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Wer überlebt

Wir müssen besser sein als die anderen, höher, schneller, weiter war das Motto. Doch Spezialisierung ist nur eine Form der Problembewältigung in der Natur.

http://foehrkommunikation.blogspot.de/2017/04/es-gibt-zwei-grundhaltungen-in.html

Aber was war das für ein »Problem«? – Das der Eine leben will, egal, ob die anderen auch geeignete Lebensumstände haben? Oder war es das Problem, dass alle Menschen leben wollen und in den Köpfen vieler ist das nicht vorgesehen, weil sie nur an sich denken?

Wo früher Kontrolle herrschte, baue ich jetzt Vertrauensverhältnisse auf. .. Der Sinn der Arbeit wird für die vielen Wissensarbeiter wichtiger, als das reine Geld verdienen.

Aber wie kann so eine Gesellschaft proklamiert werden, ohne die Rahmenbedingungen? Dasjenige, das Frau Föhr kritisiert (Kontrolle, zentrale starre klare vorgaben-orientierte Hierarchie, in einer Misstrauens-Umgebung) ist doch immer noch da, in Form einer dermaßen gestalteten politischen Macht und Gesetzeslage, Jobcenter und Arbeitsagenturen.

Alle, die heute die Erfahrung der Arbeitslosigkeit durchmachen, werden der »Heile-Welt-Beschreibung« der Autorin misstrauen. Auch wenn sie jetzt in einen Job vermittelt wurden, oder noch nie die staatlichen Arbeitsbehörden von innen gesehen haben. Die Drohungen des Staates gegen die »Arbeitstiere« liegen in der Luft. Jeder spürt, was ihm blüht, wenn er keinen Job hat.

Es kann nicht auf der einen Seite einen unterdrückerischen Staat geben, der seine Bürger mit Gesetzen zu bestimmten Verhalten zwingen will, und im Gegensatz dazu, eine »Pseudo-Freiheit« in Unternehmen, die von Unternehmensberatern mit den Mitarbeitern antrainiert wird: so tun, als ob wir gute Lebensverhältnisse hätten.

Die zwei Grundhaltungen, die ein Unternehmen haben kann, resultieren nach meiner Ansicht aus einer alten Denke (Angst und Mangel) und aus einer neuen Denke (Vertrauen und Fülle).

Oder ist es hartnäckiges Ignorieren der Realität.

Wo ist heute in dieser Gesellschaft »Fülle«? – Ich sehe überall Menschen an den Mülltonnen, um darin zu wühlen nach Verwertbarem, Flaschensammler, ständig neue Essens-Tafeln für Bedürftige, ständig weitere Bettler, die vor den Banken und Supermärkten sitzen, für ein paar Cent. – Die Zahl der Armuts-Gefährdeten steigt von Jahr zu Jahr, vermelden die Nachrichten. Aber wir sollen uns »der neuen Denke« zuwenden? – Das ist wohl kaum vorstellbar.

Arbeitswille und bGE

Immer wieder gibt es den Fall, dass Personen behaupten, Rudolf Steiners Philosophie würde nicht hinweisen auf eine Grundeinkommens-Gesellschaft. Und eigentlich immer sind es Leute aus anthroposophischen Institutionen, die dies behaupten. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Text »ARBEITSFÄHIGKEIT, ARBEITSWILLE UND DREIGLIEDRIGER SOZIALER ORGANISMUS«.

http://anthroposophie.byu.edu/aufsaetze/s106.pdf

Gleich zu Anfang stellt Steiner die Frage nach dem Arbeitsantrieb. Und er konstatiert, dass es nicht genügt, einfach den »Egoismus« der Gewinnstrebenden in Frage zu stellen und wie es der »Sozialist« tut, das Gemeinschaftsleben und gemeinsame Wirtschaften als »Muss« für alle darzustellen. – Dadurch wird der Mensch »in seinem Wesen« nicht erreicht und angesprochen.

Der Appell an die »Leistungspflicht« für die Gemeinschaft, stößt auf taube Ohren.

Warum?

Dieses Prozedere übergeht den »individuellen Menschen«. Der Mensch will in seiner »Würde« angesprochen werden und nicht an seinen »niederen Instinkten«. Und er will auch nicht bessererwisserisch belehrt werden, wie und warum er seine Arbeit zu verrichten hat.

Die Dreigliederung besagt, dass das Wirtschaftsleben sich um seinen Bereich kümmert, die Produktion und Dienstleistung. Während das Rechtsleben den Rahmen schafft, in dem das Individuum seine Rechte gegenüber den Mitmenschen und den Wirtschaftsvertretern zur Geltung bringt. Im Geistesleben wiederum ist die Quelle zu sehen, für die Arbeitsmotivation. Ein »freies, auf sich selbst gestelltes Geistesleben« ermöglicht es den Individuen ihre persönliche Beziehung zum Gemeinwesen und den Mitmenschen zu entwicklen, indem das Subjektive, das Eigene geachtet und anerkannt wird. Was Grundlage ist dafür, dass der in seinen Indivualrechten »würdig« behandelte und anerkannte Mensch erkennt, welchen Wert diese Gemeinschaft für ihn hat, und er sie erhalten will, auch um seiner selbst willen. – Damit aber, erkennt er die Individualrechte der anderen genauso an, wie diese seine anerkennen. Dieses Bewusstsein stiftet Gemeinschaft.

Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, dass der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, dass durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, dass ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewusstsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

S.52

Aber nichts anderes ist eine Grundeinkommens-Gesellschaft.

In ihr sind sich die Menschen bewußt, dass der wirtschaftliche Erfolg die Grundlage für die Existenzsicherung ist, die das »Bedingungslose Grundeinkommen« ausmacht. Weder werden die Menschen arbeiten, weil die Jobcenter-Mitarbeiter das so wollen, in Arbeitslagern, in »Beschäftigungsgesellschaften«, noch wird es die »Gewinngier« sein, die angeblich heute und in früheren Jahren, die Leute in den kapitalistischen Gesellschaften angetrieben hat, »stundenlang« täglich zu arbeiten. – Vielmehr ist es das Bewusstsein, dass das Wirtschaften ein gemeinschaftlicher Prozess ist, ein »Für-einander-Leisten«, welches die Produkte und Dienstleistungen erbringt, die wir alle für unsere Existenzsicherung brauchen. Wir arbeiten das, was nötig, ist und mehr nicht. Oder wir arbeiten mehr, weil wir individuell das so wollen.

Die heutige Hartz4-Zwangsarbeit ist eigentlich »sozialistisch«. Und damit »diktatorisch«. Sie gibt einer kleinen Clique von Leuten, »Politikern«, Politkadern, das Recht, andere Personen im Land zu einer Arbeit zu zwingen. Willkürlich gegen die »Würde des Menschen« zu agieren.

Noch sind wir Bürgerinnen und Bürger wie betäubt, und können es kaum fassen, dass uns dies passiert. – Unsere Aufgabe ist es nun, einen »Bürgerwillen« zustande zu bringen, der die gesellschaftliche Ordnung wieder in »menschengemäße« Bahnen lenkt. – Angetrieben dazu, werden wir durch die empörenden Aktionen der »Sklaventreiber« in den Regierungen.

Was muss Wirtschaft leisten – – Was ist Konsum

Baukje Dobberstein spricht in ihren Beiträgen immer wieder wichtige Themen an. So auch in diesem Beitrag auf ihrem Blog. Es geht um Konsum.

https://baukje23.blogspot.de/2017/01/konsumkritik.html?m=0

Das Erste was mir auffällt, ist, dass Frau Dobberstein »Konsum und Bedarf« in einem quasi luftleeren Raum diskutiert. »Nach oben« und nach unten scheint alles offen zu sein, was an Verbrauch, Konsum, Bedarf und Produktion möglich ist. Sowohl die Ausweitung, als auch die Einschränkung des Konsums lässt sich offenbar kaum sinnvoll eingrenzen. – Aber ist das so?

Nehmen wir den Bedarf. Er richtet sich nicht zuletzt nach unserer »Physis«. Können wir am Tag zehn Laib Brot essen? Oder 5 Teller Spaghetti? Mit wie vielen Autos können wir in der Woche fahren. Wie viele Flaschen Wein können wir in 7 Tagen trinken?

Die Wahrheit ist doch, dass wir als Individuum nur eine »begrenzte Menge Güter« verkonsumieren können!

Täglich, wöchentlich, monatlich und so weiter. – Und allein das schon »begrenzt« die Produktion und den Verbrauch von Gütern und Serviceleistungen, bezogen auf die Anzahl der Menschen.

So lässt sich eigentlich sehr genau berechnen, wie viele Nahrungs-Güter eine Person im Monat verbraucht, damit sie nicht sterben muss, wie viel Energie sie braucht, damit sie warm genug lebt, im Winter, wie groß eine Wohnung sein muss, welche »Menge an Gütern«, zum Beispiel Kleidung, ein Mensch jährlich braucht. Und diese von mir nur sehr grobe Eingrenzung des »notwendigen Verbrauchs an Gütern«, den ich den einzelnen Menschen zugeordnet habe, geschieht schon lange in einem viel genaueren Maße bei den »Sozialhilfe-Warenkörben« durch die staatlichen Verwalter zum Beispiel hier in Deutschland, etwa bei der Berechnung der Hartz4-Geldbeträge.

https://de.wikipedia.org/wiki/Regelbedarfs-Ermittlungsgesetz

Der Staat berechnet aufs Genaueste, wie viele »Güter des täglichen Bedarfs« der Mensch monatlich braucht, um »überleben« zu können, damit er diesem dann genau so viel Geld gibt, für den Erwerb dieser Güter.

Hier das Beispiel aus Wikipedia:

sozialhilfe-warenkoerbe-wikipedia

Dobberstein:

Das ist für viele eine totale Horrorvorstellung. Zurecht. Denn wenn das Ganze ungesteuert und sehr schnell vonstattengeht, dann kommt es schnell zu einem Mangel von Wesentlichem.

Meistens ist die beste Lösung irgendwo in der Mitte zu finden. Zwischen der Überflussgesellschaft und der Mangelgesellschaft, da liegt die Bedarfsgesellschaft.

Es gibt Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), die sich davon eine Steigerung des Konsums und damit auch Wirtschaftswachstum versprechen. Weil man davon ausgeht, dass wenn man ärmeren Schichten mehr Geld gibt, dass sie das zum überwiegenden Teil zum Konsum im Inland nutzen werden.

Wie viel Wohlstand brauchen wir eigentlich?

So wie es Frau Dobberstein darstellt, kommt der Eindruck zustande, wir Menschen hätten keine Maßstäbe bezüglich Produktion und beim Verbrauch von Gütern. – Doch es ist anders.

Auch die Unternehmen sind daran interessiert, zu wissen, was die Kunden kaufen.

So können sie besser ihre Produktion planen, oder ihre Großhandels-Einkäufe tätigen. Unternehmen erfahren zum Beispiel vom Konsumverhalten ihrer Kunden über die »Payback-Kundenkarte«.

https://de.wikipedia.org/wiki/Payback_(Bonusprogramm)

Die Menge dessen, was ein Mensch verkonsumieren kann, lässt sich berechnen. Dadurch wird der Konsum, aber auch die Produktion und die Wirtschaft insgesamt, zu einer überschaubaren Größe. – In das kleine Bäuchlein des Menschen geht gar nicht so viel rein und die Menge der zu produzierenden Kühlschränke lässt sich ebenso genau vorhersagen.

Es ist doch vielmehr so, dass wir es gewohnt sind, uns »anschmieren« zu lassen, von den Wirtschafts-Journalisten, den Rundfunk-Mitarbeitern, die uns »einen Bären aufbinden«, wenn sie von dem Auf-und-Ab auf den Wirtschaftsmärkten erzählen, den »Stimmungen«, dem Hoch und Tief an den Börsen, und den Kauf- und Verkaufslaunen bei den Aktiengeschäften. – All das erweckt den Eindruck, als wäre das Wirtschaftsgeschehen völlig undurchschaubar, zumindest für den einzelnen Bürger. – Die Sachlage sieht aber anders aus.

Sowohl der Staat, als auch die Wirtschaft berechnen sehr genau, was produziert werden muss, um eine Bevölkerung versorgen zu können, und was einem Menschen an Verbrauchsgüter zugestanden werden muss, damit er nicht zugrunde geht.

Aber was bedeutet das, wenn es so einfach ist? Und was bedeutet es für die Betrachtung, die Frau Dobberstein angestellt hat?

