Schlagwort-Archive: Urteil

Reporter oder Bürger

Alle Berichte triefen nur so von Parteinahme und gefährden irgendeine Seite. – Es sind die Methoden von vor 50 Jahren, als der Bürger nicht wusste, was los ist in der Welt und sich jemand aufmachen musste, um es zu erfahren und zu berichten. – Heute erzählen Verwandte und Bekannte, andere Internetuser, die vor Ort sind, es wird mit dem Smartphone ein Interview gemacht oder »live« gefilmt und »sofort« weiterverbreitet. Bewerten und einschätzen müssen wir »Citizen« immer selbst. – Die Idee, dass andere für uns urteilen, ist genauso überkommen und nicht mehr zeitgemäß, wie die »Reportage«. Egal ob über den Gezi-Park, den »Himmlischen Frieden«, über Vorgänge im Osten, im Westen, wir sind es selbst, die entscheiden müssen, wie dort die Sachlage ist und wie wir sie einschätzen, während die Medien und ihre Vertreter in den letzten Jahren Teil eines riesigen Propaganda-Apparates geworden sind. Die Propaganda besteht in der Rückwärtsgewandtheit, mit dem Beharren auf alten, überkommenen und nicht mehr zeitgemäßen Strukturen und dem Festhalten an erworbenen Besitzständen. – »Reaktionär« sind plötzlich alle Vertreter der herrschenden Gruppen und ihre Unterstützer, und »entlarvt« werden sie durch weltweite Unruhen und Krisen, bei denen es nötig ist, das alle Bürgerinnen und Bürger Partei ergreifen und Position beziehen. Welche Werte müssen wir verteidigen, welche Gesellschaften sind es heute »wert«, geschützt zu sein? – Wenn die Gesellschaften nur »Beute« eines Teils der Bevölkerung sind, braucht sich niemand für diese zu opfern. Sind die gesellschaftlichen Ordnungen auf einmal in Gefahr, erkennen die Lobbyisten, wie wenige sie eigentlich sind und das sie »ihre« Gesellschaften gar nicht verteidigen können. – Jetzt plötzlich brauchen sie »die Masse der Bevölkerung«, als »Krieger für die gerechte Sache«, die in Wirklichkeit eben nicht gerecht ist. – Wie das »Stimmvieh« noch vor 70 Jahren verheizt wurde, so ist heute anzunehmen, dass die Menschen gebildeter und insbesondere »wissender« sind, um die Propaganda zu durchschauen, sich selbst ein Urteil zu bilden und demgemäß zu handeln.

Es besteht somit Hoffnung, dass es zukünftig anders ausgehen wird, als in den vergangenen Jahrzehnten. – Dass wir Bürgerinnen und Bürger nicht mehr berichtet und »erklärt« bekommen müssen, was in der Welt vor sich geht und wir unser eigenes Wertesystem entwickeln, worüber wir entscheiden, in welche Projekte stecken wir unsere Energien und für was riskieren wir unsere Gesundheit.

Advertisements

Ordnungs- oder Friedenspolitik

Die Friedensbewegung kommt als Reaktion auf Kriegserfahrungen und aus Sorge, dass es zu einem neuen Krieg kommen könnte. Dabei steht vor Augen, dass Leid, das den Menschen zugefügt wird, der Schmerz, der Schaden, den unsere Seele darüber erfährt. – Auch wenn die Friedenspolitik öfters so verstanden wird, dass sie die Ordnungspolitik ersetzen soll, so kann doch die Friedenspolitik sehr wohl parallel zu einer Ordnungspolitik eingesetzt werden und sie hat da volle Berechtigung.

Wahr ist allerdings, dass wir Bürgerinnen und Bürger uns nicht davor schützen können, selbst ein Urteil über Ereignisse zu fällen und in irgendeiner Weise Partei zu ergreifen. Die Herausforderung bei Unrechtsverhältnissen, Diktaturen und totalitären Herrschaften ist, dass wir Menschen als Bewohner dieser Gegenden uns zu verhalten haben, aber auch als Bürger anderer Staaten müssen wir uns zu den Ereignissen positionieren und können nicht einfach die Vorgänge ignorieren.

