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Niemand darf dem Künstler vorschreiben, moralisch zu sein. (Schopenhauer)

Der Künstler bearbeitet die Materie und schafft Werke, die über sich hinausweisen können, und die universellen Gesetze des Kosmos offenbaren, aber auch die Erdenwelt uns näher bringen. – Dazu hat er sich handwerkliches Wissen angeeignet und sein Können verknüpft mit einer Botschaft, die aus dem Wesen des Künstlers selbst kommt.

Muss er einem gesellschaftlichen Anspruch genügen? – Wenn der Künstler der »Geisteswelt« hinzugerechnet wird, erwarten wir womöglich mehr von ihm, als er bereit ist, zu geben. Ob er es leisten könnte, mag dahingestellt sein.

Letztens stellte jemand Kultur und Zivilisation gegenüber. Ja, das ist berechtigt. Denn Kultur kann auch Unkultur sein. Manche »Kulturen« sind einem archaischen Leben verhaftet, es werden barbarische Urteile gegen die Mitglieder der Gemeinschaften verhängt oder Rituale praktiziert. – Ist Zivilisation »mehr wert« als Kultur? – Primitive Lebenszusammenhänge können nicht schöngeredet werden. Wenn es also Wahlfreiheit gibt, dann sollten wir uns tatsächlich der Zivilisation näher fühlen, als einer Kultur mit fragwürdigem Wertekanon.

Wie entsteht eine Geisteswelt.

Offenbar nicht so, dass Menschen einer bestimmten beruflichen Gruppierung angehören, die scheinbar dem Geistigen nahe steht. Der dort Tätige verbittet es sich, dementsprechend herausgefordert zu werden. – Er will selbst entscheiden, ob er sich in sein Schaffen versenkt, seine Umwelt bemerkt und an ihr gestaltend teilnimmt, oder »weltvergessen« seine Produkte erstellt.

So können wir nur hoffen, dass in Zukunft mehr Menschen in der Kunst- und Kulturszene ihre Lebenswelt als eine beeinfluss- und bewertbare entdecken.

Wirtschaft – Ein Thema für uns alle

Die Idee ist nicht schlecht. Eine gemeinwohl-orientierte Wirtschaft. [1]

Der Österreicher Christian Felber, Mitbegründer von »attac«, propagiert eine mit diesem Begriff verknüpfte Idee, die auf den ersten Blick verblüffend einfach aussieht:

Die Werte, denen sich die Wirtschaft verpflichtet fühlen sollte, sind die gleichen, die grundlegend für gute Beziehungen sind: Vertrauen, Sicherheit, Wertschätzung, Bedürfnisbefriedigung, Verantwortung, gegenseitige Hilfe, Mitgefühl und Kooperation. [2]
Und Menschenwürde, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Transparenz und demokratische Mitbestimmung sollen dazugehören. [3]

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist als Unternehmer-Initiative gedacht. »Menschliche Stärken und mehrheitsfähige Werte« sollen der Maßstab sein, für gemeinwohl-orientiertes Wirtschaften.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Die Unternehmen erstellen einmal im Jahr eine Gemeinwohl-Bilanz, in der sie sich selbst einschätzen, inwieweit sie gemeinwohl-orientiert arbeiten. »Gemessen« wird dies anhand eines Katalogs von Kriterien, die die Gemeinwohl-Ökonomie-Organisation (GÖO) erarbeitet. Ein Vertreter dieser Organisation überprüft dann nochmal die Selbsteinschätzung des Unternehmers und gibt sein O.K. zur Veröffentlichung, wenn alles stimmt. – Die Indikatoren zur Messung der Gemeinwohlorientierung werden fortlaufend von der GÖO erarbeitet.

Leider konnte ich keine Auflistung dieser Kriterien auf der Homepage der Organisation finden. Vielmehr scheinen diese Informationen nur für die Mitglieder gedacht zu sein, die sich »anmelden« müssen und einen »Mitgliedsbeitrag« zahlen sollen. Der Schlüssel ist dann eine Excel-Tabelle, in der die Daten sich befinden.

Langfristig ist geplant, die »Bilanzprüfungsergebnisse« staatlichen Stellen zugänglich zu machen, damit diese Anreize für die Unternehmer schaffen, gute Ergebnisse zu erhalten. Schlechte Ergebnisse würden bestraft, oder doch zumindest benachteiligt.

Insgesamt also eine gute Idee?