Die Existenzsicherung betrifft, was wir Menschen brauchen, an Gütern, damit wir nicht zugrunde gehen, damit wir, wenn die Menge großzügig bemessen ist, »gut leben« können. Diese Menge ist auch das »Grundeinkommen«. – Sie lässt sich als Produktionsmenge, und das Äquivalent, die Geldmenge, sehr genau berechnen. Es ist somit überhaupt kein Problem ein Grundeinkommen einzuführen, wenn sich Politiker, Finanzfachleute, Handel und Produzenten absprechen, und für alle Einwohner eine maßgeschneiderte Berechnung vornehmen.

Ich selbst glaube, dass dies eine Tendenz in Richtung »Planwirtschaft« haben wird, aber im positiven Sinne. In Form von Assoziationen und Kooperationen und ganz allgemein gesprochen, mittels Zusammenarbeit, werden die beteiligten Gruppierungen in der Gesellschaft für das Gemeinwesen arbeiten.

Die Bandbreite der Konsummöglichkeiten und Einschränkungen, in der sich ein einzelner Mensch bewegen kann, ist im Vergleich dazu, was gesamtgesellschaftliche Vorgänge betrifft, oder die Produktions- und Konsumvorgänge auf der ganzen Erde, völlig bedeutungslos. Der Einzelne kann nur »bezogen auf sich selbst« mittels seines Konsumverhalten großen Schaden anrichten oder vorteilhaft für seine Gesundheit sich verhalten. – In Bezug auf die gesamte Gesellschaft (Weltgesellschaft) hat das Verhalten eines konkreten Einzelmenschen überhaupt keinen Effekt.

Bei Konsum, Produktion, Verbrauch und Bedarf geht es somit um »Orientierung«. – Welche Produktion ist überhaupt »notwendig«? Welche Mengen kann ein Einzelmensch überhaupt »physisch« verbrauchen? Welche Produktion ist eher unwichtig und von »Werbung« erst in unser Bewusstsein gerückt? Und welchen Anteil an der Produktion braucht der Einzelmensch zwingend, um sich selbst am Leben erhalten zu können?

Arbeitspflicht?

Marc Desaules Beitrag erschien auf einem Blog mit dem Titel »Pamphlet«. – Desaules stört sich daran, dass anthroposophisch-orientierte Grundeinkommens-Befürworter sich auf Rudolf Steiner beziehen, wenn sie für ihre Idee werben. Er behauptet, Rudolf Steiners Aussagen weisen auf den Preis hin. Der »Preis« ist die Lösung.

Richtiger Preis statt bedingungsloses Grundeinkommen

Herr Desaules stellt die These auf, Armut und Ausbeutung hingen einzig mit »dem Preis« zusammen. Und nicht ein Grundeinkommen, sondern ein angemessener Preis würden vieles Unrecht heilen.

Dazu muss gesehen werden, wie Herr Desaules »Wirtschaft« sieht. Er sagt:

Auch arme Leute, wenn sie zu niedrige Preise bezahlen, verursachen Übel und Armut in der Welt durch ihre Art der Bezahlung. Von Bedeutung ist nicht, wie viel man hat, sondern wie viel man bezahlt.

Das, was Götz Werner ein »Füreinander-Leisten« nennt, wird bei Desaules zur »Pflicht«:

In diesem Sinne hat man keine Rechte, sondern nur Pflichten seinen Mitmenschen gegenüber. Dass Arbeit eine solche Pflicht ist, wird zum Beispiel …..

Er sagt, die »Trennung von Arbeit und Einkommen«, würde von den Grundeinkommens-Befürwortern missinterpretiert, wenn sie Steiners Aussagen so deuten, dass der Unternehmer den Angestellten(-Menschen) nicht bezahlen könne. Vielmehr, so deutet Desaules an, sei es der Arbeitnehmer, der sich falsch verhält, weil er »Lohn fordert«:

Das hauptsächliche Problem liegt nicht an den institutionellen Rahmenbedingungen der heutigen Arbeitswelt, sondern an der inneren egoistischen Haltung, für den Lohn zu arbeiten (anstatt um der Arbeit selbst willen). Mit anderen Worten, es ist das Arbeiten für das Einkommen, das die Arbeit mit dem Einkommen verknüpft. Und es ist diese Gesinnung ….

Würde der Arbeiter nicht so handeln, hätten wir gar nicht das Problem der »Kopplung von Arbeit und Einkommen«.

Auch die Ursache, die zu einer Trennung von Arbeit und Einkommen führt, nämlich der Warencharakter der menschlichen Arbeitskraft, existiert nach Marc Desaules eigentlich gar nicht.

Denn wenn wir dieser Kraft ihren Wert absprechen, ist es mit der darauf aufbauenden Schlussfolgerung nicht weit hin:

Ein formaler Aspekt des Problems ist, dass Arbeit als eine Ware angeschaut und behandelt wird, als etwas, das gekauft und verkauft werden kann. Der Arbeiter wird dadurch zu einem Objekt des Marktes, einer maskierten Form von Sklaverei. – Dieses Problem kann überwunden werden, wenn wir einsehen, dass Arbeit an sich keinen Wert hat. Unabhängig davon, wie viel Arbeit darauf verwendet wird, Kohle aus dem Boden zu schaufeln, weder die Kohle noch die Arbeit
hat einen Wert an sich. Der Wert entsteht durch das Bedürfnis nach Kohle. Nur die Arbeit, welche in solcher Weise auf Natur angewendet wird, dass sie den menschlichen Bedürfnissen entgegenkommt, hat einen Wert. Nie die Arbeit an sich. Der Verkauf von Arbeit ist daher ein wirtschaftlicher Unsinn, der durchschaut werden muss. Eine Illusion, die noch solange andauern wird, als für den eigenen Lebensunterhalt gearbeitet wird.

Warum wird das Problem »des Warencharakters der Arbeit« überwunden, wenn wir einsehen, dass »Arbeit keinen Wert an sich hat«? – Das Problem wird eben nicht überwunden!

Der Warencharakter der Arbeit bleibt auch dann, wenn wir behaupten, Arbeit sei an sich wertlos. Denn in dem Moment, wenn wir Interesse haben »Arbeit zu kaufen«, hat sie sofort »Warencharakter«. – Auch geht es nicht um den »Verkauf von Arbeit«, sondern um den »Kauf von Arbeit«. Denn diejenigen, die am »Arbeitsmarkt« handeln, sind nicht bloß die Arbeitskraft-Anbieter, sondern die Arbeitskraft-Abnehmer.

Da wir aber heute eine Gesellschaft haben, in der »Zwangsarbeit« herrscht, für die Arbeitskraft-Anbieter, sind es allein die »Arbeitgeber«, die den Arbeitsmarkt nutzen, mit ihrer »Nachfrage nach Arbeitskraft«. Denn ein »freies Agieren« am Arbeitsmarkt ist nur den Arbeitgebern möglich. Die Arbeitnehmer sind »gezwungen«, ein Angebot am Arbeitsmarkt anzunehmen. Sie müssen sich verkaufen. – Somit ist heute der einzig »Schuldige« der den Warencharakter der Arbeitskraft nutzt und Arbeitskraft »kauft«, der Arbeitgeber. Er dominiert »die institutionellen Rahmenbedingungen der heutigen Arbeitswelt«. Und nicht der Arbeitskraft-Anbieter. – Dieser ist vielmehr abhängig von dem Gutdünken der Arbeitgeber, ob sie die Arbeitskraft kaufen, oder nicht.

Aber Desaules greift den »egoistischen« Arbeitnehmer an, und nicht den Arbeitgeber. Was schon sehr seltsam ist. – Denn auch der profit-orientierte neo-liberale Ausbeuter-Unternehmer ist ein »Egoist«. – Auch wenn er die Produkte herstellt, die wir brauchen. – Der Unternehmer ist der Haupt-Profiteur im Kapitalismus.


Auf derselben Internetseite schreibt Fionn Meier. Er argumentiert ähnlich. Dennoch lohnt es sich bei ihm, genauer hinzuschauen.

Bei der Frage, wie das »Wirtschaftsgeschehen« einzuschätzen ist, zielen sowohl Meier, als auch Desaules auf den »Arbeitnehmer«, mit ihrer Kritik. Warum aber nicht auf den Unternehmer? Ist der denn ganz untadelig?

Meier unterstellt den Menschen Schlechtes, wenn er sagt:

Viele Menschen haben einen Narzissmus entwickelt, welcher in einigen Fällen schon beinahe autistische Züge annimmt. Man interessiert sich hauptsächlich für sich selbst, sein Aussehen, seine Gefühle und Vorstellungen.
….
Passivität und Narzissmus. Es ist wohl nicht übertrieben, dies als zwei wesentliche Merkmale unserer heutigen Gesellschaft zu bezeichnen.

Pamphlet

Der Einzelne würde den Blick auf den Mitmenschen vernachlässigen. – Andererseits gibt er Hinweise, wie wir die wirtschaftlichen Zusammenhänge erkennen, und uns sinnvoll verhalten:

Erkennt der Käufer jedoch die Abhängigkeit des Produzenten von ihm, und nimmt er sich deswegen vor, bei jedem Einkauf darauf zu achten, dass er einen solchen Preis bezahlt, der es dem Produzenten ermöglicht in Würde zu leben, bis er das nächste Produkt zum Verkauf hergestellt hat, verlässt er seine egoistische Sichtweise. Er nimmt neben seinen eigenen Bedürfnissen zugleich auch diejenigen des Produzenten wahr, für deren Befriedigung er sich mitverantwortlich weiss.

Sowohl für Meier, als auch für Desaules dreht sich in der Wirtschaft alles um den Preis. – Die Wirtschaft lässt sich jedoch auch anders sehen, ohne das man dadurch Steiner »untreu« wird. Lassen wir den »Preis« (also das Geld) einmal weg. Dann ginge es in einer Wirtschaft nur um die Produkte und Dienstleistungen. Und tatsächlich sind sie es allein, die wir brauchen. Kein Mensch braucht »Geld«. Geld ist nur ein Verteilungsinstrument.

Wenn also der Käufer sich bewusst ist, dass die Produzenten ebenfalls »in Würde leben« wollen, dann muss ihnen von der existenzsichernden Wertschöpfung gleichviel zuteil werden, wie allen anderen auch. – Das aber wäre ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Form von Gütern! – In der Wirtschaft kann es nur um die Schaffung von Produkten gehen, und um die Verteilung dieser Produkte an die Menschen. – Die Regeln für die Verteilung der Güter werden im Geistesleben entwickelt. Und durchgesetzt werden sie über das Rechtsleben.

[Die enge Verknüpfung Rudolf Steiners Denken mit der Grundeinkommens-Bewegung lässt sich insbesondere in seinem Werk »Die Kernpunkte der sozialen Frage« herausarbeiten. – Stichworte dazu, habe ich in einem Kurzbeitrag zusammengefasst. Hier ]

Die »Preisperspektive«, die Meier und Desaules aufzeigen ist sicherlich möglich. Sie stellt meiner Meinung nach aber eine verengte Sicht der Dinge dar, und ist nicht die einzige Möglichkeit, Wirtschaft zu sehen. – Auch die Schriften Rudolf Steiners besagen nicht, dass einzig und allein eine »Preis-Perspektive« die richtige Sicht auf die Wirtschaft ergibt. – Diese Sicht kann aber durchaus einen Erkenntnisgewinn darstellen.

Weiter schreibt Meier:

Erstens. Solidarität lässt sich nicht per Gesetz verordnen. Sie muss immer wieder neu und individuell gewollt werden.


Zweitens. Freiheit ist keine Frage des Einkommens, sondern eine Frage des Kapitals. Einkommen brauchen wir, um unsere leiblichen und geistigen Bedürfnisse zu befriedigen. Die gegenseitige Gewährleistung der Befriedigung dieser Bedürfnisse ist jedoch keine Frage der Freiheit, sondern eine Frage der Solidarität. Freiheit befindet sich dort, wo wir unsere individuellen Ideen und Fähigkeiten praktisch umsetzen können. Hierzu ist nicht das Einkommen der entscheidende Faktor, sondern der Zugang und die freie Verfügung über das dazu erforderliche Kapital. Dies ist der eigentliche Angelpunkt zur Entwicklung von mehr Freiheit.

Das sind sehr wichtige Aussagen. Auch für Grundeinkommens-Befürworter.

Erst einmal scheinen wir Menschen, anders wie Meier sagt, auch ohne Kapital »frei« zu sein. – Denn sonst könnten wir es uns nicht erlauben, »individuell gewollt«, also aus freien Stücken »solidarisch« zu sein.