Die Zustände in Diktaturen und totalitären geführten Regionen dürfen nicht fortdauern und müssen beendet werden.

Aber wie sollen sie beendet werden. Mit Gewalt oder durch Friedensverhandlungen? – Oder doch lieber »abwarten«, auf bessere Zeiten? Vielleicht lösen sich die Probleme von selbst. – Wenn wir heute in die Krisengebiete dieser Welt schauen, ergibt sich aus jeder Situation eine Aufforderung an uns, sie zu bewerten und unser eigenes Urteil über die Lage abzugeben. – An was wollen wir uns orientieren, bei der Bewertung von Krisensituationen. Wie sollen wir zu einem angemessenen Urteil kommen?

Was gar nicht geht, ist, aus Opportunismus und Eigeninteresse eine Auswahl zu treffen. Wer das tut, handelt verwerflich, ist »Mitläufer« und kann bestenfalls als Kollaborateur unrechter Zustände verstanden werden. – Als Maßstab für die Bewertung von Krisenverhältnissen können allein die Menschenrechte von Belang sein. Hingegen über die moralische Integrität eines jeden Menschen zu urteilen, ist nicht möglich. Das Handeln ist uns freigestellt. – Wenn wir aber die Menschenrechte als Maßstab anerkennen, dann deshalb, weil hier den einzelnen Menschen ein Recht an ihrer Existenz zuerkannt wird, und was besonders wichtig ist, weil das Individualrecht als Universalrecht über dem Gruppenrecht steht. Das ist deshalb von Bedeutung, weil viel Unglück in der Welt, den Menschen von klar definierten Gruppen zugefügt wird. – Wenn wir die Menschenrechte aber anerkennen, dann sollten wir jeden einzelnen Konflikt, der uns bekannt ist, einmal nach diesen Kriterien uns anschauen und uns fragen, wer hat Recht, welche Lösung ist angemessen. – Und danach sollten wir handeln und argumentieren.

Neben den Menschenrechten ist es das »Verständnis«, das uns dabei hilft, die Vorgänge richtig einzuschätzen. Wir müssen Verständnis aufbringen, für die Situationen in denen sich die Menschen befinden, aber auch für die Menschen selbst, in ihrem »so Gewordensein«.

Natürlich ist es möglich zu sagen, in keinem Land werden die Menschenrechte zu hundert Prozent anerkannt, also sei das kein Maßstab. Aber das Gegenteil ist der Fall. Selbstverständlich können die graduellen Unterschiede, die zudem im Vergleich der Länder sehr drastisch ausfallen, allein schon ausreichen, zu beurteilen, in welchen Ländern die Menschenrechte anerkannt sind und in welchen nicht. Das heißt, in kann sagen, in Deutschland werden die Menschenrechte geachtet, im Vergleich zu Ländern, in denen die Bevölkerung reihenweise ins Gefängnis geworfen, gefoltert und ermordet wird, weil sie sich öffentlich zu Missständen äußert, die Regierungen beschuldigt und für Veränderungen protestiert; ohne dabei zu vergessen, dass natürlich von der deutschen Regierung nicht die Menschenrechte geachtet werden, mit ihren Zwangsarbeits-Dekreten. Aber das ist im Vergleich zu »Mordstaaten« dann eben relativ. – Genau diese Einschätzung zwischen Zuständen und dem Alltag in Ländern, wird von uns verlangt. Wer aber sagt, alles ist gleich schlecht, der ignoriert die tatsächlich vorhanden Unterschiede.

Mit Ordnungspolitik sollen in Staaten, in Regionen menschwürdige Verhältnisse hergestellt werden. Ordnungspolitik beinhaltet die Anwendung von Gewalt. Die Staatengemeinschaft braucht einen Wertekatalog, nach dem sich die Ordnung richten soll. Diese Ordnung muss letztlich weltweit gültig sein. Aber neben den Staaten müssen wir Menschen in uns selbst einen »Wertekatalog« haben, der für uns Richtschnur ist, die Zustände überall zu beurteilen. – Zu behauten, dass es anzuerkennen sei, wenn in bestimmten Regionen dieser Welt aufgrund von zum Beispiel stammesgeschichtlichen Entwicklungen die Menschenrechte nicht beachtet werden, ist nicht hinnehmbar.