Ich denke, auf alle Fälle. Denn die Menschen wollen die Wirtschaft, wie sie heute ist, nicht mehr, und es muss sich einfach etwas ändern. Wenn es so läuft, dass sich die Unternehmer selbst eines Wertekanons verpflichten, um so besser. Als Kunde, Konsument, kann ich mich an dem Gütesiegel der GÖO orientieren, muss es aber nicht.

Kritikpunkte?

Die »(nichtmonetären) Nutzwertindikatoren« [4], die Grundlage für eine Bewertung von Unternehmen sind, sollten für alle Bürgerinnen und Bürger einsehbar sein, sonst entsteht ein »geheimer Zirkel« von Eingeweihten, und die Schlüssel zu einer guten Bewertung bleiben im Verborgenen. Das kann nicht gut gehen und würde dem Transparenz-Anspruch widersprechen.

Dass der Staat ein Belohnungs- und Benachteiligungssystem erstellen soll, mit dem die Unternehmer an die Kandare genommen werden, ist eher nicht zu unterstützen. Hier hätten wir wieder einen Kontroll- und Bestrafungsstaat, der die öffentlichen Bediensteten in eine nicht wünschenswerte Position bringt. Was solche Machtpositionen anrichten, sieht man gerade bei Hartz4 oder beim NSA-Skandal. Die »Aufgabe« verselbständigt sich, und auf einmal hat der Bürger den Staat als Gegner. – Eine Kontrollbürokratie ist das Einfallstor in totalitäre Verhältnisse und ist deshalb abzulehnen.

Die Gemeinwohl-Ökonomie wäre somit nichts anderes, als eine Fortsetzung der bereits bestehenden Ansätze. Zum Beispiel bewertet die Zeitschrift »test« schon seit einigen Jahren neben den Produkten auch die Produktions- und Arbeitsbedingungen in den Herstellerbetrieben, die sich nicht selten weit weg im Ausland befinden. Das nennt sich dann »Gesellschaftliche Unternehmensverantwortung« (Corporate Social Responsibility), CSR.

So wird ein Großteil der Kleidung heute in asiatischen Ländern, wie China, Indonesien, Bangladesch und Vietnam produziert, nach Designvorgaben. Um herauszufinden, ob die Entlohnung angemessen ist, die Arbeitsbedingungen in Ordnung sind und der Umweltschutz beachtet wird, müssen die »Prüfer« erst einmal in diese Länder reisen, um für ein paar Tage sich umzuschauen. – Ob man den Ergebnissen solcher Untersuchungen trauen kann, ist eine andere Sache.

Zur Erinnerung. Wir im Westen waren es, Ende der 90er Jahre, deren Regierungsvertreter (in erster Linie Gerhard Schröder) vorlaut verkündeten, die europäischen Arbeitnehmer müssten im »Wettbewerb« mit den anderen Ländern bestehen, und das ginge nur, wenn wir uns deren niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen anpassen würden. Nur so blieben wir wettbewerbsfähig. – Stattdessen hätten wir schon damals die miesen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den anderen Ländern verurteilen müssen und die »Wettbewerbslogik« in Frage stellen sollen. Es ist aber nicht geschehen. Heute rennen wir den »fairen« Wirtschaftsverhältnissen hinterher, nachdem wir sie hier zerstört haben. Zynisch kann man sagen, ein Gutes hat es. Denn jetzt können wir weltweit, also auch in Deutschland, Armut bekämpfen und für gute Arbeits- und Entlohnungsbedingungen eintreten. Den Menschen geht es (fast) überall gleich schlecht (die Eliten und erfolgreichen Lobbyisten einmal ausgenommen).

Bei der Herstellung einer Ware sind verschiedene Abschnitte und Produktionsstufen zu berücksichtigen, die oft nicht alle einsehbar sind, um letztlich beurteilen zu können, ob das Produkt wirklich »fair« hergestellt wurde. Auch täuscht der »Gemeinwohl-Ökonomie« Ansatz darüber hinweg, dass ein Siegel dieses Bewertungssystems keinen Kunden zwingen kann, nur von diesen Anbietern zu kaufen. Und der gut gemeinte Hinweis auf die »getesteten« Produzenten nützt nichts, wenn der Preis für den Kunden viel zu hoch ist, zum Beispiel weil den Mitarbeitern »faire« Löhne gezahlt werden oder die Produktionskosten durch Umweltauflagen in die Höhe schnellen. In abgewandelter Form haben wir dieses Dilemma schon heute, wenn etwa für einen Teil der Bevölkerung die Preise in den Öko-Läden zu hoch sind, und sie deshalb gezwungen werden bei den Discountern einzukaufen. Oder ein »Natur« Laden zwar tolle T-Shirts anbietet, mit Ökosiegel, aber der Hartz4-Empfänger aufgrund seiner knappen Mittel doch woanders einkaufen muss.