Dennoch ist die Unterscheidung, Solidarität → Einkommen — Kapital → Freiheit, bedeutsam. (→ = führt zu)

Denn tatsächlich funktioniert ein Grundeinkommen in einer Gesellschaft auch nur dann, wenn wir verantwortlich auf unsere Gemeinschaft blicken und zum Beispiel gemeinsames »Wirtschaften« als eine »solidarische« Aktion ansehen, die für uns alle die Güter schafft, die wir zum Leben brauchen. – Und diese Güter sind das Grundeinkommen.

Somit ist die Gesellschaftsgestaltung eine »gemeinsame, »solidarische« Kraftanstrengung, die zu unserer existentiellen Sicherheit beiträgt, und zum Beispiel »Einkommen« schafft, von dem alle leben können.

»Freiheit« wäre dann mehr der Luxus, sich den privaten, persönlichen Interessen zuwenden zu können, sofern dies von anderen mittels Kapital ermöglicht wird. – Zum Beispiel durch ein »Stipendium«. – Dies jetzt im Sinne von Meiers Ausführungen dargestellt.

In einer Grundeinkommens-Gesellschaft sind meiner Meinung nach allerdings viel mehr Freiheiten möglich, die völlig ohne Kapitalzuschüsse funktionieren. – In dieser Hinsicht erscheinen Desaules und Meiers Weltsicht begrenzt, eingeschränkt und veraltet.

Die Idee des Grundeinkommens verkennt die zwei eigentlichen Wege zu mehr Freiheit und Solidarität und bietet stattdessen eine Scheinlösung an. Und darin liegt auch ihre Gefahr. Anstatt an der arbeitsteiligen Wirtschaft den Impuls zu entwickeln, eine Solidarität auszubilden, die auf individueller Anteilnahme an den Bedürfnissen der Mitmenschen beruht, wird ein Mechanismus gesetzt. Jeder hat sein Brot, unabhängig von dem Verhalten der anderen. Zudem degradiert das Grundeinkommen die Idee der Freiheit zur Einkommensfrage.

Meiers Hinweise sollten insofern aufgegriffen werden, dass wir nicht »bewusstlos« ein Grundeinkommen einführen, ohne mit der Bevölkerung in einen Diskurs zu treten, die unsere gegenseitige Abhängigkeit und Mitwirkungsnotwendigkeit offenlegt. – Die Gesellschaft funktioniert nicht nur durch die Roboter mit künstlicher Intelligenz. Und die Digitalisierung nimmt uns nicht die Aufgabe ab, die materielle Versorgung aller Menschen ganz konkret jeden Tag zu leisten und zu organisieren. – Das hierfür entscheidende Stichwort Meiers war, wie er die Verfasstheit der »Solidarität« beschrieben hat.

Solidarität können wir nicht erzwingen. Auch nicht durch »Zwangsarbeit«. – Sie muss sich »intrinsisch« in jedem einzelnen Menschen herausbilden, »in Freiheit«. – Wir können gesellschaftlich diesen Prozess begleiten, in dem wir für gute Ausbildungsstätten sorgen, für »Bildung« allgemein, für »freies Geistesleben«.

Eine solidarische Gesellschaft, in der die Menschen gemeinsam wirken, sich gegenseitig ihr Einkommen bereitstellen und das Auskommen ermöglichen, in der jeder Einzelne seine Solidarität »in Freiheit« entwickelt hat, diese Gemeinschaft kann eine Grundeinkommens-Gesellschaft sein.

Ökonomie betrachten

Über die »Ökonomie« lässt sich Norbert Häring aus, aber zur Mitte seines Textes vermisse ich einen Hinweis darauf, was Wirtschaft überhaupt soll.

http://norberthaering.de/de/27-german/news/466-menschenfeindliche-oekonomik#weiterlesen

Ist sie nicht dazu da, uns mit den Gütern und Dienstleistungen zu versorgen, die wir Menschen brauchen?

Auf der Erde sind wir Menschen mit unserem Körper. – Ohne unseren Körper können wir Menschen hier auf der Erde gar nichts. Und unser Körper braucht bestimmte Dinge, damit er leben kann, damit er auf der Erde eine Zeit lang existieren kann. Denn zeitlos kann unser Körper auf der Erde eben nicht existieren. Aber er kann relativ lange, und über die Zeit, immer länger existieren.

Wir könnten auch sagen, es ist eine Nebensächlichkeit, was wir da brauchen, an Gütern und Dienstleistungen. Es ist eigentlich eine Kleinigkeit, die wir da brauchen. Aber unsere Körper brauchen nun mal diese Dinge.

Und dafür ist die Wirtschaft, die Ökonomie da, diese Dinge zu produzieren, sie bereitzustellen, damit wir sie uns nehmen können, damit sie unser Körper bekommt.


Aber alles, worüber die Ökonomen heute, worüber die Wirtschaftsjournalisten heute schreiben und reden, ist gar nicht nahe genug an dieser Erkenntnis.

Häring schreibt über »Egoismus, Konkurrenzdenken und Aggressivität« im Menschen und dem Menschenbild der klassischen Ökonomie (als Wissenschaft), das besagt, dass »… die Ungleichwertigkeit von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen … integraler Bestandteil des aufgebauten Theoriegebäudes der Ökonomen« sei.

Seine Analyse und Beschreibung ist richtig, wobei er sehr viel Text verwendet, um die typischen Vertreter der Ellenbogengesellschaft zu beschreiben.

Er weist auf die »Chancen von kollektivem Handeln« hin und wie wichtig der Gleichheitsgedanke ist und wir nicht umhinkommen, diesen weiter im Auge zu behalten.


Ökonomie lässt sich vollständig aus der Sicht des menschlichen Körpers begreifen und verständlich machen. – Wenn jemand in der Nahrungsproduktion arbeitet, dann kann dieser abends eine Portion der Ware kostenlos mit nach Hause nehmen, wer in einem Imbiss arbeitet, kann von den Produkten, die er feilbietet, selbst etwas nehmen und essen, ohne dafür zu zahlen und in der Lebensmittelkette können abends die Mitarbeiter von der Ware, die sonst weggeworfen wird, einen Teil mit nach Hause nehmen, was noch gut und verwendbar ist.

Der größte Teil der Arbeit = Ware, die wir im Laufe des Tages herstellen und fertig für den Weitertransport machen, geht aber an andere Menschen, die wiederum die Produkte für ihren Körper brauchen.

So ist alles ein Geben und Nehmen. Ich produziere etwas, was ich auch selber brauche (das muss nicht immer der Fall sein) und du produzierst etwas, was ich brauche und was ich von dir bekomme. – Von all dem, was produziert wird, brauchen wir immer wieder etwas, vielleicht nicht immer dasselbe, aber im Laufe unseres Lebens immer wieder mal das Eine oder Andere.

Vielleicht sehen sie in meiner Erzählung, dass da die Worte »Lohn, Gehalt, Einkommen« fehlen. Auch die Worte »Geld, Bezahlen, kaufen«, sind nicht nötig. – Es geht nur darum, die Güter herzustellen, die Dienste anzubieten, und weiter, dass die Menschen sich die Dinge nehmen, die sie brauchen. – Somit kommt die ganze Wirtschaft ohne »Verkaufen, kaufen, Geld« aus.

Wenn ich einen Haarschnitt brauche, gehe ich zu einer Person, die diese Aufgabe erledigt. – Niemand müsste nachprüfen, ob das Ansinnen des Menschen »berechtigt« ist. Es ist zu sehen, am Kopf desjenigen. Ähnliches gilt für Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie. – Was ein Mensch braucht, können wir alle mitdenken und müssen uns nicht belehren lassen, von Kontrolleuren. – Nimmt sich ein Mensch zu viel, wenn er eine 5-Zimmer-Wohnung hat? – An was soll dies gemessen werden. – Und wenn der Maßstab berechtigt wäre, finden wir Wege, um eine Lösung herbeizuführen.

Wenn wir Abertausende von Flüchtlingen haben, dann ist dies eine Wanderbewegung und die Frage ist nur, haben wir genügend Nahrung, Kleidung, Wohnraum und Energie. Und in unserer Überflussgesellschaft haben wir alles. – Hinzu kommt noch, dass immer wieder gesagt wird, der »Westen« sei mit Schuld an dem Elend in der Welt. – Wenn auch dies in dieser pauschalen Art oft nicht im Einzelnen zu klären ist, so sollten wir die berechtigten Interessen aller Menschen auf ein würdevolles Leben ernst nehmen und entsprechende Bedingungen herstellen, die dies ermöglichen.

Immer häufiger zeigt es sich, dass ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) der richtige Weg in eine bessere Welt darstellt. – Die Situation der Flüchtlinge macht deutlich, dass wir gute Lösungen brauchen und das bGE ist eine sehr gute Lösung in einer globalisierten Welt.

Norbert Häring schreibt: »Wem gemäß den Vorgaben des Grundgesetzes unabhängig vom eigenen Arbeitseinsatz ein menschenwürdiges Minimum an Einkünften garantiert ist, der muss seine Arbeitskraft nicht zu den vorherrschenden, vielleicht zum Überleben gar nicht ausreichenden Löhnen anbieten.«

Und dieses »Nicht-anbieten-müssen« ist der Verzicht auf die Hartz4-Zwangsarbeit, ist die Einhaltung der Menschenrechte in diesem Land, was aber heute nicht der Fall ist und wogegen sich Ralph Boes wendet, mit seinem »Sanktionshungern«. – Der heutige Staat in Deutschland ist totalitär, selbst wenn viele Menschen das nicht empfinden. Er ist mit seinen Gesetzen totalitär und wenn wir die Menschenrechte ernst nehmen, müssen wir Bürger uns gegen diesen Unrechtsstaat wenden und für menschenwürdige Verhältnisse eintreten.


Kristin Eberhard befindet in ihrem Artikel, dass wir Menschen schauen müssen, in welche Richtung sich die Gesellschaften bewegen, und ob das den Vorstellungen der Allgemeinheit entspricht.

https://medium.com/basic-income/can-we-create-a-world-that-works-for-all-if-the-elites-in-charge-don-t-want-us-to-5eed5994c6be

Sie meint, es könnten heute die falschen Leute »am Ruder« sein und uns nicht in eine Welt der »Gleichheit« führen, sondern ihren eigenen egoistischen Interessen nur folgen, während sie uns im Ungewissen belassen. – Die »falschen Leute am Ruder« sind heute die Politiker oder die Eliten, die uns weißmachen wollen, was richtig ist, während sie in Wirklichkeit nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben.

What are the rest of us rowers — those of us who believe that a world that works for all is not only possible, but the only acceptable destination for humanity — to do? We must take the tiller back from those who are leading us astray.

Was bedeutet es, wenn die Eliten »kein Problem« damit haben, dass ein Großteil der Bevölkerung Vollzeit arbeitet und dennoch arm ist. Es bedeutet, dass wir uns nicht auf diese Leute verlassen können und selbst dafür sorgen müssen, dass die Gesellschaften menschenwürdiger werden.

Kristin Eberhard:

In a world with few jobs for humans, a minimum wage will not keep all Americans out of poverty. A basic income will.

Der Einsatz für Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE) ist unerlässlich, um wieder weltweit für menschenwürdige Verhältnisse zu sorgen. – Es wird möglich mit unserer Beteiligung. – Es ist unser aller Aufgabe und jede einzelne Person und ihr Engagement zählt.

Arbeitswelt und Grundeinkommen

Die Ereignisse rund um den Flugzeugabsturz gaben den Bürgern Anlass, über eine Vielzahl von Themen zu diskutieren. Und alles, was wir wissen, was wir an Daten zugänglich haben, dient uns, sich Gedanken zu machen zu den Sachverhalten.

Welche Berufsgruppen gibt es noch, die mit Menschen arbeiten, die bei ihrer Arbeit Verantwortung für andere Personen haben? – Neben den Piloten in einem Flugzeug, sind es die Busfahrer, die Ärzte, die Betreuer von Gruppen von Menschen, Pfleger, Erzieher, Lehrpersonal, Polizisten, Justizbeamte, Richter und natürlich Politiker. – Bestimmt habe ich noch welche vergessen.

Götz Werner sagt über die Wirtschaft, es ist ein »Füreinanderleisten«, wir arbeiten also immer »für andere« und nie für uns selbst. Und dennoch ist es so, dass wir empfinden, wir würden »für uns selbst« arbeiten. Wir meinen das deshalb, weil wir einen Geldbetrag überwiesen bekommen. Und der ist ja »uns«. – Herr Werner weist darauf hin, dass es eigentlich etwas Selbstverständliches ist, für andere zu arbeiten. Eine andere Form von »Arbeit«, ist kaum zu finden. – Wenn es aber etwas Selbstverständliches ist, brauchen wir es auch nicht an »die große Glocke zu hängen« und uns damit brüsten, dass wir diese Arbeit machen.

