsächlich passiert, ist die »Übernahme« der männlichen Verhaltensweisen, sofern sie von Frauen bisher nicht gelebt war. – Mehr nicht.

»Die Lösung« ist auf der Ebene der Verständigung und Versöhnung zu suchen und nicht durch ein Gegeneinander die Differenzen zu vergrößern.

Politikergeschichten

Am Wochenende hatte sich der Politiker aus dem Bundestag verabschiedet, aus gesundheitlichen Gründen. Am darauffolgenden Wochenbeginn wird seine Wohnung durchsucht. Jetzt wäre die Möglichkeit, zu fragen, ob die Gründe der Durchsuchung der Ausdruck von »ungesunder Befindlichkeit« sind.

Jedenfalls ist festzustellen, dass eine Diskussion darüber eher tabuisiert ist, bei uns. Aber wir sollten es versuchen. Ist es normal, wenn Mann solche Bedürfnisse hat, sollte Mann sich dann besser behandeln lassen? Momentan läuft eine Anzeigenkampagne, bei der die Männer angesprochen werden, sie sollten sich beraten lassen, wenn es sie sexuell zu Kindern hinzieht.

Und was sollte in den Sexualkundekoffer, wenn es darum geht, über »sexuelle Vielfalt« aufzuklären. Gehört dann auch dazu, darüber zu berichten, dass das ein Problem ist, wenn Mann »auf Kinder steht«?

Wenig hilfreich ist es jedenfalls, über »Grenzbereiche« zu sprechen, bei der Nutzung von stimulierenden Medien, so als ob derjenige der sich »Posing« Filme kauft und herunterlädt, unproblematisch handeln würde. Denn die Missbrauchsindustrie hat für jeden Interessenten ein Angebot, und es bleibt dennoch ein Missbrauch, der dahintersteht. Und erst durch das Interesse der »Konsumenten« kann eine solche Branche überhaupt entstehen.

Seit mindestens 10 Jahren wird darauf hingewiesen, dass es bedenklich ist, sich solchen Bedürfnissen zu öffnen. Immer wieder kommen Missbrauchsfälle ans Tageslicht, in Schulen, Internaten, kirchlichen und sonstigen (Betreuungs-) Einrichtungen, die alle von diesem gewissen Interesse und Bedürfnis befeuert sind, sich mit der eigenen Sexualität auf Kinder auszurichten.

Dann wurde ein Minister informiert, über diese Vorgänge, und statt das er die Justiz an dem Fall arbeiten lässt, gibt er erstmal die Nachrichten weiter an jene Partei, die durch die Sache einen Nachteil haben könnte. Ein klarer, eklatanter Rechtsbruch, wegen dem er nun auch zurückgetreten ist.

Über die Einflussnahme auf die Justiz wurde jetzt erst vor kurzem ausgiebig berichtet, im Falle der Türkei. Dort agiert die regierende Partei selbstherrlich in den Bereich der Justiz hinein. Und es konnte der Eindruck entstehen, oh Gott, was für eine Bananenrepublik. Jetzt ist zu sehen, dass es in Deutschland keinen deut‘ besser verläuft. – Und im öffentlichen Rundfunk, im Bericht eines lokalen Radiosenders war eine Bürgerin zu hören, im Wahlkreis des betroffenen Politikers, die meinte, er sei ein guter Politiker und hätte viel geleistet. – Mit anderen Worten, das Fehlverhalten ist doch egal, wir übersehen das und tun so, als sei nichts gewesen. 😐

Sexualität im öffentlichen Raum

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tagesspiegel–kunstzensur-die-aktbilder-haengen-wieder-an-den-waenden

In den 70er Jahren ging es richtig los. Die Pornographie wurde freigegeben und in den Filmen, Zeitschriften, Magazinen gab es immer mehr Sex.

Der Umgang mit den »Begierden« ist eine Zeiterscheinung. Heute erlebt man aggressiv dargestelltes Sexuelle, etwa in der Werbung, als »sexistisch« und belästigend. Niemand (oder kaum noch jemand) spricht noch von der befreienden oder »befreiten Sexualität« (weil sie ja stattgefunden hat). Vielmehr kommen aus allen Ecken Warnungen, dass Sexualität immer wieder im Kontext von Missbrauch und Ausbeutung zelebriert wird. – Ja, wo gehört Sexualität eigentlich hin? Ins Privatleben. Wo sonst. Oder man trifft sich mit Gleichgesinnten. Wer kommt auf die Idee, dass öffentlich ausgestellte Sexualität berechtigt und richtig sei?