Die Stiftung Warentest schrieb 2012 über das Produktionsland China [5]:

In der Region Iiangmen zum Beispiel liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 950 Yuan, umgerechnet 122 Euro im Monat für eine 48-Stunden-Woche. …. Der Lohn reicht aber kaum zum Leben. Daher sind Überstunden an der Tagesordnung. Extrembeispiel: ln der Nähfabrik, die für Salewa fertigt, machten im März 2012 fast alle Arbeitnehmer 83 bis 87,5 Überstunden – gesetzlich erlaubt sind 36 Stunden im Monat.

Was würde die Gemeinwohl-Ökonomie des Christian Felber an diesen Umständen ändern?

Im übrigen ist die Gemeinwohlorientierung ja kein völlig neuer Gedanke. Seit fast hundert Jahren ist diese Perspektive Teil der anthroposophischen Weltsicht und Lebensgestaltung. Möglicherweise hat sich Herr Felber ja ein bisschen an diese Überlegungen angelehnt, ohne den schwergewichtigen Unterbau mitschleppen zu müssen.

Felber will sich an Grundwerten [6] orientieren, in einem neuen Wirtschaftssystem [7]. Damit wird ein Bereich der Lebenswelt in den Fokus genommen und »passend« gemacht. – Während die Steinerschen Überlegungen [7a] ja von universellen Gesetzmäßigkeiten ausgehen, denen der Mensch unterworfen ist, und die er wahrnehmen und anerkennen sollte. Auch beobachtete Steiner die Vorgänge in der Wirtschaft, um daraus seine Schlüsse zu ziehen, wie ein organisches Wirtschaften aussehen könnte, wenn es von den krankhaften Auswüchsen bereinigt ist. Ein menschengemäßes, den universellen Gesetzen entsprechendes Wirtschaften war sein Anliegen.

Felbers Entwurf ist im Vergleich dazu einfacher gestrickt, schneller versteh- und umsetzbar. Ein Angebot für jene, die nicht lange warten wollen?

In seiner lesenswerten Auseinandersetzung mit dem Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie schreibt Andreas Exner unter anderem [8]:

Schließlich ist die “Gemeinwohl-Ökonomie” vor allem ein Marketingkonzept, das die Person Christian Felber für sich maßgeschneidert und – potenziell einkommensträchtiger als ein Migrantinnenprojekt – an dafür empfängliche Unternehmerinnen und Unternehmer gekoppelt hat. Es trägt weniger inhaltlich, sondern beruht wesentlich auf der Sehnsucht nach Erlösung, deren Erfüllung die Fangemeinde in seine Person projiziert.

Auch wenn ich nicht ohne weiteres den Lösungsansätzen des Herrn Exner zugeneigt bin, so vermittelt dieser Autor doch interessante Einblicke in die NGO-Organisation attac, in der Felber sein Projekt ansiedelt.

Betrachtet man den Ansatz der »Gemeinwohl-Ökonomie« aus der Grundeinkommens-Perspektive, dann kann man diese Bemühungen erstmal (in eingeschränkter Form) begrüßen. Unternehmer, die für soziale und Umwelt-Fragen sensibilisiert sind, werden gebraucht. Aber abzulehnen ist die Idee des Kontroll-Staats, die ebenfalls in dem Konzept steckt. – Was ich weiterhin nicht in der »Gemeinwohl-Ökonomie« gefunden habe, ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Aufgabe die Wirtschaft überhaupt hat.

Mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE) in der Tasche der Citoyen, büßt der »Gemeinwohl-Ökonomie« Ansatz schnell an Bedeutung ein. In einer Internet-Gesellschaft spricht es sich herum, welche Unternehmen Umweltschutz- und Arbeitsschutz-Richtlinien missachten, schlechte Löhne zahlen und schlechte Arbeitsbedingungen bieten oder auch akzeptable (siehe die Amazon-Diskussion). Und der Bürger hat mit einem bGE die Freiheit, unabhängig von Arbeitsplatznot zu entscheiden, welche Wirtschaft er will. Außerdem ist er es selbst, der bewertet und Kriterien aufstellt, und nicht eine ominöse Organisation, ein bürokratischer Wasserkopf, von dem er dann wieder abhängig wäre. Mit einem bGE ist es der Bürgerin und dem Bürger freigestellt, einem eigenen Wertekatalog gemäß, Produkte nicht, oder doch zu kaufen, Arbeit nicht, oder doch anzunehmen. – Die Institution Gemeinwohl-Ökonomie, mit ihren »(nichtmonetären) Nutzwertindikatoren« wäre womöglich überflüssig.

[1]
gemeinwohl-oekonomie.org

[2]
sein–gemeinwohl-oekonomie-wirtschaften-fuer-das-wohl-aller

[3]
berlin.gwoe–dbu-foerderprojekt

[4]
gemeinwohl-oekonomie.org–ein-wirtschaftsmodell-mit-zukunft

[4a]
soziales-kapital.at

[5]
Stiftung Warentest, August 2012, Test Funktionsjacken; »Zum Leben zu wenig – Produktionsbedingungen«

[6]
Grundwerte;
Wikipedia:
Die grundlegenden Wertvorstellungen einer … Gruppierung

[7]
System;
Wikipedia:
Der Begriff System (von griechisch σύστημα, altgriechische Aussprache sýstema, heute sístima, „das Gebilde, Zusammengestellte, Verbundene“; Plural Systeme) bezeichnet allgemein eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen bzw. miteinander verbunden sind und in einer Weise interagieren, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können.

[7a]
Rudolf Steiner – Nationalökonomischer Kurs
Vorträge als PDF
Rudolf Steiner Online Archiv

[8]
streifzuege.org–solidarische-oekonomie-statt-gemeinwohl-oekonomie

Kultur

Das mag alles stimmen, aber was ist das eigentlich für eine autoritäre Vorstellung von Kultur? Was Kultur ist, die die Identität eines Landes widerspiegelt, haben demnach irgendwelche Beamten zu entscheiden, die darüber beraten, welcher Antrag auf Kulturförderung abgelehnt und welcher bewilligt wird. Was qualifiziert sie dazu? Ein Staat hat so etwas nicht vorzuschreiben und kann daran nur scheitern. Darum ist die Kulturlandschaft in Deutschland ja auch so ausgetrocknet, so eindimensional und so frei von Innovationen

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Was ist Kultur? Wer darf da mitüberlegen. Diejenigen, die über öffentliche Gelder verfügen …. und wer noch. Kultur kann heute als »Einzeltat« im Internet bewundert werden, oder ist Produkt einer Gemeinschaftsarbeit. Dabei spielt die Finanzierung gar keine Rolle. Mit der Handykamera kann man einen anderthalbstündigen Spielfilm erstellen, wenn man denn will.

Die Kulturlandschaft ist ausgetrocknet, weil es keine Menschen gibt, die interessante Sachen machen. Die für andere von Interesse sind. Das macht die Landschaft so »trocken«.

Denn der traditionelle Mensch, der offenbar bereits ein Auslaufmodell geworden ist, ein Mensch mit Gewissen, zu Schuld- und Schamgefühlen, zur Kontrolle seiner Affekte fähig, mit einer sexuellen Identifikation als Mann oder Frau, ein Mensch mit Kultur, wird dann nur noch Geschichte sein. Denn Kultur ist eben nicht die Natur, und Argumente für etwas, weil es „natürlich“ sei, sind für die Tierhaltung überzeugend, den Menschen macht nicht das Natürliche aus, denn natürlich ist auch, unter sich zu kacken; den Menschen macht seine Kultur aus, die ihm nicht gegeben ist, sondern die er hervorbringt. Und seine Anpassung an die Kultur erzeugt das, was in der Psychoanalyse Neurose genannt wird.

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Kultur ist eine Leistung? Sie ist jedenfalls verknüpft mit einem Bekenntnis »zu«. »Das« ist unsere Kultur. Oder sagt man heute: »Das ist meine Kultur.«? Ist Kultur eine Gruppenleistung oder eine Einzelleistung?