Wenn es tatsächlich zu kriegerischen Handlungen kommt, kann es sein, dass wir Menschen in diese Vorgänge direkt involviert sind. Die heutige »Kriegsführung« ist noch einmal ein Thema für sich. – Dass junge Männer und Frauen in Kriegen »verheizt« werden, weil die militärischen Führungen von schlechter Qualität sind, ist nicht hinnehmbar. Es darf nicht sein, dass die Beurteilung von solchen Vorgängen allein den Regierungen und scheinbar »durch sich selbst« legitimierten Gruppen überlassen wird. Staaten und Leiter militärischer Operationen können zwar mit ihrem Anliegen Recht haben, aber wie sie mit den vielen Menschen, für die sie doch Verantwortung haben, umgehen, erscheint dann desaströs, weil Personen unnötigerweise zu Tode kommen, weil Operationen falsch geplant, stümperhaft umgesetzt wurden. – Ja, es zeigt sich, dass wir Menschen mit »allen« Bereichen der Gestaltung des Öffentlichen Raums uns beschäftigen müssen, und kein Bereich für uns Bürgerinnen und Bürger »tabu« sein darf.

Ausgestaltung der Direkten Demokratie

Wichtig ist die Einzelperson, das Individuum. – Alle Meinungen, Urteile und Entscheidungen des Individuums gilt es zu achten. Andererseits ist zu bedenken, dass ein Mensch eben auch nur eine Stimme hat, wenn es darum geht, etwas für die Allgemeinheit zu entscheiden. – Das heißt, die Meinung des Einzelnen ist bedeutend und sollte zur Kenntnis genommen werden, sie ist aber nicht »das letzte Wort«. Auch andere haben eine Meinung. – Werden verschiedene Vorschläge zu einer Sache eingebracht, wird eine Vorauswahl durch Abstimmung getroffen, die dann in die »Endrunde« kommen. Der Vorschlag, der die meisten Stimmen bekommt, wird umgesetzt. Das heißt, auch wenn es nur eine Stimme mehr wäre. – Dabei wird davon ausgegangen, dass die Vorschläge eher ähnlich, vergleichbar und nicht in krassem Gegensatz sind. – Und die Menschenrechte begleiten immer alle direkt-demokratischen Entscheidungen.

Damit der Einzelne genügend umfänglich gewürdigt werden kann, mit seinen Überlegungen, ist eine Präsentation seiner Gedanken und Ideen unumgänglich. Und natürlich können auch Personen vollständig im Verborgenen leben, ohne Handy, Telefon, Internet und sie können behaupten, dennoch bei der Gestaltung der Allgemeinheit und des Gemeinwohls mitzuwirken, aber wenn die Direkte Demokratie eine »große Sache« werden soll und werden wird, dann präsentieren wir uns genauso, wie heute die Politiker es tun, über eigene Internetseiten, über Blogs, über soziale Netzwerke.

Um ein Beispiel zu nennen. Immer wieder werden neue Initiativen, Gruppen gegründet, die sich bestimmten Zielen, Aufgaben widmen wollen. Hier ist es sehr wichtig, sich schnell einen Überblick zu verschaffen, wer denn da sich gemeldet hat, aufgetaucht ist, um bei diesen Unternehmungen dabei zu sein. – Wer wenig von sich erzählt, hat womöglich nicht die Zeit dazu. Aber die realen Begegnungen können dies sowieso nicht leisten, da hier die Zeit immer zu knapp ist. Zeit im Überfluss gibt es dagegen im Internet. [1] Die schriftliche Darstellung einer Person ist schneller zu überschauen, als sich durch die vielen kurzen mündlichen Mitteilungen hindurchzuarbeiten, die »live« von einer Person zu erleben sind. – Frühzeitig und über Jahre einen Eindruck über die eigene Denkweise zu vermitteln (die sich durchaus über die Zeit auch ändern kann), bietet eine gute Gelegenheit für andere, die Gedankenwelt desjenigen zu erkunden. – Klar können solche Seiten manipuliert sein. So, wie es auch bei den Wikipediaseiten versucht wird, die über Personen informieren. Aber wenn etwas gesagt wurde, geschrieben ist, dann gilt das erstmal. Und es hat eine andere Wirkung, als wenn jemand als völliger »Nobody«, ohne Hintergrund in Erscheinung tritt.