Wenn auch die Beweggründe Ihrer Zensurmaßnahme heute anders motiviert sind, darf dennoch die Rücksichtnahme gegenüber Religionen und anderen Kulturen keinesfalls zu einer Aushöhlung grundgesetzlich garantierter Freiheitsrechte führen, denn diese wurden hart erkämpft und sind kein Gottesgeschenk.

Wenn der Autor »freiheitliche Grundrechte« geltend macht, dann doch nicht für die Darstellung von Nacktheit in einer Volkshochschule. Oder doch?

Zu erleben, wie nach so finsteren deutschen Kapiteln wie dem Dritten Reich und der DDR erneut in Deutschland Kunst zensiert und damit aus dem öffentlichen Raum verbannt wird – diesmal in vorauseilender, schamvoller Unterwürfigkeit, kann bei freiheitsliebenden und demokratiebewussten Künstlern wie mir nur Wut und Empörung hervorrufen.

Der Vergleich ist absurd. Das Schamempfinden ist privat. Auch kann man nicht geltend machen, dass es sich um Kunst handelt, weil eine solche Einschätzung subjektiv ist.

Aber es ist auch eine interessante Diskussion. Denn die Frage steht im Raum, was sich der Einzelne, aber auch Angehörige von Personengruppen zumuten lassen sollen, dass als »freiheitlicher Ausdruck« daherkommt. Wessen Freiheit wird denn da zelebriert? Für die einen ist es eine Zumutung, für die anderen Freiheit, sich auszudrücken, in einer Öffentlichkeit, die wem gehört?

Nachtrag:

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Und man ruft jene Dauer-Wüteriche auf den Plan, die nur darauf warten, dass deutsche Kultur durch Einwanderer „abgeschafft wird“.

Was aber ist »deutsche Kultur« und wer bestimmt das. Und was ist »deutsch«. – Viiiiel Diskussionsstoff. 🙂

Gegen das Selbstbestimmungsrecht anderer

tagesspiegel–gruppenvergewaltigung-in-indien-taeter-ueberfielen-schweizer-paar-im-zelt

Es drückt – ich muss mal !?

Die Berichte aus Indien erscheinen einem schon seltsam. Ein ganzes Volk, von Männern, unfähig mit ihren Trieben umzugehen? Sollten nicht doch mal »die Triebe« der Männer zum Thema gemacht werden. Weltweit? Welche Lösungen gibt es. Ein Beruhigungsmittel dem Trinkwasser beifügen. Hhmm. Von den (Jung) Männern muss ein Verhalten verlangt werden, dass die Belästigung anderer Menschen ausschließt. Hilfestellungen anbieten!? Anfang der 80er Jahre gab es die Peep-Shows. Gar nicht so schlecht .Zumindest besser, als das was man von den Männerhorden in Indien hört. (Mal davon abgesehen, dass es in fast allen Ländern Probleme gibt, wie Männer mit Sexualität umgehen.) Im Schulunterricht, wie geht Mann mit sexuellen Bedürfnissen um. In Kunst und Kultur das Thema aufgreifen. In der Wissenschaft, im sozialen Bereich. – Am Schlechtesten ist, nur auf das Problem zu glotzen und die Dinge weiterlaufen lassen.

Siehe auch hier.

Sexismus-Debatte

welt–henryk-m-broder-Die-Banalisierung-des-Begriffs-Sexismus

Henryk M. Broder schreibt einen schönen Kommentar zur Sexismus-Diskussion rund um Herrn Brüderle. Richtig ist, dass die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in den letzten Jahrzehnten einen veränderten Verlauf genommen haben. Man lebt immer häufiger getrennt, allein, und wie es Herr Broder beschreibt, könnte man diese Umstände noch auf die Spitze treiben.

Was sind denn die (offensichtlichen) Themen, die wir alle in der Gesellschaft gemeinsam behandeln müssten?

Wie geht man mit Sex um, mit sexuellen Bedürfnissen? Darüber sollte eine öffentliche Diskussion stattfinden.

Ist die Frage der »sexuellen Befriedigung« wirklich nur Privatsache? Oder können wir uns, auch öffentlich, dem Thema gemeinsam konkreter nähern. Hier bitte keine Denkhemmungen aufbauen, denn es geht um die Verhinderung von Gewalt und Unrecht. Und statt Täter bestrafen zu müssen, sollten wir uns gegenseitig helfen, mit Bedürfnissen angemessen umzugehen. Also warum nicht mal gedanklich eingefahrene Gleise verlassen, und Lösungen statt Strafen [1] sich überlegen.

