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Wirtschaft und Privatleben

Es ist ohne weiteres möglich, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen, in einer Traumwelt zu leben, sich den Reizen und Genüssen hinzugeben, sich privaten Aufgaben zu stellen, der Selbstpflege, Gesundheitsfürsorge und allgemein der Muße zugewandt zu sein.

Wer sich aber nicht seiner Umwelt widmet, geht das Risiko ein, zu Schaden zu kommen, durch Menschen, die ihren Egoismus nutzen, sich im Mittelpunkt sehen und zum Nachteil der Mitwelt agieren und den öffentlichen Raum verwenden.

Wenn der Bauer nur sich selbst und seine Angehörigen versorgt, oder der Handwerker für sein Umfeld die Dinge anfertigt, dann ist das eine »kleine Welt«, die überschaubar ist. Aber eine industrielle, maschinenmäßige Versorgung von Tausenden von Menschen, im Kontext eines Landes, verursacht eine Vielzahl von Effekten, Vorgängen und Interdependenzen, die miteinander in Wirkung stehen, sich gegenseitig beeinflussen und nicht unbeobachtet sein sollten.

Mit anderen Worten, wir können es uns nur in Grenzen erlauben, »weltabgewandt« zu leben, nur uns selbst die Aufmerksamkeit zu schenken. Wir müssen auf die Gesellschaft schauen, was dort passiert, wir müssen das bewerten, unser Urteil finden, wie wir die Sachverhalte einschätzen und Entscheidungen treffen. Dazu brauchen wir Datenmaterial. Es darf nicht sein, dass Informationen zurückgehalten werden. Dafür müssen wir sorgen.

Wenn die Wirtschaft nicht mehr in »Klein-Klein« stattfindet, sondern in großen Zusammenhängen, dann können wir schauen, wie sich die Dinge entwickelt haben. – Wir Menschen versuchen, probieren aus, gehen in die Extreme, um dann das richtige Maß zu finden. Götz Werner sagt, Wirtschaft ist ein Füreinander-Leisten. [3] Dass jemand nur für sich produziert, gibt es heute nur noch in Ausnahmefällen.

Wenn wir heute einen Großteil unserer Verbrauchsgüter in China produzieren lassen, dann deshalb, weil in diesem semi-diktatorischen Staat »ideale« Voraussetzungen vorzufinden sind, um Produktion durchzusetzen. Chinas Wirtschaft ist eine Mischung aus staatlicher Reglementierung und Laissez-faire – freies Unternehmertum. In der »Freien Welt«, in Europa und in den USA werden Designvorlagen erstellt, von freien Unternehmern, die mit ihren chinesischen oder vietnamesischen Vertragspartnern dann das endgültige Produkt absprechen und dann in diesen Befehls- und Kommandostaaten von Menschen, die in sklavenähnlichen Verhältnissen leben und in zwangsarbeits-ähnlichen Umständen tätig sind, die Güter herstellen lassen.

Die Versorgung der europäischen Bevölkerung geschieht zu einem großen Teil in einer Art und Weise, die wir entweder ignorieren oder die Verantwortung dafür auf andere abschieben. Aber auch die Produktionsverhältnisse bei uns haben sich seit Ludwig Erhards »Sozialer Marktwirtschaft« wieder zum Schlechteren entwickelt. Denn die Kommandowirtschaft, Planwirtschaft oder Bewirtschaftung bei den Nazis, ist als Wirtschaftsform scheinbar unumgänglich.

Der Wirtschaftsfachmann Ludwig Erhard [1],[4] hatte die Phase der Bewirtschaftung bei den Nationalsozialisten scheinbar ohne allzu viele »braune Flecken« auf seinem Revers überstanden und war in der »Stunde Null« nach dem Krieg derjenige, der den Alliierten, allen voran den Amerikanern zur Seite stand, um dem deutschen Volk die frohe Botschaft der »Freien Marktwirtschaft« verkünden zu können. Sicher wird er diese »Erkenntnisse« nicht nur aus sich selbst heraus gefunden haben, sondern mit tatkräftiger Unterstützung der USA, aber die Botschaften kommen doch recht flüssig aus dem Mund des Vertreters der späteren »Sozialen Marktwirtschaft«. Es darf aber nicht übersehen werden, dass die Freie Marktwirtschaft nicht »aus dem Stand« in Deutschland neu eingeführt wurde, sondern auf der Kommandowirtschaft des Dritten Reiches aufbauen konnte. Denn viele derjenigen, die bei Hitler für Produktion, Herstellung und Verteilung der Güter zuständig waren, sind nach Kriegsende noch anzutreffen gewesen, und konnte somit auf ihre Erfahrungen in der Nazizeit zurückgreifen, bei dem neuen Projekt genannt »Freie Marktwirtschaft«.

Das eigentlich Neue bei der Marktwirtschaft war, dass der Konsument und nicht der Verkäufer oder Hersteller im Mittelpunkt des Interesses sein sollte und alle Wirtschaftsteilnehmer schauen mussten, wie können sie preiswerte und gute Produkte in der von der Bevölkerung nachgefragten Menge herstellen. Im Gegensatz zur Planwirtschaft der Kommunisten und der Bewirtschaftung der Faschisten, sollten die Produktionsverhältnisse durch den »Freien Unternehmer« selbst hergestellt und verantwortet werden. Dazu wurde der Unternehmer mit Verantwortung und Risiko belastet, er sollte aber zur Entschädigung einen »Gewinn« einstreichen, der bei der Produktion und dem Verkauf anfällt. Dieser Gewinn konnte der Unternehmer alsdann zu einem Teil (abzüglich der Neu- und Erhaltungsinvestitionen) für seinen privaten Konsum verwenden und das war dann die »Belohnung« für seine erfolgreiche Arbeit. War der Unternehmer allerdings nicht erfolgreich, dann ging er Bankrott, war überschuldet und musste sein Leben in anderer Weise verbringen. [5]

Die Verantwortung wurde somit »privatisiert«, während sie in der Planwirtschaft und in der Bewirtschaftung staatlich ist. (Natürlich ist die Verantwortung auch in der Kommandowirtschaft »privat«, aber dieser Umstand wird vertuscht, in dem man einer namenlosen Behörde oder Verwaltung die Schuld in die Schuhe schieben kann, wenn die Versorgung oder Produktion nicht funktioniert, oder einen Beamten entlässt und so tut, als ob damit das Problem gelöst sei.)

Erhard erwähnt in seinem Buch »Wohlstand für alle«, dass er sich viel Mühe geben musste, die Interessensgruppen auf Seiten der Hersteller, aber auch der Werktätigen unter Kontrolle zu bekommen, unter anderem mittels seiner Kartellgesetze. Er beklagt sich, dass die Wirtschaftsteilnehmer die Tendenz haben, sich in ihrer Situation in »sicheres Fahrwasser« begeben zu wollen, also sichere und beständige Produktions- und Erlösbedingungen zu erreichen, was der damalige deutsche Wirtschaftsminister überhaupt nicht verstehen mochte. [8]

Vielmehr betet der CDU-Mann regelrecht das Einmaleins der Marktwirtschaft wie eine Litanei immer wieder herunter, als ob er es auswendig gelernt hätte, und sagt, Wettbewerb, Risiko, Verantwortung und Gewinn hängen zusammen. Wenn der Unternehmer stattdessen einen »sicheren Arbeitsplatz« auf der Produktionsseite haben möchte, müsse er sich der »Kollektivwirtschaft« zuwenden, also dem bolschewistischen Konzept, und dass das nichts bringen würde, könne ja jeder auf der anderen Seite in der sowjetisch-besetzten Zone nachverfolgen. [6]
Dabei konnte der Eindruck entstehen, dass die Beteiligten sehr wohl wussten, dass auch die Kommandowirtschaft funktioniert, aber die schnellere Versorgung mit einem vielfältigeren Angebot in besserer Qualität sollte die größere »Sicherheit und Beständigkeit« der Versorgungs- und Produktionsbedingungen wettmachen und ausgleichen. – In der Planwirtschaft hatten die Beteiligten »ihre Ruhe«, weil statt 15 nur 2 Sorten Zahnpasta hergestellt wurden und sich in den »Forschungsabteilungen« die Leute nicht den Kopf zerbrechen mussten, was den Kunden noch alles »angedreht« werden könnte. In der Planwirtschaft wurde überlegt, was brauchen die Menschen und statt durch die »Freien Unternehmer« den Konsumenten 300 Brotsorten anbieten zu wollen, sah »der Plan« womöglich nur 5 Sorten vor, die in den Brotfabriken produziert wurden.