Würde dies nun als Aufgabe verstanden werden, so bedeutet es, dass Personen, die in der Öffentlichkeit für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl aktiv werden wollen (wer Lobbyist sein will, hat sowieso ein ganz anderes Wertesystem), sich darauf einrichten, in der Öffentlichkeit in gewisser Weise »zu leben«. Den eigenen Vorteil haben sie dadurch, dass sie selbst Teil der Allgemeinheit sind, für die sich eingesetzt wird. – Wer in einer Initiative sich einbringen will, sollte parallel dazu einen Blog betreiben, auf dem die eigenen Positionen in gewissem Umfang sich in der Entwicklung zeigen und verfestigt und verfeinert werden. – Es geht nicht darum, »mitzuschwimmen«, sondern wie alle anderen auch, »zentraler Baustein« der Unternehmung zu werden. – Alle sind unabdingbar und in vollem Umfang präsent. – Das geht aber nur, wenn der Einzelne eine eigene Meinung hat. Und die muss er konkretisieren.

[1]
Empfundene Wirklichkeit. – Das ist ein interessanter Aspekt. – Im Internet haben wir »Zeit im Überfluss«. In der realen Welt ist die Zeit extrem knapp. – Es sei denn, es wird die »reale Welt« ins Internet verfrachtet. Alberner geht es nicht. – Als Beispiel sind die »Sprachkonferenzen« bei den PIRATEN zu nennen. Mumble. Da werden alle Vorteile des Internets ausgehebelt. – Das ist so, als ob vor die Lokomotive ein Pferdegespann gesetzt wird, um die Lok samt Waggons zu ziehen.

Gruppe und Individuum

Basic Income UK – Towards an emancipatory welfare

We have different political and social backgrounds and do not represent any one political party. Except when explicitly mentioned, the views expressed on this website do not represent any official position as a group. The articles and opinions are rather intended as a discussion amongst a plurality of viewpoints and a way of raising awareness and debate around this issue.

Beyond our differences, we are working together to actively promote the idea of an unconditional and universal basic income as an unimpeachable right of every citizen of the world.

Warum soll auch eine Gruppe nur deshalb existieren, weil sich die beteiligten Individuen zu einer Meinung zu einem Thema bekennen. Ein Unfug ohnegleichen. Denn es ist doch wahr, dass wir Menschen in der Regel nicht einer Meinung sind und trotzdem in »eine bestimmte Richtung« gemeinsam gehen können. Diese Richtung ist eine »in etwa« Linie, die wir teilen, aber ausgestalten tun wir sie mit unseren individuellen Perspektiven und Schwerpunktsetzungen und die kommen zu Wort und sind unsere individuelle Anwesenheit bei der ganzen Unternehmung.

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn in vielen Vereinen, Organisationen und Institutionen gibt es das ungeschriebene Gesetz, dass die individuelle Sicht der Dinge sich unterzuordnen hat, der »offiziellen Marschrichtung« der jeweiligen Einrichtung. Diese Einschränkung und Unterwerfung, ja Brechung der Individualität zugunsten einer ominösen Gruppenmeinung, ist das Grundübel der heutigen Gesellschaftsgestaltung. – Es sind nicht zuletzt die Parteien, die nach dieser desaströsen Konzeption ihr übles Werk vollbringen.

Schlimm daran ist in erster Linie, dass es natürlich Einzelpersonen und Lobbyinteressen sind, die ganz bestimmte Gesetze und Entscheidungen »im Namen der Allgemeinheit« und aller in der Partei Aktiven auf den Weg bringen, dieser Umstand ab vertuscht wird, in dem man so tut, als ob »alle« das genau so wollen, wie es dann in die Umsetzung kommt. – Selbst wenn es so ist, dass alle letztlich zu bestimmten Gesetzen »ja« sagen, dann ist das im Laufe der Mitgliedschaft in diesen Organisation den Politikern und Mitgliedern antrainiert und beigebracht worden. – Es kann auch von »Zurichtung« des Menschen gesprochen werden, um ihm seine individuelle Sicht auszutreiben, um ihn auf »Parteilinie« zu bringen. Und wer nicht spurt, wird bekämpft.

