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Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

S.52

Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

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Marktwirtschaft, Gerechtigkeit …….. Wettbewerb

Ursula Weidenfeld meint, dass der Bundespräsident Joachim Gauck ein »totes Pferd reitet«, wenn er den »Neo-Liberalismus« diskutiert. [1]

Herr Gauck [2] äußert sich geradezu euphorisch gegenüber den Errungenschaften im Nachkriegswestdeutschland. Und sicher ist für ihn erstmal alles besser, als der erfolglose Sozialismus, der zu allem Überfluss auch noch seine Menschen in Geiselhaft nahm.

Nicht weniger, wohl aber besser gestalteter Wettbewerb macht unsere Marktwirtschaft gerechter.

Wirklich? Oder können wir den Begriff des »Wettbewerbs« einfach weglassen und es gelingt dennoch, sich über Unrecht und Recht im Wirtschafts-Deutschland eine Meinung zu bilden.

Wie freiheitlich eine Wirtschaftsverfassung ist, bemisst sich am Ende nicht allein daran, was in den Geschäften zu kaufen ist, sondern daran, ob sie allen Bürgerinnen und Bürgern die Chance auf ein selbstverantwortliches Leben eröffnet, ob sie möglichst vielen möglichst viele Optionen bietet.

»Freiheitlich« ist eine Wirtschaftsverfassung dann, wenn sie ohne Zwangsarbeit auskommt. Und ein »selbstverantwortliches Leben« gelingt um so besser, je mehr sich die Wirtschaft auf ihre eigentliche Aufgabe konzentriert: die sichere, beständige und langfristige Versorgung aller Menschen in ihrem Einzugsgebiet mit der lebensnotwendigen Produktion. Davon aber erfahren wir von Herrn Gauck kein Wort.

Stattdessen Schönfärberei einer heute völlig inakzeptablen Situation in Deutschland.

Dies könnte nun das Happy End sein: Soziale Marktwirtschaft durchgesetzt, alles gut! Und es ist ja auch so: Deutsche Unternehmen verkaufen weltweit erfolgreich ihre Produkte, wir genießen – dank dieses wirtschaftlichen Erfolges – nicht nur einen materiellen Wohlstand, sondern auch einen sozialen Standard, den es so nur in wenigen Ländern der Welt gibt.

Dieser sogenannte »Wohlstand« ist aber keiner. Er wird einmal mit der schon erwähnten »Zwangsarbeit« zuwege gebracht. An diesem Wohlstand prangen die Insignien des totalitären Staates und klebt das Blut seiner Opfer, und zum anderen ist dieser Wohlstand ja nicht gleichmäßig auf die Menschen im Lande verteilt. Die Millionen Armen im Lande sieht Herr Gauck scheinbar nicht.

Die Hartz4-Sanktionen sind kein »sozialer Standard«, sondern eine Zumutung und Unverschämtheit im internationalen Vergleich. Dadurch sind wir fast auf dem Niveau von Diktaturen angelangt. Der »materielle Wohlstand« ist nicht sicher. Aber genau erst dann kann überhaupt erst von »Wohlstand« gesprochen werden. – Von einem »Happy End« also keine Spur.

Ein weiteres Beispiel für das Denken unseres Führungspersonals ist der Sozialrichter Jürgen Borcherts. Wie er sich zum Bedingungslosen Grundeinkommen äußert, kommentiert Sascha Liebermann in seinem Beitrag. [3]

[1]
tagesspiegel–aeusserung-von-joachim-gauck-neoliberalismus-ist-nicht-bloss-ein-begriff

[2]
bundespraesident–Walter-Eucken_Institut

[3]
blogfsv.blogspot–wie-etwas-loswerden-das-man-nicht-haben

Feind und Kampf

Warum scheitert dieses Konzept immer wieder? Die Idee des Sozialismus gibt es doch nur im Paket mit einem »Feindbild«. Ohne geht es nicht (ohne wäre es ein Bedingungsloses Grundeinkommen). Dem Kommunismus fehlt die Vorstellung, dass die Menschen gemeinsam füreinander sorgen und jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Für den Linken sind immer irgendwelche andere Schuld an seinem Unglück und diese müssen angegriffen werden.

diepresse–Venezuelas-Praesident-wird-Diktator-fur-ein-Jahr

Nun, ich will nicht behaupten, dass es Entwicklung in einer Gesellschaft geben könnte, wenn nicht Veränderungsbereitschaft vorhanden wäre. Will niemand etwas ändern, gibt es dann doch wieder »Feinde« des Fortschritts. Aber es sind keine dauerhaften Feinde, im Sinne einer Ideologie, sondern bezogen auf den konkreten Fall.