Erhard gab sich also große Mühe, zu erklären, dass das westliche Wirtschaften das bessere System sei. – Aber ist das auch so?

Zum einen fällt auf, mit welcher »Leichtigkeit« in der Freien Marktwirtschaft über das Schicksal des Unternehmers entschieden wird. [10]
Denn das Risiko, dass der Unternehmer zu tragen hat, ist doch ungeheuerlich. Denn scheitert er als Unternehmer, oder als Selbständiger, Freiberufler, dann ist seine Existenz ruiniert. In der Regel sind Menschen, deren Firmen Bankrott gehen, über beide Ohren verschuldet, dürfen keine neuen Unternehmen mehr gründen, müssen jahrelang Gelder zurückzahlen und verlieren all ihr Hab und Gut, soweit es von den Gläubigern zu verwerten ist. – Dieses »Risiko« wird »einfach so« von den Staatsplanern den Menschen aufgebürdet, ohne das den Menschen die Möglichkeit gegeben ist, dem zu widersprechen oder andere Lösungen als besser geeignet zu versuchen. – Ein weiterer wichtiger Punkt sei noch angemerkt. Dem Wesen des Menschen mag es überhaupt nicht entsprechen, auf »Sicherheit und Beständigkeit in der Versorgung und Produktion« verzichten zu wollen. Es kann also durchaus sein, dass der Mensch seinem Wesen nach, eher dem sozialistischen Wirtschaften zugeneigt ist, und die Freie Marktwirtschaft einer gewissen »Dressur« bedarf, um den Menschen dahin zu bekommen, dass er sich das antut, als Freier Unternehmer (also ungesichert) als Marktteilnehmer aufzutreten. – Natürlich wird die Umstellung den Wirtschaftsteilnehmern leichter gefallen sein, die sich in der Zeit der Laissez-faire – freies Unternehmertum Wirtschaft herausgebildet hatten, dann in der Kommandowirtschaft sich der Diktatur fügten (bei gleichem Personal) und dann wieder »auferstanden« als Freie Unternehmer, immer fest im Sattel saßen, in ihren Betrieben, entweder als »Angestellte« oder als Eigentümer, Besitzer. An diesen Leuten sind die »äußeren Verhältnisse« womöglich am Sakko abgeperlt.

Halten wir aber einmal fest, dass die Freie Marktwirtschaft nicht dem Wesen des Menschen entspricht, der lieber in sicheren Verhältnissen leben möchte und auch nicht allzu sehr ständig angetrieben von Markterfordernissen, sondern eher seinen privaten Themen zugewandt (Familie, Kinder, PartnerIn, Freundeskreis, ..), sein Leben gestalten möchte, dann ist das Konzept der Marktwirtschaft, insbesondere unter dem Aspekt des »Risikos« nicht wirklich die Lösung für uns alle. – Und nicht umsonst waren ja gerade die Amerikaner in Asien und Lateinamerika immer wieder »mit Gewalt« darum bemüht, die Menschen auf diese Form der Wirtschaftsgesellschaft einzuschwören. Das heißt, die Neigung des Menschen zur Planwirtschaft und Bewirtschaftung ist spontaner und der Erfolg der Marktwirtschaft ist mehr auf dem Reisbrett der Ökonomen ausgedacht.

Diese Neigung des Menschen ist scheinbar nicht auszumerzen und drückt sich nach Ludwig Erhard in der Neigung der Wirtschaftsteilnehmer aus, sich in Gruppen zu verbünden und für das eigene Klientel stabilere Umstände erwirken zu wollen. Aber Erhard will die Menschen weiterhin »frei«, vogelfrei, sonst würde die Wirtschaft nicht funktionieren, denn mit der Stabilisierung und Sicherung der Verhältnisse würde der Mensch gleichzeitig den Wettbewerb ausschalten, und der Wettbewerb sei das Herzstück der Freien Marktwirtschaft. Interessant ist auch, dass Erhard meint, der Wettbewerb sei zentral dafür, dass es eine »Soziale Marktwirtschaft« gibt. Das ist allein schon sprachlich verwunderlich und zeigt, mit welchen »Kunststückchen« die Einpeitscher der Doktrin der Freien Marktwirtschaft hantieren mussten, damit alles zusammengefügt werden konnte, was gar nicht zusammenpasst. Denn wie soll ein Konkurrenzverhalten mit einem Begriff wie »sozial« zusammenpassen? Da muss schon eine gehörige Portion Ignoranz beigefügt werden, um so über die Begriffe zu poltern. Natürlich hat Konkurrenz überhaupt nichts mit einer »sozialen Gesellschaft« zu tun. Die Primitivität des alltäglichen Darwinismus hat nichts in der Kinderstube, in der Familie, im Altenheim zu suchen, dort, wo das Soziale lebendig ist. – Konkurrenz oder Wettbewerb kann sportlich oder aus der Not heraus verständlich erscheinen, wenn nicht genug für alle da ist und statt trotzdem zu teilen, sich der Stärkere alles nimmt. Aber schon an diesem Beispiel ist zu sehen, wie fragwürdig der ganze Konkurrenz- und Wettbewerbsbegriff ist. Es ist das Denken des Wolfes, des Raubtieres, und das kann nicht Maßstab für zivilisierte Menschen-Gesellschaften sein.

Der Wettbewerbsbegriff passt überhaupt in den Kontext einer »sozial« definierten Gesellschaft. Und dies auch dann nicht, wenn es um das Wirtschaften geht. Denn hier wird so getan, als ob bei der »Futtersuche« der Mensch wieder tierisch werden dürfte. – Nein, das darf er nicht.

Da Erhard in diesem Zusammenhang die Zusammenschlüsse der Wirtschaftsteilnehmer kritisiert, als den Versuch, dem Wettbewerb zu »entkommen«, stellt sich doch die Frage, ob nicht das Konzept der Freien Marktwirtschaft problematisch ist, und nicht das Ansinnen der Werktätigen und Produzenten. »Kartelle«, also Zusammenschlüsse von Produzenten, Marktteilnehmer, müssen doch nicht schädlich für das Wirtschaftsgeschehen sein, zumindest dann nicht, wenn der Sinn von Wirtschaft entsprechend definiert ist.

Ist es denn der Sinn von Wirtschaft, alle Nase lang neue Produkte auf den Markt »zu werfen«? Oder soll sich die Wirtschaft »an den Bedürfnissen der Verbraucher« orientieren und wie soll das geschehen? Erhard ist einfach zu schnell bei der Ablehnung der Idee einer Zusammenarbeit von Wirtschaftsteilnehmern. Wahrscheinlich hat er es geahnt, dass das nur in Richtung »kollektiven Wirtschaftens« gehen könnte und als »Mann der USA« und der Siegermächte wird er sich nicht in die Nähe »kommunistischer Umtriebe« hat bringen lassen wollen. Zumal die Zeit des Kalten Krieges angebrochen war.