Aber genau dieses Denken und Verhalten hatte sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt. Belohnt werden sollte der Beste. Das ist die Idee einer Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft. Wer die Eingangstests und Prüfungen bestanden hatte, den entsprechenden Schulabschluss nachweisen konnte, der durfte und konnte, und letztlich »wollte« auch viel Geld verdienen. Es war kein freiwilliger Akt des Arbeitgebers, der »Sieger« im gesellschaftlichen Wettkampf sagte sich, ich »muss« jetzt auch viel Geld verdienen, sonst hat sich das Ganze nicht gelohnt.

So kommt es, dass in einer durchaus aggressiven Art von manchen Berufsgruppenvertretern ein bestimmtes Einkommen und Rahmenbedingungen eingefordert werden, eine Art, die als Erpressung beschrieben werden kann. – Und genau an dieser Stelle zeigt sich der Zeitenwandel. Die einen sind noch in der Vergangenheit, in ihrem Denken, und glauben, dass sie »für sich« alles rausholen können, wenn sie sich nur durchkämpfen und die besten Noten in der Schule haben, den besten Abschluss in der Ausbildung und dann haben sie auch ein »Anrecht« auf hohe Bezahlung, und die anderen sehen, dass dieses Denken keine Zukunft mehr hat, weil die Veränderungen der Arbeitswelt ein solches Denken nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt, weil durch Rationalisieren, Automatisieren, Computerisieren und Algorithmisieren jegliches Anspruchsdenken im alten Sinne hinfällig wird. – Warum?

Der Arbeitnehmer ist nur noch ein Durchgangsposten. Wir wollen die Ergebnisse des Handelns und nicht den Handelnden vergöttern. Wir sagen, dass die Leistung, die geleistete Arbeit wichtig ist, im Ergebnis, aber wir wollen uns nicht lange aufhalten, bei denen, die die Arbeit machen und sie nicht auf einen Thron, auf einen Sockel heben und verehren, weil sie die Arbeit machen. – Der Arbeitnehmer im alten Sinne meint, er sei etwas Besonderes und müsse dementsprechend behandelt werden. – Die Flugkapitäne, die alle Hebel korrekt bedienen können, waren doch vorbildhafte und imposante Persönlichkeiten, oder wenn wir an die »Götter in Weiß« denken. – Die großen Menschenmassen wollen es aber nicht, dass sich die Herrschaften in den Weg stellen und sagen, »Hallo, respektiert gefälligst unsere Besonderheit, so wie ihr es vor Jahrzehnten auch getan habt«.

Das erinnert mich an die Arbeit in Vereinen.

Vieles dort an Arbeit, oder sogar alles, wird deshalb gemacht, damit »das Ganze«, damit die Organisation funktioniert und ihrer nach außen gerichteten Aufgabe gerecht wird. – Das heißt, die Organisation hat ein bestimmtes anvisiertes Ziel, und deshalb haben sich viele Menschen entschlossen, sich dieser Gruppierung anzuschließen. – Damit diese Aufgabe zum Tragen kommt, müssen unterschiedlichste Arbeiten erledigt werden. Gemeinhin werden die Leute, die diese Arbeiten in einer Organisation erledigen, »Funktionäre« genannt. Sie sorgen dafür, dass die Institution funktioniert. – Und unter diesen gibt es viele, die sagen dann den anderen Teilnehmern im Verein, ICH, IIIIICH, mache diese und jene Einzelaufgabe und habe GANZ VIEL GEARBEITET, ganz VIIIEL gearbeitet für EUUCH, womit sie andeuten wollen, dass wir alle anderen (diejenigen, die ebenfalls Funktionäre sind und diejenigen, die nur die eigentliche Funktion des Vereins in Anspruch nehmen) ganz »klein mit Hut« sein sollten, und dankbar für so viel Großzügigkeit, dass andere für mich schuften und das respektieren und entsprechend entlohnen, oder zumindest anerkennen sollten, wie wichtig diese Personen sind und diese Leute dann entsprechend wertschätzen und in den Himmel heben sollten. – Bekommen diese »wichtigen Persönlichkeiten« in der Gruppe aber dann nicht, was sie fordern, dann werden sie ganz schnell unleidlich und unverschämt und pöbeln und drohen, ihre ach so wertvolle Arbeit nicht mehr machen zu wollen und dann würden wir anderen ohne sie dastehen und sehen, was wir davon haben.

Und im Gegensatz zu dieser Sorte von Menschen gibt es andere, die sehr wohl einsehen, dass für das Funktionieren der gesamten Organisation zusätzliche Arbeiten vonnöten sind, aber sie machen diese Arbeiten einfach, ohne sich dafür bezahlen zu lassen, freiwillig und unentgeltlich, »ehrenamtlich«, weil sie begreifen, dass das Wichtige an der ganzen Organisation, die Erfüllung der Aufgabe ist, zu der die Organisation überhaupt gegründet wurde. – Kurzum, sie lehnen den »Personenkult« ab, der scheinbar von manchen Menschen erwartet wird, damit sie »in die Gänge« kommen.

Es ist somit eine bestimmte Haltung bei den Arbeitnehmern, die eine aggressive Atmosphäre im Arbeitsumfeld erzeugt, die besagt, IHR, für die wir arbeiten, MÜSST euch uns gegenüber so und so verhalten, sonst verweigern wir unsere Arbeit (Streik), oder wir attackieren euch, machen die Arbeit schlecht, und ihr werdet darunter leiden (Drohung).

In den Berufsfeldern, die ich oben genannt habe, gibt es immer wieder Beispiele, Vorfälle, wo die Menschen, für die die Arbeit gemacht wird, zu Schaden kommen.

Die leistungs-, kampf-, und erfolgsorientierten Berufstätigen sehen nicht so sehr, dass sie im Großen und Ganzen der gesellschaftlichen Abläufe, einen (kleinen?) Bereich mit ihrem Tun abdecken, und das sie selbst vom Ergebnis allen Tuns letztendlich genauso profitieren, wie alle anderen auch, nein, ihnen geht es darum, dass alle anderen »aufblicken« zu diesen großen Meistern ihres Fachs und sie besonders wertschätzen. – Dieses Denken ist aber nicht mehr zeitgemäß.

Alle Streiks sind auch ein »in den Weg stellen« gegen die Tendenz, dass diese alten Vorstellungen von Arbeit obsolet sein könnten und das nicht mehr der Arbeitnehmer, sondern die Arbeitsergebnisse hochgeschätzt werden. Denn das ist ja der Weg, den wir momentan gehen. Wir sehen, wir brauchen die Arbeitsergebnisse, sie sind das eigentlich Wichtige, und der Arbeitsprozess ist nur ein Durchlaufposten.

Was aber bedeutet das für das Individuum, das sich nicht mehr so, wie in alten Zeiten orientieren kann, bei seinen tagtäglichen Verrichtungen? – Im leistungs- und wettkampforientierten Tun ist die Gruppe Medium für die Selbstbestätigung, allerdings in einer eher feindseligen und niederträchtigen Weise. Denn der Sieger braucht, um Sieger sein zu können, solche Menschen, die er besiegt hat. Des einen Vorteil wird in der alten Welt immer zum »Nachteil« für die anderen. Da es ja viel mehr Besiegte als Sieger gibt, wird diesen dieses »Spiel« irgendwann nicht mehr schmecken und sie werden »aussteigen«. – Eine bessere Gesellschaft kommt ohne diese Spielereien aus (ich will nicht verhehlen, dass in früheren Zeiten dieser Wettkampfgedanke vielleicht seine Berechtigung hatte) und die Selbstbestätigung wird nicht dadurch erreicht, andere Menschen zu düpieren und schlecht aussehen zu lassen, sondern auf andere, mehr humanere Weise.

Die Voraussetzung dafür ist aber eine andere Gesellschaft. – So wie die Kämpferseelen verzweifelt versuchen, die alte Welt zu erhalten, indem sie ihrer »Arbeitsideologie« nachhängen, von der »Wertschätzung« der Arbeit reden, dass sich Arbeit »wieder lohnen« müsse, und mittels Streiks versuchen, Entwicklungen aufzuhalten, so werden die neuen Orientierungen sich aus veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen ergeben. – Es ist wirklich kein Zufall, dass alle Gewerkschaften sich gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen streuben, eben weil diese notwendigen Veränderungen der Arbeitswelt, sich über ein solchen Grundeinkommen ergeben wird.

Sicherlich ist es auch noch in einer Grundeinkommens-Gesellschaft möglich, sich einen Leistungswettbewerb vorzustellen, aber der Punkt ist, dass niemand mehr bei diesem »Spiel« mitmachen müsste und sich alle die wollten, sich dieser Ideologie entziehen könnten. -. Das ist so, als gäbe es bei der Olympiade einen Hundertmeterlauf und mangels Interesse bei den Menschen hätten sich nur 4 Leute für den Lauf gemeldet und 3 Personen dann qualifiziert und bei den millionenfachen Angeboten im Internet, sich unterhalten zu lassen, wäre die Übertragung der Olympiade ein »Nischenthema«, für das sich nur die Wenigsten interessieren.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde den Zwang bei Leistungswettbewerben mitzumachen, aufheben. – Das würde auch in der Schule eine andere Atmosphäre schaffen und überhaupt das Lernen viel mehr individualisieren, gemäß der Frage, was ist überhaupt für mich in diesem Leben wichtig und nicht »welcher Arbeitsideologie welches Politikers muss ich mich fügen, weil dieser dementsprechende Gesetze erlassen hat, die mich in die von ihm präferierte Richtung lenken sollen«.

Und wäre es dem Menschen, der Ausgangspunkt dieses Beitrags war, möglich gewesen, seine persönliche Situation in den Vordergrund zu stellen und sich nur dieser zu widmen, wenn er gespürt hätte, dass das notwendig ist, dann wären die Dinge vielleicht anders ausgegangen.

Was brauche ich und wer sagt es mir

Sicher war das nicht immer so, aber die Zeiten sind einfach vorbei, als es noch Sinn machte unterschiedliche Produkte gegeneinander antreten zu lassen. Allerdings war der »Wettbewerb« nie so wichtig für die Bevölkerung, er war es vielmehr für die Vertreter einer kapitalistischen Welt- und Wirtschaftsordnung. Sie waren es, die behaupteten, dass es besser sei, wenn wir in der Produktion Konkurrenten sind und dadurch würde die ganze Gesellschaft profitieren. – Ob das richtig war, für die 40er und 50er Nachkriegsjahre, sei es drum. Heute ist es jedenfalls völlig deplatziert.

In der Diskussion »The Psychology and Economics of Advertising« [1] wird sehr klar beschrieben, wie die Berufsgruppen »Psychologen, Werbefachleute« gegen die Interessen der Bürger Werbung kreieren und dabei die Menschen beeinflussen und manipulieren. Warum ist so etwas heute noch möglich. – Und es kommt hinzu, dass die Stadtverwaltungen durch die Vermietung des öffentlichen Raumes, Bürgersteige, Bushaltestellen, Wände öffentlicher Anlagen an dieser miesen Art der emotionalen Manipulation noch Geld verdienen. – Hier wird eindeutig gegen die Anliegen der Bürgerschaft gehandelt.

Momentan sind gefühlte 50% der Frankfurter Werbeflächen mit Plakaten vollgepflastert, die mit Sicherheit von vielen Personen als »sexistische« Beeinflussung empfunden werden. Hier geht es auch nicht um die »Freiheit« der Mitteilung, sondern um die Inanspruchnahme öffentlichen Raumes zum Zwecke der psychischen Manipulation und Belästigung von Menschen.

Jetzt haben wir Propaganda überall: auf den Werbeflächen, im Fernsehen und Radio durch die »staatsnahen« Berichterstatter. Einzig das Internet ist weiterhin den Bürgern überlassen. Aber schon tauchen die ersten Warner auf, dass über das Internet, die Blogs und Sozialen Netzwerke die ungefilterte Hetze und Unwahrheit möglich sei. Ja, nicht umsonst sind es Regierungen die mit immer mehr Nachdruck eine Kontrolle des Internets gegen die Bevölkerung durchsetzen wollen. – Wie wird dieser Kampf ausgehen: Meinungsfreiheit versus »Recht und Ordnung« im Sinne der Herrschenden.