Jetzt las ich in Wikipedia über die Dreyfus-Affäre. Roman Polanski erwähnte diese in einem Interview. (Er sagt auch, dass einer der Hauptprotagonisten in der Affäre, Marie-Georges Picquart, ein Antisemit gewesen sei. Aber diese Aussage findet man nicht in dem Wikipedia-Beitrag. Seltsam.) Liest man diesen Artikel, so entsteht der Eindruck, dass ein bestimmter Teil der Gesellschaft eine Position inne hat und diese weiterhin den anderen Mitmenschen aufnötigen will (gewaltbereite Machtmenschen, Militär, Adel, beamtetes Bürgertum). Durch den Nachweis unrechtmäßigen Handelns von gesellschaftlich hochstehenden Personen dieser Gruppe, wird diese desavouiert und entwertet. Deshalb der verbissene Versuch, das eigene Fehlverhalten nicht rechtsrelevant werden zu lassen. – Da dies am Ende doch geschieht, bedeutet es ein Zurückdrängen dieser Gesellschaftsgruppen und eine Reduzierung ihres Machteinflusses.

welt–Im-Geschlechterkampf-gewinnt-die-Frau
wikipedia–Dreyfus-Affäre

Die Attacke gegen die Juden ist damit begründet, dass diese als Konkurrenten um Vorteile und Einflussmöglichkeiten in einer Gesellschaft gesehen wurden. »Vorteile und Einflussmöglichkeiten« fallen in gesellschaftlichen Entwicklungen immer wieder unterschiedlichen Gruppen und Personen zu. Bisher etablierte Kreise verlieren ihren Status, andere Menschen gewinnen an Bedeutung. Somit gibt es immer wieder »Kampf« zwischen jenen Personen, die »abgeben« müssen und jenen, die »hinzugewinnen« können. Diese prozesshaften Verläufe kann man sich als einen nicht zuzuordnenden Vorgang vorstellen. In der Ideologie wird aber gesagt, dass es »immer wieder dieselben« (Personen) sind. Demnach wäre im »Feindbild« der immer wiederkehrende Schuldige zu verorten, während im (Verteilungs) »Kampf« die Gegner je nach gesellschaftlichen Entwicklungen sich ergeben.

Die Linken salonfähig?

tagesspiegel–pussy-riot-nadeschda-tolokonnikowa-im-straflager-verliert-sich-ihre-spur

Tolokonnikowa wollte mit ihrem Hungerstreik kritisieren, dass die Haftbedingungen an „Sklaverei“ grenzten und an das sowjetische Gulag-System erinnerten.

Immer wieder treffe ich Menschen, die ganz selbstverständlich »links«, linke Angebote, linke Medien erwähnen, nutzen, weiterempfehlen, so als ob es das Normalste der Welt sei. Es sind oft progressive, fortschrittliche Menschen, die sich sozial engagieren und das Unrecht, die Ungerechtigkeit in der Welt sehen. Sie meinen, dass »Linkssein« ein Ausdruck dafür ist, für eine humane Gesellschaft zu stehen. Sie sind gegen die »Reichen und Bonzen«, gegen den Kapitalismus und haben manchmal sogar Marx gelesen.

Wie kommt es zu diesem Irrtum?

Spricht man diese Menschen darauf an, dass doch kein einziger sozialistischer Versuch sich für den Menschen zu etwas Positiven entwickelte, heißt es unisono, es gehe um die sozialistische »Idee«. Diese sei gut, und wenn man sich »links« orientiere, dann ist diese Idee Leitschnur und nicht »real-existierende« Sozialismusversuche.

Die Linken sind ja durch ihre gesellschaftliche Platzierung genauso »in der Ecke«, wie die Rechten und es ist nicht ganz zufällig, dass sich beide Gruppen, zumindest in der extremen Ausführung, eher ähneln, was Outfit und Gehabe, Ideologiefestigkeit und Methodik angeht. Eine Gewaltorientierung ist bei beiden Gruppen vorhanden und deswegen treffen sie auch häufig aufeinander.

Der fortschrittliche Normalbürger hat aber kein Problem damit, dass in der Politik »Links« niemals Regierungsverantwortung übernehmen sollte. »Links« wird dann gleich als ewige Ergänzung und Stachel im Fleisch der kapitalistischen Allmacht gesehen. Quasi ein notwendiges Korrektiv zur entmenschten, profitorientierten Produktion.

Genauso wichtig ist dennoch der Blick auf Staaten und deren Menschen, die sich den Sozialismus einmal vorgenommen hatten und was aus ihnen geworden ist. Vera Lengsfeld hatte in einem Artikel darauf hingewiesen, dass in den großen ehemals sozialistischen Staaten Russland und China, bis heute Arbeitslager existieren, die in dieser Form von den Kommunisten eingeführt wurden und in die bis heute Personen ohne Gerichtsbeschluss verschleppt werden und dort verschwinden (China). Aber auch die »neuen« linken Staaten, wie Venezuela sind kein Beispiel dafür, dass in irgendeiner Weise der Sozialismus sich als etwas annähernd Menschenwürdiges entwickelt hätte. Auch wenn es im Einzelfall immer wieder interessante Entwicklungen gibt, so ist doch die Hauptkritik, dass die Idee der Planwirtschaft und des »neuen Menschen«, von oben herab (durch die Parteikader) den Bürgern aufgezwungen wird. Etwas anderes wäre es, wenn die Menschen aus sich heraus erkennen, das eine menschenwürdige Gesellschaft wünschenswert ist und man gemeinsam Schritte in diese Richtung geht. [1] Fatal ist doch, dass gerade in den linken Staaten die Menschenrechte als Erstes abgeschafft und missachtet werden, um die Konstruktion einer linken Weltidee aufrechterhalten zu können.