Heute, mit ein wenig mehr Gelassenheit, und dem Wissen, dass die Soziale Marktwirtschaft schon längst »entsorgt« ist, kann eine nüchterne Analyse nicht schaden. Natürlich hat sich die Freie Marktwirtschaft zum Schaden der Bevölkerung entwickelt, indem sie die Menschen »ohne Not« dem Risiko des existenziellen Scheiterns ausgeliefert hat, mit allen gesundheitlichen und psychischen Folgen, der Süchte (Sexsucht, Drogensucht, Alkoholsucht) und der gegenseitigen Missbrauchskultur. Alles Folgen einer menschenunwürdigen Wirtschaftsweise. – »Sozial« war dieses Wirtschaften nie. Erhard hat einer aggressiven Konkurrenzgesellschaft den Stempel »Sozial« aufgedrückt, weil es viele bunte Verbrauchsgüter für den Bürger gab. [7]
Dabei hat die Menge und die Vielfalt an Verbrauchsgütern nichts mit Humanität (um einen anderen Begriff hinzuzufügen) zu tun. Es ist ein rein technischer Umstand, der überhaupt keinen Bezug zur Gefühlslage und Empfindungssituation der Menschen, da wo es wichtig ist, hat. Der Mensch will für seine Existenz Sicherheit. Aber Erhard konnte sich nicht wirklich dazu bekennen, dass diese Sicherheit (beständige, garantierte Versorgungssicherheit, bezüglich der notwendigen Güter) ihm etwas bedeutet. Vielmehr schwankte er zwischen Ablehnung von konkreten Sicherheitsansinnen (die er bekämpfte und denunzierte, als unangemessene Gruppeninteressen und sozialistisch angehauchte Vorstellungen) oder er lies sich herab, pauschal und ohne konkreten Bezug, sich für »sichere Lebensverhältnisse für alle Menschen« auszusprechen, was aber niemandem wirklich nützte und worauf sich nicht bauen lies.

Heute können wir rückblickend sagen, dass die Freie Marktwirtschaft mehr zum Schaden als zum Vorteil der Menschen in der Welt beigetragen hat. Wir sind mit einem gigantischen Wust an Produkten eingedeckt, einer Überproduktion in einer Wegwerfgesellschaft. Viel zu viel davon ist nicht zu gebrauchen, nicht notwendig. Viel zu viel an Produktion findet statt, weil die Produzenten sich damit ein Einkommen schaffen müssen, aber nicht weil die Verbraucher diese Produkte benötigen. Es wird in einem nicht hinnehmbaren Maße die Welt zerstört, die Natur vernichtet, die Tiere gequält, alles um den Produktionsmoloch »Freie Marktwirtschaft« am Laufen zu halten. Werbung, die uns belästigt Dinge zu kaufen, die nicht wichtig und hilfreich sind. Arbeitsplätze, die unsere Gesundheit gefährden, die wir nicht ausfüllen würden, wenn wir nicht das Geld aus diesen Jobs bräuchten, für die notwendigen Güter in unserem Leben. – Die Megamaschine »Freie Marktwirtschaft« bringt uns um und zerstört alles. [11]

Und ja, die Planwirtschaft der Kommunisten führte zu einem geringeren Ausstoß an Gütern, zu einem geringeren Verbrauch an Natur, wobei der Umweltschutz von den Funktionären des Staatsapparates nicht ernst genommen wurde. – Aber haben wir nicht in der »Freien Welt« den größeren Schaden verursacht? Dabei muss berücksichtigt werden, das bis zum Mauerfall 1989 ein »Wettbewerb« der Wirtschaftsmethoden behauptet wurde und der Westen als Sieger dastehen wollte und zumindest die USA haben ja aktiv die Menschen bekämpft, die sich für eine wirklich »soziale« Welt und Wirtschaftsformen einsetzen wollten.

Jetzt ist der Wettstreit der Wirtschaftssysteme vorbei, weil sich niemand mehr getraut, die »Planwirtschaft der Kommunisten« als eine Lösung für die Menschheit darzustellen, aber es bleiben doch Fragen. Beziehungsweise, es gibt doch bessere Antworten als diese »Freie Marktwirtschaft«, bezogen auf die Aufgabe, eine Wirtschaftsweise zu definieren, die den modernen Ansprüchen einer weltweiten Versorgung der Bevölkerungen mit Gütern und Dienstleistungen entspricht.

Natürlich sollen die Marktteilnehmer zusammenarbeiten können!

Erhards ständige Bemühungen dies zu verhindern, waren doch auch den Alliierten geschuldet, um bloß nicht den Eindruck zu erwecken, die Kommandowirtschaft käme wieder zurück. Und diese Zusammenarbeit hat auch nichts mit Preiskartellen zu tun, die die Wirtschaft abwürgen, es geht vielmehr darum, »über alle Branchen hinweg« Unter- und Überdeckungen auszugleichen, das Gesamte im Auge zu behalten und eine sichere, beständige und garantierte Versorgung der Bevölkerung, mit allem was sie bedarf, mit allen notwendigen Gütern zu erreichen. [9]

Ja, dann haben wir wieder eine »Planwirtschaft«, aber kein »5-Jahres-Plan«. 🙂

Was ist dagegen einzuwenden, dass die Wirtschaftsteilnehmer den Markt beobachten, den Verbrauch notieren, die Bedürfnisse der Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, und dementsprechend die Produktion anpassen? Ist dies nicht viel ressourcenschonender als die heutige Überproduktion in der Wegwerfgesellschaft? Und wenn es sich um notwendigen Bedarf handelt, dann muss nicht jeder Rückgang an Konsum immer gleich in Arbeitslosigkeit münden, dann können die Hersteller und Industrien Arbeitskräfte je nach Nachfragelage bei »Bedarf« einsetzen (in einer Grundeinkommens-Gesellschaft). – Gewinne in bestimmten Bereichen könnten zur Finanzierung in anderen Bereichen beitragen, die ebenfalls notwendig sind, aber nur wenig »Gewinn« erwirtschaften. Das wäre dann so, als ob die Wirtschaftsteilnehmer »mitdenken«, das Ganze der Gesellschaft, der Versorgung, der Welt- und lokalen Wirtschaft sehen, die globalen Zusammenhänge mit überlegen und nicht mehr nur das kleinteilige »Hurra, ich habe für mich allein einen Gewinn erwirtschaftet und damit ist alles erreicht.« Denken.

Nun will ich noch einmal zur eingangs angesprochenen Frage, was denn das Privatleben mit der Wirtschaft zu tun hat, eingehen. Es genügt nicht mehr, nur in die Schule zu gehen, etwas zu lernen, daraus einen Beruf zu machen und ansonsten sein Privatleben zu leben. Auch wenn wir nicht verhindern können, dass es immer noch viele Menschen genauso machen, müssen wir doch einsehen, dass es ein Muss ist, sich mit »dem Ganzen« der Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wir können es nicht mehr zulassen, dass sich Berufspolitiker um die Angelegenheiten der Allgemeinheit, um unsere gemeinsamen Themen kümmern. Denn sie machen es nicht richtig. Ich will ihnen jetzt einmal keinen Vorwurf deswegen machen. Zu viele Aufgaben sind es und kein Wunder, dass diese Menschen dann überfordert sind. – Wir alle müssen uns einmischen, uns kundig machen, urteilen, was richtig ist und entscheiden, welche Wirtschaft wir brauchen, was produziert werden sollte, und was nicht, wir alle müssen diese Gesellschaften mitlenken und unsere guten Absichten mit einbringen. Dazu sind permanent Informationen von Nöten. Diese müssen über das Internet allen Bürgerinnen und Bürgern aktuell übermittelt werden. Dann haben wir die Grundlagen, um beste Verhältnisse für uns alle schaffen zu können. Und es ist eine »ewige Aufgabe«. Wenn wir uns von diesen Aktivitäten zurückziehen, stellt sich immer die Frage, wer übernimmt die Tätigkeiten? Je mehr Menschen sich in ihr Privatleben zurückziehen und die Gemeinschaftsaufgaben »anderen« überlassen, um so eher gehen wir das Risiko ein, plötzlich in einer Diktatur aufzuwachen und wir hatten es doch gar nicht gewollt. – Sicher stehen wir noch vor enormen Herausforderungen. Zum Beispiel, wie schaffen wir es, unser oftmals unterschiedliches Denken und Urteilen in »gemeinsame Entscheidungen« umzuwandeln. Aber so wie die Gründerväter der Wirtschaftswunder-Gesellschaft überzeugt waren den richtigen Weg zu gehen, so können wir das auch sein. 😉

[1]
Ludwig Erhard
»Wohlstand für alle«; 4. Auflage 1990; 1957

[2]
Christof Lindenau
»Die Keimkräfte der sozialen Dreigliederung und ihre Pflege.«; 1983

[3]
Götz Werner
»Einkommen für alle«

[11]
Rudolf Bahro
»Logik der Rettung«

[5]
[1], S. 185; Der Unternehmer kann zu der moralischen Unterbauung seiner Position nichts Besseres tun, als sichtbar bereit zu sein, das Risiko in seiner ganzen Konsequenz zu tragen und nicht in Kartelle zu flüchten, nicht im Kollektiv Schutz zu suchen.