Jetzt sah ich großformatige Werbung, über die ich mich sehr ärgerte. Es ging um ein neues Computer- beziehungsweise Konsolenspiel »Grand Theft Auto«. In Wikipedia fand ich heraus, dass das Spiel in mehreren Serien in Schottland produziert wird. Auf dem Plakat an einer Bushaltestelle hängend, ist ein Mann zu sehen, der böswillig aussieht und eine Handbewegung macht, die allgemein als Drohung gilt, jemanden töten zu wollen. Ich fühlte mich von dieser Visage belästigt, und überlegte mir, dass mit diesen vorgeblichen Autorennspielen in erster Linie junge Männer, männliche Jugendliche angesprochen werden sollen.

Diese Computerspielserie ist bereits in mehreren Folgen erschienen und steht in der Kritik. Wikipedia dazu:

wikipedia.org/wiki/Grand_Theft_Auto

Die GTA-Reihe ist wegen der exzessiven Gewaltdarstellung nicht unumstritten. Bei Wissenschaftlern und amerikanischen Politikern[19] ruft jeder neue Teil der Serie, insbesondere da seit GTA III eine 3D-Engine verwendet wird, teils scharfe Kritik hervor. In allen Teilen der Serie sind gewalttätige Handlungen gegen Personen (einschließlich Polizisten) möglich. Das Töten von Personen wird mit Fahndungssternen zwar bestraft, hat aber keine ernsten Folgen für den Spieler oder den Spielverlauf. Die schwerwiegendste Konsequenz ist lediglich eine symbolische Verhaftung, die den Verlust der mitgeführten Waffen und eine Geldstrafe mit sich bringt.
Um eine USK-18-Einstufung bzw. Indizierung zu verhindern, wurden in den deutschen Versionen einiger GTA-Spiele Inhalte entfernt. Dies betrifft einige Missionen (GTA Vice City) sowie das Nachtreten und Berauben der am Boden liegenden Opfer. Die Amokläufe sind in den deutschen Versionen entweder gar nicht möglich oder es fehlen bestimmte Varianten, wie die Amokläufe gegen Passanten.

Gerade der hier als letztes angesprochene Punkt kam für mich in den Blick, als ich das Computerspiel Carmageddon kurz anspielte. Ein Autorennspiel für die Android-Plattform. Man bekam Punkte dafür, mit dem Auto Menschen totzufahren.

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Ein Spielfilm soll Kunst sein. Was ist ein Computerspiel? Es sind Kulturerrungenschaften. Aber was ist das?

Bielicki schreibt:

Aber ein Mensch wird zum Menschen erst durch Teilnahme an der Kultur, die eben nicht Natur ist. Alles was natürlich ist ist nicht Kultur. Kultur ist nicht Natur. Das, was Natur genannt wird, ist bereits vom Menschen kultiviert worden, die Wälder, die Felder, die Flüsse und Seen, auch die Berge und das Meer.
Natur ist ficken, fressen, saufen, Drogen, sich berauschen, Raserei, Krieg, Blutrausch, usw. Denn Natur ist Triebbefriedigung (Sex und Aggression), Kultur ist jedoch triebfern und daher für die triebhaften Prolls nicht attraktiv. Aber nur in der Kultur findet der Mensch zu sich selbst und bleibt nicht ein unglücklicher Menschenaffe.

Was sind dann diese Figuren in dem Autorennspiel. Welche heruntergekommene, dekadente Gesellschaft verkörpern sie. Sind sie »nur« Phantasieprodukte der Computerspiel-Produzenten? Es sind keine Menschen in einem kulturellen Zusammenhang, sondern »unzivilisierte« Wesen auf niedrigster Entwicklungsstufe. Und diese Wesen treffen wir auch real, in unserem Alltag auf der Straße.

Wenn nun diese Computerspiele kein Ausdruck von Kultur darstellen und das Niveau des Dargestellten es verbietet, überhaupt daran zu denken, dass das etwas mit Kunst zu tun haben könnte, in welchem Kontext tritt »so etwas« in die Öffentlichkeit. Und auch noch scheinbar unwidersprochen. Denn trotz Kritik wird ja immer wieder an einer neue Version des Spiels gearbeitet.