So ist »links« nichts weiter wie ein Schlagwort. Wie zum Beispiel »ökologisch« auch ein Schlagwort ist, und dahinter kann sich eine Partei verbergen, die ohne Skrupel einen Zwangsarbeiterstaat errichtet.

[1]
Wie es beim Bedingungslosen Grundeinkommen der Fall ist.

Nachtrag:

tagesspiegel–erster-demokrat-seit-20-jahren-bill-de-blasio-wird-neuer-buergermeister-von-new-york

De Blasio gab sich nach dem Erfolg für amerikanische Verhältnisse betont links. Auf seinem Rednerpult bei der Siegesfeier stand das rote Wort „Fortschritt“, immer wieder betonte er den Wert einer starken Regierung, die sich um die Angleichung der Lebensverhältnisse bemühen müsse. „Wir werden keinen New Yorker zurücklassen“, sagte er.

Kann man sich für Fortschritt, Gemeinsinn und Solidarität einsetzen, ohne sich »links« geben zu müssen?

Rente

spiegel–altersarmut-zahl-der-empfaenger-von-grundsicherung-auf-rekordstand

Ist das nicht eine Ironie der Geschichte. Da hatten die Westdeutschen immer die Regale voll und bei den Kommunisten regierte der Schmalhans, aber bei der Rente stellen wir jetzt, nach der Wiedervereinigung fest, dass die Ostdeutschen mehr Rente bekommen als die Westdeutschen, weil sie mehr gearbeitet haben!

Potz Blitz. Wie ist das möglich? Nun, zum einen wird deutlich, dass der Sozialismus doch sein Gutes hatte, denn er kümmerte sich um »alle« Genossinnen und Genossen Werktätigen im Einzugsgebiet. Wenn man also fragt, ob diese gearbeitet haben, bekommt man im Chor zu hören, ja wir haben dem Volkskörper gedient. Die meisten ab 15, 16 Jahre und so gelang es ihnen natürlich eine größere Anwartschaft auf Rente anzusammeln als die Wessis, die es sich dafür leisten konnten »open end« zu studieren, um sich dann vielleicht mit 30 selbständig zu machen, bei geringem Einkommen aber »frei« und mit 60, 65 Jahren kommt jetzt das böse Erwachen, dass dabei keine, oder viel zu geringe Rentenansprüche angesammelt wurden. Der Fluch der kapitalistisch-liberalen Lebensweise erreicht ihre Protagonisten. Und die Genossen können sagen: »Siehste, wir hatten doch recht.« 🙂

Hinzukommt, dass arbeitswillige (oder -pflichtige?) Frauen ihren Nachwuchs problemlos unterbringen konnten, in der DDR, was der westdeutschen Regierung gar nicht gelang, anzubieten, erst heute wird mühevoll nachgebessert.

Jetzt will die Bundesregierung das Desaster ausbügeln, aber nur bei denjenigen westdeutschen Frauen, die sich eine Herdenprämie verdient haben: Mütter sollen vielleicht etwas mehr Rente bekommen. 😦

Fehlende Mindesteinkommen am Beispiel Bulgarien, Rumänien, Griechenland

achgut–griechisches-sommertagebuch-2013-1.-teil

Was soll die Menschen auch halten. Im Monat 200 Euro für Arbeiter, 500 Euro für Akademiker? Dabei kostet der Liter Sprit soviel wie in Deutschland. Selbst für Lebensmittel sind 24 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Da rutscht unseren Gesprächspartnern der Satz heraus: Unter Ceausescu war alles besser! Selbst die brutalsten Diktatoren verklären sich angesichts der täglichen Misere.

Es liegt an den Regierungen, an der Staatsführung, die Mehrwertsteuer richtig zu handhaben. Es ist ja gerade der Vorteil an der Mehrwertsteuer, dass sie feinjustiert werden kann (neben weiteren anderen Vorteilen). Warum also macht das die rumänische Regierung nicht? Sie könnte die existenzsichernden Güter steuerfrei oder mit einem sehr geringen Mehrwertsteuersatz belegen.

Und weil die Vergangenheit weder personell noch wirtschaftlich aufgearbeitet wird, haben sozialistische Prediger der verschiedenen marxistischen Lehrmeinungen die Chance, das heutige Elend der Marktwirtschaft anzulasten. Hier versagt Europa kläglich.