[6]
[1], S. 249; Hier liegt ein wahrlich tragischer Irrtum vor, denn man will offenbar nicht erkennen, dass wirtschaftlicher Fortschritt und leistungsmäßig fundierter Wohlstand mit einem System kollektiver Sicherheit unvereinbar sind.

[7]
[1], S. 208; Der Tatbestand der sozialen Marktwirtschaft ist vielmehr nur dann als voll erfüllt anzusehen, wenn entsprechend der wachsenden Produktivität zugleich Preissenkungen wirksam und dann echte Reallohnsteigerungen möglich werden.

[8]
[1], S.191; Ich bin mir bewusst, dass der Angriff der Kollektivisten aller Sorten gegen die Marktwirtschaft die Unterhöhlung der Unternehmerfunktion zum Ziele hat. Wenn darum das Streben nach Kollektivbindungen sogar im Lager der Unternehmer überhandnimmt, dann wird wahrscheinlich früher als es diese Unternehmer glauben, der Zeitpunkt kommen, der auf der politischen Ebene die Frage auftauchen lässt, mit welchen Gründen denn noch privates Eigentum an den Produktionsmitteln und das freie wirtschaftliche Entscheidungsrecht des Unternehmers vertreten werden kann.

[9]
[2], Eine zu assoziativer Gesellschaftsgestaltung fortgebildete Brüderlichkeit sieht daher den zu erzielenden Gewinn allein in den finanziellen Mitteln, die in Fortführung des Lebens zur Befriedigung des jeweils vorhandenen Bedarfes nötig sind. Und nicht in dem, was auf die Dauer irgendwo in der Welt zu Not und Elend führen muss. Und sie strebt diese Art von Gewinn entweder durch ein auf plus/minus Null ausgeglichenes Ergebnis innerhalb des einzelnen Betriebes an oder – und das würde die Regel sein – dadurch, dass die in verschiedenen Betrieben sich ergebenden Über- und Unterschüsse laufend zum Ausgleich gebracht werden. ………

Indem sich die so entstandene Assoziation wiederum mit anderen Assoziationen zusammenschließt, kommt durch Zusammentragen vielfältiger Erfahrungen ein immer zutreffenderes Bewusstsein davon zustande, was die im Umkreis der einzelnen Betriebe lebenden Menschen zu ihrer Bedarfsdeckung tatsächlich brauchen.

[10]
Es ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass der Arbeitnehmer genauso betroffen ist von diesem »Risiko«, nämlich durch Entlassung und Arbeitslosigkeit. In diesem Beitrag ging es mir zwar mehr um den »Unternehmer« als Garant der Wettbewerbsidee, aber das ganze Ideenkonzept Freie Marktwirtschaft ist in seinem »Gefahrenpotential« eins zu eins auch auf die übrigen Beteiligten anzuwenden.

[4]

Wohlstand für alle – Ludwig Erhards Wirtschaftskonzept

Wirtschaft in der zeitlichen Perspektive Erhards:

  1. Ständegesellschaft – Berufsgruppen bestimmen den Angebotsmarkt.
  2. Laissez-faire – freies Unternehmertum – Liberalismus. Der Unternehmer bestimmt das Angebot und dominiert den Markt, bestimmt die Regeln. Ergebnis: Arm und Reich, politische Unruhen mit der Folge von Punkt 3.
  3. Staatliche Reglementierung. A) Planwirtschaft → Kommunismus B) Bewirtschaftung → Faschismus.
  4. Nachkriegswirtschaft in Westdeutschland. Freie Marktwirtschaft; Ludwig Erhard → Soziale Marktwirtschaft.
  5. Wirtschaftsformen 1 bis 3 sind Verkäufermärkte. Erst die 4. Wirtschaft ist ein Konsumentenmarkt.

Kernpunkte der Sozialen Marktwirtschaft:

Freie Preisbildung durch Wettbewerb, Freiheit des Unternehmers in seinen Entscheidungen, keine Kartelle (Preisabsprachen), keine Festlegung berufsrechtlicher Vorteile. Im Mittelpunkt steht der »Konsument«. Wenn alle sich dem Wettbewerb stellen, ergibt sich das beste Produkt zum angemessenen Preis von selbst und es profitiert in erster Linie der Verbraucher, Kunde, Konsument.

Diesen »Vorteil« (gutes oder bestes Produkt zum bestniedrigen Preis) nennt Erhard »sozial«. Alle profitieren von den Wirtschaftsleistungen in Form der Ergebnisse dieser Wirtschaft.

Dem gegenüber stellt er die Bewirtschaftung und insbesondere die Planwirtschaft, die »nicht funktionieren« und zu einem wirtschaftlichen Stillstand führen. Aber auch den Liberalismus verurteilt er, dessen Auswüchse ihm im Nachkriegs-Westdeutschland in Form von »Preisabsprachen« der Unternehmen und »Ständedenken« der Berufsgruppen wiederbegegnet.

Die Aufgabe des Staates, der Wirtschaftspolitik ist nach seiner Vorstellung, darauf zu achten, dass der freie Wettbewerb der Produzenten und Händler gewährleistet ist und keine »Verkäuferdominanz« zum Nachteil der Konsumenten entsteht.

Sicherheit

Der Begriff der Sicherheit, der doch eigentlich positiv besetzt sein müsste, wird von Erhard eher negativ gedeutet. »Sicherheit« wollen die Vertreter der Planwirtschaft, die »Linken«, aber auch die Unternehmer, die Berufsgruppen, die sich vor dem Wettbewerb »drücken« wollen.

Risiko wird belohnt, wenn der Unternehmer mit seinen Aktivitäten erfolgreich ist und dieser Lohn ist nur berechtigt, wenn vorher ein Risiko eingegangen wurde. Deswegen würde der Ruf nach »Sicherheit« das Recht auf »Gewinn« in Frage stellen.

Andererseits kommt zwar immer mal wieder der Begriff der »Sicherheit« auch in den Äußerungen Erhards vor, aber dann nur sehr allgemein gehalten oder verknüpft mit der Behauptung, die beste Sicherheit sei die Freiheit des Marktes und das erfolgreiche Bestehen in ihm.

Auch dem Sicherheitsstreben der Arbeitnehmerschaft erteilt er eher eine Absage, wobei ihm bewusst ist, dass diesem Ansinnen in irgendeiner Weise doch Rechnung getragen werden muss. Erhards Vorstellung ist, ständige »Expansion« und Ausbau der Wirtschaft. Diese würde gemäß des »Konsumentenhungers« immer für genügend Arbeitsplätze sorgen. Dabei muss beachtet werden, dass Ludwig Erhard direkt nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland sich für die wirtschaftlichen Belange Deutschlands engagierte und von 1949 bis 1963 in der Wirtschaftspolitik maßgeblich war. Nach einem Zustand totaler Zerstörung ist es natürlich »einfacher« ein Wirtschaftswachstum zu begleiten, bei relativ geringer Arbeitslosigkeit, als in Zeiten der Marktsättigung.

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Welche Informationen sind wichtig

Im Radio ist ein Bericht über Ägypten zu hören. Was hat sich in dem Land getan, wie ist die Entwicklung? Es werden die Umstrukturierungen im Regierungskabinett dargelegt und das die alten Seilschaften rund um Mubarak sich wieder in der politischen Führung festsetzen. Interessant.