[1]
The Psychology and Economics of Advertising

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Eigentlich ist das Thema »Werbeflächen« geeignet, sich dauerhaft damit zu beschäftigen. – Denn diese Flächen, die einst dazu dienten, in einer »vergleichenden« Werbung die möglicherweise besseren Argumente für ein Produkt zu liefern, sind mittlerweile zu Anmache- und Beeinflussungsstellen verkommen.

Seien es nun private Geldgeber, die dafür sorgen, dass auf diesen »Werbeflächen« halbnackte Frauen den Passanten entgegenschauen (warum?), oder es sind Firmen, die nachweislich die Bürger mit ihrer »Arbeit« krankmachen, aber in der Werbung den Leuten weißmachen wollen, die Firma wird einfach gebraucht, deshalb »Augen zu und durch« und am besten die Schädigungen an den Menschen übersehen.

Auf Werbeflächen werden die Mittel platziert, die bei den Bürgern die Angriffspunkte suchen, um sie für dumm zu verkaufen. – Gelingt das?

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Interessant auch. Auf dem Bild des halbnackten Menschen befindet sich der Wortteil »intim«. Heißt das nicht eher versteckt, verborgen. – Aber genau das Gegenteil passiert mit der abgebildeten Person. Sie wird in die Öffentlichkeit gezerrt. – Eine Botschaft an die Frauen, das »Intime« veröffentlichen zu sollen!? Womöglich eine aus den Männerphantasien entstandene »Nachricht«. – Von Produktwerbung kann eigentlich keine Rede sein. Wer interessiert sich für das bisschen Stoff. 😕

Außerdem schaut die Protagonistin nicht so aus, als ob sie das alles ganz toll findet.

Ja, und dann sind natürlich die Werbeflächen voll mit Propaganda einer Organisation, die eigentlich gar nicht für ihre Darbietungen werben muss. Denn sie kassiert so oder so von den Verbrauchern Geld für ihr Angebot. – Auch dieses Unternehmen füllt die Werbeflächen regelmäßig mit ihren Botschaften. – Dabei würde ein großer Teil der Bevölkerung (möglicherweise sogar die Mehrheit) auf die Berieselung durch diesen Anbieter (und die damit verbundene Geldausgabe) liebend gerne verzichten.

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Des Weiteren sind immer wieder »Botschafter der Nächstenliebe« auf den Werbeflächen präsent. Auch Spendensammler genannt. Nichts ist dagegen zu sagen, wenn diese Organisationen für arme Menschen sich einsetzen. Allerdings ist bei der Argumentation dieser Leute eine seltsame Inkonsequenz zu verzeichnen.

Sicher ist es richtig, wer monatlich spendet, hilft jeden Tag. Aber müsste uns alle das nicht stutzig machen. Klar brauchen Menschen ein regelmäßiges Einkommen, auch Kinder. Damit für sie alles besorgt werden kann, was sie für ihre Entwicklung und ihr Leben brauchen.

Bloß was hat das mit den »Almosensammlern« zu tun? Wäre das nicht eher die Aufgabe einer Gemeinschaft und in Vertretung dieser, eine Aufgabe der Gemeinschaftsführung, Staat, Regierung, dafür zu sorgen, dass die Menschen ein regelmäßiges Einkommen haben. Warum soll diese Aufgabe an oftmals dubiose Einrichtungen übertragen werden, deren Wirken beliebig ist und von der Laune der Spender abhängt, ob diese ihren Geldbeutel aufmachen?

Auch in diesem Szenerio bleibt der Bedürftige ein Bittsteller, ohne rechtlichen Anspruch. Er bleibt ein Bettler und Abhängiger von der Spendenbereitschaft und der Organisation der Spendensammler. – Ist das wünschenswert?

Allemal besser wäre daher ein Bedingungsloses Grundeinkommen (bGE), an alle Menschen gezahlt. Stellvertretend für die Kinder bekommen deren erwachsene Betreuer das Geld. – Wenn also auch die Arbeit der Spendensammler einen Sinn haben mag, so sollten diese Organisationen sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen einsetzen, auch wenn das vielleicht einmal ihre Tätigkeit überflüssig machen würde (sie haben ja dann ebenfalls ein bGE). – Tun sie das? Wer erinnert sie an diese Aufgabe. Das müssen Aktivistengruppen machen. 😀

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Quergelesen

Teil 1

Das Anliegen der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« wird eigentlich von vielen dort schreibenden Autoren ganz unverblümt genannt.

Die freiwirtschaftliche Systemkritik zielt im Kern auf Machtverhältnisse, die zu leistungslosen Einkommen auf Kosten der produktiv tätigen Menschen (also zu Ausbeutung) führen, vor allem auf die private Aneignung von Allmende und die Etablierung nicht umlaufgesicherter und daher zinstragender Geldsysteme.

So schreibt es zum Beispiel der Psychologe Peter Berner in seinem Artikel »Der spaltende Geist und das Geldsystem« in der Ausgabe 02/2014.

Und wer sich dieser »Wahrheit« noch nicht genügend geöffnet hat, wird zum Naivling erklärt, wie Raphael Fellmer von der Autorin »Pat Christ« in derselben Ausgabe.

Die Visionen der Geldlosen sind sympathisch und gleichzeitig oberflächlich. Sie sind bestrickend in ihrer Einfachheit und gleichzeitig naiv. Es genügt nun einmal nicht, Tatbestände zu konstatieren. Nehmen wir den Hunger in der Welt. Der lässt sich keinesfalls ausschließlich als Verteilungsproblem fassen.

Und weiter:

Immerhin gehört Fellmer nicht zu jenen, für welche die da oben an allem schuld sind. Jeder einzelne ist verantwortlich für alles, sagt er gegenüber unserer Zeitschrift. Für quälerische Tiertransporte und Legehennenbatterien, für Klimawandel und Umweltverschmutzung, für den Hunger in der Welt und alle anderen Übel. Uff. Ganz schön viel Verantwortung – sagen wir für eine alleinerziehende Frau, die nicht weiß, wie sie ihre zwei Kinder mit Hartz IV über die Runden bringen soll. Zwar ist es auch für Humanwirtschaftlerlnnen zu billig, einfach mit dem Finger auf „die da oben“ zu zeigen. Aber Fakt ist: Reiche können die Spielregeln diktieren. Und sie tun es.

Und die Ikone der Freiwirtschaft, Helmut Creutz stößt natürlich in dasselbe Horn, wenn er konstatiert:

Die wesentlich größeren Veränderungen resultieren jedoch aus den mit allen unseren Geldausgaben zu zahlenden Zinsanteilen, die in allen Preisen (und damit den Haushaltsausgaben) ohne spezielle Angaben als Kapitalkosten genau so enthalten sind, wie die Personal und Materialkosten, während sich die diesen Kosten gegenüberstehenden Zinseinnahmen immer mehr bei den bereits reichen Minderheiten konzentrieren. Die Folgen dieser verdeckten Umschichtungen schlagen sich in jenen ständig zunehmenden ArmutReichtums-Diskrepanzen nieder, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr durch Leistungssteigerungen und Wirtschaftswachstum ausgeglichen werden können.

Humane Wirtschaft 01/2014

Es ist diese eine »Wahrheit«, auf die sich die Human-Wirtschaftler scheinbar gegenseitig eingeschworen haben. Die »ArmutReichtums-Diskrepanzen« sind das gesellschaftliche Problem überhaupt und es geht darum, die Leserschaft immer wieder mit dieser Wahrheit zu konfrontieren.

Aber eigentlich ist dieses Denken gar nicht so weit weg von der SPD-Propaganda. Denn auch in der Ideologie dieser Partei und nicht unähnlich bei den LINKEN, ist das Problem der Armut bei den Reichen verortet. – Schuld sind die Reichen.

Aus dieser »Erkenntnis« heraus lassen sich dann bestens Feindbilder pflegen oder neu auflegen, wie es Peter Berner in seinem schon anfangs erwähnten hoch interessanten Artikel tut, in dem er von einem Disput in einer Mailingliste erzählt, weil einer einen Artikel aus dem Kopp-Verlag gepostet hatte und andere Leser der Liste dies für unangemessen hielten, weil in diesem Verlag auch »rechtes Zeug« veröffentlicht wird.

Berner vermittelt, dass in dem Verlag eine Vielzahl von Artikeln erscheinen, und eben auch interessante. Und die weniger erfreulichen Artikel müssten hingenommen werden, um an die besseren Beiträge gelangen zu können.

Aber was sind das nun für Beiträge, die »interessant« sind, beziehungsweise über was hatten sich die Kritiker empört. Berner selbst zitiert einen Abschnitt im dem steht:

„Doch den genauen Zeitpunkt kennt keiner von uns. Den bestimmen die heimlichen Herrscher über die westliche Welt – jene Familien, denen alle großen Banken und Investmentfirmen gehören und die dennoch in keiner Forbes-Top-Ten-Liste auftauchen.“

Im Grunde geht es auch hier wieder um die »wahren Schuldigen« an unser aller Elend, so zumindest in der Lesart der »Wahrheitsfinder« bei der Humanen Wirtschaft.

So passiert es, dass durchaus lesenswerte und vom Ansatz inspirierende Artikel teilweise abrupt, so wirkt es manchmal, in die Bahnen der Denkschienen der Freiwirtschaftler gelenkt werden (müssen?).

Der Autor Siegfried Wendt etwa, verfasst einen Text, der die Frage nach dem Sinn von Wirtschaft aufwirft, »Wisst Ihr denn, wohin Ihr wollt?«, 01/2014, findet sich aber dann doch wieder in der »Einkommensspreizung«, die, wen wundert es, auf die Arm-und-Reich Diskussion zurückführt, ohne die es scheinbar gar nicht geht, in dieser Zeitschrift.

Fazit:

Trotz dieser Einschränkungen lohnt es sich immer wieder in diese Zeitschrift zu schauen, auch wenn der Schluss, die Quintessenz der meisten Artikel vorhersehbar ist. – So gab es einen wichtigen Artikel eines Arztes zum Gesundheitssystem, das in Wirklichkeit ein Gesundheitsmarkt ist. – Humane Wirtschaft 05/2013

———————————————–

Teil 2

Zu Peter Berners Artikel »Der spaltende Geist und das Geldsystem.« möchte ich noch einmal gesondert eingehen, da sich Berner doch sehr ehrlich mit den unterschiedlichen Denkrichtungen beschäftigt, und die Frage stellt, wie wir überhaupt »gemeinsam« irgendeinen Weg gehen können, wenn wir so unterschiedlich in unserem Denken sind.

Er sagt, dass wir Menschen ein »Teilwissen« von der Wirklichkeit haben und nur in dem wir diese Teile verbinden, ermöglichen wir es uns allen, das Ganze zu begreifen und zu erkennen.

Allerdings macht er dabei das Individuum kleiner als es eigentlich sein müsste.

In einem solchen Fall kann jede(r) der Beteiligten in der Regel nur einen Teil der Wirklichkeit, die gerade zu untersuchen oder zu gestalten ist, erkennen und verstehen – was ebenfalls so lange unproblematisch ist, wie ich als Betroffene(r) mir dessen bewusst bin, wo die Grenzen meines Wissens liegen. …………………

Daraus entsteht ein Habitus, den ich als „Hochmut der Halbwahrheit“ bezeichnen möchte. Dieser kann auf unterschiedliche Weise gelebt werden, sei es ganz offen als missionarische Haltung, welche die anderen überzeugen und „bekehren“ will ………….

Unterhalb der »ganzen Wahrheit« scheint es nichts Akzeptables zu geben. Aber ist das so? Auch die Summe der individuellen Wahrheiten ergibt die menschheitsgeschichtliche »ganze Wahrheit«. Es geht daher nicht um »Grenzen des Wissens« die uns Einzelne auszeichnen, sondern um die »Fülle der Erfahrungen, Erkenntnisse und Eindrücke« die die Einzelmenschen im Laufe ihres Daseins erwerben. Die macht die individuelle Welt so bedeutsam. – Berner betont die Beschränktheit der individuellen Wahrheiten. Aber genau das Gegenteil ist richtig. Es gilt, die individuelle Wahrheit vollumfänglich anzuerkennen. Nicht das Kleinmachen des Einzelnen sollten wir einüben, sondern erkennen, wie wichtig die Beiträge aller Einzelmenschen sind.

Da sich bei Berner aber alles darum dreht, die »Wahrheit« zu finden, kommen wir wieder unweigerlich auf den »falsch-und-richtig« Weg. Die persönliche Wirklichkeit ist für ihn nur eine »Halbwahrheit«.