Warum ist es in einem Kulturland, in Ländern mit Kultur nicht möglich, diese Produkte als »Schmutz« zu kennzeichnen, öffentlich anzuprangern und ein Bewerben im öffentlichen Raum zu verbieten. Gibt es nur noch individuelle Wertesysteme, statt gemeinsame? Warum finden sich keine Gruppen von Kulturschaffenden, geisteswissenschaftlich Tätigen, Jugendlichen, die aktiv die in diesen »Spielen« dargestellten Szenarien brandmarken und verurteilen, weil es keine Welt ist, in der man leben will, weil Spielen ein Einüben von Lebenswirklichkeit ist und welches Leben wollen wir »wirklich« sein lassen. Weil Spieleproduzieren eine Tat von Erwachsenen ist, an Kinder und Jugendliche gerichtet, und sich die Frage stellt, was tun da diese Erwachsenen. Sollen wir als Gesellschaft die Rahmenbedingungen dafür bieten?

Alles scheint privatisiert zu sein. Der Konsum oder die Ablehnung von menschenverachtenden Schriften, Filmen, Spielen. Ja selbst der Missbrauch und Gewalt ist privatisiert, denn die Sadomaso-Szene lebt mit dem Slogan »Was freiwillig passiert, ist o.k.«. Und dann übertragen auf solche Computerspiele: Wer so etwas spielen will, soll es halt machen. Auf eigenes Risiko.

Es stellt sich die Frage, ob das wirklich so gut ist, wenn man den Einzelnen so alleine lässt. Denn darauf läuft es hinaus. Zwar können allgemeine Regeln auch als Einmischung interpretiert werden. Aber nur dann, wenn die Einmischung nicht sachlich fundiert ist.

Fange ich mal mit dieser Werbung an, dann ist sie eine nicht zulässige Belästigung. Sie gehört verboten. Ich fühle mich durch sie belästigt. Ich empfinde aber auch, dass sie eine Belästigung für junge Menschen ist. Und Werbung ist von Erwachsenen »geschaltet«. Dass heißt, Erwachsene muten das Jugendlichen zu und es stellt sich die Frage, ob das in Ordnung ist. Ich denke, in diesem Fall, nein.

Was also ist Kultur? Kultur wäre in diesem Fall, dass sich Menschen aufraffen und sagen, was sie als Kulturmissachtung empfinden und deshalb ablehnen. Ich frage mich auch, wer hat Interesse an solchem geistigen Müll. Warum werden die vielen bösartigen Computerspiele, die vielen Horrorfilme gedreht. Wieso behauptet man, Filme, in denen das Töten von Menschen zelebriert wird, seien Kunstwerke? Wer kommt auf die Idee. Was hat das alles mit Kultur zu tun. Nichts.

Bielicki schreibt, das Unzivilisierte, das Primitive, Ordinäre, Rohe, sei »Natur«. Da bin ich geneigt, die Natur in Schutz nehmen zu wollen. Das Böse und Schlechte ist eine Form von Kultur, aber diese müssen wir aktiv ablehnen und eine bessere dagegenstellen.

Europa und die ganze Welt

In einem Schwimmbad blockieren 30 bis 50 Jugendliche den Sprungturm. Sie gehören einer Glaubensgemeinschaft an und wollen provozieren. Interessant ist, wie jetzt die Bademeister und die hinzugerufene Polizei reagieren. Es kommt nicht zu einem »Kampf der Kulturen«, sondern den hitzköpfigen Jugendlichen wird klargemacht, dass die Regeln anders sind, und sie sich gefälligst daran halten sollen.

Wow. Was für eine Welt. Es ist egal, aus welchem Teil der Erde du kommst, dort wo du bist, gelten Regeln und du hast dich daran zu halten. Die Regeln sind auch nicht x-beliebig, sondern sie orientieren sich an einem fairen und angemessenem Zusammenleben. Die versuchte Provokation führt ins Leere!

Sicher kann die Provokation in einem anderen Fall zu mehr Aufregung führen, zu tragischen Zwischenfällen, aber es geht um die Tendenz. Und die besagt, dass wir keine Zeit mehr dafür haben, uns lange aufzuhalten, an vergangenen Wichtigkeiten, auch wenn manche Menschen durch die Provokation daran erinnern wollen. Wir müssen einfach so zusammenleben, dass es gelingt und dabei erweist es sich auf einmal, dass sich die scheinbaren Besonderheiten in die zweite Reihe rücken müssen. – Was also ist Kultur?