Hinzukommt, in unseren (hochindustrialisierten) Gesellschaften ist eine »Arbeits-Geilheit« vorherrschend, die massiv von Regierungen gefördert, aber auch erzwungen wird (Hartz4), und ihre Ergänzung findet, in einer Pornografie-Geilheit (womöglich gleich am Arbeitsplatz genutzt). Beides ist das Ergebnis gesellschaftlicher Entwicklungen, die eine Kommunikation zwischen den Menschen auf ein Mindestmaß reduziert (man hat ja keine Zeit dafür), so dass auch sexuell nur »schnelle Sachen« in Betracht kommen.

Wenn Sexualität aber auf zwischenmenschlichen Beziehungen aufbaut, so müssen diese Beziehungen erstmal (zeitlich!) ermöglicht werden. Dazu sind die heutigen Regierungen nicht mehr bereit, dies der Bevölkerung zu gönnen. Und die Bürgerinnen und Bürger fordern nicht für sich solche Rahmenbedingungen ein, so eingeschüchtert scheinen die Menschen bereits zu sein. Zeit für Beziehungen hätten wir hingegen in einer Gesellschaft, in der es ein Bedingungsloses Grundeinkommen gibt (ein Argument mehr für diesen Systemwechsel).

Was also bietet die »Sexismus-Debatte«? Sie bietet die Chance, verkrustete Strukturen aufzubrechen und Lebensbereiche neu zu denken.

Natürlich kann man diese »heiklen« Themen auch weiterhin als Privatsache behandeln. Dann aber haben wir ein fortlaufendes Palaver über Vorfälle und Ereignisse, ohne jegliche Chance auf Veränderungen oder sie kommen »von selbst«, was dann eher unsere Gestaltungs-Ohnmacht verdeutlicht. – Und wer will das?

Nachtrag:
Der Werbeschmutz (anders kann man das mittlerweile kaum beschreiben, was einem von den Litfaßsäulen und auf Bannern und Plakaten zwangsweise vor Augen gehalten wird) ist tatsächlich in weiten Teilen sexistisch. [2] Und das weder die Werbeagenturen, noch die Firmen, die diesen »Müll« beauftragen, es merken, dass solche Darstellungen nicht mehr in die Zeit passen, zeigt, in welch‘ abgeschotteten Welten viele Menschen (Männer?) überwiegend leben.
Der Pirelli-Kalender hängt natürlich nicht in öffentlichen Verkaufs- und Serviceräumen, in denen Männer, Frauen, Kinder mit Erwachsenen ihr Auto aus der Inspektion abholen wollen oder in Arbeitsbereichen an der Wand, in der die übrigen MitarbeiterInnen durch die »Vorlieben« einzelner Kollegen belästigt werden. – Das sollte eigentlich klar sein.

[1] DLF-Beitrag, Deutschland aktuell
gpodder–dradio-deutschland-heute-freiburg-sexsteuer

[2]
Sexismus Werbung

Kultur – Zustand und Entwicklung

Als erstes Argument müssen die NSU-Opfer herhalten, als zweites die Opfer von Kindesmissbrauch. Denn diese Dinge geschehen in Deutschland und man könnte sie deshalb wohl irgendwie als Teil der deutschen Kultur begreifen. Nein, könnte man natürlich doch nicht, heißt es dann schnell. Denn frei nach der Methode Hohmann ergeht sich Naika Foroutan in einem ersten Schritt in Absurditäten, um sie dann in einem zweiten Schritt zu verneinen. Denn wenn Kindesmissbrauch nicht mit deutscher Kultur erklärt werden kann, dann wohl Ehrverbrechen auch nicht mit türkischer Kultur, so Foroutans Logik, die als naive Kinderlogik zu bezeichnen wäre, wenn sie nicht so berechnend eingesetzt würde.

die-wutsoziologin-ist-zurueck-naika-foroutan-und-die-rassismuskeule

Thomas Baader schreibt in einem Text auf achgut.com, dass der Vergleich von Naika Foroutan zwischen deutscher Kultur und türkischer Kultur »naive Kinderlogik« sei. Stimmt das?

Der Kindesmissbrauch ist sehr wohl ein Kennzeichen der »deutschen«, womöglich der westlichen Kultur-Entwicklung (auch wenn wir jetzt gerade in einer Phase sind, in der diese Sexualisierung des Alltags am Abklingen ist).

Die Sexualisierung der Gesellschaft (ab der 50er Jahre) und Pornografisierung (seit der Aufhebung des Pornografie-Verbots Mitte der 70er Jahre in Deutschland) führten zu einer allgemeinen Perversierung der deutschen Kultur (Peep-Shows, Tutti-Frutti, Sexsendungen im Privatfernsehen, Sex-Shops), die ihren kulminativen Höhepunkt hatte, mit der Tötung des Nachwuchses (in Blumentöpfen, Gefrierfächern und Pappkartons entsorgt) und dem (sexuellen) »Verbrauch« der Kinder und »Verzehr« der Mitmenschen (der Kannibale von Rotenburg) aufgrund sexueller Stimulierung.