Die Grundeinkommens-Idee braucht aber ganz andere Menschen. Es ist der aufmerksame Bürger gefragt, der eben nicht seine Einsichten an der Organisationstheke abgibt, bevor er die Mitgliedsbescheinigung in Händen hält. Im Gegenteil. Der Kulturimpuls, der durch die Grundeinkommens-Idee ausgeht, regt das Subjekt an, die eigene Perspektive als das eigentlich Wichtige zu erkennen und beizubehalten, statt sich einer Gruppenmeinung unterzuordnen. Gerade die eigene Wahrnehmung wird als das besondere Element erlebt, dass durch den Impuls angeregt wurde. Es geht darum, die subjektive Sicht zu stärken und die Gruppe ergibt sich dadurch, dass die Engagierten gemeinsam dieser Ansicht sind.

Die Sorge, dass eine solche Gruppe nicht durchsetzungsfähig sein könnte, weil eine zu starke Ausrichtung auf die individuellen Sichtweisen eine klare Ausformulierung von Schritten, die zu gehen sind, verunmöglicht, ist nicht berechtigt. Nach den Methoden der Direkten Demokratie kommen Ergebnisse zustande, die alle Menschen akzeptieren können.

gruup-x1

Soziales Netzwerk – was ist das?

Google macht Vorschläge, wie der Bürger das Soziale Netzwerk nutzen kann. Der Teilnehmer an dem Netzwerk soll »Kreise« anlegen, in die er die Menschen einordnet, mit denen er ein Netzwerk bildet.

Ein Kreis, für Angehörige, Verwandte. Ein Kreis für Arbeitskollegen. Ein Kreis für die Sportkameraden. Ein Kreis für die Menschen, mit denen man ein Hobby teilt. Und so weiter. Alle Beiträge dieser Menschen werden im Beitragsstrom (Stream) angezeigt. »Strom« deshalb, weil das Fenster, in dem die Beiträge zu sehen sind, ein Zeitfenster ist. Die zeitlich neuesten Beiträge sind oben zuerst zu sehen, die bereits älteren Beiträge von vor 12 Stunden zum Beispiel, sind »nach unten gerutscht«, sind bereits aus dem Blickfeld und der Teilnehmer muss nach unten scrollen mit der Maus, am Computerbildschirm, damit die älteren Beiträge zu sehen sind.

Damit ist das Soziale Netzwerk »Google+« eigentlich erklärt.

Ich bin mir nicht sicher, aber kann es sein, dass Google keine Ahnung hat, wie Menschen zueinander in Beziehung treten und miteinander kommunizieren?

Ich weiß nicht, wer mit »Angehörigen und Verwandten« einen Kreis macht. Und welche Arbeitskollegen treffen sich bei Google+? Wahrscheinlich Google-Mitarbeiter. 🙂
Einen Kreis für die Sportkameraden … Womöglich langt da die Email.

So wie Google+ tatsächlich genutzt wird, ist es aber von der Hersteller-Firma gar nicht konzipiert?

Interessant im Sozialen Netzwerk sind »gemeinsame Ansichten und Urteile«, ähnliche Bewertungen und Entscheidungen, zu einer Vielzahl unterschiedlichster Themen.

Hat Google für diese Wahrheit sein Netzwerk ausgerichtet? Jetzt passiert Folgendes. Ein Teilnehmer ist einmal ins Blickfeld geraten, weil er mehrfach +1 bei Beiträgen geklickt hat, und vielleicht auch ein, zwei Meinungsäußerungen tätigte, die wahrgenommen wurden. Deshalb wurde die Person in den Kreis »Neue Personen« eingefügt. Lange Zeit ist diese Person »verschwunden«, aber plötzlich erscheinen häufige Beiträge, die allesamt wenig ansprechend erscheinen, ja vielleicht sogar eher abgelehnte Meinungen vertreten. Die Person wird wieder aus dem Kreis entfernt. – So verschwinden Personen aus den eigenen Kreisen.