Richard Wagner schreibt in seinem Buch »Der deutsche Horizont«, Europa hätte eine Identität, die man erhalten wolle. Wer denn? Dazu müsste man die Grenzen dicht machen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine Identität erhalten, hieße eine »alte« Identität konservieren. Aber wir entwickeln sie beständig weiter. Vielleicht brauchen wir überhaupt keine Grenzen mehr. Die Menschen wollen sowieso da leben, wo sie eben sind oder hinwollen, alles in Freiheit entscheiden. Wer also würde Grenzregeln aufstellen und Zu- und Abgang kontrollieren? Das passt nicht mehr in unsere Zeit.

In einer großen Gemeinschaft, der Weltgemeinschaft, sind das größte Problem Interessensgruppen, die auf Kosten anderer sich besser stellen und für sich Vorteile holen wollen. »Kultur« meint in Zukunft, die Kultur des fairen Umgangs miteinander.

Die »europäischen Grundlagen« sind nach Meinung von Richard Wagner:

Die griechisch-römische Antike, die jüdisch-christliche Religionsformel, das daraufberuhende Mittelalter, die Renaissance mit ihrem Rückgriff auf die Antike, die Aufklärung, die angelsächsischen Verfassungsideen, der Individualismus und das Arbeitsethos der Moderne.

Kann man darauf im Alltag heute irgendwie zurückgreifen? Eigentlich nicht. Wie will ich mich auf die griechisch-römische Antike oder die jüdisch-christliche Religionsformel beziehen?

Den Bezugsrahmen auf das Europäische auszurichten, gelingt vielleicht damit, dass wir die Regeln, mit denen wir erfolgreich das Zusammenleben der Menschen beeinflussen, über diese Geschichte erworben haben. Als entscheidend sehe ich die Menschenrechte. Sie müssen immer Grundlage für alle Rechtsbeziehungen zwischen uns Menschen sein. Sind sie Ergebnis der europäischen Geschichte, so hat auch diese Geschichte rückblickend ihren Wert. Aber eben nur »rückblickend«. Die Welt, in der wir heute leben, ist weder »europäisch« noch »angelsächsisch« oder »atlantisch«. Sie ist längst vermischt mit vielen anderen Strömungen und Wirkkräften und die Politik meidet dementsprechend jegliche Identifizierbarkeit mit einer bestimmten Ausprägung. Und wenn sie es doch tut, ist sie vielfältigen Angriffen ausgesetzt.

Weitere Begriffe, die Wagner unter »Mentalität« der westlichen Welt subsumiert sind:

Rechtsstaat, Freiheitsbegriff, christliches Menschenbild, säkularer Staat, Bürgerrechte, Liberalismus, Innovationsfähigkeit.

Was hat davon heute noch Bestand? Das Buch von Wagner erschien 2006. Rechtsstaat, Freiheitsbegriff und Bürgerrechte sind in Bedrängnis durch die Datenschutz-Affäre in den USA und Großbritannien, sowie durch die Hartz4-Gesetze und Agenda2010 in Deutschland. Christliches Menschenbild spielt überhaupt keine Rolle mehr. Wer erinnert sich daran, was das denn sein soll. Zu Liberalismus fällt mir die FDP ein, die nach einem weiteren Mehrfachmord durch einen Sportschützen wieder mal die Lobbyarbeit für die Schützenvereine übernimmt. Gütiger Gott, brauchen wir wirklich noch Liberalismus? Bleibt noch »Innovationsfähigkeit«. Jetzt sah ich einen Film über den schnellsten Zug in Japan, oder die Pläne von Elon Musk, den Hyperloop. Europa?

Die »Werte der europäisch-atlantischen Schicksalsgemeinschaft« sind nach Richard Wagner:

Demokratie, individuelle Freiheit, Bürger- und Menschenrechte, freie Marktwirtschaft und Privateigentum.

Wieso ausgerechnet »Privateigentum«. Aber das passt zu der ganzen Idee der Abgrenzung, der Wagner das Wort redet. Das »Bodenunrecht« ist ihm scheinbar nicht bekannt. Demokratie ist ein Container-Begriff. So wie »Demokratie« im europäisch-atlantischen Bündnis gelebt wird, ist sie überholt. Die Parlamentarische Demokratie schließt die Bevölkerung von der Mitgestaltung aus. Sie ist zur Parteien-Diktatur mutiert und kann eigentlich nur durch Direkte Demokratie abgelöst werden. Aber die übrigen Werte wie individuelle Freiheit, Bürger- und Menschenrechte, freie Marktwirtschaft, sehe ich gar nicht in diesem engen Kontext, wie es Wagner hier macht. Es sind eigentlich universelle Werte, die vielleicht in diesem europäisch-atlantischen Wirkfeld entstanden sind, aber was spielt das für eine Rolle im Alltag. Man muss das einfach fühlen und spüren, welche Entscheidungen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Zusammenleben der Menschen geeignet sind. 🙂