Und die Beschreibung der türkischen Kultur trifft demnach zu (weil die für diese Kultur genannten Dinge auch passieren).

Ein Irrtum

Piraten-Gruender-Besitz-von-Kinderpornografie-sollte-straffrei-sein

In seinem persönlichen Blog schrieb Rick Falkvinge am Wochenende über »drei Gründe, warum der Besitz von Kinderpornografie im kommenden Jahrzehnt wieder legalisiert werden muss«. Dabei bezeichnete er das Verbot des Besitzes kinderpornografischer Darstellungen als »offene Wunde in der Aufklärungstradition der Informationsfreiheit«. Solange diese bestehe, werde es auch Forderungen nach dem Verbot anderer Inhalte geben.

Wenn Falkvinge die »Informationsfreiheit« mit der Kinderpornographie in Verbindung bringt, ist das unredlich. Es mag zwar so sein, dass die Männer in Ruhe gelassen werden wollen, bei Betätigung ihrer Obsessionen, aber statt diesen Sachverhalt vielleicht einmal etwas näher zu betrachten, wollen sie ein anderes Thema hilfsweise in Anspruch nehmen, um ihre eigentlichen Absichten durchzubringen.

Im Zusammenhang mit der Kinderpornographie geschieht den Kindern Unrecht. Sich aus diesem Grunde von diesem Bereich fernzuhalten, wäre angemessen. Fällt dies Männern wie Falkvinge schwer?

Außerdem scheint mir die Behauptung »Informationsfreiheit« im Kontext der Kinderpornographie schon verwegen. Welche »Informationen« sollen das denn sein, die ihm da erschwert zugänglich gemacht würden? Oder meint er etwas anderes. Sich bei dem Anblick der Fotos zu erregen. Das hat aber dann nichts mehr mit »Informationsfreiheit« zu tun. Statt sich also bezüglich dieser bedrückenden Vorgänge rund um den Missbrauch von Menschen seinen eigenen Vorteil zu suchen, könnte Falkvinge mit der Frage öffentlich werden, wie Männer mit ihrem Sexualdruck zurechtkommen (oder auch nicht) und welche alternativen Lösungen es noch geben könnte, statt von dem Missbrauch anderer Menschen sexuell profitieren zu wollen. Ein »Open-Space« zur Frage, wie kann ich mich sexuell befriedigen (oder Befriedigung finden) ohne anderen Menschen dabei zu schaden. Das wäre es doch.

Asoziales, inhumanes Verhalten ist aber nicht nur beim Ausleben der Sexualität vorhanden (und wird versucht mit fadenscheinigen Argumenten zu legitimieren), sondern auch in anderen Bereichen müssen hilfsweise anderweitige Erklärungen herhalten, um ein »Weiter so« zu rechtfertigen. Beispiel »Gewalt«. Gewalt ist ein Problem in vielen Gesellschaften. Gewalt wird überwiegend von Männern ausgeübt. Dieses eigentlich unschöne Verhalten wird in den Gesellschaften nur halbherzig verurteilt. Paradebeispiel bei diesem zwiespältigen Verhalten sind die Amerikaner (übrigens auch im Bereich der »Pornographie« industriell federführend). In der amerikanischen (Medien)Kultur wird Gewalt eher verherrlicht. Wichtig ist nur, dass Gewalt von einer Seite »berechtigt« ausgeübt wird. Gewalt als permanenter Bestandteil der Film-Kultur, Gewalt in den Computerspielen, Gewaltsymbolik (und real durch die immer wieder auftauchenden Amokläufer) bei ihrem Waffenkult. Dann werden in Cannes die Filme präsentiert und es heißt, »In diesem Film spielt zwar Gewalt eine große Rolle, aber die Ästhetik des Films ist sowas von toll.«

Somit gilt das Gleiche bei dem Gewalt-Thema wie bei der Kinderpornographie. Es werden anderweitige Gründe gesucht (und gefunden), um ein an sich nicht zu befürwortendes Verhalten zu rechtfertigen.

Betrachtung gesellschaftlicher Vorgänge

Christa Meves hat sich als Kinder- und Jugendlichen-­Psychotherapeutin auch mit der sexuellen Entwicklung des Menschen beschäftigt und zieht diese Kenntnisse und Erfahrungen mit zurate bei der Einschätzung sexuell motivierter Straftaten. Durch Zufall bin ich auf ihre Blog-Beiträge gestoßen. Entlang ihrer Überlegungen sind die folgenden Beiträge entstanden:

Über Sexualität (1), (2)