Interessant? Sender, wie etwa der Deutschlandfunk wollen über die wichtigen Ereignisse in der Welt informieren und mit Hintergrundberichten dem Hörer ein fundiertes Wissen zu den Sachverhalten vermitteln. Dennoch kann diese Sammlung an Worten als »Datenmüll« empfunden werden, nämlich dann, wenn gesellschaftliche Prozesse in ihrem zeitlichen Ablauf nicht als beliebige Vorgänge wahrgenommen werden, sondern eine gewisse Stringenz aufweisen und einen Sinn haben müssen.

Um was geht es also in Ägypten, was ist wichtig. Es ist wichtig wie es den Bürgerinnen und Bürgern im Land geht, wurde die Armut beendet, wie geht es den Minderheiten, werden sie toleriert oder gar geachtet? Ist ein allgemeiner Wohlstand zu verzeichnen. Versorgt die Wirtschaft alle Menschen im Land in ausreichendem Maße. Haben alle Menschen Zugang zu den existenzsichernden Gütern? Ist Bildung und Ausbildung für alle garantiert.

Würden sich die Medien diesen Fragen immerzu widmen, jeden Tag, dann könnte deutlich werden, dass nicht die Politiker, die Parteien, die Staatsoberhäupter wichtig sind, sondern ausschließlich die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen, um faire, angemessene, menschenwürdige und gerechte Lebensumstände für alle Menschen in den betreffenden Gebieten zu erreichen.

Wie die aktuellen Verwalter namentlich heißen, welche politische Gruppierung gerade den gemeinschaftlichen Verwaltungsapparat dominiert, wäre völlig unwichtig, es ginge nur darum, dass sie ihre Arbeit ordentlich machen, von der wir alle wüssten, welche das ist und was da konkret als Aufgabe ansteht.

Somit ergibt sich eine unbedingte Notwendigkeit, dass die Bürgerinnen und Bürger ihr Gemeinwesen zu »ihrer Sache« machen, dass sie erkennen, welche Aufgaben, das Gemeinwesen zu erledigen hat und von denjenigen, egal wer sich gemeldet hat [1], die Ausführung der Arbeiten einfordert.

Wenn wir den Fernseher einschalten oder das Radio, werden wir also nicht über die für uns Bürger wichtigen Dinge informiert. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass wir selber wissen, was ist eigentlich wichtig in einer Gesellschaft, was müssen wir im Auge behalten.

Wenn Ludwig Erhard in den 50er Jahren »Wohlstand für alle» verkündete, dann müssen die Bürger selbst wissen, was ist für sie überhaupt Wohlstand.

amazon–Ludwig Erhard-Wohlstand für alle

Es ist heute garantiert kein »Wohlstand«, wenn die Bürger in die Zwangsarbeit getrieben werden, wie es durch die Hartz4-Gesetze geschieht. Aber es wäre Wohlstand, wenn wir dafür sorgen, dass alle Menschen im Land, mindestens in »bescheidenen, aber menschenwürdigen Verhältnissen« leben und dies dadurch garantiert ist, dass die Wirtschaft uns alle mit den notwendigen Gütern ausstattet (Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie). Diese »Grundausstattung« der menschlichen Erdenexistenz darf an keine Bedingungen geknüpft sein, die die Menschen erst erfüllen müssten. Unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat sich in den letzten Jahrhunderten dermaßen entwickelt, dass eine Versorgung der Weltbevölkerung mit diesen notwendigen Gütern problemlos möglich ist.

Damit wäre der erste Schritt zu »Wohlstand« getan. Das Absurde an der deutschen Industrie der 60er und 70er Jahre bestand ja darin, die ganze Welt mit deutschen Produkten versorgen zu wollen, was überhaupt nichts mit der Versorgung der deutschen Bevölkerung zu tun hatte. Diese war ja Ende der 60er Jahre längst gesichert. Nein, es ging darum einen wahnwitzigen Eroberungsfeldzug durchzuführen, diesmal nicht mit Waffen, sondern mit Gütern. »Made in Germany« sollte in jedem Haushalt dieser Erde vorzufinden sein. Mit »Wohlstand« der bundesdeutschen Bevölkerung hatte das schon lange nichts mehr zu tun. Deshalb mussten auch weitere Arbeitskräfte ins Land geholt werden. Die deutsche Wirtschaft hat sich sozusagen »abgelöst« von der ursprünglichen Aufgabe, nämlich die Bewohner zu versorgen. Gegenüber der Bevölkerung wurde es aber argumentativ anders verkauft. Nämlich statt den Versorgungsgrad der Menschen und die Sicherheit dieser Versorgung in den Vordergrund zu stellen, wurde ihnen suggeriert, es ginge ihnen nur gut, wenn die Firmen alle »wachsen«.

Neben der beständigen, sicheren Versorgung der Menschen mit den notwendigen Gütern, besteht »Wohlstand« in der Achtung der Menschenrechte und Grundrechte. Grundrechte, aber auch Verfassungen, Präambeln, Verträge, Erklärungen sind nichts wert, wenn sie nicht von lebenden Menschen ständig lebendig gehalten werden. Ein in völkerrechtlichen Verträgen anerkannter Passus des »Verbots von Zwangsarbeit« ist nichts wert, wenn niemand in den Ländern, in den Organisationen, wenn niemand in der Bevölkerung darauf drängt und darauf achtet, dass dieses Recht auch eingehalten wird und Alarm schlägt, wenn dies nicht der Fall ist. – »Wohlstand« ist die permanente Anerkenntnis und Durchsetzung der Menschenrechte in einem Land.

Freiheit in den geistigen Dingen. Kunst und Kultur. Bildung, Ausbildung. Wissenschaft. Der Mensch muss sich mit demjenigen, was ihm wichtig ist, in Freiheit auseinandersetzen können. (Einschränkungen ergeben sich womöglich aus den Menschenrechten.)

[1]
»Wahlsieger«, sind Freiwillige, die sich gemeldet haben, um für die Gemeinschaft Arbeiten und somit auch Verantwortung zu übernehmen. Dies ist umso interessanter, da sich mittlerweile die Beispiele häufen, dass Politiker sich weigern, Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie doch gerade dafür gewählt wurden. – Jüngste Beispiele sind in Berlin zu verzeichnen. Für das Flüchtlingscamp will niemand zuständig sein und niemand aus der politischen Verwaltung will die Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft genehmigen.

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Sichtweisen

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Warum tut sich die Schweiz das an? In den vergangenen Abstimmungen haben wohl etliche Stimmbürger der Denkzettelpolitik gehuldigt: einen Protest zu markieren und im Inneren zu hoffen, dass die Vorlage dann schon abgelehnt wird. Wie der sehr knappe Ausgang der Abstimmung zur Masseneinwanderung zeigt, ist das gefährlich – manch einer wünscht sich in der Zwischenzeit wohl, er hätte doch eher Nein gestimmt. Die Denkzettelpolitik ist eine Missinterpretation der direkten Demokratie und führt in die organisierte Verantwortungslosigkeit. In einer Demokratie sollen nicht Denkzettel verteilt, sondern verantwortungsvolle Entscheide gefällt werden.

Die Gründe, warum die Bürger bei konkreten Fragestellungen, die eine oder die andere Entscheidung präferieren, kann niemand im Einzelfall herausarbeiten wollen. Wozu? Das geht niemanden etwas an, warum ein Staatsbürger sich für oder gegen etwas ausspricht. – Vielmehr muss bei diesem Unterfangen die Absicht angenommen werden, die Motive der Bürger zu diskreditieren. Vielleicht um einmal vom Volk getroffene Entscheidungen wieder zurücknehmen oder sie als »wertlos« erklären zu können. – Interessant ist ja, dass die Gegner der Volksentscheide hier am »Suchen und Wühlen« sind, um Verwertbares gegen die Bevölkerung zusammentragen zu können. – Es geht ihnen darum, die Autonomie und Selbstkompetenz (»Ich habe entschieden.«) relativieren zu wollen.

Dabei sind sich die Sprücheklopfer in aller Regel nicht bewusst, dass nicht Beamte, Bauern oder Gewerkschafter Arbeitsplätze, Einkommen und Wohlstand schaffen, sondern die Wirtschaft. Sie ist es auch, die Steuern generiert – bezahlt von den Unternehmen selbst und ihren Lohnbezügern. Die Wirtschaft trägt den Staat.