Sicherheit, Schutz, Gemeinschaft

Die Menschen brauchen Schutz vor Gewalt. Dort wo sie ihre privaten Dinge tun, wohnen, den Müll wegbringen, einkaufen, vom Kinobesuch zurückkommen, im Treppenhaus, Hof, Gelände ihres Mehrfamilien-Wohnhauses.

Können sie sich nicht sorglos in diesen Bereichen bewegen, weil aus der Nachbarschaft Personen sie bedrohen, oder gezielt umherziehen um Wehrlose, Alte, Schwache, anzugreifen, zu erpressen, dann sind die privatesten Bereiche des Lebens ungeschützt.

Schutzlosigkeit oder Gefahr durch andere identifiziert man gemeinhin mit der Überschreitung der Staatsgrenze oder »Grenzen« überhaupt. Wenn der Nachbarstaat feindselig ist, dann besteht die Möglichkeit der Bedrohung, wenn man in diesen Staat wechselt. Aber das die Menschen im eigenen Land bedroht sind, durch Fremde, darüber wird viel zu wenig gesprochen. Dieser Umstand wird einfach ignoriert, oder von Polizei, Medien, Politik totgeschwiegen. Die Gründe, die diese als Vorwand nennen, sind Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, die Gefahr »rechter Ideen«. Dabei wird der Zuzug weiterer Menschen trotz dieser Probleme nicht gestoppt, sondern forciert, zumindest ermöglicht. Oft begründet mit »Arbeitskräftemangel«.

Sicherheit, Schutz, sind instinktive Bedürfnisse des Menschen. Dass diese durch den Staat ignoriert werden, ist ein großes Problem.

Als »Volksgemeinschaft« sich zu definieren ist in einer globalen Welt nicht mehr sinnvoll. Besser ist es andere Kriterien für Gemeinschaft zu finden. Zum Beispiel die gemeinsame Orientierung an den Menschenrechten als höchstes Gut und das Allgemeinwohl als wichtigstes Ziel. Ist dies aber nicht möglich, weil sich zu viele Menschen an anderen Werten orientieren wollen (z.B. an der mitgebrachten Religion, Ethnie) dann werden schwierige Zeiten auf uns alle zukommen. – Neue Gemeinschaften, Pakte, Verbindungen werden aber auf alle Fälle entstehen. Das wird eine spannende Zeit.

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tagesanzeiger.ch/service/suche/asylunterkünfte

Wert und Moral

Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, der soll das Gespräch mit dem gekrönten Friedensforscher einfach weiterlesen, vor allem seine Aussagen zum Utøya-Massaker. Breivik betrachtet der Forscher zwar als europäisch-westlichen Neofaschisten und Rassisten, aber „verrückt war Breivik nicht, jedenfalls nicht verrückter als die norwegische Regierung. (…) Die norwegische Regierung versucht, den Afghanen ihr Konzept von Demokratie mit Gewalt aufzuzwingen und Breivik wollte uns Norwegern seine Weltsicht aufzwingen“.

Mit dieser Logik gibt es auch keinen Unterschied mehr zwischen einer Grundschullehrerin und Josef Goebbels: Beide versuchen eine bestimmte Weltanschauung zu vermitteln. Dass die Erstere ihre Schülerinnen und Schüler auf das freie Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorbereitet während der Letztere sich für eine rassistische und diktatorische gesellschaftliche Ordnung einsetzte, spielt nach diesem Denkmuster keine Rolle.

Galtung scheint sich auf den Zwangsaspekt zu konzentrieren, den wiederum Yardeni ignoriert. Warum? Yardeni meidet den Diskurs über die Werte, während Galtung mit der Form der Auseinandersetzung beschäftigt ist und sagt, »egal was die alle wollen, in der Welt, sie wollen es mit Zwang erreichen.«

Es geht um Werte und nicht um »Moral«, wie es Yardeni im Text unten schreibt. Diese Diskussion wäre durchaus interessant, zu schauen, was für Werte wir gemeinsam haben und welche uns voneinander trennen.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/in_goebbels_spuren_johan_galtung/