Eben weil der Kapitalismus in der heutigen Form auch am Ende ist. Es ist nicht die Marktwirtschaft, die versagt, sondern es ist die in der kapitalistischen Art die Gesellschaften zu gestalten innewohnende Verantwortungslosigkeit gegenüber der Gesamtbevölkerung, der Allgemeinheit, die mangelnde Fürsorge für das Gemeinwohl, was unsere westlichen Staaten zerstören wird. Der grenzenlose Egoismus der Einzelnen und Lobbyisten, der Interessengruppen zulasten des Gemeinwohls, ist die »Schwäche« unserer westlichen Wirtschaftsnationen, die zu einem genauso notwendigen Umbruch führen wird, wie es in den sogenannten »sozialistischen« Staaten der Fall war. Das, was in den sozialistischen Ländern behauptet wurde, nämlich das der Staat sich um alle Menschen der Gemeinschaft kümmert und für ihre existenzielle Sicherheit sorgt, und was erkauft wurde durch herrschende Machtcliquen und Parteikader und womöglich dann doch gar nicht für alle sich realisierte, fehlt heute in den kapitalistischen Staaten gänzlich. Hier war es, zumindest in Deutschland die »soziale Marktwirtschaft«, die die Verantwortung übernehmen sollte dafür, dass alle Menschen gut versorgt sind, und das geschah überwiegend über (gut) bezahlte Arbeitsplätze und zusätzlich über ein großzügig gestaltetes Sozialsystem. Beides ist uns aber heute verloren gegangen. Das großzügige Sozialsystem haben die Leute aus der linken, alternativen Ecke, Schröder und Fischer von der SPD und den GRÜNEN, abgeschafft und außerdem gibt es nicht mehr genügend (gut bezahlte) Arbeitsplätze für alle Menschen, die ein auskömmliches Einkommen brauchen. In diesem unseren Kapitalismus kommt dann noch hinzu, dass die Situation von den Machthabern hier verdreht und den Arbeitslosen selbst die Schuld an deren Einkommenslosigkeit in die Schuhe geschoben wird, während gleichzeitig egoistische Interessengruppen, wie etwa die Politiker, jede Gelegenheit nutzen, um sich über öffentliches Eigentum zu bereichern (siehe der Verwandtschaftsklüngel bei bayrischen Abgeordneten) oder die vielen Angestellten in den öffentlich-rechtlichen Medien, die mittels Kumpanei mit den Politikern sich üppige Einkommen garantieren, für eine Arbeit, die sie der Gesamtbevölkerung aufnötigen und die von der Mehrheit der Bevölkerung in diesem Ausmaß überhaupt nicht nachgefragt wird (das würde sich bei einer Volksabstimmung herausstellen).
Außerdem bemühen sich die Parteien, zumindest in Deutschland, den Eindruck zu erwecken, als wären nicht sie verantwortlich für ein Mindesteinkommen für alle Menschen. (Genauso wie Beamte, Politiker, öffentliche Angestellte den Zugriff auf die gemeinsame Wertschöpfung haben, in dem der Staat ihnen »Geld« auf ihre Konten überweist.) Sie wollen in einer Propaganda-Aktion den Menschen erklären, diese sollen sich gefälligst mit ihrer Einkommensnot an die Wirtschaft wenden und die Politiker in Ruhe lassen. Dieser miese Versuch, von der eigenen Aufgabe abzulenken, läuft über das Stichwort »Mindestlohn«. Man durchschaut aber das Ablenkungsmanöver, wenn man sich klarmacht, dass wir Menschen als Privatpersonen uns nie an andere Privatpersonen wenden können, wenn es um unsere existenzielle Sicherheit geht, sondern immer nur an unsere gemeinschaftliche Verwaltung (sprich: Regierung, Staatsführung, etc.). Nur diese kann und muss die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, auf die sich alle Menschen berufen können (als Menschenrecht), berechtigterweise auf die Wertschöpfung zugreifen zu können, in einem bescheidenen, aber menschenwürdigen Maße. Die Politik weigert sich, ein Bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen und den rechtlichen Rahmen dafür zu setzen. Aber selbst wenn wir als Arbeitnehmer an den Überschüssen, die sich aus Arbeit ergeben, (in freier Aushandlung) beteiligt wären, so muss doch der Staat ein Sicherungsseil »nach unten« einbauen (unabhängig von den Absprachen der Wirtschaftsteilnehmer) und das muss das Grundeinkommen sein.