Das ist ein schönes Beispiel, wie die Bedeutung der Wirtschaft »verdreht« wird, falsch dargestellt wird, zu Lasten von uns allen. Es geht ja eben nicht darum, dass die Wirtschaft Arbeitsplätze, Einkommen und [somit] Wohlstand erzeugt. Dass die Wirtschaft Arbeitsplätze schafft, ist ein Nebeneffekt der eigentlichen Aufgabe, nämlich uns alle mit den benötigten Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Nur darum geht es. Und dieses Versorgen geschieht über »Arbeit«. Wenn aber die Versorgung in weiten Teilen auch »ohne Menschenarbeit« möglich ist, dann genügt das auch. (Zum Beispiel mit überwiegend roboterisierten Produktionsstraßen, automatisierten Arbeitsabläufen und computerisierten Verwaltungen.)

Weder brauchen wir Arbeitsplätze, noch brauchen wir Einkommen zwingend, um »Wohlstand« zu haben. Denn wir brauchen allein die Produkte und Dienste (je weniger Menschen dafür »arbeiten« müssen, um so besser für uns alle, weil wir die sich daraus ergebende freie Zeit anderweitig verwenden können) und freien Zugriff darauf (Geld ist doch nur eine Beschränkung dieses Zugriffs. Denn nicht jeder hat Geld, oder viele haben zu wenig Geld).

Auch trägt nicht »die Wirtschaft den Staat«, sondern die Bürger sind verantwortlich für ihr Gemeinwesen. Und etwas, das ihren Vorstellungen nicht entspricht, werden sie nicht unterstützen wollen. Die Wirtschaft hat zwar eine wichtige, aber dann doch untergeordnete (vielleicht auch gleichwertige) Bedeutung. Es ist alleinige Aufgabe der Wirtschaft, die zuverlässige, sichere und langfristige Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Alle übrigen Fragen, die bedeutsam für ein Gemeinwesen sind, müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst beantworten. Übrigens nützt es auch nicht wenn, nach Meinung des Autors, die Wirtschaft den Staat »trägt«, aber die Menschen kein Geld haben, um sich die Wirtschaftsprodukte zu leisten und dadurch die Unternehmen in Konkurs gehen.

Deshalb muss vom Staat per Gesetz geregelt werden, wer alles Zugriff auf die Wertschöpfung der Wirtschaft hat. Und das müssen immer alle Menschen in der Gemeinschaft sein. Deshalb müssen diese Menschen mit Rechten [1] ausgestattet werden, sich die existenzsichernden Güter nehmen zu dürfen.

[1]
Dieses »Recht« ist gemäß unserer gesellschaftlichen Absprachen, Geld.

gesell-arkl

Verständigung und Gestaltung des Staates durch alle relevanten Kräfte

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Maduro, der Capriles 2013 bei der Präsidentschaftswahl knapp besiegte, nannte Frieden und Gewaltlosigkeit als einzig möglichen Weg. Darin würde selbst die Opposition ihm zustimmen. Doch dann hört die Gemeinsamkeit auf, denn beide Seiten schieben sich gegenseitig die Schuld für die Gewalt zu. Eine klassische Patt-Situation.

Weil es nicht damit getan ist, dass eine Seite regiert. Heute ist das Parlamentarische System Hauptursache für Bürgerkriege, Mord und Totschlag. Diese Art »Demokratie« befördert die Vormachtstellung einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen zum Nachteil der anderen. So kann kein Zusammenleben funktionieren.

Demokratie darf nicht einzelne Gruppen in den Gesellschaften bevorteilen. Statt Demokratie brauchen wir »gemeinsame gesellschaftliche Gestaltung«.

Gemeinsame gesellschaftliche Gestaltung muss sich an verbindlichen Parametern orientieren, die das Zusammenleben aller Menschen in den Gebieten ermöglicht und sich in erster Linie an den Menschenrechten und sonstigen zwischenstaatlichen Vereinbarungen ausrichtet, die zum Beispiel die UNO-Organisationen erarbeitet haben.

Erstes Ziel gemeinsamer gesellschaftlicher Gestaltung muss es sein, allen Menschen im Zuständigkeitsgebiet ein Leben ohne Armut zu ermöglichen. Und zwar dauerhaft. Jede »Nation« muss dahingehend einen Pakt mit den örtlichen Wirtschaftsteilnehmern schließen, dass diese in vollem Umfang und dauerhaft diese Versorgung für alle ansässigen Menschen gewährleistet.

Pakte, die in diese Richtung gehen, sind realistisch und sachlich angemessen und wären für Länder wie Venezuela, Ukraine, für viele afrikanische und asiatische Länder sofort umsetzbar. – Stattdessen bekämpfen sich die beteiligten Gruppen, in dem sie ihre eigenen Perspektiven ideologisch vertreten und mit Feindbildern leben. – Aber die Frage muss sein, wie leben wir alle gemeinsam und welche Aufgabe hat dabei die Wirtschaft.

Wachstumskurs

Gerade in den Nachrichten im Deutschlandfunk: »Deutschlands Wirtschaft ist auf Wachstumskurs«. Aber ist das wichtig.

Was ist wichtig für unsere Gesellschaften. Das wir weiter wachsen? Wohl kaum. Vielmehr müsste es darum gehen, die notwendige Produktion zu verstetigen und allen Menschen einen guten Lebensstandard mit guter Versorgung zu ermöglichen. Aber davon kein Wort. Und das im Öffentlichen Rundfunk. Ist das Propaganda?

Ein »freies Radio« gibt es nicht in Deutschland. Wohl liegt es daran, dass es finanziert werden müsste. Aber der Hauptgrund wird sein, dass niemand Ideen hat, wie die Gesellschaft gestaltet sein soll, denn dann hätten die Leute eine Mitteilung zu machen. Aber nix da. 😐

Geplante Wirtschaft, vorausschauend produzieren

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Die Regierungen, die Sachverständigen, Fachleute und Wirtschaftsjournalisten lassen die Bevölkerung im Stich, wenn es darum geht zu formulieren, was Wirtschaft überhaupt leisten soll, für eine Gemeinschaft, für die Menschen.

Die jüngste Formschwäche Labours hat primär mit dem unvermittelten Einsetzen einer wirtschaftlichen Erholung seit Jahresbeginn zu tun, die mit einer deutlichen Aufhellung der Konsumentenstimmung einhergeht. Der Aufschwung erlaubt es der konservativ-liberalen Regierung, triumphierend zu erklären, ……………

Die ständig in Anwendung befindlichen Begriffe beschreiben nicht die Notwendigkeiten einer Wirtschaft für die Allgemeinheit.

»Erholung, Aufhellung, Stimmung, Aufschwung« beschreiben ein Auf und Ab von unberechenbaren Vorgängen. Ist das die Wirtschaft? Muss sie so sein. Jetzt hörte ich in einem Radiobeitrag die Sprecherin formulieren, »Wir brauchen Wachstum, damit die Jugend wieder eine Zukunft hat«.

Alle diese gebetsmühlenartig wiedergekauten Behauptungen werden von den meisten Menschen wahrscheinlich nie in ihrem Aussagegehalt geprüft, denn es ist doch die allgemein vorherrschende Meinung. Wozu da noch selber denken. …..

Der Staat soll unter Miliband aktiv in «versagende» Märkte eingreifen, Löhne und Arbeitsmärkte regulieren, Kleinunternehmen zulasten von Konzernen fördern und die Versorgung der Gesellschaft mit wichtigen Gütern direkt an die Hand nehmen. Miliband versprach etwa das Einfrieren der Strom- und Gaspreise bis Anfang 2017, das Angebot von Ganztagesschulen, den Ausbau des nationalen Gesundheitsdiensts und den Bau von 200 000 Häusern pro Jahr.

Die Unberechenbarkeit der wirtschaftlichen Vorgänge wird erklärt mit dem Markt, den dort gültigen Gesetzen, denen wir uns zu beugen haben. Aber die ganz Wirtschaft ist doch ein Konstrukt von uns Menschen, also beeinfluss-, kontrollier- und steuerbar. Dargestellt wird es aber so, als ob die dort getroffenen Entscheidungen nicht anders möglich seien und wir den Vorgängen schicksalhaft ausgeliefert sind.