Andererseits sagt er auch:

Wer eine profilierte Position bezieht, die mir befremdlich erscheint, löst nicht mehr – wie bisher üblich – den Reflex aus, ihn in die richtige Schublade einzuordnen und mir damit gegebenenfalls vom Leib zu halten, sondern wird innerlich willkommen geheißen als eine Person, die – über die Stimme ihres Gewissens, welche jede(n) Einzelne(n) an das universelle Bewusstsein zurückbindet – die Wahrheitsfindung der Gemeinschaft vervollständigt.

Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. – Und wo ist der Haken? Wer bestimmt darüber, was die »ganze Wahrheit« ist, und was »nur« Wirklichkeit, wenn doch alle Einzelnen nur einen Teil des Ganzen überschauen können.

Die thematische Auseinandersetzung, die Berner hier führt, ist sehr wichtig und zu befürworten. Er ordnet aber das Individuum wieder der »ganzen Wahrheit« unter, der es angeblich nicht gewachsen ist. Wenn aber kein Individuum die ganze Wahrheit überschauen kann, wie entstehen dann solche Leitlinien, wie sie zum Beispiel in der Zeitschrift »Humane Wirtschaft« in jeder neuen Ausgabe wiederzufinden sind? – In Wirklichkeit sind es wieder Einzelpersonen und Machtsituationen, die zu solchen Entwicklungen beitragen.

Statt also allen eine »ganze Wahrheit« nahelegen zu wollen, könnten wir die individuellen Wahrheiten und Urteile akzeptieren, und schauen, wie wir über das gemeinsame Gespräch die Wirklichkeit so gestalten, dass möglichst viel von dem sich realisiert, was wir uns vorstellen. – Und natürlich wäre es naiv zu denken, dass wir alles tolerieren, was gedacht und gewollt wird. – Gedacht und gewollt wird ja auch das Böse in der Welt.

Wege

welt–Venezuelas-Demokratie-stirbt-einen-langsamen-Tod

Trotz eines offiziellen Dialogs mit Teilen der Opposition hat sich die Maduro-Regierung offenbar für den kubanischen Weg entschieden: Die Zukunft für Venezuelas Opposition ist düster. Es sieht danach aus, dass, wenn in ein paar Tagen in Brasilien die Fußball-WM beginnt, in Caracas die Handschellen klicken und die Gefängnistüren zugeschlossen werden. Venezuelas Opposition droht eine Zukunft im Kerker.

Weil wir ein weltweit gültiges Wertesystem brauchen. – Es nützt nichts, die anderen Regierungen zu kritisieren, wenn wir in der westlichen Welt keine vorbildhaften Gesellschaftsordnungen haben.

Mit was will die USA in der Welt Anerkennung finden. Mit ihrem Waffenrecht, das jedem Durchgeknallten erlaubt die Mitwelt zu zerschießen? Ihrer fragwürdigen Medienkultur, in der in den Genres Horror, Komödie, Action, Drama, Sex alles abgesteckt zu sein scheint, was das Leben ausmacht. Oder sind es die überfüllten Gefängnisse und die gnadenlose Todestrafen-Ordnung? – Armut darf es in keinem Land geben, in dem alle zum Leben notwendigen Güter im Überfluss vorhanden sind. Und dennoch gibt es sie in den USA.

Nicht viel besser sieht es in Deutschland aus. Das Zwangsarbeitersystem der hiesigen Arbeits-Ideologen desavouiert jeglichen Ansatz einer menschenwürdigen Gesellschaft. Die Unterschiede zu den links-doktrinären Regierungen im Osten werden immer marginaler. Das Diktatorische in den Staatsführungen ist heute mehr denn je zu spüren. – Und wo soll das Beispielhafte sein, dass heute die Menschen ermutigt, ausgerechnet diese Welt verteidigen zu wollen?

In Venezuela ist es dieselbe Ratlosigkeit und Unzufriedenheit, die auch die Bürger in den westlichen Ländern umtreibt, die dazu führt, dass sich niemand für eine gesellschaftliche Gestaltung, für eine Wirtschaft, für eine Lebensgestaltung einsetzt, die die Menschen aus ihrer Lethargie reißen könnte und Hoffnung versprüht.

Ob in Europa, in den USA, ob in Latein-Amerika, in Nord-Afrika, Asien, oder im Osten, wir alle brauchen ähnliche Veränderungen in den gesellschaftlichen Verfassungen. Wir brauchen eine neue Definition von Gemeinschaft, die sowohl die individuellen Rechte der Bürger respektiert, wie auch den Gruppeninteressen, sofern dafür Verständnis aufgebracht werden kann, eine Chance bietet. – Ein Ausgleich muss her, der sich orientiert an den Notwendigkeiten des menschlichen Daseins, denen in einem neuen rechtlichen Rahmen Geltung verschafft werden muss.

Die Versorgung aller Menschen, in allen Lebensräumen, als gemeinsame Aufgabe, als ein oberes Ziel für uns alle, muss erstrebt werden. Der Auftrag an die Wirtschaft-Treibenden muss von uns allen erteilt sein, sich diesem Feld zu widmen und eine sichere, dauerhafte Versorgung der Menschen mit den notwendigen Dingen des Lebens zu garantieren. Die Herausnahme dieser »Basics« aus dem Marktgeschehen wäre die logische Konsequenz, was in allen Bereichen des menschlichen Lebens »die Armut« ein für alle Mal beendet. Den Grundbedarf decken die Menschen, in dem sie sich die deklarierten Produkte in den Supermärkten nehmen und dafür nicht bezahlen müssen. Basis-Wohnraum, ein Energie-Quantum und ausreichend Wärme pro Person stehen allen Menschen ohne »Bezahlvorgang« zur Verfügung.

Damit wäre Vieles, was heute Grundlage für Missmut über gesellschaftliche Zustände ausmacht, sinnvoll erledigt. – Die Respektierung der Menschenrechte wäre selbstverständlich. – Eine Grundversorgung in Gesundheitsbelangen wäre ebenso die Regel, wie freier Zugang zu den Medien ohne Zwangsalimentierung von Medienschaffenden.

Der Rest an Bedarf kann weiterhin über »den Markt« zugänglich gemacht werden, ohne das darauf verzichtet wird, auch zukünftig zu überlegen, welcher Bedarf noch als »Basic« aus dem Markt als »Grundbedarf« kostengünstig oder kostenlos allen Menschen zugänglich gemacht werden könnte. – Zum Beispiel Internet und Datenvolumen.

Wirtschaft und Privatleben

Es ist ohne weiteres möglich, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, in einer Traumwelt zu leben, sich den Reizen und Genüssen hinzugeben, sich privaten Aufgaben zu stellen, der Selbstpflege, Gesundheitsfürsorge und allgemein der Muße zugewandt zu sein.

Wer sich aber nicht seiner Umwelt widmet, geht das Risiko ein, zu Schaden zu kommen, durch Menschen, die ihren Egoismus nutzen, sich im Mittelpunkt sehen und zum Nachteil der Mitwelt agieren und den öffentlichen Raum verwenden.

Wenn der Bauer nur sich selbst und seine Angehörigen versorgt, oder der Handwerker für sein Umfeld die Dinge anfertigt, dann ist das eine »kleine Welt«, die überschaubar ist. Aber eine industrielle, maschinenmäßige Versorgung von Tausenden von Menschen, im Kontext eines Landes, verursacht eine Vielzahl von Effekten, Vorgängen und Interdependenzen, die miteinander in Wirkung stehen, sich gegenseitig beeinflussen und nicht unbeobachtet sein sollten.

Mit anderen Worten, wir können es uns nur in Grenzen erlauben, »weltabgewandt« zu leben, nur uns selbst die Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen auf die Gesellschaft schauen, was dort passiert, wir müssen das bewerten, unser Urteil finden, wie wir die Sachverhalte einschätzen und Entscheidungen treffen. Dazu brauchen wir Datenmaterial. Es darf nicht sein, dass Informationen zurückgehalten werden. Dafür müssen wir sorgen.

Wenn die Wirtschaft nicht mehr in »Klein-Klein« stattfindet, sondern in großen Zusammenhängen, dann können wir schauen, wie sich die Dinge entwickelt haben. – Wir Menschen versuchen, probieren aus, gehen in die Extreme, um dann das richtige Maß zu finden. Götz Werner sagt, Wirtschaft ist ein Füreinander-Leisten. [3] Dass jemand nur für sich produziert, gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen.

Wenn wir heute einen Großteil unserer Verbrauchsgüter in China produzieren lassen, dann deshalb, weil in diesem semi-diktatorischen Staat »ideale« Voraussetzungen vorzufinden sind, um Produktion durchzusetzen. Chinas Wirtschaft ist eine Mischung aus staatlicher Reglementierung und Laissez-faire – freies Unternehmertum. In der »Freien Welt«, in Europa und in den USA werden Designvorlagen erstellt, von freien Unternehmern, die mit ihren chinesischen oder vietnamesischen Vertragspartnern dann das endgültige Produkt absprechen und dann in diesen Befehls- und Kommandostaaten von Menschen, die in sklavenähnlichen Verhältnissen leben und in zwangsarbeits-ähnlichen Umständen tätig sind, die Güter herstellen lassen.

Die Versorgung der europäischen Bevölkerung geschieht zu einem großen Teil in einer Art und Weise, die wir entweder ignorieren oder die Verantwortung dafür auf andere abschieben. Aber auch die Produktionsverhältnisse bei uns haben sich seit Ludwig Erhards »Sozialer Marktwirtschaft« wieder zum Schlechteren entwickelt. Denn die Kommandowirtschaft, Planwirtschaft oder Bewirtschaftung bei den Nazis, ist als Wirtschaftsform scheinbar unumgänglich.

Der Wirtschaftsfachmann Ludwig Erhard [1],[4] hatte die Phase der Bewirtschaftung bei den Nationalsozialisten scheinbar ohne allzu viele »braune Flecken« auf seinem Revers überstanden und war in der »Stunde Null« nach dem Krieg derjenige, der den Alliierten, allen voran den Amerikanern zur Seite stand, um dem deutschen Volk die frohe Botschaft der »Freien Marktwirtschaft« verkünden zu können. Sicher wird er diese »Erkenntnisse« nicht nur aus sich selbst heraus gefunden haben, sondern mit tatkräftiger Unterstützung der USA, aber die Botschaften kommen doch recht flüssig aus dem Mund des Vertreters der späteren »Sozialen Marktwirtschaft«. Es darf aber nicht übersehen werden, dass die Freie Marktwirtschaft nicht »aus dem Stand« in Deutschland neu eingeführt wurde, sondern auf der Kommandowirtschaft des Dritten Reiches aufbauen konnte. Denn viele derjenigen, die bei Hitler für Produktion, Herstellung und Verteilung der Güter zuständig waren, sind nach Kriegsende noch anzutreffen gewesen, und konnte somit auf ihre Erfahrungen in der Nazizeit zurückgreifen, bei dem neuen Projekt genannt »Freie Marktwirtschaft«.

Das eigentlich Neue bei der Marktwirtschaft war, dass der Konsument und nicht der Verkäufer oder Hersteller im Mittelpunkt des Interesses sein sollte und alle Wirtschaftsteilnehmer schauen mussten, wie können sie preiswerte und gute Produkte in der von der Bevölkerung nachgefragten Menge herstellen. Im Gegensatz zur Planwirtschaft der Kommunisten und der Bewirtschaftung der Faschisten, sollten die Produktionsverhältnisse durch den »Freien Unternehmer« selbst hergestellt und verantwortet werden. Dazu wurde der Unternehmer mit Verantwortung und Risiko belastet, er sollte aber zur Entschädigung einen »Gewinn« einstreichen, der bei der Produktion und dem Verkauf anfällt. Dieser Gewinn konnte der Unternehmer alsdann zu einem Teil (abzüglich der Neu- und Erhaltungsinvestitionen) für seinen privaten Konsum verwenden und das war dann die »Belohnung« für seine erfolgreiche Arbeit. War der Unternehmer allerdings nicht erfolgreich, dann ging er Bankrott, war überschuldet und musste sein Leben in anderer Weise verbringen. [5]

Die Verantwortung wurde somit »privatisiert«, während sie in der Planwirtschaft und in der Bewirtschaftung staatlich ist. (Natürlich ist die Verantwortung auch in der Kommandowirtschaft »privat«, aber dieser Umstand wird vertuscht, in dem man einer namenlosen Behörde oder Verwaltung die Schuld in die Schuhe schieben kann, wenn die Versorgung oder Produktion nicht funktioniert, oder einen Beamten entlässt und so tut, als ob damit das Problem gelöst sei.)