So hatte der Sozialismus zwar die richtige Idee, nämlich das der Staat dafür sorgen muss, dass die Gesamtbevölkerung einen ausreichenden Zugriff auf die gesellschaftliche, wirtschaftliche Wertschöpfung hat, um in Sicherheit existieren zu können, aber die Sozialisten wollten den Menschen diese Erkenntnis mit Gewalt nahelegen, was zu den Mauern rund um diese Staaten führte und einfach keinen Sinn macht und einen wichtigen Aspekt des menschlichen Wesens verletzt, nämlich das der Mensch in Freiheit leben will und selbst entscheiden möchte. Während der Kapitalismus behauptet, wenn jeder Mensch nur seinen egoistischen Impulsen nachgeht, dann profitieren alle davon, was halt auch eine Falschaussage ist, das heißt, es stimmt einfach nicht. Nicht alle Menschen können und wollen sich so egoistisch verhalten. Deswegen ist der kapitalistische Weg auch der falsche. Und mit »Marktwirtschaft« hat diese Diskussion gar nichts zu tun. Weil der Terminus »Marktwirtschaft« einfach nur eine Methode des Wirtschaftens beschreibt, aber der Begriff »Kapitalismus« in dieser Diskussion mehr auf das Verhalten der Gesellschaftssubjekte bezogen verwendet wird. Und auch der Begriff »Sozialismus« bezieht sich hier mehr auf das Verhalten der Gesellschaftsteilnehmer.

Aus beidem müssen wir raus, aus Sozialismus und Kapitalismus. Ich vermute aber, dass das von dem Autor des hier angesprochenen Artikels, Günter Ederer, nicht erkannt wird. Jedenfalls hat er sich nicht zum Bedingungslosen Grundeinkommen geäußert. Das Bedingungslose Grundeinkommen (bGE) ist ein Ausweg für alle Länder Europas, für alle Länder der Erde, weil diese Idee den berechtigten und richtigen Gedanken in der sozialistischen Idee aufgreift (der Staat muss dafür sorgen, dass alle Menschen ein »bescheidenes, aber menschenwürdiges« Mindesteinkommen haben), ohne dabei die freiheitliche Gestaltung unseres Wirtschaftslebens über Märkte aufgeben zu wollen. In einer Marktwirtschaft mit Grundeinkommen lassen sich alle existenzsichernden Güter steuerfrei oder mit geringer Steuer belegen (Mehrwertsteuerkonzept), und üppiger Konsum mit höheren Steuern.

Es ist die Crux bei vielen Journalisten in den öffentlich-rechtlichen Medien heute, dass sie nur Problembeschreiber sind. Da sie aber selbst ihr Einkommen in fragwürdiger Weise beziehen, wundert mich das überhaupt nicht. Denn dann müssten sie damit anfangen, ihr eigenes Verhalten, ihre eigene Situation in Frage zu stellen.

Rechts gleich Links

21.06.2013 – Der vergessene Gulag

Dank Google Earth können die Konzentrationslager in Nordkorea inzwischen im Internet besichtigt werden, wenn auch nur von oben. Es sind ausgedehnte Lager in den nordkoreanischen Bergen, in denen sich nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen etwa 200 000 politische Gefangene befinden.

vera-lengsfeld

Ich erlebe immer wieder Menschen, die ganz selbstverständlich linke Ideologien, linke Parteien, linke Kultur als »in Ordnung« finden. Wohingegen sie mit größter Empörung sich gegen rechtes Gedankengut wenden. Dabei stehen die Linken überall dort, wo sie an die Macht kamen, mit ihren Verbrechen den Rechten in Nichts nach. Und seien es die heutigen Nachfolgestaaten der linken Großmächte.

Linke Politik wird immer noch von Vielen in großer Naivität als die bessere, »soziale« Lösung für unsere Gesellschaften dargestellt. Weißt man dann auf das Scheitern linker Gesellschaften hin, wird von den Linken und ihren Anhängern und Unterstützer getrennt, zwischen realem Sozialismus und der an sich guten Idee, die in dem sozialistischen Gedanken stecken würde. Auch wenn ich den Linken in dem Punkt recht geben möchte, dass der Ansatz im Sozialismus, die Gemeinschaft wirtschaftet solidarisch und das Produktionsergebnis wird unter allen in der Gemeinschaft aufgeteilt, eine gute Idee ist. Das Ergebnis einer »solidarischen Wirtschaft« ergibt sich nur über unterschiedliche Gedankenwege: hier eine Feindbildorientierung, der »böse« Unternehmer, der uns alles wegnimmt, und dem wir deshalb auch wieder die »Produktionsmittel« wegnehmen müssen, damit wir solidarisch wirtschaften können; dort die Idee der Arbeitsteilung, die dazu führt, dass jeder für jeden arbeitet und das Ergebnis ist ein sozialer Organismus, den man in seiner Funktion befördern kann, wenn man denn die Zusammenhänge erkennt.

Falsch an der sozialistischen Konstruktion ist: Die Idee wird denjenigen, die sie nicht umsetzen wollen mit Gewalt nahegebracht. Und dieser Gewaltaspekt macht einen Großteil linker Realpolitik aus. Ja letztlich überlagert dieser Gewaltaspekt alles andere und die sozialistische, gemeinschaftliche Idee führt dazu, dass eine Terrorherrschaft die Regel ist, gegenüber allen, die dem linken Normierungsanspruch widersprechen wollen oder nicht zu vereinnahmen sind. Der Gemeinschaftsidee im linken Milieu wird die Freiheit des Einzelnen geopfert und das darf man einfach nicht zulassen.