Nichts muss in der Wirtschaft von »Schwüngen, Stimmungen« und »organischen« Befindlichkeiten abhängig sein. Wirtschaft ist in allen Bereichen steuerbar, planbar, wie in einer »Planwirtschaft«. Und so dumm war das gar nicht, was sich die Sozialisten da überlegt hatten. Richtig ist nämlich, dass alle Menschen einer Gemeinschaft beständig, regelmäßig, mengenmäßig berechenbare Einheiten an Nahrung, Kleidung, Energie und Wohnfläche brauchen. Dazu ist weder »Erholung, Aufhellung, Stimmung oder Aufschwung« nötig, geschweige denn der immer wieder beschworene Fetisch »Wachstum«. Wachstum braucht man dann, wenn eine vorher berechnete Menge an materieller Versorgung nicht ausreicht und tatsächlich mehr Produktion gebraucht wird. Aber die Zeiten sind zumindest in Europa und Nordamerika und auch in weiten Teilen Asiens schon längst vorbei. Eine Überproduktion findet statt und zwar deshalb, weil die damit generierten Einkommen, aber nicht mehr die Produkte gebraucht werden.

Was hindert uns also daran, die Versorgung der Menschen stabil, verlässlich und planbar zu gestalten. Die Angst vor dem Sozialismus, der in dieser Idee steckt? Warum sollten wir nicht neben einer geregelten Versorgung aller Menschen in allen Gebieten dieser Erde nicht auch zusätzlich noch so etwas haben wie einen Markt für allerlei Schnickschnack und allem, was über die Grundversorgung hinausgeht?

Aber denken muss man es doch erstmal. Denken. Und sich nicht zuquasseln lassen, auf allen Kanälen des Berieselungfunks, von Regierenden und solchen, die es werden wollen, von »Fachleuten«, Sachverständigen und Wirtschaftsjournalisten. Alle plärren sie immer das Gleiche, und derweil werden die Verfassungen der Gemeinschaften immer schlechter, aber keiner von diesen Naseweis kommt doch auf die Idee, dass es vielleicht an ihren begrenzten Vorstellungsvermögen liegen könnte.

Frau Merkel sprach in ihrer Neujahrsansprache am 31. Dezember 2012 über die Verfassung unserer Gemeinschaft, die wirtschaftliche Lage, die Situation in der die Menschen leben. Sie hat dabei meiner Meinung nach die Situation in der wir leben falsch dargestellt und erschwert dadurch unser aller Leben. Gerade unsere geistige Elite (wenn es denn eine gibt) und unsere bedeutenden Kulturschaffenden (wenn es sie denn gibt) äußern sich viel zu wenig zu der Verfasstheit unserer Gesellschaft und formulieren keinen Gegenentwurf für den es sich lohnen würde sich einzusetzen. Natürlich gibt es diesen Gegenentwurf in Form eines Bedingungslosen Grundeinkommen (bGE). Aber selbst wenn ich davon absehe, ob unsere Geistig- und Kulturschaffenden sich für ein bGE oder für sonst irgendetwas anderes einsetzen, nein, es gibt sie überhaupt nicht, diese Gruppe. Es besteht seit einigen Jahren ein Vakuum an geistiger Teilnahme. Die Gesellschaft steuert wie eine führerlose Barke auf einen Taifun zu. Die Kapitänin ist berauscht von ihrer Allmacht, in einer »Weitersolaune«, großzügig hinwegschauend über alle Warnzeichen.

http://goo.gl/Rno5IN

Es sind Gewerkschafter und Unternehmer, die gemeinsam für die Sicherheit der Arbeitsplätze arbeiten.

Wenn wir alle einmal darüber nachgedacht haben, was der eigentliche Zweck von Wirtschaft nur sein kann, dass müsste es eigentlich einsichtig sein, dass es niemals darum gehen kann »Arbeitsplätze« sicher zu machen, sondern es kann höchstens darum gehen, die »Versorgung der Bevölkerung« sicher zu machen. Die Versorgung der Bevölkerung ist aber sicher. Darüber sagt Frau Merkel kein Wort. – Oder ist unsere Versorgung mit 300 verschiedenen Brotsorten gefährdet?

http://www.grossbaecker.de/verbraucher-infos/brotvielfalt/

Sie und viele mehr machen unsere Gesellschaft menschlich und erfolgreich. So wurde es möglich, dass wir in diesem Jahr die niedrigste Arbeitslosigkeit und die höchste Beschäftigung seit der Wiedervereinigung hatten.

In Deutschland spielt die »Beschäftigung« und »Arbeitslosigkeit« bei er Versorgung der Bevölkerung überhaupt keine Rolle. Warum? Weil die benötigten Mitarbeiter, um die Grundversorgung zu garantieren, immer vorhanden sind. Sie werden über den Arbeitsmarkt rekrutiert. Das Problem ist, dass wir zu viele Menschen haben, die ein Einkommen benötigen, es aber zu wenig Arbeit gibt, um Einkommen auszahlen zu können. »Einkommen und Arbeit« werden von der Regierung künstlich zusammengepackt, zusammengeschnürt, um den Eindruck zu erwecken, nur so sei der Mensch berechtigt, Einkommen zu erhalten. Dies ist aber die Unwahrheit. Wenn die Versorgung aller Menschen technisch und durch die Zahl der Mitarbeiter gewährleistet ist, dann müssen alle Personen auf die zur Existenzsicherung benötigten Güter zugreifen können, egal ob sie ein Arbeitseinkommen haben oder nicht.

Das bedeutet für viele hunderttausend Familien, eine sichere Zukunft zu haben und Anerkennung zu erfahren.

Eine »sichere Zukunft« haben wir Menschen eben nicht durch »niedrige Arbeitslosigkeit« und »hohe Beschäftigung«, wie es Merkel suggerieren will, sondern durch eine »sichere Versorgung« der Bevölkerung mit den notwendigen Gütern. Darauf muss eine Regierung achten!
Da also eine Begründung, warum wir überhaupt noch so großen Wert auf »Beschäftigung« legen sollen, nur noch schwer anzubringen ist, wird ein Argument »nachgeschoben«, wodurch Beschäftigung mehr zu »Beschäftigungstherapie« wird: Anerkennung erfahren. Aber was sorgt sich die Kanzlerin darum, wodurch wir Menschen Anerkennung erfahren. Geht sie diese privaten Dinge der Menschen überhaupt etwas an? Nein, angesprochen wird das, um zu begründen, warum Hartz4-Sanktion notwendig sind, aus der Sicht der Befürworter dieser Gesetze. Man meint es ja nur gut mit seinen Untertanen. Nicht wahr. 😐

Und das bedeutet für unsere jungen Menschen die Sicherheit, eine Ausbildung, einen Arbeitsplatz und damit einen guten Start ins Leben zu haben.

Hier werden bewusst die Menschen auf eine falsche Fährte gelockt. Es wird behauptet, dass »Sicherheit« mit dem Besitz eines Arbeitsplatzes verbunden ist. Dies ist aber die Unwahrheit. »Sicherheit und einen guten Start ins Leben« habe die Menschen dort, wo sie stabil und beständig immer Zugriff haben, auf die existenziell notwendigen Güter die da sind: Nahrung, Kleidung, Wohnen und Energie.

Dennoch weiß ich, dass viele natürlich auch mit Sorgen in das neue Jahr gehen. Und tatsächlich wird das wirtschaftliche Umfeld nächstes Jahr nicht einfacher, sondern schwieriger. Das sollte uns jedoch nicht mutlos werden lassen, sondern – im Gegenteil – Ansporn sein.