Gleichzeitig »verdünnt« sich insgesamt der Beitrags-Hauptstrom. Anfangs ist nicht recht erklärlich, warum im Laufe der Zeit (drei Viertel, bis ein Jahr) weniger Beiträge angezeigt werden, aber dann erscheint eine Möglichkeit zu sein, dass auch Personen, die in den eigenen Kreisen sind, Teilnehmer aus ihren Kreisen entfernen und sich so der Beitragsstrom leert.

Google berücksichtigt nämlich einen ganz bestimmten Umstand nicht: es findet eine permanente gegenseitige Bewertung statt. – Google hingegen tut so, als ob die Menschen aufgrund vergangener oder aktueller Bezogenheit eine »auf ewig« anlegbare zueinander ausgerichtete Aufmerksamkeit aufbauen würden. Aber das ist nicht wahr. – Wir Menschen bewerten uns permanent, und wenn wir keine Übereinstimmung mehr feststellen können, »kündigen« wir diese Aufmerksamkeit auf. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmefälle, bei denen diese Regel nicht gilt, zum Beispiel bei den Eltern oder Geschwistern. Aber selbst da ist nicht sicher, ob wir nicht doch uns zu Bewertungen hinreißen lassen, und dies die eigentlich »unkündbaren« Bande belastet.

Wenn Google diese »Wahrheit« in sein Netzwerk-Konzept miteinbeziehen würde, dann müssten weitere Aspekte stärker in den Vordergrund gerückt werden: Es geht nicht um die Leute, die in den Kreisen »hocken« und deshalb, weil sie in den Kreisen sind, redet man mit ihnen, sondern der Beitrags-Hauptstrom »aller Beiträge« müsste geöffnet und feinjustiert durchsuchbar gestaltet werden. – Der Beitrags-Hauptstrom wäre dann zum Beispiel »alle deutschsprachigen Beiträge«, die »öffentlich« ins Netzwerk gestellt werden. Dieser müsste feinjustiert durchsuchbar sein und aus den Suchergebnissen müssten »Favoriten« erstellt und abgespeichert werden. Diese Favoriten würden die Kreise komplett ersetzen. Denn es ginge nicht mehr um die »gleichen Menschen«, sondern um die »gleichen Meinungen, Urteile und Entscheidungen«. – Der Beitrags-Hauptstrom müsste viele hunderte, tausende; je nach sprachlichen Möglichkeiten, die wir haben; Millionen Beiträge umfassen. Dieser komplette, nicht gefilterte Hauptstrom müsste am Bildschirm wirklich sichtbar sein.

Das heißt, mit den Menschen, mit denen vor 2 Jahren eine Übereinstimmung in der Einschätzung von Sachverhalten bestand, gibt es womöglich aktuell überhaupt keinen Kontakt mehr, weil sich alle Beteiligten »auseinandergelebt« haben und eben nicht mehr die gleichen Ansichten vertreten. – Aber genau diese Wahrheit berücksichtigt Google mit seinem Konzept heute nicht, so dass sich das Verhalten der Teilnehmer und die Vorstellungen der Netzwerkmacher nicht decken und das Netzwerk ausgebremst wird und der Frust die Leute zum Aussteigen bringt.

Kommentarfunktion

tagesspiegel–in-eigener-sache-keine-bewertungsfunktion-mehr

Liebe Leserinnen und Leser, um den Missbrauch der Bewertungsfunktion einzuschränken, hatten wir im Sommer 2012 die Funktion, Kommentare negativ zu bewerten, abgeschafft.

Leider wurde aber die Funktion, Kommentare positiv zu bewerten, ebenfalls missbraucht. Geneigte Nutzer legten sich mehrere Benutzerprofile an, um ihren Kommentaren auf diese Weise mehr Gewicht zu verleihen und im Ranking der bestbewerteten Kommentare weiter oben zu platzieren.