Nordkorea, China, sind in ihrer staatlichen Verfasstheit für freiheitlich orientierte Menschen eine Zumutung. – Aber wir haben es ja akzeptiert, dass die Produkte unseres täglichen Lebens in weiten Teilen aus solchen Ländern kommen, die die Menschenrechte missachten. Können wir wenigstens in unserem Kaufverhalten unseren Protest ausdrücken?

Sicherheit nach innen und im Außen

tagesspiegel–spionageskandal-prism-der-britische-geheimdienst-speichert-noch-mehr-als-die-usa

Die Snowden-Geschichte ist interessant, weil man anhand ihrer einige Themen ansprechen kann.

Loyalität

Wem gegenüber verhalte ich mich loyal? Fühle ich mich in einer Gesellschaft sicher, frei; bin ich existenziell gut versorgt, halte ich die »Lebensphilosophie« in den Ländern des eigenen Verbunds für angemessen; gefällt mir mein eigenes Leben, das ich lebe; ist mir ein Leben möglich, dass ich gerne leben würde. – Werden die Menschenrechte geachtet. Wie ist der Schutz der Individuen organisiert. Haben sie selbst Einfluss darauf. Hat Individualrecht Vorrang vor »Volksgruppenrechten« und Lobbyinteressen. – Ich frage mich auch, wie ist das in den anderen Ländern, China, Russland. Gibt es da auch Whistleblower? Man hört nichts davon. – Die Individualrechte für die Menschen sind so weit gediehen, dass jeder alles für sich auswählen kann. Wie ist es aber mit dem »Verteidigungszustand«? Den kann man ja nicht für sich selbst bestimmen. Der wird von Regierungen ausgerufen, für alle anderen im »Wohngebiet«. Ist das korrekt? Oder müsste da eine Volks-, sprich: Bevölkerungsbefragung stattfinden.

Spionage-Organisation

Wenn Snowden Material sammeln konnte, das die Zusammenhänge aufdeckt, dann stimmt etwas nicht, mit der Spionage selbst. Denn es müsste möglich sein, dass Mitarbeiter immer nur Teilbereiche einsehen und zu erledigen haben, ohne das Ganze zu checken.

Berechtigung

Politiker sind gewählt und werden bei Bedarf (in der Bevölkerung) wieder aus ihrem Amt entlassen. Wie sind die Begründungen für Spionage, -Abwehr, Geheimdienst? Wenn man in den 70er Jahren mit Geheimdienst-Methoden eine Ausbreitung der sozialistischen Idee in Lateinamerika verhindert hat, dann war dies wahrscheinlich aus der Sicht der Täter notwendig, um die Gefahr einer flächendeckenden Ausbreitung des Kommunismus in der Welt zu verhindern. Aber es war natürlich auch Einmischung. Denn wenn es in Lateinamerika, in den einzelnen Staaten genügend Zustimmung für die sozialistischen Experimente gab, dann hätte man es halt zulassen müssen. Kurzum, wer entscheidet, welche Motive für bestimmte Aktionen berechtigt sind, und welche nicht. – Heute höre ich von Menschen aus Afrika und Lateinamerika, dass in der Idee des Sozialismus der Gemeinsinn enthalten ist, der von vielen Menschen als unbedingt nötig angesehen wird, weil nur über den Gemeinsinn auch die Hilfe für die Armen und Schwachen entsteht. Deshalb ist der Sozialismus für die Menschen interessant, weil er diesen Aspekt hat. Während in der westlichen Welt der Egoismus und die Idee vom persönlichen Vorteil die größere Rolle spielt. Die Konkurrenz- und Wettbewerbsidee. –
Es stellt sich also die Frage, konkret: welche Personen entscheiden über Krieg und Frieden? Inwiefern sind eben diese Personen berechtigt, alle anderen mit hineinzuziehen, in ihre Projekte. Und sollten sie überhaupt solche Macht haben, entsprechende Gewaltaktionen zu beschließen?

Erweiterte Konsequenzen

Wenn Geheimdienste, Regierungen, Zugriff auf Daten der Bürger haben, warum nicht auch gleich nachschauen, wer von diesen Bürgern sich gegen die Regierung wendet und gegen sie arbeitet? Warum nicht gleich die Opposition kontrollieren, und die abgeschöpften Daten verwenden, um diese auszuschalten.Die Möglichkeiten sind schier endlos. – Sind zumindest in der westlichen Welt die Geheimdienste so gestaltet, dass diese Ansinnen abgeblockt werden? In welcher Form hat die Bevölkerung eine Kontrolle über die geheimen Aktionen der eigenen Regierung? – Außenpolitik, Innere Sicherheit, Bündnispolitik, sind enorm spannende und wichtige Themen. Menschen wie Edward Snowden bringen uns dazu, sie wieder mal anzuschauen.