Auch hier wird der Bevölkerung weißgemacht, die Unzuverlässigkeit der Wirtschaft, die Menschen mit »Erwerbseinkommen« zu versorgen, sei »normal«. Wirtschaft sei halt unberechenbar. Aber das ist eine unrichtige Behauptung. Wirtschaft kann sehr wohl verlässlich handeln, produzieren, Güter und Dienstleistungen bereitstellen. Man muss sie nur auf diesen Weg hin ausrichten und die Rahmenbedingungen entsprechend schaffen, was wiederum Aufgabe der Politik wäre.

Für unser Land bedeutet Forschung Arbeitsplätze. Wenn wir etwas können, was andere nicht können, dann erhalten und schaffen wir Wohlstand.

Diese Aussage ist besonders krass in ihrer Abstrusität. Wohlstand gäbe es nur dann, wenn wir »etwas können, was andere nicht können«. Mit anderen Worten nur der ewige »Wettbewerb«, die Konkurrenz, das Besserseinwollen soll in der wirtschaftlichen Ausrichtung unsere Maxime sein. Ist das nicht pervers? Kann man nicht in Frieden, ohne Industriespionage, und ohne »ewige« Olympiade die Welt gemeinsam gestalten und mit allem versorgen, was wir Menschen brauchen? – Ohne permanente Kampfeshaltung kann sich Merkel den Bürger nicht vorstellen.

Wir brauchen für unseren Wohlstand und unseren Zusammenhalt die richtige Balance. Wir brauchen die Bereitschaft zur Leistung und soziale Sicherheit für alle.

Und dieser Hinweis durfte natürlich auch nicht fehlen, steckt in ihm doch der unverhohlene Tadel an die Arbeitslosen, sie würden nicht »bereit zur Leistung« sein. Auch das ein an den Haaren herbeigezogener Unfug, wenn man sich anschaut wie ständig in allen Branchen tausende von Menschen immer wieder entlassen werden. Wo soll da jemand »schuld« an dieser seiner Situation sein? Und dass sich niemand wie einen Lumpen behandeln lassen möchte, nachdem man vielleicht einen respektablen Arbeitsplatz, den man viele Jahre inne hatte, verloren hat, um sich dann von den Arbeitsämtern zu zeitlich befristeten, unterbezahlten, unattraktiven Jobs nötigen zu lassen, ist doch mehr als verständlich.

Frau Merkels Staat ist eigentlich ein Alptraum. Man muss es bloß merken. 🙂

PS: Habe gerade noch mal nachgeschaut. Bei ALDI. Die Regale sind voll! Die Grundversorgung ist gesichert. (Wie es bei LIDL ausschaut, weiß ich nicht. Es wird aber ähnlich sein. Bei ALNATURA, Basic ist es ähnlich. Somit sind auch die Reichen, Bundestagsabgeordnete, »die GRÜNEN«, etc. versorgt.

Sogar Sonderangebote werden gemacht. Allerdings geht das »breite Sortiment« immer mehr zurück. In den Stadtteilen verschwinden die großen Anbieter von Komplettbedarf, wie Kaufhof, Karstadt, oder Woolworth, stattdessen hat man einen »Chinesen« der den Woolworth ein bisschen ersetzt. Aber dafür gibt es das breite Sortiment dann bei den Online-Händlern. Den vielen Leerstand haben wir allerdings wieder unserer schlechten Regierung zu verdanken. Stichworte wären: Bodenreform, Erbschaftssteuer reformieren und natürlich Bedingungsloses Grundeinkommen.

Dass wir uns also »Sorgen machen« müssen, wie Frau Merkel erzählt, liegt in erster Linie daran, dass die Versorgung mit »Einkommen« unsicher ist. Und nicht die Versorgung mit Waren. Für die Grundversorgung müssen aber alle Menschen Waren und Dienstleistungen erhalten, sonst können sie nicht in Ruhe ihr Leben gestalten.

for-all-a

Wirtschaft, Gesellschaft – oder besser Gemeinschaft

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Andererseits war und ist der Kapitalismus auch dazu bereit, sich schamlos beim Sozialismus zu bedienen, wenn es um den Ausgleich zwischen den Gewinnern und Verlierern geht oder zwischen den mehr oder weniger Dynamischen.

Hhmm. Wenn das Mal nicht eine verunglückte Formulierung ist. »Schamlos beim Sozialismus zu bedienen«. Was‘n das? Profit ist eine Größe, die auf Kosten anderer Menschen, deren Gesundheit, Lebensplanung, Eigenständigkeit entsteht? Ist das gemeint. Oder entsteht aus gemeinschaftlicher Arbeit eine Wertschöpfung, die geteilt gehört.

Die etwas unbequeme These der drei Ökonomen lautet nun, dass die Schmusekissenvariante ohne die Knallhartausgabe gar nicht bestehen kann. Zwar würden beide kapitalistischen Subsysteme ungefähr das gleiche Wachstum generieren, aber entscheidend sei das Wachstum des vor allem von den USA verfolgten Wirtschaftsmodells. Das ziehe die anderen quasi mit. Und das hänge wiederum mit der technologischen Führungsrolle der Vereinigten Staaten zusammen. Cut throat bedeute, dass die Gesellschaft insgesamt reicher, aber auch ungleicher sei. Wobei aus der Ungleichheit wiederum der Anreiz stammt, erfindungsreich zu sein und den technologischen Wandel voranzutreiben. Cuddly heißt dagegen, dass mehr Gleichheit mit weniger Wohlstand erkauft wird, wobei das größere Maß an Sozialversicherung den Mangel an Reichtumsverheißung ersetzt.

Da liegt doch der Hase im Pfeffer. »Größeres Maß an Sozialversicherung« versus »Reichtumsverheißung«. Wen interessieren den heute »Reichtumsverheißungen«. Ein Popanz, wenn man sich mal die armseligen Reichen anschaut. Sie müssen sich verstecken, weil sie sonst entführt werden, erleiden schlimmste Erkrankungen, die medienwirksam zu ihrem Ende führen, oder schaffen sich zu Tode. Beziehungsweise verbringen ihr Leben als »Stars« in Einsamkeit. Reichtumsverheißung ist doch eine Lüge. Gerade USA. Dann noch die eigene Tochter verlieren, weil sie justament einem Amokschützen in der Schule begegnet ist. Oh je.

»Mehr Gleichheit mit weniger Wohlstand«. Meint der Autor den bis heute von den Politikern heruntergewirtschafteten Staat »Deutschland«. In dem es seit 30 Jahren nur noch bergab geht? Mehr Gleichheit in Armut OHNE eine noch einigermaßen funktionierende Versicherung. Sei es Rentenversicherung, Arbeitslosen- oder Krankenversicherung (der Tod wegen Untersorgung mit ausreichend gesundheitlicher Unterstützung ist heute durchaus möglich).

Der Autor lügt! So dreist? Ich weiß nicht. Vielleicht hat er wirklich keine Ahnung oder ist ein »Systemstabilisierer«.

Aber wenn die drei Ökonomen recht haben ……………

Sie haben nicht recht. 🙂

Wirtschaft, Arbeit, Wohlstand

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Aber: Auch ein naiver Konsum treibt die Wirtschaft an. Würde hingegen die konservative Verzichtshaltung politisch ernst genommen, führte sie zu wirtschaftlicher Stagnation, steigender Arbeitslosigkeit, schrumpfendem Wohlstand. In der konservativen Traumwelt stört das aber nicht. Denn da sitzt man ja genügsam in karger Stube und rezitiert leise vor sich hin Goethe.

Doktor Gutzmers Schlussfolgerungen sind ja auch »naiv«.

Klar muss eine Versorgung mit allem Notwendigen für die Menschen durch die Wirtschaft geleistet werden. Aber darüber hinaus doch nur in dem Maße, wie es Sinn macht.

Wirtschaftliche Stagnation, steigende Arbeitslosigkeit, schrumpfender Wohlstand ist keine »logische« Kette. Wenn wir uns auf Güter besinnen, die uns am wichtigsten sind, kann es sich durchaus ergeben, das wir weniger arbeiten brauchen und wir können unseren selbstdefinierten Wohlstand sorgenfrei genießen. Bei Alexander Gutzmer schimmern aber weitere Erfordernisse durch. – Anforderungen, die man dann anderen Menschen zumuten darf?