Die Zeitung Der Tagesspiegel in Berlin reduziert weiter die Möglichkeiten rund um ihre Kommentarfunktion. Dies ist interessant, da deutlich wird, wie gering der Wert dieses Feature überhaupt ist. Ich vermute, dass jeder, der eine Kommentarfunktion in seinem Blog oder auf seiner Homepage, Internetseite freischaltet, immer die Zustimmung der Antwortenden im Sinn hat. Niemand denkt wirklich daran, was es bedeutet, wenn die Kommentare eine andere Sicht vertreten, als der Eigentümer der Seite. Ich vermute, dass die Wenigsten sich dabei wohlfühlen, abweichende Ansichten auf ihrem Medium zu dulden.

Aber worauf läuft das dann hinaus? Im Grunde sind wir in unseren Meinungen alle verschieden ausgerichtet und es ist eher die Ausnahme als die Regel, dass wir Menschen bei verschiedensten Themen einer Meinung sind. Wenn wir damit anfangen, diesen Umstand ernst zu nehmen, ist ein erster wichtiger Schritt getan. Es ist wertvoll, einander in unserer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren. Es gibt immer noch viele Personen, die es nicht ertragen können, dass der Mitmensch eine andere Meinung gleichermaßen vertreten kann, als sie selbst. Wenn wir es aber akzeptieren, brauchen wir auch nicht mehr zusammenzuglucken, aufeinanderzuhocken und auf Teufel komm‘ raus, eine gemeinsame Meinung herstellen zu müssen. Dann akzeptieren wir unsere Unterschiedlichkeit, sehen diese als Bereicherung und als Ergebnis unterschiedlichster Erfahrungen und wir trachten in gegenseitiger Achtung uns in Einzelfragen zu verständigen und Mehrheitsabstimmungen mitzutragen, wenn sie denn nicht gegen die Menschenrechte verstoßen. – Dann haben wir Direkte Demokratie.

Der Tagesspiegel will also nicht mehr Negativbewertungen zulassen und jetzt auch nicht mehr Positivbewertungen von Kommentaren. Aber immerhin wollen sie weiter Kommentare zulassen. Wer weiß, wann sich auch das ändert.

Und es ist doch wahr. Im Tagesspiegel soll natürlich die Meinung der Tagesspiegel-Eigentümer stehen. – Was denn sonst. 🙂

Das heißt aber für die vielen Kommentarschreiber, dass sie sich darum bemühen müssen, ihre eigene Meinungsplattform zu schaffen (wie der Tagesspiegel seine hat) und zum Beispiel eine Homepage oder einen Blog eröffnen. – Statt »bei anderen« anonym die Ideen und Gedanken abzuladen, kann auf der eigenen Seite, mit Realnamen die eigene Sicht der Dinge erscheinen.

Wie miteinander reden, ohne übereinander zu reden.

Im Internet gab es schon früh Newsgroups (die heute von Google verwaltet werden), später dann Foren und heute haben wir die Sozialen Netzwerke.

Aufgefallen ist mir dabei viel Aggressivität, manchmal regelrechter Hass, besonders in den Newsgroups. In den Foren, belehrende, »über den Mund fahrende«, patzige, unverschämte, arrogante, beleidigende Äußerungen der einen Teilnehmer gegenüber den anderen. In den Sozialen Netzwerken finde ich dieses negative Verhalten am wenigsten.

Und ich hatte mir überlegt, wie sieht ein idealer (Online) Gesprächskreis aus, in dem die problematischen Aspekte ausgebremst werden:

  • Auf Fragen antworten nur Moderatoren und Administratoren. (Gerade bei Fachforen ist es wichtig, viele Menschen zu haben, die ihr fundiertes Wissen einbringen können.)
  • Teilnehmer können über alles sprechen (in den entsprechenden Unterforen), was ihnen in den Sinn kommt, ohne »über« andere Teilnehmer zu reden.
  • Beiträge, in denen das doch stattfindet, werden gelöscht, insbesondere wenn ein Tadel oder gar Angriff gegen andere Teilnehmer spürbar ist. (Ein Entscheidungsspielraum muss vorhanden sein.)

Was würde eine solche Foren- und Gesprächskultur bedeuten?

Einmal, dass die Aussagen der Teilnehmer alle gleichwertig sind und das auch niemandem das Recht eingeräumt wird, über andere Teilnehmer zu reden und zu schreiben.