Erhard erwähnt in seinem Buch »Wohlstand für alle«, dass er sich viel Mühe geben musste, die Interessensgruppen auf Seiten der Hersteller, aber auch der Werktätigen unter Kontrolle zu bekommen, unter anderem mittels seiner Kartellgesetze. Er beklagt sich, dass die Wirtschaftsteilnehmer die Tendenz haben, sich in ihrer Situation in »sicheres Fahrwasser« begeben zu wollen, also sichere und beständige Produktions- und Erlösbedingungen zu erreichen, was der damalige deutsche Wirtschaftsminister überhaupt nicht verstehen mochte. [8]

Vielmehr betet der CDU-Mann regelrecht das Einmaleins der Marktwirtschaft wie eine Litanei immer wieder herunter, als ob er es auswendig gelernt hätte, und sagt, Wettbewerb, Risiko, Verantwortung und Gewinn hängen zusammen. Wenn der Unternehmer stattdessen einen »sicheren Arbeitsplatz« auf der Produktionsseite haben möchte, müsse er sich der »Kollektivwirtschaft« zuwenden, also dem bolschewistischen Konzept, und dass das nichts bringen würde, könne ja jeder auf der anderen Seite in der sowjetisch-besetzten Zone nachverfolgen. [6]
Dabei konnte der Eindruck entstehen, dass die Beteiligten sehr wohl wussten, dass auch die Kommandowirtschaft funktioniert, aber die schnellere Versorgung mit einem vielfältigeren Angebot in besserer Qualität sollte die größere »Sicherheit und Beständigkeit« der Versorgungs- und Produktionsbedingungen wettmachen und ausgleichen. – In der Planwirtschaft hatten die Beteiligten »ihre Ruhe«, weil statt 15 nur 2 Sorten Zahnpasta hergestellt wurden und sich in den »Forschungsabteilungen« die Leute nicht den Kopf zerbrechen mussten, was den Kunden noch alles »angedreht« werden könnte. In der Planwirtschaft wurde überlegt, was brauchen die Menschen und statt durch die »Freien Unternehmer« den Konsumenten 300 Brotsorten anbieten zu wollen, sah »der Plan« womöglich nur 5 Sorten vor, die in den Brotfabriken produziert wurden.

Erhard gab sich also große Mühe, zu erklären, dass das westliche Wirtschaften das bessere System sei. – Aber ist das auch so?

Zum einen fällt auf, mit welcher »Leichtigkeit« in der Freien Marktwirtschaft über das Schicksal des Unternehmers entschieden wird. [10]
Denn das Risiko, dass der Unternehmer zu tragen hat, ist doch ungeheuerlich. Denn scheitert er als Unternehmer, oder als Selbständiger, Freiberufler, dann ist seine Existenz ruiniert. In der Regel sind Menschen, deren Firmen Bankrott gehen, über beide Ohren verschuldet, dürfen keine neuen Unternehmen mehr gründen, müssen jahrelang Gelder zurückzahlen und verlieren all ihr Hab und Gut, soweit es von den Gläubigern zu verwerten ist. – Dieses »Risiko« wird »einfach so« von den Staatsplanern den Menschen aufgebürdet, ohne das den Menschen die Möglichkeit gegeben ist, dem zu widersprechen oder andere Lösungen als besser geeignet zu versuchen. – Ein weiterer wichtiger Punkt sei noch angemerkt. Dem Wesen des Menschen mag es überhaupt nicht entsprechen, auf »Sicherheit und Beständigkeit in der Versorgung und Produktion« verzichten zu wollen. Es kann also durchaus sein, dass der Mensch seinem Wesen nach, eher dem sozialistischen Wirtschaften zugeneigt ist, und die Freie Marktwirtschaft einer gewissen »Dressur« bedarf, um den Menschen dahin zu bekommen, dass er sich das antut, als Freier Unternehmer (also ungesichert) als Marktteilnehmer aufzutreten. – Natürlich wird die Umstellung den Wirtschaftsteilnehmern leichter gefallen sein, die sich in der Zeit der Laissez-faire – freies Unternehmertum Wirtschaft herausgebildet hatten, dann in der Kommandowirtschaft sich der Diktatur fügten (bei gleichem Personal) und dann wieder »auferstanden« als Freie Unternehmer, immer fest im Sattel saßen, in ihren Betrieben, entweder als »Angestellte« oder als Eigentümer, Besitzer. An diesen Leuten sind die »äußeren Verhältnisse« womöglich am Sakko abgeperlt.

Halten wir aber einmal fest, dass die Freie Marktwirtschaft nicht dem Wesen des Menschen entspricht, der lieber in sicheren Verhältnissen leben möchte und auch nicht allzu sehr ständig angetrieben von Markterfordernissen, sondern eher seinen privaten Themen zugewandt (Familie, Kinder, PartnerIn, Freundeskreis, ..), sein Leben gestalten möchte, dann ist das Konzept der Marktwirtschaft, insbesondere unter dem Aspekt des »Risikos« nicht wirklich die Lösung für uns alle. – Und nicht umsonst waren ja gerade die Amerikaner in Asien und Lateinamerika immer wieder »mit Gewalt« darum bemüht, die Menschen auf diese Form der Wirtschaftsgesellschaft einzuschwören. Das heißt, die Neigung des Menschen zur Planwirtschaft und Bewirtschaftung ist spontaner und der Erfolg der Marktwirtschaft ist mehr auf dem Reisbrett der Ökonomen ausgedacht.

Diese Neigung des Menschen ist scheinbar nicht auszumerzen und drückt sich nach Ludwig Erhard in der Neigung der Wirtschaftsteilnehmer aus, sich in Gruppen zu verbünden und für das eigene Klientel stabilere Umstände erwirken zu wollen. Aber Erhard will die Menschen weiterhin »frei«, vogelfrei, sonst würde die Wirtschaft nicht funktionieren, denn mit der Stabilisierung und Sicherung der Verhältnisse würde der Mensch gleichzeitig den Wettbewerb ausschalten, und der Wettbewerb sei das Herzstück der Freien Marktwirtschaft. Interessant ist auch, dass Erhard meint, der Wettbewerb sei zentral dafür, dass es eine »Soziale Marktwirtschaft« gibt. Das ist allein schon sprachlich verwunderlich und zeigt, mit welchen »Kunststückchen« die Einpeitscher der Doktrin der Freien Marktwirtschaft hantieren mussten, damit alles zusammengefügt werden konnte, was gar nicht zusammenpasst. Denn wie soll ein Konkurrenzverhalten mit einem Begriff wie »sozial« zusammenpassen? Da muss schon eine gehörige Portion Ignoranz beigefügt werden, um so über die Begriffe zu poltern. Natürlich hat Konkurrenz überhaupt nichts mit einer »sozialen Gesellschaft« zu tun. Die Primitivität des alltäglichen Darwinismus hat nichts in der Kinderstube, in der Familie, im Altenheim zu suchen, dort, wo das Soziale lebendig ist. – Konkurrenz oder Wettbewerb kann sportlich oder aus der Not heraus verständlich erscheinen, wenn nicht genug für alle da ist und statt trotzdem zu teilen, sich der Stärkere alles nimmt. Aber schon an diesem Beispiel ist zu sehen, wie fragwürdig der ganze Konkurrenz- und Wettbewerbsbegriff ist. Es ist das Denken des Wolfes, des Raubtieres, und das kann nicht Maßstab für zivilisierte Menschen-Gesellschaften sein.

Der Wettbewerbsbegriff passt überhaupt in den Kontext einer »sozial« definierten Gesellschaft. Und dies auch dann nicht, wenn es um das Wirtschaften geht. Denn hier wird so getan, als ob bei der »Futtersuche« der Mensch wieder tierisch werden dürfte. – Nein, das darf er nicht.

Da Erhard in diesem Zusammenhang die Zusammenschlüsse der Wirtschaftsteilnehmer kritisiert, als den Versuch, dem Wettbewerb zu »entkommen«, stellt sich doch die Frage, ob nicht das Konzept der Freien Marktwirtschaft problematisch ist, und nicht das Ansinnen der Werktätigen und Produzenten. »Kartelle«, also Zusammenschlüsse von Produzenten, Marktteilnehmer, müssen doch nicht schädlich für das Wirtschaftsgeschehen sein, zumindest dann nicht, wenn der Sinn von Wirtschaft entsprechend definiert ist.

Ist es denn der Sinn von Wirtschaft, alle Nase lang neue Produkte auf den Markt »zu werfen«? Oder soll sich die Wirtschaft »an den Bedürfnissen der Verbraucher« orientieren und wie soll das geschehen? Erhard ist einfach zu schnell bei der Ablehnung der Idee einer Zusammenarbeit von Wirtschaftsteilnehmern. Wahrscheinlich hat er es geahnt, dass das nur in Richtung »kollektiven Wirtschaftens« gehen könnte und als »Mann der USA« und der Siegermächte wird er sich nicht in die Nähe »kommunistischer Umtriebe« hat bringen lassen wollen. Zumal die Zeit des Kalten Krieges angebrochen war.

Heute, mit ein wenig mehr Gelassenheit, und dem Wissen, dass die Soziale Marktwirtschaft schon längst »entsorgt« ist, kann eine nüchterne Analyse nicht schaden. Natürlich hat sich die Freie Marktwirtschaft zum Schaden der Bevölkerung entwickelt, indem sie die Menschen »ohne Not« dem Risiko des existenziellen Scheiterns ausgeliefert hat, mit allen gesundheitlichen und psychischen Folgen, der Süchte (Sexsucht, Drogensucht, Alkoholsucht) und der gegenseitigen Missbrauchskultur. Alles Folgen einer menschenunwürdigen Wirtschaftsweise. – »Sozial« war dieses Wirtschaften nie. Erhard hat einer aggressiven Konkurrenzgesellschaft den Stempel »Sozial« aufgedrückt, weil es viele bunte Verbrauchsgüter für den Bürger gab. [7]
Dabei hat die Menge und die Vielfalt an Verbrauchsgütern nichts mit Humanität (um einen anderen Begriff hinzuzufügen) zu tun. Es ist ein rein technischer Umstand, der überhaupt keinen Bezug zur Gefühlslage und Empfindungssituation der Menschen, da wo es wichtig ist, hat. Der Mensch will für seine Existenz Sicherheit. Aber Erhard konnte sich nicht wirklich dazu bekennen, dass diese Sicherheit (beständige, garantierte Versorgungssicherheit, bezüglich der notwendigen Güter) ihm etwas bedeutet. Vielmehr schwankte er zwischen Ablehnung von konkreten Sicherheitsansinnen (die er bekämpfte und denunzierte, als unangemessene Gruppeninteressen und sozialistisch angehauchte Vorstellungen) oder er lies sich herab, pauschal und ohne konkreten Bezug, sich für »sichere Lebensverhältnisse für alle Menschen« auszusprechen, was aber niemandem wirklich nützte und worauf sich nicht bauen lies.

Heute können wir rückblickend sagen, dass die Freie Marktwirtschaft mehr zum Schaden als zum Vorteil der Menschen in der Welt beigetragen hat. Wir sind mit einem gigantischen Wust an Produkten eingedeckt, einer Überproduktion in einer Wegwerfgesellschaft. Viel zu viel davon ist nicht zu gebrauchen, nicht notwendig. Viel zu viel an Produktion findet statt, weil die Produzenten sich damit ein Einkommen schaffen müssen, aber nicht weil die Verbraucher diese Produkte benötigen. Es wird in einem nicht hinnehmbaren Maße die Welt zerstört, die Natur vernichtet, die Tiere gequält, alles um den Produktionsmoloch »Freie Marktwirtschaft« am Laufen zu halten. Werbung, die uns belästigt Dinge zu kaufen, die nicht wichtig und hilfreich sind. Arbeitsplätze, die unsere Gesundheit gefährden, die wir nicht ausfüllen würden, wenn wir nicht das Geld aus diesen Jobs bräuchten, für die notwendigen Güter in unserem Leben. – Die Megamaschine »Freie Marktwirtschaft« bringt uns um und zerstört alles. [11]

Und ja, die Planwirtschaft der Kommunisten führte zu einem geringeren Ausstoß an Gütern, zu einem geringeren Verbrauch an Natur, wobei der Umweltschutz von den Funktionären des Staatsapparates nicht ernst genommen wurde. – Aber haben wir nicht in der »Freien Welt« den größeren Schaden verursacht? Dabei muss berücksichtigt werden, das bis zum Mauerfall 1989 ein »Wettbewerb« der Wirtschaftsmethoden behauptet wurde und der Westen als Sieger dastehen wollte und zumindest die USA haben ja aktiv die Menschen bekämpft, die sich für eine wirklich »soziale« Welt und Wirtschaftsformen einsetzen wollten.