Gender im Dienste der Eliminierung

Einer ideologischen Avantgarde reicht das nicht. Ging es bisher darum, der Mehrheit Toleranz für Minderheiten abzutrotzen, so lautet nun die Parole: Wir wollen nicht bloß akzeptierte Minderheit sein. Wir sind die besseren, weil moderneren, multipleren Menschen. So wie wir sollten alle sein. ……….
Hier ist ein Umschlagspunkt im Denken erreicht. Nun geht es nicht mehr darum, einer unterdrückten Minderheit zu ihrem Recht zu verhelfen, jetzt geht es darum, die Ideen der Mehrheit in Salzsäure zu baden, ihr die Definitionsmacht aus der Hand zu schlagen. Die Mehrheit findet das schrecklich interessant. Wirft sie doch selbst ihre Formen fröhlich über Bord, Ehe und Familie zuerst. Die Avantgarde nimmt die Huldigung huldvoll an…”

achgut–die-totalitaere-agenda-der-gender-ideologen

Ja und nein. Ich kann mich gut erinnern, dass vor Jahrzehnten die Schwulen den beratungsbedürftigen Heteros (beratungsbedürftig, weil das Heteroleben nicht so klappte, wie man es sich wünschte) das Schwulenleben als das bessere (Sex!)Leben verkaufen wollten. Denn das freie Sexleben der Schwulen boomte zu der Zeit total. Alles war erlaubt, sofort, ganz schnell, einfach klasse, oder? Den Heteros gelang das nicht so mit den Frauen, dazwischen war auch noch das Kennenlernen, die Beziehung, die Frage, was will man eigentlich miteinander, außer Sex.

Die »Mehrheit« hat keine Ideen. Zumindest nicht sofort. Es ist richtig, dass unser Wirtschaftsleben, die Arbeitsgesellschaft keine befriedigenden Sozialverbände mehr zulässt. Vater, Mutter, Kinder, vielleicht noch Großeltern im Wohnumfeld, das wäre klasse. Ja, im Sozialismus vielleicht, aber nicht in der kaputten egoistisch-kapitalistisch auf die Vereinzelung des »Ego-Shooters« zugeschnittenen Konkurrenzgesellschaft. Die Schwulen locken mit dem »freien Sex«, was nichts anderes ist als Drogenkonsum. In ihren Beziehungen ist Unterdrückung, »oben und unten«, Macht und Ohnmacht genauso präsent, wie vor 50 Jahren in Heterohaushalten. Nur wird das als »Spiel« verklärt. Und Familie leisten können sich tatsächlich nur noch Minderheiten, die es schaffen ihre Lebenswelt so weit abzuschotten, dass der »Arbeitszwang« so wie ihn die Schröders und Fischers sich ausgedacht haben, nicht auch noch sie erreicht.

Familie braucht Zeit und Raum, um sich entfalten und entwickeln zu können, damit Kinder glücklich aufwachsen, sich an den Eltern reiben und mit ihrer Hilfe reifen können. Eltern brauchen Zeit, um sich mitzuteilen, Beziehungen brauchen Raum und Zeit, um sich entwickeln zu können. Der Zwangsarbeitsstaat, so, wie ihn die Politiker und die Wirtschaft geschaffen haben, nötigt die Menschen, auf Entwicklung (eigene und die der Kinder) zu verzichten. Die Computerspielewelten sollen ersatzweise herhalten, der schnelle Sex über Bilder im Internet oder in kurzen »Begegnungen« sind der Ausgleich für den Verzicht auf gelebtes Miteinander.

»In Freiheit« Beziehungen gestalten, können nur Menschen, die in ihrer Persönlichkeitsformung ein hohes Maß an »Vollständigkeit« erreicht haben. Fehlt diese, sind sie »unfrei« bis zu ihrem Lebensende auf der Suche nach der Hilfe für dieses Unterfangen oder leben ein „blockiertes“ Leben. Auch das eine Folge von zu wenig Zeit und Raum für diese wichtigen Dinge.

Ehe und Familie werden nicht »über Bord geworfen«, sondern sind der totalen Produktionsmaschinerie, dem Arbeitslager Made in Germany zum Opfer gefallen. – Heute hat man es nur noch mit den übriggebliebenen »lebenden Untoten« zu tun.

Lehren aus der Vergangenheit ziehen

tagesspiegel–das-jahr-1933-tage-des-schreckens-und-des-jubels
Foto–mitten-in-berlin-razzia-von-schutzpolizei-und-nationalsozialistischer-hilfspolizei-in-der

Im Tagesspiegel wird über die »Machtergreifung« Hitlers geschrieben. Zu dem recht nüchtern geschriebenen Artikel von Michael Wildt gibt es ein Foto aus dieser Zeit, auf dem die zukünftigen Täter bei der »Arbeit« gezeigt werden. In Wichsstiefeln, den Stiernacken rasiert, mit Lederklamotten »glänzend« ausstaffiert, führen sie »Razzien« durch. Wo? In Wohnvierteln.