Der Sachverstand der Moderatoren und Administratoren ist ständig auf dem Prüfstand, weil Fragen und Antworten öffentlich abgehandelt und permanent überprüft werden.

Worum es mir geht, ist, dass ein Reden übereinander als unziemlich und unangemessen behandelt wird. Denn gerade das Reden übereinander ist eine heutige »Unkultur« [1] in den Internetgesprächskreisen, die abgestellt gehört. Das Reden übereinander ist eng verknüpft mit der physischen Aggressivität der einen gegen die anderen. – Vor gar nicht so langer Zeit haben bei uns die einen »Denker« den anderen Denkern auf den Kopf geschlagen, um diese zum Schweigen zu bringen (und in vielen Staaten passiert das heute noch). Mit Gewalt wird das Denken unterdrückt, dass als unliebsam empfunden wird, dass nicht in der Öffentlichkeit ausgesprochen werden soll. Gewalt und Brutalität beim Meinungsaustausch ist uralt und scheint etwas »Natürliches« zu sein, beim Menschen. Deshalb ist es auch in den neuen Medien, im Internet wiederzufinden.

Wenn es aber unerwünscht wäre, Meinungen mit (verbaler) Gewalt zum Schweigen zu bringen, dann müssen die Gesprächskreise (Foren, Newsgroups, Soziale Netzwerke) eben anders organisiert werden. Denn dann werden die Aggressiven an ihrem Tun gehindert.

Dieses Verfahren ist auch möglich, wenn auf Moderatoren und Administratoren verzichtet wird. Es genügt das Einvernehmen in den Gesprächskreisen, so zu verfahren, und wer sich nicht daran hält, wird blockiert, oder »ignoriert« (diese Funktionen müssen vorhanden sein).

Mir geht es in der Tendenz darum, dass die Beiträge der Mitmenschen »in einer Linie« betrachtet, und kein Beitrag bekämpft und an den Rand gedrängt werden kann. – Eine Gesellschaft in Direkter Demokratie braucht solche Arrangements.

Heute hingegen, erlebe ich Foren, in denen die Admins die Teilnehmer auf übelste Weise herunterputzen und fertig machen, erlebe ich, dass Admins und Moderatoren sich nicht getrauen gegen einfache Teilnehmer vorzugehen, die andere Teilnehmer in rüder Art und Weise attackieren, erlebe ich, wie Teilnehmer in Beratungsforen gegen die Hilfesuchenden herabsetzend argumentieren, ohne das die Moderatoren und Administratoren dagegen etwas unternehmen. – Eine insgesamt völlig untragbare Situation, die auch damit zusammenhängt, dass viele Foren privat gemanagt, von dubiosen Vereinen oder gar von gewinnorientierten Firmen organisiert und betreut werden. – Wer dabei »baden geht«, sind die User.

[1]
Eine »Unkultur« ist es, in den Gesprächskreisen, die physisch, real, oder in den virtuellen Welten stattfinden. Natürlich gibt es Formen der Auseinandersetzung, in denen das Reden »über den anderen« akzeptiert ist. Zum Beispiel in den Blogs. Aber auch hier gilt, was ist angemessen. In den Blogs entscheiden die Leser, oder sogar öffentliche Institutionen, wie ein akzeptabler Rahmen aussieht.

achgut–isabelles-erzaehlungen-geruechte-ueber-israel-und-juden

In jeder Interpretation durch den anderen steckt eine potentielle Vernichtungsdrohung. Haben nicht zum Beispiel die Deutschen jahrzehntelang erklärt, wer und wie die Juden sind, was dann die Argumentation lieferte, für die Taten, die in der NS-Zeit passiert sind?

Andererseits scheint mir es nicht durchhaltbar, immer den anderen reinreden zu wollen, wie sie etwas zu sehen, interpretieren, einzuschätzen haben. Es kommt nicht nur »bevormundend« daher, es ist es dann auch. Wer mag sich dann noch ernsthaft unterhalten. Die Folge, man geht auf Distanz.

Und schon passiert wieder genau jenes, welches von der Tendenz her das alte Beziehungsmuster einleitet. – Achtung aufgepasst! Ja wir alle müssen schauen, dass sich nichts mehr wiederholt.