Jetzt ist der Wettstreit der Wirtschaftssysteme vorbei, weil sich niemand mehr getraut, die »Planwirtschaft der Kommunisten« als eine Lösung für die Menschheit darzustellen, aber es bleiben doch Fragen. Beziehungsweise, es gibt doch bessere Antworten als diese »Freie Marktwirtschaft«, bezogen auf die Aufgabe, eine Wirtschaftsweise zu definieren, die den modernen Ansprüchen einer weltweiten Versorgung der Bevölkerungen mit Gütern und Dienstleistungen entspricht.

Natürlich sollen die Marktteilnehmer zusammenarbeiten können!

Erhards ständige Bemühungen dies zu verhindern, waren doch auch den Alliierten geschuldet, um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, die Kommandowirtschaft käme wieder zurück. Und diese Zusammenarbeit hat auch nichts mit Preiskartellen zu tun, die die Wirtschaft abwürgen, es geht vielmehr darum, »über alle Branchen hinweg« Unter- und Überdeckungen auszugleichen, das Gesamte im Auge zu behalten und eine sichere, beständige und garantierte Versorgung der Bevölkerung, mit allem was sie bedarf, mit allen notwendigen Gütern zu erreichen. [9]

Ja, dann haben wir wieder eine »Planwirtschaft«, aber kein »5-Jahres-Plan«. 🙂

Was ist dagegen einzuwenden, dass die Wirtschaftsteilnehmer den Markt beobachten, den Verbrauch notieren, die Bedürfnisse der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, und dementsprechend die Produktion anpassen? Ist dies nicht viel ressourcenschonender als die heutige Überproduktion in der Wegwerfgesellschaft? Und wenn es sich um notwendigen Bedarf handelt, dann muss nicht jeder Rückgang an Konsum immer gleich in Arbeitslosigkeit münden, dann können die Hersteller und Industrien Arbeitskräfte je nach Nachfragelage bei »Bedarf« einsetzen (in einer Grundeinkommens-Gesellschaft). – Gewinne in bestimmten Bereichen könnten zur Finanzierung in anderen Bereichen beitragen, die ebenfalls notwendig sind, aber nur wenig »Gewinn« erwirtschaften. Das wäre dann so, als ob die Wirtschaftsteilnehmer »mitdenken«, das Ganze der Gesellschaft, der Versorgung, der Welt- und lokalen Wirtschaft sehen, die globalen Zusammenhänge mit überlegen und nicht mehr nur das kleinteilige »Hurra, ich habe für mich allein einen Gewinn erwirtschaftet und damit ist alles erreicht.« Denken.

Nun will ich noch einmal zur eingangs angesprochenen Frage, was denn das Privatleben mit der Wirtschaft zu tun hat, eingehen. Es genügt nicht mehr, nur in die Schule zu gehen, etwas zu lernen, daraus einen Beruf zu machen und ansonsten sein Privatleben zu leben. Auch wenn wir nicht verhindern können, dass es immer noch viele Menschen genauso machen, müssen wir doch einsehen, dass es ein Muss ist, sich mit »dem Ganzen« der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir können es nicht mehr zulassen, dass sich Berufspolitiker um die Angelegenheiten der Allgemeinheit, um unsere gemeinsamen Themen kümmern. Denn sie machen es nicht richtig. Ich will ihnen jetzt einmal keinen Vorwurf deswegen machen. Zu viele Aufgaben sind es und kein Wunder, dass diese Menschen dann überfordert sind. – Wir alle müssen uns einmischen, uns kundig machen, urteilen, was richtig ist und entscheiden, welche Wirtschaft wir brauchen, was produziert werden sollte, und was nicht, wir alle müssen diese Gesellschaften mitlenken und unsere guten Absichten mit einbringen. Dazu sind permanent Informationen von Nöten. Diese müssen über das Internet allen Bürgerinnen und Bürgern aktuell übermittelt werden. Dann haben wir die Grundlagen, um beste Verhältnisse für uns alle schaffen zu können. Und es ist eine »ewige Aufgabe«. Wenn wir uns von diesen Aktivitäten zurückziehen, stellt sich immer die Frage, wer übernimmt die Tätigkeiten? Je mehr Menschen sich in ihr Privatleben zurückziehen und die Gemeinschaftsaufgaben »anderen« überlassen, um so eher gehen wir das Risiko ein, plötzlich in einer Diktatur aufzuwachen und wir hatten es doch gar nicht gewollt. – Sicher stehen wir noch vor enormen Herausforderungen. Zum Beispiel, wie schaffen wir es, unser oftmals unterschiedliches Denken und Urteilen in »gemeinsame Entscheidungen« umzuwandeln. Aber so wie die Gründerväter der Wirtschaftswunder-Gesellschaft überzeugt waren den richtigen Weg zu gehen, so können wir das auch sein. 😉

[1]
Ludwig Erhard
»Wohlstand für alle«; 4. Auflage 1990; 1957

[2]
Christof Lindenau
»Die Keimkräfte der sozialen Dreigliederung und ihre Pflege.«; 1983

[3]
Götz Werner
»Einkommen für alle«

[11]
Rudolf Bahro
»Logik der Rettung«

[5]
[1], S. 185; Der Unternehmer kann zu der moralischen Unterbauung seiner Position nichts Besseres tun, als sichtbar bereit zu sein, das Risiko in seiner ganzen Konsequenz zu tragen und nicht in Kartelle zu flüchten, nicht im Kollektiv Schutz zu suchen.

[6]
[1], S. 249; Hier liegt ein wahrlich tragischer Irrtum vor, denn man will offenbar nicht erkennen, dass wirtschaftlicher Fortschritt und leistungsmäßig fundierter Wohlstand mit einem System kollektiver Sicherheit unvereinbar sind.

[7]
[1], S. 208; Der Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft ist vielmehr nur dann als voll erfüllt anzusehen, wenn entsprechend der wachsenden Produktivität zugleich Preissenkungen wirksam und dann echte Reallohnsteigerungen möglich werden.

[8]
[1], S.191; Ich bin mir bewusst, dass der Angriff der Kollektivisten aller Sorten gegen die Marktwirtschaft die Unterhöhlung der Unternehmerfunktion zum Ziele hat. Wenn darum das Streben nach Kollektivbindungen sogar im Lager der Unternehmer überhandnimmt, dann wird wahrscheinlich früher als es diese Unternehmer glauben, der Zeitpunkt kommen, der auf der politischen Ebene die Frage auftauchen lässt, mit welchen Gründen denn noch privates Eigentum an den Produktionsmitteln und das freie wirtschaftliche Entscheidungsrecht des Unternehmers vertreten werden kann.

[9]
[2], Eine zu assoziativer Gesellschaftsgestaltung fortgebildete Brüderlichkeit sieht daher den zu erzielenden Gewinn allein in den finanziellen Mitteln, die in Fortführung des Lebens zur Befriedigung des jeweils vorhandenen Bedarfes nötig sind. Und nicht in dem, was auf die Dauer irgendwo in der Welt zu Not und Elend führen muss. Und sie strebt diese Art von Gewinn entweder durch ein auf plus/minus Null ausgeglichenes Ergebnis innerhalb des einzelnen Betriebes an oder – und das würde die Regel sein – dadurch, dass die in verschiedenen Betrieben sich ergebenden Über- und Unterschüsse laufend zum Ausgleich gebracht werden. ………

Indem sich die so entstandene Assoziation wiederum mit anderen Assoziationen zusammenschließt, kommt durch Zusammentragen vielfältiger Erfahrungen ein immer zutreffenderes Bewusstsein davon zustande, was die im Umkreis der einzelnen Betriebe lebenden Menschen zu ihrer Bedarfsdeckung tatsächlich brauchen.

[10]
Es ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass der Arbeitnehmer genauso betroffen ist von diesem »Risiko«, nämlich durch Entlassung und Arbeitslosigkeit. In diesem Beitrag ging es mir zwar mehr um den »Unternehmer« als Garant der Wettbewerbsidee, aber das ganze Ideenkonzept Freie Marktwirtschaft ist in seinem »Gefahrenpotential« eins zu eins auch auf die übrigen Beteiligten anzuwenden.

[4]

Wohlstand für alle – Ludwig Erhards Wirtschaftskonzept

Wirtschaft in der zeitlichen Perspektive Erhards:

  1. Ständegesellschaft – Berufsgruppen bestimmen den Angebotsmarkt.
  2. Laissez-faire – freies Unternehmertum – Liberalismus. Der Unternehmer bestimmt das Angebot und dominiert den Markt, bestimmt die Regeln. Ergebnis: Arm und Reich, politische Unruhen mit der Folge von Punkt 3.
  3. Staatliche Reglementierung. A) Planwirtschaft → Kommunismus B) Bewirtschaftung → Faschismus.
  4. Nachkriegswirtschaft in Westdeutschland. Freie Marktwirtschaft; Ludwig Erhard → Soziale Marktwirtschaft.
  5. Wirtschaftsformen 1 bis 3 sind Verkäufermärkte. Erst die 4. Wirtschaft ist ein Konsumentenmarkt.

Kernpunkte der Sozialen Marktwirtschaft:

Freie Preisbildung durch Wettbewerb, Freiheit des Unternehmers in seinen Entscheidungen, keine Kartelle (Preisabsprachen), keine Festlegung berufsrechtlicher Vorteile. Im Mittelpunkt steht der »Konsument«. Wenn alle sich dem Wettbewerb stellen, ergibt sich das beste Produkt zum angemessenen Preis von selbst und es profitiert in erster Linie der Verbraucher, Kunde, Konsument.

Diesen »Vorteil« (gutes oder bestes Produkt zum bestniedrigen Preis) nennt Erhard »sozial«. Alle profitieren von den Wirtschaftsleistungen in Form der Ergebnisse dieser Wirtschaft.

Dem gegenüber stellt er die Bewirtschaftung und insbesondere die Planwirtschaft, die »nicht funktionieren« und zu einem wirtschaftlichen Stillstand führen. Aber auch den Liberalismus verurteilt er, dessen Auswüchse ihm im Nachkriegs-Westdeutschland in Form von »Preisabsprachen« der Unternehmen und »Ständedenken« der Berufsgruppen wiederbegegnet.

Die Aufgabe des Staates, der Wirtschaftspolitik ist nach seiner Vorstellung, darauf zu achten, dass der freie Wettbewerb der Produzenten und Händler gewährleistet ist und keine »Verkäuferdominanz« zum Nachteil der Konsumenten entsteht.

Sicherheit

Der Begriff der Sicherheit, der doch eigentlich positiv besetzt sein müsste, wird von Erhard eher negativ gedeutet. »Sicherheit« wollen die Vertreter der Planwirtschaft, die »Linken«, aber auch die Unternehmer, die Berufsgruppen, die sich vor dem Wettbewerb »drücken« wollen.

Risiko wird belohnt, wenn der Unternehmer mit seinen Aktivitäten erfolgreich ist und dieser Lohn ist nur berechtigt, wenn vorher ein Risiko eingegangen wurde. Deswegen würde der Ruf nach »Sicherheit« das Recht auf »Gewinn« in Frage stellen.

Andererseits kommt zwar immer mal wieder der Begriff der »Sicherheit« auch in den Äußerungen Erhards vor, aber dann nur sehr allgemein gehalten oder verknüpft mit der Behauptung, die beste Sicherheit sei die Freiheit des Marktes und das erfolgreiche Bestehen in ihm.

Auch dem Sicherheitsstreben der Arbeitnehmerschaft erteilt er eher eine Absage, wobei ihm bewusst ist, dass diesem Ansinnen in irgendeiner Weise doch Rechnung getragen werden muss. Erhards Vorstellung ist, ständige »Expansion« und Ausbau der Wirtschaft. Diese würde gemäß des »Konsumentenhungers« immer für genügend Arbeitsplätze sorgen. Dabei muss beachtet werden, dass Ludwig Erhard direkt nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland sich für die wirtschaftlichen Belange Deutschlands engagierte und von 1949 bis 1963 in der Wirtschaftspolitik maßgeblich war. Nach einem Zustand totaler Zerstörung ist es natürlich »einfacher« ein Wirtschaftswachstum zu begleiten, bei relativ geringer Arbeitslosigkeit, als in Zeiten der Marktsättigung.