Das ganze Szenario regt eigentlich zum Nachdenken an. Allein schon das Foto. Wohnviertel. Da, wo Menschen ganz dicht beieinander wohnen und wo das private Leben stattfindet. Man sehe sich mal die Häuserfronten an. Über Jahre und Jahrzehnte haben die späteren Täter und Opfer nebeneinander gewohnt, sind miteinander in die Schule gegangen, haben zusammen die Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Studienplätze geteilt und man kam sich höchstens auf Versammlungen in die Quere. Frauen schauen im ersten Stock aus den Fenstern. Ein »Nähmaschinenladen« links. Was machen da die Nazis? Sie gehen in Häuser, um Juden und Andersdenkende aus ihrem Leben herauszuzerren, um sie zu töten, ins Gefängnis zu werfen, sie zu verletzen.

Wildt schreibt, dass noch kurz vor der Machtübernahme »jüdische Handwerker« eine Versammlung abhielten. Handwerker? Also Leute, die zu einem in die Wohnung, ins Haus kamen. Leute, die man kannte. Und die wurden jetzt angegriffen und ihrer Existenz beraubt. Von wem. Von ihren Kunden?

Wie ist diese Entwicklung möglich gewesen? Ich bin mir sicher, dass ein Grund der Neid war. Neid ist wie eine kleine Quelle, die sich zu einem riesigen Strom entwickeln kann. Neid setzt bei der Feststellung an, der hat was, was ich nicht habe. Und die Begründung, warum der andere »mehr« hat, ergibt sich aus der Sonderstellung des anderen. Die Begründung des persönlichen Erfolgs war überholt, weil nicht alle auf diesem Weg für sich Wohlstand, oder heute würde man sagen, ein »bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben« erreichen konnten. Deshalb wurde daran gearbeitet, die bürgerliche Gesellschaft zu vernichten und das Volkswohl für alle ohne Ausnahme, zu denken. Bei dieser Logik haben sich die Deutschen Blut an die Hände geholt, dass sie nie mehr abwaschen können.

Wäre denn ein anderer Weg möglich gewesen? Rudolf Steiner hat in seinen Arbeitervorträgen immer wieder auf die Weltsituation und auf die Verhältnisse im deutschsprachigen Raum Bezug genommen (er hat natürlich darinnen überwiegend eine andere Sicht auf den Menschen überhaupt entwickelt). Er hat das Unglück des ersten Weltkrieges angesprochen und mit seinen Überlegungen Wege formuliert, die man hätte beschreiten können. Das war Anfang der 20er Jahre, bis zu seinem Tod 1925. Aber nichts ist passiert. Stattdessen haben sich viele auf einen Kampf gegen »Feinde« eingeschworen, die angeblich Schuld an der Armutssituation vieler Menschen waren. Diese Personen organisierten sich bei den »Sozialisten«. Nationale oder kommunistische Sozialisten. Sie lebten in erster Linie mit einem Feindbild. Der Gegner war der Reiche, der Bessergestellte. Selbst wenn Hitler mit dieser gleich am Anfang rigorosen Gleichschaltung der Gesellschaft eine klassenlose Gesellschaft im Auge hatte, wäre vielleicht das gigantische Unheil zu verhindern gewesen, wenn die Nazis eine Gesellschaft formuliert hätten, in der man gemeinsam in Frieden zusammenleben konnte. Aber die »Lösung« bestand nur in der Vernichtung der Feinde. Das Feindbild, der Klassenkampf diente bloß als Vorwand um einen einfachen Weg zu gehen: die Menschen, die Ideen zu denen man einfach keinen Bezug herstellen konnte, wurden eliminiert (Bücherverbrennung, Menschenverbrennung). Dass es keine Lösung war, sieht man daran, dass dieses »Experiment« von außen abgebrochen wurde, weil es den ganzen Erdball mit seinem Wahnsinn bedrohte.

Und hat man denn Erkenntnisse gewonnen, aus diesen Alpträumen, nicht mehr solche Wege zu gehen? Nein. Heute wird wieder der Klassenkampf aufgebaut, heute werden wieder Feindbilder gepflegt. Sei es durch nationale oder linke »Sozialisten«. Und das kann auch wieder ein »kleines Bächlein« sein, das zu einem großen Strom anwächst, an Neid und Hass. Deswegen sollten wir alle jeglicher Feindbild-Ideologien abschwören und darauf verzichten irgendwie geartete politische Wege zu gehen, die auf solches Denken aufbauen. – Eine gerechte und geschwisterliche Gesellschaft ist auch ohne solchen Unfug möglich, zum Beispiel wenn die Wertschöpfung der Gemeinschaften gerechter verteilt wird.